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Amtliches Organ für Siaöi- unö LanöKreis Banau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Nr. 9 Mittwoch den 12. Januar 1898

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Hierzu

^Amtliche Beilage" Nr. 4.

Amtliches. ^anöltr<?t0 ^anau.

Bekanntmachungen des Königlichen Landrath samtcs.

Unter dem Viehbestände des Landwirths Johannes Schmidt in Rüdigheim ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen; es wird daher bis auf Weiteres dir Orts­und Gemarkungssperre für Rüdigheim wieder angeordnet. Das Durchtreiben von Wiederkäuern und Schweinen durch den Ort und vie Gemarkung Rüdigheim ist sonach verboten.

Die Bestimmungen der Bundesraths-Jnstruktion zur Aus­führung des Reichsviehseuchengesetzes (Reichsges.-Blatt für 1895, Seite 358 ff.) §§ 58, 59 ff. sind genau zu beachten.

Die Herren Ortsvorstände wollen Vorstehendes sofort ortsüblich bekannt machen.

Hanau am 12. Januar 1898.

Der Königliche Landrath

V. 369 v. Schenck.

Eröffnung des preußischen Landtags.

Berlin, 11. Januar.

Der preußische Landtag wurde heute vom Minister­präsidenten Fürsten zu Hohenlohe mit folgender Thron­rede eröffnet;

Erlauchte, edle und geehrte Herren von beiden Häusern des Landtages! Seine Majestät der Götter und König haben mich beauftragt, den Landtag der Monarchie in Allerhöchst- ihrem Namen zu eröffnen.

Die Finanzlage des Staates hat sich seit der letzten Tagung, namentlich infolge der anhaltenden Steigerung der Erträgnisse aus den meisten Staatsbetrieben, fortgesetzt günstig gestaltet. Das am 1. April v. I. abgeschlossene Rechnungsjahr hat einen höheren Ueberschuß als das Vorjahr ergeben. Ebenso kann für das laufende Rechnungsjahr ein erheblicher Ueberschuß, wenn auch nach den bisherigen Schätzungen nicht in gleicher Höhe, erwartet werden. Der Staarshaushaltsetat für 1888/99 hält in Einnahme und Aus­gabe das Gleichgewicht. Die gesteigerten Einnahmen haben es gestattet, für fast alle Zweige der Staatsverwaltung Mehr­aufwendungen in größerem Umfange in Aussicht zu nehmen. Bei reichlicher Bemessung der Mittel zur Deckung dauernder Ausgaben haben insbesondere die einmaligen und außerordent­lichen öffentlichen Bedürfnisse eine weitgehende Be­rücksichtigung finden können.

Ferrilletsir.

Deutscher Astend" des Schutvereins (Frauengruppe.)

Hanau, 12. Januar.

Eine hohe, edle Aufgabe ist es, die sich der Verein zur Erhaltung des Deutichthums im Auslande gestellt hat und die große Zahl der Anhänger dieses Vereins gibt den besten Beweis, in welch hohem Maße seine Bestrebungen in den Herzen echter Deutschen Anklog finden. Allüberall, wo ein solcher Verein ins Leben getreten ist, allüberall, wo man an die Liebe und die Opferfreudigkeit der Deutschen appe flirte, da hielt es nicht schwer, die weitesten Kreise für ihie Brüder im Auslande zu interessiren und die Thätigkeit und der Wirkungskreis dieser Vereine wuchsen naturgemäß im selben Maße wie die Noth der germanischen Stammes- genosscn außerhalb der Grenzen Deutschland zunahm. So auch bei der hiesigen Gruppe: Immer mehr Herzen waren es, die sich der guten, der deutschen Sache erschlossen, immer mehr ^ände, die Stein zu Stein fügten zum großen Baue der Brüt er liebe und der Erfolg lohnte reichlich die edlen Bestrebungen. Es kann nicht Jedem geholfen werden, der draußen im großen Strome fremdländischer Sitte und An­schauung!» um Hilfe schreit und das Wollen wird manchmal hinterm Können zurückbleiben, aber der freudige <?iftr, mit dem Tausente dem hohen Zwecke dienen, ist die beste Gewähr, daß der Erfolg die Mühe krönen wird, denn die nationale Liebe ist eine Tugend, die dem Deutschen auch in den Zeiten der schwersten Prüfungen nicht abhanden gekommen ist und was der Deutsche liebt, dem bringt er mit freudigem Muthe die größten Opfer. Aber auch gerade jetzt ist dies eine nationale

, Der Ihnen alsbald zugehende Entwurf eines Gesetzes be­treffend den Staatshaushalt wird die gesetzliche Feststellung von Grundsätzen für die Veranschlagung, Führ­ung und Kontrolle des Staatshaushalts vor­schlagen. Der Entwurf steht überall auf dem Boden des ver­fassungsmäßigen Rechtszustandek; er beabsichtigt im Wesent­lichen Grundsätze zusammenzufassen und auszugestalten, die schon seither bei der Verwaltung der Einnahmen und Aus­gaben des Staates, theils in Anschluß an Verwaltungsvor- schnften, theils in thatsächlicher Uebung befolgt, in einzelnen Fragen auch bereits mit dem Landtage vereinbart worden sind. Die gesetzliche Festlegung dieser Grundsätze wird dazu dienen, die Sicherheit und Gleichmäßigkeit ihrer Handhabung zu ge­währleisten und mehrfach heroorgetretene Zweifel und Schwierig­keiten zu beseitigen.

Nach den bisherigen Erfahrungen stehen die durch die Stellung der Amtskautionen dem Staate erwachsenden Vortheile nicht im richtigen Verhältniß zu den Kosten und Weiterungen ihrer Verwaltung und den wirthschaftlichen Lasten, die dadurch den Beamten auferlegt werden. Es soll daher die behufs Sicherung der Ansprüche des Staates bestehende Verpflichtung der Beamten zur Stellung von Kautionen im Wege des Gesetzes allgemein aufgehoben und damit eine erhebliche Erleichterung der betreffenden Beamtenklassen herbei­geführt werden.

Ihre verfasfuvgsmäßige Mitwirkung wird zu einer Neu­regelung und Verbesserung des Diensteinkommens der Geistlichen beider Konfessionen in Anspruch genommen werden, welche nicht ohne Bereitstellung weiterer staatlichen Mittel zu enci^en ist.

Die SteUu.;y-to-^vtu a 12 o'^n»^... r^ie versiläten entbehrt zur Zeit der gleichmäßigen und zum Theil überhaupt einer ausreichenden rechtlichen Grundlage, sodaß eine gesetzliche Regelung dieser Verhältnisse angezergt ersch-int.

Wegen Erweiterung desStaatseisenbah«- Netzes, Förderung der Kleinbahnen und Verbesserung der Wohnungeverhäitnisse der ständigen Arbeiter und unteren Be­amten wird Ihnen auch in dieser Tagung ein Gesetzentwurf vorgelegt werden.

Die erfreuliche, insbesondere seit Errichtung der Central- genossenschaftskasse in raschem Fortschreiten befind­liche Entwickelung des Genossenschaftswesens macht eine noch­malige Erhöhung des Grundkapitals der Kasse erforderlich. Diese soll hierdurch in den Stand gesetzt werden, noch mehr als bisher den Ansprüchen der sich ununterbrochen vermehren­den wirthschaftlichen Organisationen der Mittelklassen in Stadt und Land zu genügen.

Zur Fortführung des A n s i e d l u n g s w e r k e s in den P-ovinzen Posen und W e st p r e u ß e n wird eine Er- Pflicht. Denn seitdem das deutsche Reich machtvoll erstanden ist, findet es Neid und Mißgunst überall und unseren Stammesgenossen draußen in der Welt, die sich und ihren Kindern deutsche Sprache und Art erhalten wollen, tritt man feindselig entgegen. 'Ja, in unserer nächsten Nachbarschaft, in jenem Oesterreich, das nur durch das Deutschthum, durch deutsche Arbeit und Kultur geschaffen und groß geworden ist, will man eben dieses Deutschthum erwürgen und Leben und Gut unserer Volksgenossen war kürzlich der rohen Gewalt des tschechischen Pöbels preisgegeben. Da gilt es nun für uns Theilnahme zu zeigen, werkthätige Hilfe zu äußern. Vor allem gilt es mitzuhelfen an der Erhaltung deutscher Schulen außerhalb des Reiches; denn nur, wenn schon in die Kindes­seele deutsch-nationales Empfinden gelegt wird, werden M änner und Frauen erwachsen, die an unserem Volksthum mit treuer Liebe festhalten. Don diesem Gedanken wird der Verein zur Erhaltung des Deutschthums im Auslande (Schul- verein) geleitet, dessen Frauengruppe zur Unterstützung dieser edlen Bestrebungen gestern im Saale der Centralhalle einen Deutschen Abend" verunstaltete, der Besucher in großer Zahl herbeigeführt hatte. Als Hauptnummer des Programms war eine Rezitation des Herrn Dr. Rud. P r e s b e r aus Frank­furt a. M. vorgesehen. Was Wunder also, wenn die er­wartungsvolle Spannung eine besonders große war, denn der Ruf des beliebten Dichters und Journalisten hat schon lange die Grenzen seiner Vaterstadt überflügelt. Ein wirkungsvoller fein auf gebauter Prolog, der in beredten Worten Zweck und Ziele des Vereins schilderte, und in einer Form und Inhalt würdigen Weise von Frl. Alberti vor getragen wurde, leitete denDeutschen Abend" ein. Ein darauf folgendes, von Herrn Emailemaler Hardt gestelltes Tableau, Bis- marck, den Schmied der deutschen Einheit, darstellend, gab das bekannte Bild in vortrefflicher Weise wieder und mußte dem freudig bewegten Publikum wiederholt gezeigt werden.

höhung der durch Gesetz vom 26. April 1886 bewilligten Mittel beabsichtigt. Ein daraus bezüglicher Gesetzentwurf wird j Ihnen unverweilt zu gehen.

In großen Theilen der Provinz W e st f a l e n und einiger angrenzender rheinischer Kreise entspricht die Einführung ; eines unmittelbaren gesetzlichen Ane rbenr echts den Rechtsanschauungen, Erbgewohuheilen und wirthschaftlichen Bedürfnissen der Bevölkerung. Es ist deshalb eine Aus­dehnung des gesetzlichen Anerbenrechts auf diese Gebiete in Aussicht genommen.

Die durch Hoch wasser in verschiedenen Theilen ds Landes letzthin derbeigeführren bek-azenswerthen Verheer­ungen haben das landesväterliche Herz Seiner Majestät des i Kaisers und Königs tief bewegt. Die Staatsregierung hat die zur Linderung der ersten Noth und behufs Ausführung der unaufschiebbaren H rstellungsarkeiten nothwendige« Maß­nahmen ungesäumt getroffen und die sogleich erforderlichen Mittel, in Voraussetzung der verfassungsmäßigen Zustimmung des Landtages, flüssig gemacht. Nachdem es hierdurch und mit Hülfe der aus allen Theilen Deutschlands eingegangenen, überaus dankenswerthen, reichen Spenden gelungen ist, dem dringendsten Bedürfniß vorläufig abzuhelfen, bedarf es nun­mehr noch der Bereitstellung weiterer öffentlichen Mittel zur Beseitigung der Verheerungen und ihrer Folgen. ' Ein bezüg­licher Gesetzentwurf wird Ihnen unterbreitet werden. Zur dauernden Sicherung der betreffenden Lavdestheile gegen Ueberschwemmungsgefahren sind Erörter­ungen eing-leitet, welche die Regulirung der in Betracht kom­menden Flußläuse, deren planmäßige Unterhaltung, sowie sonstige, eine geregelte Wasserabführung erleichternde Einricht­ungen bezn '--mrrnTc~-^v-^.rt-r Wringe"Nusguoi.rz yurmi uti csfimgr- Die Regierung Seiner Majestät rechnet dabei auf Ihre ver- ständnißvolle, patriotische Unterstützung. Möge die gemein­same Arbeit auch in dieser letzten Tagung Ergebnisse zeitigen, die dem Vaterlande zum dauernden Segen gereichen ! Auf Be­fehl Seiner Majestät des Kaisers und Königs erkläre ich den Landtag der Monarchie für eröffnet.

Die Thronrede.

Der preußische Landtag ist gestern zur letzten Tagung seiner gegenwärtigen Legislatur-Periode zusammengetreten. Das jetzige Abgeordnetenhaus wurde am 7. November 1893 gewählt; im Herbst werden somit die Neuwahlen vorzunehmen sein. Die Staatsregierung ist darauf bedacht gewesen, den letzten Arbeitsabschnitt des Landtages so zu gestalten, daß die Verhandlungen, soweit es an ihr liegt, einen sachlichen und geschäftsmäßigen Verlauf nehmen. Vorlagen, die die Parteien zu gegenseitiger Bekämpfung reizen könnten, sind vermieden. Den in der Thronrede angekündigten Vorlagen sönnen alle

Doch nun kam eine Ueberraschung, die dem Publikum das umherschwirrende Gerücht bestätigte: Der für den Abend ge­wonnene Rezitator, Herr Dr. Presber, hatte abgesagt. Ein heftiges Unwohlsein hatte ihn in letzter Stunde verhindert, zu dem Fest zu erscheinen und ein Murmeln des Bedauerns durchlief die Reihen des Publikums bei dieser unerwarteten Nachricht. Doch es half alles nichts, man mußte wohl oder übel sein Verlangen nach dem LustspielDer Bicomte" be­zähmen. Doch so groß war ja das Unglück nicht, denn es hatte sich ein Ersatz gefunden in Gestalt von Frau Anna Hill aus Frankfurt a. M., und was wir auf der einen Seite durch des Schicksals Tücke entbehren mußten, wurde uns auf der anderen wieder durch die vorzüglichen Rezi- tationen der genannten Dame ersetzt. Zunächst war es ein Gedicht des ausgebliebenen Verfassers, Herrn Dr. Presber, Der alte Bries", eine ergreifende Schöpfung voll tiefen Ge­müths und poetischer Schönheiten, die uns den Beweis lieferten, daß der Dichter seine Leyer mit dem gleichen Ge­schick zu ernsten wie zu heiterm Gesängen zu stimmen weiß. Im Anschluß hieran wurden wir mit einem launigen Bor- trag, Briefe einer Dame in drei verschiedenen Lebensab­schnitt« n, erfreut, dem noch mehrere luftige Dichtungen in Versen und Prosa folgten, die alle wirkungsvoll und mit vor­züglichem Humor wiedergegeben wurden. Als Schlußnummer des Programms figurirte ein von acht jungen Damen in an- muthiger Weise ansgeführter, von Herrn Kisselstein ein- studirter Schleiertanz, in dem graziöse Leichtigkeit und verständißvolle Sicherheit angenehm harmonirten, sodaß der Tanz noch einmal wiederholt werben mußte.

Dem Programm schloß sich ein gemeinschaftliches Abend­essen an, das die Anhänger des Vereins in engerem Kreise vereinigte. Nach Beendigung des Abendenens fand noch Ball statt, denn ein Fest ohne Tanz wäre nach Ansicht der jüngeren Generation nur ein halbes Fest und wer möchte es mit der