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Nr. 8

Amtliches Organ für Stadt- unS LanSkreis Bausu.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Dienstag den 11. Januar

WM

DienstnaHrichten aus dem Kreise.

Zugelaufen: Ein schwarzer Pinscherhund mit weißer Brust, ein kleiner schwarzer Hund mit gelben Abzeichen, beide m. Geschl.

Gesunden: Ein silbernes Armband. Ein brauner Kinderhandschah. Ein neues Testament mit der Aufschrift Heinrich Wörner".

Hanau am 11. Januar 1898.

National-Erfolg und Sammlnngs-Politik.

Ein Erfolg der äußeren Politik, der des Vaterlandes Wohlfahrt dient, der seinen Ruhm und seine Macht mehrt, weckt die Empfindungen nationalen Stolzes und nationaler Freude und schafft damit gewissermaßen für das Empfinden des Volkes wieder einen gemeinsamen Boden. Er wirkt klärend und reinigend wie ein Gewitter in dunsterfüllter: Atmosphäre, er läßt die Herzen, die der Streit des Tages! trennte, aufs Neue im nationalen Empfinden zusammenlodern. i Mit Staunen wird der Vaterlandsfreund gewahr, daß zahl-i reiche Gegner, ja ganze große Parteien, die er im Wirrwarr der Tagespolitik aufs heftigste zu bekämpfen gewomt war, im Grunde genommen doch den gleichen nationalen Standpunkt mit ihm theilen. Damit aber ist der Boden für eine Mil­derung der Parteigegensätze, für eine Politik der Versöhnung und Sammlung gewonnen.

Auch ein negativer Gesichtspunkt dient dem gleichen Ziele. Der Erfolg ist da, und stolze Freude schwellt die Herzen von Millionen. Aber in die Klänge der Freude fällt ein schriller Mißton. Eine Anzahl von Leuten hält sich grollend bei Seite und hat für das Auflodern des nationalen Stolzes nichts übrig als hämischen Spott. In solchen Fällen muß sich mit elementarer Gewalt die Einsicht Bahn brechen, daß hier Gegen­sätze vorhanden sind, die über die sonstigen parteipolitischen Unterschiede weit, weit hinausreichen. Wie durch einen Blitz­strahl erhellt sich plötzlich die Situation, der gemeinsame innere Feind ist erkannt. Besitzt das nationale Empfinden nur noch einige Kraft, so wird und muß solche Erkenntniß die Spaltung hinwegthun aus den Reihen der Vaterlands- freunde und sie an Stelle dessen mit dem Geiste der Einig­keit und bim Willen gemeinsamen Handelns erfüllen.

Das Klärende, Reinigende und Versöhnende äußern Er­folges wird aber um so wirksamer und werthvoller sein, je mehr der Erfolg hineir-tritt in eine Zeit dangen Zweifels! und mißmuthigen Haders. Es gibt Perioden des Vötker- lebens, wo eine pessimistische Grundstimmung die ©emulier; beherrscht, eine Stimmung, die zwar vor dem nüchternen Denken nicht Stand zu halten vermaq, die jedoch nichtsdesto­weniger von weitreichendem Einflüsse ist. Da bedarf es doppelt eines erfrischenden Luftzuges der äußern Politik, nationaler Impulse großen Stils.

Alle diese Gesichtspunkte treffen nun für die augenblickliche Lage Deutschlands zu. Deutschland hat mit der Erwerbung von Kiaotschau einen nationalen Erfolg davongetragen. Die Freude hierüber hat alle die vaterlandsliebenden Herzen wieder einmal zusammengeführt, und diese Stunde darf nicht unge­nutzt verstreichen. Sie darf keine Stunde flüchtigen Freuden­rausches bleiben, sondern muß den Grundstein erneuter Einig­keit legen. Das Band, das die gemeinsame Freude gegen­wärtig um alle nationalgesinnten Männer geschlungen, muß sich auch für die Zukunft in der harten politischen Arbeit des Tages als unzerreißbar erweisen.

Der Sammlung ist die Bahn gebrochen, und dies umso mehr, als der Erfolg auch den gemeinsamen innern Feind deutlich gekennzeichnet hat. Wer hat den Zuwachs an nationaler Macht und Epre, der Deutschland gegenwärtig zu theil geworden, eifrigst zu hindern gesucht, und wer steht nun der vollendeten Thatsache mit unverhohlenem Grimme gegen­über? Niemand anders als die Sozialdemokratie und die ihr geistes- und gesinnungsverwandten Elemente der politischen Demokratie radikalster Färbung. Das ist der Feind,. ihm gilt! der Kampf.

Der trübe Nebel, der verdüsternd über uns hing, ist zer­theilt. Die pessimistische Stimmung, die zahlreiche Patrioten in selbstquälerischer Absicht nach Fällen der Beeinträchtigung! des deutschen Namens, nach Gründen für Zweifel uns Miß-! trauen gegenüber der Regierung förmlich suchen ließ, erscheint i jeglichen Rechts entkleidet. Die Männer, die das Staats-!

rüder in Händen halten, haben so zielbewußt und kraftvoll und zugleich mit solcher weisen Rücksicht auf die Friedens­wohlfahrt des Reiches gehandelt, daß ihrem Rufe die Gefolg­schaft nicht länger versagt werden kann.

Berlin, 10. Januar. Der Inhaber der bekannten m Firma Rudolf Hertzoq, der Sohn des Begründers der

Erweist sich der Er,olg auswarttger Poltttt zugleich als ^ in einem Anfälle von Geistesstörung Selbstmord verübt.

Hebel einer thatkräftigen Sammlungs-Politik im Innern, so wird derselbe von künftigen Zeiten in doppelter Hinsicht als ein Markstein unserer vaterländischen Entwicklung gepriesen werden.

Politische und unpolitische Nachrichten.

' (D epesch en-BüreauHerold".)

Berlin, 10. Januar. Heute Vormittag von 9 Uhr ab hörte der Kaiser die Vortiäge des Chefs des Zivilkabinets von Lukonus, sowie die Verträge des kommandirenden Ad­mirals von Knorr, des Chefs des Reichsmarineamts von Tirpitz und des Chefs des Marinekabinets von Senden- Bibran. Heute Abend gedenkt der Kaiser an dem Diner bei dem Fürsten Anton Radziwill in Berlin theil zu nehmen.

Berlin, 10. Januar. Wie diePost" meldet, fuhr

der Kaiser gestern Abend ß1/* Uhr unangemeldet beim rufst

schen Botschafter vor und hatte eine dalbstündige Unterredung die bisher zu irgend welch-n Beschwerden geführt und eine

mit dem Grafen von der Osten Sacken.

Berlin, 10. Januar. DerReichsauzeiger" veröffent­licht die Verleihung des Kronenordens 3. Klasse an den Kur- direktor in Wiesbaden, Major a. D. von Ebmeyer.

Berlin, 10. Januar. DerReichsanzeiger" veröffent­licht die Verordnung betreffend die Einrichtung einer Staats­anwaltschaft bei den Gerichten der Schutzgebiete.

Berlin, 10. Januar. Wie dieKreuzzeitung" von zu­verlässiger Seite erfährt, haben die Verhandlungen über die Berufung des Konsistorialrathes Professor Dr. Cremer an die theologische Fakultät der Universität Berlin zu keinem Re­sultat geführt.

Berlin 10. Januar. Die Versetzung des Regierungs­präsidenten von Tepper-Laski von Wiesbaden nach Köslin wird heute im Reichsanzeiger publizirt. Ueber die Neube­setzung des Wiesbadener Regierungspräsidenten-Postens ist, derPost" zufolge, eine Entscheidung noch nicht getroffen.

Berlin, 10. Januar. DerLokal-Anzeiger" bringt eine Erklärung des Generalkommandos des VII. Armeekorps, in welcher es heißt, daß der in der Drepius-Affaire genannte preußische Offizier Lieut nant von Heuduck vom 6. Dragoner- Regiment Diedenhofen den Herrn Esierhazy weder gekannt noch mit ihm j mals karrespondirt, noch überhaupt in irgend welchem Verkehr mit ihm gestanden habe.

Berlin, 10. Januar. DieNordd. Allgem. Ztg." be­stätigt, daß der Pachtvertrag zwischen dem deutschen Reich und China über die Kiau-Tschau-Bucht auf einen Zeitraum von 99 Jahren abgeschlossen ist.

Berlin, 10. Januar. Der KreuzerGeier" ist am Samstag in Port au Prince angekommen.

Berlin, 10. Januar. Nach eingehenden Verhandlungen zwischen dem zur Zeit hier weilenden Landeshauptmann Major Leutwein einerseits und der deutschen Kolonialgesell- schaft, sowie dem evangelischen Afrikaverein andererseits wurde, wie diePost" berichtet, bezüglich der Sendung von Mäd­chen und Frauen nach unserem südwestafrikanischen Schutz­gebiet eine Vereinbarung erzielt.

Berlin, 10. Januar. Gegenüber der Meldung der Köln. Volksztg.", wonach demrächst vorbereitende Schritte geschehen sollen, um in Verhandlungen mit der chinesischen Regierung wegen Abschlusses eines neuen Handelsvertrages einzutreten, schreibt diePost"; Die Handelsbeziehungen

zwischen Deutschland und China sind in einem Vertrage ge­regelt, der aus dem Jahre 1860 stammt. Soviel uns be­kannt, sind die darin enthaltenen Bestimmungen keine solche,

Aenderung wünschenswerth gemacht hätten.

feniUeton.

Stadttheater in Hanau.

Hanau, 11. Januar.

Am Sonntag fanden im Stadttheater zwei gntbesnchtc Vorstellungen statt. Die Ausführung des Abends brächte den älteren bewährten vier- attigen SchwankDer Bibliothekar" von Gustav v. Moser. Der Ver­fasser ist gegenwärtig immer noch einer der beliebtesten Vertreter des leichten humoristischen Genre, wenn auch seine produktive Schöpfungs- kraft in den letzten Jahren nachgelassen hat. Große Weisheit und Geist in ein humoristisches Gewand zu kleiden, ist nicht seine Stärke, aber er hat das Talent, die Thorheiten der Menschen und ihre Schwächen aus- zunützen unb mit glücklicher Laune auf die Bühne zu bringen, natürlich in vergröberter Form. SeinBibliothekar" ist eine Verwechfelungs- komödie nach altbewährtem Rezept, alles ist amüsant, kurzweilig und Heiterkeit erregend. Eine Reihe äußerst geschickt zusammengestellter lustiger Szenen, drolliger Figuren und Situationen von so urkomischer Wirkung, daß auch der ärgste Hypochonder deren Einflüsse nicht widerstehen könnte, vereinigen sich zu einem Ganzen, das die Lachmuskeln des Publikums in steter Bewegung hält. Ein näheres Eingehen auf die etwas komplizirte Handlung können wir uns ersparen, denn erstens verträgt eine solche Burleske' eine nähere kritische Betrachtung nicht und dann darf sie auch durch ehte Reihe früherer guter Ausführungen hier als bekannt voraus­gesetzt werden. Gespielt wurde am Sonntag recht flott. Herr Gehr- mann als Schneider Gibfon und Herr Tprkowski als Bibliothekar- Robert sicherten durch bie drastische Wiedergabe ihrer Parthien dem Stücke den gewohnten heiteren Erfolg. Als dritte im Bunde darf auch Frau Miller als Sarah Gildern genannt werden, die ebenfalls durch humoristische Ausführung ihrer Parthie sich auszeichnete. Mit gcwohntcr Routine verkörperte Fräul. Krause das liebliche Töchterchen Edith des Gutsbesitzers Marsland. Dieser selbst sand in Herrn Hille einen guten Vertreter und der rauhe bärbeißige, innerlich aber doch gute Onkel Mac­donald aus China fand in Herrn Linzen einen guten Darsteller., Auch Fräul. Rudow als Eva Webster war recht lieblich. Von den übrigen seien noch besonders die Vertreter der beiden Liebhaberrollen die Herren Steingötter (Lothair Macdonald) und Dysing (Harry Marsland) besonders erwähnt.

Viertes Abonnementskon^ert -er sog. Modelkonzerte.

Hanau, u. Januar.

Dem vierten Abonnementskonzerr, welches gestern Abend in den Sälen der Centralhslle stattfand, konnte man im Hinblick auf die mitwirkenden Künstler, deu Baritonisten Herrn Adolf Müller aus Frankfurt a. M., die Opern- säugenn Fräulein Hedwig Schacko von dort, sowie den Cellovirtuosen Herrn Heinrich Appunn von hier, von vornherein ein günstiges Prognostikon in Aussicht stellen; demgemäß war denn auch der Besuch desselben ein recht zahl­reicher und beide Säle waren fast vollständig mit aufmerk­sam lauschenden Zuhörern gefüllt. Der Ruf des Herrn Adolf Müller als eines hervorraaeneen, gottb,gnadeten Sängers ist hier bereits fest begründet. Die künstlerische Vollendung seines Gesanges, die edle Deklamation, die be­sonnene künstlerische Vertheilung, die er seinem Gegenstände angedeihen läßt, dazu der ungetrübte Glanz seiner herrlichen Bariton-Stimme selbst, deren Tiefe, Höhe und Mittellage, gleich voll und kräftig erklingend, ebenmäß'g ausgeglichen sich erweisen, werden ihm, wo er auch cuftritt, die Herzen der Zuhörer zujubeln lösten und haben ihn hier längst zu einem hochgeschätzten, beliebten und stets willkommenen Sänger ge­macht. Ganz besonders erfreulich wirkt daneben die fein­sinnige geistige Art der Auffassung, vermöge der er die Fähig­keit besitzt, verschiedene Meister, wenn sie auch ihrer ganzen Kunstanlage »ach noch so erheblich von einander abweichen, mit gleicher Kraft treu und charakteristisch, ihrer geistigen Eigenthümlichkeit gemäß, vorzusühren. Diese geistig vornehme Künstlersähigkeit bewies er auch bei seinem gestrigen Auftreten wieder, wo er Lieder von Karl Löwe, I. Brahms, A. Rückauf u. a. mit gleich harmonischer, eindringender Wirkung zu Ge­hör brächte. Von Karl Löwe gelangteArchibald Douglas",

i wohl eine der bekanntesten Balladen des Komponisten, zum Vortrag. Wie wußte der Sänger dieselbe mit echt dramatischem Leben auszustatten, wie den scharfen Gegensatz zwischen dem grollenden, anfangs unerbittlichen König und dem demüthig flehenden Grafen hervorzuheben; für jede Gefühlsnüance hielt er stets den richtigen Ausdruck in Bereitschaft, so daß das herrliche Tongemälde zu wahrhaft ergreifender Darstellung gelangte und, unterstützt durch die vortreffliche Klavierbe­gleitung des Herrn Albert Mischel, die einzelnen Szenerien und Gestalten desselben wie sichtbar vor das innere Auge traten. Mit sichrlich gesammelter Theilnahme folgten die Zu- Hörer diesem sowie den weiteren Vorträgen des Sängers, be-

I stehend inFeldeinsamkeit" von Brahms,Lockruf" von Rück­auf und einer bereitwillig gewährten Zugabe und dankten durch rauschenden Beifall. Ferner wirkte in dem Konzert mit die S ängerin Fräulein Hedwig Schacko von der Frank­furter Oper. Dieselbe ist unserm mustkliebenden Publikum von ihrem früheren Auftreten hier, wir erinnern nur an ihre wiederholte Mitwirkung in Konzerten des LehrersängerchorS, bekannt. Wenn sie damals durch ihren herrlichen Gesang allgemeines Entzücken uno Helle Freude hervorzurufen wußte, so können wir ihren gestrigen Darbietungen dies in dem Maße nicht nachrühmen. Man gewann den Eindruck, als ob sie nicht recht aufgelegt sei und mit wenig Lust und Liebe sich ihrer Aufgabe entledigte; es lagerte keine rechte Stim­mung über ihrem Gesicht und über ihrem Gesang. Zudem hatte sie auch in der Auswahl ihrer Lieder keinen glücklichen Griff gethan; ihre größten Triumphe feierte die Künstlerin bei ihrem früheren Auftreten hier in solchen Liedern, wo auS ihren Zügen der reizende Schalk spricht und neckisch-kosende Weisen von ihren Lippen perlen, wir erinnern z. B. an das unnachahmlich schön gesungene Lied von DornBitte an den Mond". Aus diesem Genre hatte die Künstlerin fast gar keine Lieder gewählt; sie gestattete sich auch dem Programm