Einzelbild herunterladen
 

Weiraeme««« Preis:

jährlich 9 M. HMahrl. 4^50-4.

Merteljährlich 2 ^ 25 4.

W auswärtig« Momenten mit dem Setreffenben Psstaufschlag.

Die einzelne Nummer kostet 10 4.

EixrückuugS- gebühr

für Stadl- und Land« kreis Hanau 10 ^ d« 4gefpaltene Garmond­zeile oder deren Raum, für Auswärts 15

Im Reklamentheil die Zeile 20 ^, für

Auswärts 30 ^.

Amtliches Grgsn für StaSi" unö LsnöKreis Hansu.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Nr. 7.

Montag den 10. Januar

«Ä

Amtliches, ^taöt&rei^ ^anaxt. ^eiMUtmachllMN des Oberbürgermeisteramtes

erkennen, daß es sich um einen sorgfältig vo: bereiteten $lan handelte, der mit Besonnenheit und Thatkraft durchgeführt ist.; Sogar das Urtheil des sozialdemokratischenVorwärts" lautet'

nicht unfreundlich. Nur der Abgeordnete Richter hat in;

Jeder Militärpflichtige, welchem über seine Dienstpflicht seinerFreisinnigen Zeitung" allerlei an dem Abkommen aus-j eine endgültige Entscheidung der Ersatzbehörden noch nicht zusetzen.

ertheilt ist, hat sich in der Zeit vom 15. Januar bis

Lagesschau.

Von der Marine. Laut telegraphischer Meldungen an das Ober-Kommando der Marine beabsichtigt S. M. S.

Seeadler", Kommandant Korvetten-Kapitän Kindt, am 11 - Januar von Sansibar nach Mo^ambique in See zu gehen

zum 1. Februar - I. bei dem hiesigen städt Meldeamte (Langstratze 41 Part rechts) zur Relrutirungsstammrolle zu melden, bei Vermeidung der im Gesetze angedrohten Nachtheile.

Für solche Militärpflichtige, welche ohne an einem anderen Orte im deutschen Reiche einen dauernden Aufenthalt zu haben, abwesend sind, haben deren Eltern, Vormünder, Lehr-, Brod­oder Fabrikherren die Anmeldung zu besorgen, ebenfalls bei Vermeidung der im Gesetze angedrohten Nachtheile.

Diejenigen Militärpflichtigen des Jahrgangs 1878, welche außerhalb Hanau's geboren, haben bei Anmeldung zur Stamm-

IÄä St£ Wkm^ 6eg6**7- d. M. nach H°n°», in

kanzler Fürsten zu Hohenlohe und dem Staatssekretär des Auswärtigen v. Bülow werden in der Presse Anerkennung und Dank gezollt. Wie hoch der Kaiser die Verdienste schätzt, die insbesondere Herr v. Bülow sich in diesem diplo­matischen Feldzuge erworben hat, ist durch die persönliche Überreichung des Rothen Adlerordens 1. Klasse kundgegeben worden.

Auch im Auslande hat man das deutsche Vorgehen in

Ostasien mit Interesse verfolgt.

In der französischen

rolle ihren Geburtsschein. welcher von dem Standesamte des _ . ~ , , ,

Geburtsortes für diesen Zweck gebührenfrei ausgestellt wird/ Presse wird die Abtretung Kiaotschaus mrhältnißmäßig ruhig,

See zu gehen.

Radfahrverkehr. Durch Ministerial-Verordnung sind für ganz Bayern mit der Wirkung vom 1. März allgemeine Vorschriften für den Radfahrverkehr erlassen worden. Jeder Radfahrer muß eil e für ganz Bayern geltende Legitimations­karte haben, die jährlich 2 und 1 Mark kostet. Entzogen kann diese Fahrkarte werden nach wiederholter gerichtlicher Bestrafung in Bezug auf den Radfahrverkehr und nach Kör- peroerletzunZen, verübt durch ben Radfahrer im Fahren.

vorzulegen.

Hanau am 3. Januar 1898.

Der Oberbürgermeister Dr. Gebeschus.

hier und da sogar wohlwollend beurtheilt. DasJournal de Debats" beispielsweise gibt zu, daß die bedeutenden deut-

schen Interessen in China die Erwerbung eines Stützpunktes

Politische und unpolitische Nachrichten.

tz (D tpesch en-Bu>reauHerold".)

153

l^n gereuen tn Eyma tue Enterbung eines Stutzpunktes Merlin, 9. Januar. Seit der deutschen Okkupation rm Osten vollständig rechtfertigten; die Erwerbung von Kiao der Kraotschaubucht sind keine fremden Schiffe eingelaufen, tschan gebe zu keinerlei Bedenken Anlaß. In der englischen * - ------- - -

Dicnstliachrichtcn aus dem Kreise.

Gefunden: Ein hlechernes Schild mit der Aufschrift Stern Cacao" rc. Ein Doppelschlüssel. Ein Regenschirm. Ein äußerer Theil von einer Taschenuhr. Ein nicht unbe­deutender Geldbetrag aus der Straße zu Niederdorfelden; Empfangnahme beim Herrn Bürgermeister daselbst. Eine Mundharmonika. Eine Peitsche. Ein Spazierstock. Ein Portemonnaie mit Geld. Ein Stück Watte.

Zugelaufen: Ein weißer Foxterrier, schwarz gefleckt. Ein rehbrauner Pinscher m. Geschl., mit Halsband.

Zugeslogen: Eine gelbe Lachtaube.

Entflogen: Am 3. d. Mts. ein blauer Täubert mit Haube (deutscher Kröpfer); dem Wiederbringer eine Beloh­nung.

Verloren: Ein goldner Trauring.

Hanau am 10. Januar 1898.

Presse dagegen macht sich eine lebhafte Unruhe bemerkbar. In ihrem Aerger über den Ei folg der deutschen Politik for­dern einige Blätter sogar von der Regierung, Kriegsschiffe nach Kiaotschau zu schicken, um hier dem deutschen Ge­schwader englischeBeobachtungs-Schiffe" an die Seite zu legen, wie es in Port Arthur geschehen ist, das die Russen besitzt hoben.

Es ist nicht anzunehuen, daß die englische Diplomatie diesem Rath; folgen werde. In KiaotsKau hat, nachdem es von China an Deutschland abgetreten ist, nur eine Macht Rechte auszuüben, nämlich Deutschland. Als Obrigkeit hat hier also nur die deutsche Behörde Anordnungen zu treffen. Es ist deshalb ausgeschlossen, daß England die Durchführung der deutschen Regierung verhindern kann; und wenn England Kriegsschiffe nach Kiaotschau schicken wollte, so würde es dies nur unter denselben Bedingungen thun können, wie etwa nach Kiel. Man weiß zudem in England, daß seine eigene Politik manchen verwundbaren Punkt hat.

In dem Augenblicke, wo England die deutsche Besetzung von Kiaotschau anfechten würde, könnte die egyptische Frage leicht

Das deutsch-chinesische Abkommen

das die Kiaotschau-Bucht nebst Umgegend der Staatshoheit' aufgerollt werden. Unsere englischen Vettern werden sich da- des Deutschen Reiches überweist, wird von der gesammten her, schon in ihrem eigenen Interesse, mit dem Gedanken deutschen Presse als ein großer Erfolg der deutschen Politik, vertraut machen müssen, daß auch wir unsern Platz an der gefeiert. Selbst diejenigen Blätter, die dem Vorgehen Deutsch-! Sonne haben wollen, und daß wir den einmal eingenommenen lands mit Besorgniß entgegen sahen und glaubten, Deutsch-. Platz auch behaupten werden.

land bezebe sich leichtfertig in ein Abenteuer, müssen jetzt an- ----------

Wie«, 9. Januar. Zu den anläßlich des Regierungs­jubiläums Kaiser Franz Josephs am Hofe stattfindenden Fest­lichkeiten wird das deutsche Kaiserpaar, der König von Sachsen, der Kronprinz und die Kronprinzessin von Italien, sowie viele deutsche Fürsten in Wien erwartet. Ob auch der Zar kommt, ist noch ungewiß.

Wie«, 9. Januar. Eine offizielle Note desFremden­blattes" bemerkt zu der Wiener Meldung derKöln. Ztg.", wonach Oesterreich-Ungarn beabsichtige, eine Handelsstation an der chinesischen Küste zu erwerben, daß von einer solchen Absicht hier absolut nichts bekannt sei.

Prag, 9. Januar. Einer tschechischen Quelle zufolge wird der Reichsrath, unbekümmert darum, ob früher eine friedliche Lösung der Spracheufrage erfolgt oder nicht, anfangs März einbernfen werden, um den Versuch zu machen, den verfassungsgemäßen und parlamentarischen Zustand durch das Parlament selbst wieder herzustellen und dadurch eineWeiter- verwaltung nach dem § 14 zu vermeiden. Es wurde be­stätigt, daß falls vorher eine friedliche Beilegung der Sprachen- frage nicht erfolgt ist, die Regierung noch vor Zusammentritt des Reichsrathes eine beide Nationalitäten befriedigende Sprachenverordnung erlassen werde.

Rom, 9. Januar. Wie verlautet, beabsichtigt die Re­gierung zwei Panzerschiffe und zwei Kreuzer nach Ostasien zu entsenden.

Brüffel, 9. Januar. Die hiesige deutsche Gesandtschaft dementirt kategorisch die Meldung desEcho de Paris", wo-

Feuilleton.

Seltsame AochMsbräuche.

Seltsame Bräuche aus dem Tauriskenlande erzählt Hans Grasberger in derZeitschrift des deutschen und österreichischen Alpenvereins", deren 28. Jahrgang soeben in einem statt­lichen, mit zahlreichen hervorragenden Illustrationen und Karten geschmückten Bande in Graz (Verlag des deutschen und österreichischen Alpenvereins) erschienen ist. In Radstadt im Tauerngebiet glaubte Grasberger bei seinem ersten Be­such die Heimstätte des Cylinders gefunden zu haben. Der hohe Cylinder war die altvaterische Kopfbekleidung, häufig aus schwarzgefärbtem Stroh geflochten und mit breiterer Krempe, als aus großstädtischem Pflaster üblich. Namentlich bei Frauen war der Cylinder (wie auch jetzt in der Groß­stadt) beliebt. Mutter und Großmutter trugen ihn mit schwarzem bammetbändchen, Mädchen mit goldener Schnur. Im nahen Lungau herrschten noch Mitte der 80er Jahre gar seltsame Hochzeitsgebräuche. Man denke: die Braut wird auf ihrem Ehrengange zurückgesetzt, die Schwiegermutter er­scheint völlig und nachhaltig kalt gestellt, das Wirthshaus verschließt sich vor dem anrückenden Hochzeitszuge, und von den Gästen wird zumeist derjenige geehrt, der am weitesten her hatte. Die Braut schließt mutterseelenallein den Zug und wird erst, wenn der Bräutigam bereits vor dem Altar steht, vorangeleitet und dem Harrenden beigesellt; wirksamer kann ihr unmöglich zu Gemüthe geführt werden, welch ein außer­ordentliches Vorrücken zu Werth und Geltung es ist, einen Mann zu kriegen. Die Mutter der Braut wird, gar nicht zur Hochzeit geladen; für sie ist weder in der Kirche, noch beim Mahle, noch auf dem Tanzboden ein Platz; ja, sie darf ein- bis dreiviertel Jahr lang, je nach der Strenge der

örtlichen Gewohnheit, ihre verheirathete Tochter nicht sehen, nicht sprechen, nicht kennen, geschweige denn das neue Heim derselben betreten. Daß ein ländlicher Hochzeitszug ausge­halten wird, tolle Hindernisse auf seinem Wege findet und allerlei Schabernack sich gefallen lassen muß, kommt auch anderwärts vor; aber daß sich das Wirthshaus nicht freudig vor ihm aufthut, ist vielleicht nur in diesem Tauernwinkel der Fall. Die durstigen, hungrigen und oft auch stierenden Gäste sehen das Thor vor sich geschlossen, und ihr Sprecher hat zum Schlüsselloch hinein in wohlgesetzten Reimlein ein Langes und Breites mit dem Wirthe z» verhandeln, muß dreimal und immer nachdrücklicher an die ungastliche Pforte pochen, ehe Einlaß gewährt wird zum gedeckten Tisch wie zum Tanzboden hinan. Wer erblickt in dieser Sitte nicht ein Seitenstück zum üblichen Umzüge am Palmsonntage? Da wird ja auch veranschaulicht, daß nur auf wiederholtes Be­gehren und Pochen der Pförtner von Jerusalem dem ein­ziehenden Heiland willfahrt.

Und endlich, wer führt den Tanz an? Wer eröffnet den Hochzeitsreigen? Es ist dies Derjenige aus derFreund­schaft", ob jung oder alt, ob gerade oder krumm, welcher zum Feste den weitesten Weg zurückzulegen hatte; er wird vom Ordner sorgfältigst ausgekundschaftet und der Braut zugeführt. Und das weltfährige Völklein eines einsamen Tauerngaues ehrt mit dieser Sitte seines Hochzeitsbrauches den Fremden, die Fremde überhaupt, eine feinsinnige Gastlichkeit bekundend.

Aber alle Liebesleute in den Bergen sind ja doch nicht in der Lage, zu heirathen; wie treiben es denn die ledigen? Und der Gewährsmann antwertet darauf: Also wissen Sie auch von ^em Anschirren und Abschirren noch nichts? Ms Anschirrer wird der Enzian-, als Abschirrer der Kronawett- Branntwein verwendet. Beide bitteren Spenden verhalten sich zu einander wie etwa Amors Pfeile, deren einer Liebe

entzündet, während der stumpfere in der Brust, die von ihm getroffen wird, Liebe tilgt. Um Pfingsten führt der Bursch das Mädchen, dem er gut ist, zum Met oder Wein, und um ein Uebriges zu thun, läßt er sich ein Gläschen Enzian reichen. Natürlich soll seine Nachbarin davon kosten, und nippt sie daran, so thut sie'S nicht ohne Erröthen, denn sie weiß, daß sie damit angeschirrt ist. Wenn das holde Kind gar noch die Aufmerksamkeit des Burschen damit vergilt, daß ei ihm eine blühende Nelke überreicht, dann ist der LiebeS- Handel so gut wie abgeschlossen, aus ein Jahr wmigstens denn für länger verpflichtet sich der Bursch nicht gern, weiß er denn, ob nicht der nächsteLeitkauf" ihn über Berg ent­führt ? Ist im bargebotenen Gläschen statt Enzian minderer Kronawett, und trügt vielleicht auch die Farbe, so trügt doch der Geschmack nicht: Die nippende Schöne ist abgeschirrt und trägt's, wie sie's eben zu tragen vermag. Manch eine erhebt sich bleich und stumm, entfernt sich und weint in irgend einem Winkel die Kränkung aus. Eine andere kehrt wohl den Spieß um und sagt zum Burschen:Merkst es endlich auch selber, daß ich Dich schon längst nimmer mag?" Wieder eine andere stammelt vielleicht aus ihrem guten Herzen: Schau' halt, daß Du mit einer Anderen glücklicher wirst!" Nicht selten auch eräugelt sich die Abschirrte an Ort und Stelle einen neuen Verehrer unter den Gästen, welche derlei Auftritte keineswegs verspotten, sondern höchstens mit einem leisen Lächeln begleiten.

Ein Räthfillösen beim Hochzeitage von der Kirche ab findet derart statt, daß die Brautleute die Straße mit Ketten oder Stricken abgesperrt finden und daß diese sich nicht früher senken oder lösen, als bis dieSpitzreiter", also die An­führer des ganzen Zuges, Namens desselben das aufgegebene Räthsel gelöst haben. Die gelungene Lösung heißt das Gspreng". Auch dasBrautstehlen" oderBrautoerbergen" kommt mitunter vor.