Die einzelne Nummer kostet 10 ^».
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Für auSwärtige W»»nenten mit dem betreffenden Pestauffchlag.
Zugleich U
Amtliches Organ für Stadt- uuö LsnöKreis Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Sinrücknng».
gebühr
für Stadt- und Landkreis Hanau 10 ^ Mt ^gespaltene Garmond- zeile oder deren Raum, für Auswärts 15 4
Im Reklamentheil die Zeile 20 ^, für
Auswärts 30 ^
Nr. 5 Freitag den 7. Januar 1898
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Amtliches.
LcrnHK^eis ^anau.
Bekanntmachungen des Königlichen Lavdrathsamtcs.
In Hausen, Landkreis Frankfurt a/M., ist die Maul- und Klauenseuche erloschen und die Sperre aufgehoben worden. Der Landkreis Frankfurt a/M. ist wieder seuchenfrei.
Hanau am 6. Januar 1898.
Der Königliche Landrath
V. 102 v. Schenck.
Dicilstuachrichten aus dem Kreise.
Entlaufen: Ein kleiner schwarzer Hund mit weißen Abzeichen.
Hanau am 7. Januar 1898.
UtWahIell W Kglidtlskammtr 1898. Handelskammer zu Hanau.
Gemäß § 46 des Gesetzes über die Handelskammern vom 24. Febr. 1870/19. Aug. 1897 sind für die Handelskammer vor dem 1. April ds. Jhs. Neuwahlen der Mitglieder vor- zunehmen. Zur Vorbereitung di-ser Wahlen ist gemäß § 11 desselben Gesetzes für jeden Wahlbezirk eine Liste der Wahlberechtigten aufgestellt worden, welche eine Woche lang öffentlich auszulegen ist. Diese Auslegung findet in der Woche vom 10. bis zum 15. dss. Mts. statt und zwar für den Wahlbezirk Stadt- und Landkreis Hanau im Sekretariate der Handelskammer (Hanauer Stadtschloß), für die Wahlbezirke Kreis Gelnhausen, Kreis Schlüchtern, Kreis Fulda, Kreis Hünfeld und Kreis Gersfeld auf den betreffenden Landraths- ämtern.
Einwendungen gegen die Listen sind innerhalb einer Woche nach beendeter Auslegung, d. i. bis spätestens zum 22. dss. Mts., bei uns anzubringen.
Hanau den 6. Januar 1898.
Die Handelskammer.
Canthal. 257
Politische und unpolitische Nachrichten.
(D epeschen-Bureau „Herold".)
Berlin, 6. Januar. Dcr Kaiser hat dem Staatssekretär von Bülow anläßlich des Abschluss^ des Pachtvertrages mit China, betriffend die Kiaotschau-Bucht, den Rothen Adlerorden 1. Klaffe verliehen und ihm die Jnsignien des Ordens gestern vor der Abendtafel persönlich überreicht. Zu der letzteren waren außerdem geladen, Reichskanzler Fürst Hohenlohe, Staatssekretär Tüpitz, die Chefs des Militär-, Civil- undi Marine-Kabinets sowie der Major von Keffel.
Berlin, 6. Januar. Auch in diesem Jahre scheint eine Zusammenkunft des deutschen Kaisers mit dem Zaren in Aussicht genommen zu sein. Wie der „Lokalanzeiger" aus Kopenhagen meldet, wird das russische Kaiserpaar anläßlich des 80. Geburtstages des Königs im April d. Js. dort anwesend ' sein, und voraussichtlich mit dem deutschen Kaiser Zusammentreffen.
Berlin, 6. Januar. Das Befinden des Fürsten Bis- marck ist neuerdings, wie der „Lokalanzeiger" aus Friedrichs- ruhr meldet, befriedigend. Die Schmerzen in den Füßen haben nachgelassen und auch das Gesammtbefinden hat sich gehoben.
Berlin, 6. Januar. Das Staatsministerium trat heute Nachmitt- g 2 Uhr in seinem Dirnftgebäude zu einer Sitzung zusamm n. Es handelte sich um die Durchberathung von den dem Landtage zu unterbreitenden Vorlagen. Die Nachricht, daß Finarzminister Miguel dem Kaiser über eine Novelle zum Vereinsgesetz Vortrag gehalten habe, wird einer Berliner Korrespondenz insofern bestätigt, als thätsächlich im Ministerium des Innern eine solche Novelle ausgearbeitet worden sei.
Berlin, 6. Januar. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: । Wie wir bereits angedeutet, nimmt die Entwickelung der Dinge ; in Ostasien fortschreitend einen ruhigen Charakter und dazu hat die zwischen Deutschland und China mit Bezug auf Kiaotschau erfolgte Abmachung nur unwesentlich beitragen können. Die in Öftersten entstandene Spannung war ja auch nicht durch diese Angelegenheit heroorgerufen worden. Ein । ernster Grund zu Besorgnissen konnte nur in dem starken i Hervortreten des politischen Jnteressen-Gegensatzes zwischen ; England und Rußland gefunden werden. Hinter diesem politischen Gegensatz zeigt sich aber jetzt ein wirtbschaftlicher, ■ über den sich ohne allzugroße Müde eine Terständigung er- । möglichen lassen dürfte. Es liegt kein Grund vor, warum i bezüglich der für China nothwendig gewordenen Anleihe ein , Staat mit Ausschluß anderer sich der Regelung dieser Ange- । legenheit annehmen soll. Eine besonnene Erwägung der Umstände räth, sich üb-r eine in dieser Richtung zu befolgende gemeinsame Aktion zu verständigen.
Berlin, 6. Januar. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Zufolge weiteren Nachrichten aus Teulsch-Südwestafrika über das am 5. v. Mts. zwischen einer Abtheilung der Schutztruppe unter Hauptmonn von Estorff und Zwartboi-Hotten- totten stattgehabte Gefecht ist bei diesem Kampfe von der Schutztruppe ein Reiter gefallen, ein anderer leicht verwundet worden. Hauptmann von Estorff selbst ist zweimal verwundet aber dienstfähig geblieben.
Berlin, 6. Januar. Aus Anlaß der bevorstehenden Krönungsfeierlichkeit der Königin von Holland hat einer dem „Berliner Tageblatt" übermittelten Nachricht Amsterdamer Blättern zufolge die deutsche Gesandtschaft ein großes Palais znm Preise von 10,000 Gulden gemiethet. Man glaubt all
gemein, daraus schließen zu müssen, daß Kaiser Wilhelm der Krönungsfeierlichkeit beizuwohnen gedenkt.
Berlin, 6. Januar. Der neue chinesische Gesandte Lii Hai Huen in mit großem Gefolge heute hier eingetroffen.
Hamburg, 6. Januar. Das hiesige sowie Altoner Stadt-Theater sind heute den Herren Bittovg und Bachur auf fünf Jahre übertragen worden.
Diedenhofen, 6. Januar. Gestern stürzte in der Friedenshütte in Kneuttlingen der Schornstein eines Hochofens ein. Bisher wurden sechs Todte und drei schwer Verletzte unter den Trümmern hervorgezogen.
Venedig, 6. Januar. Auf dem adriatischen Meere herrscht großer Sturm. Man befürchtet Schiffbrüche. Ein Lloyddampfer ist mit 7 Stunden Verspätung eingetroffen.
Aus Stadt- und Landkreis Hanau.
Nachdruck unserer Lucalartikel nur mit Quellenangabe „Harr. Anz/' gestattet.
Oessentliche Sitzung des Gemeinde - Ausschusses am 6. Januar 1898.
Anwesend die Herren: Nickel, Vorsitzender; Bier, Bode, Dr. Eisenach, Fritz, Halin, Hamm, Henrich, Hoffmann, Alex. Jung, Kehr, Koch, Korff, Rumpf, Schroeter, Seitz, Voltz, Weber, Wörner und Zeh, sowie Herr Vizebürgermeister Heraeus.
Die Sitzung beginnt mit Etatsberathungen. Der Etat der Knabenvolksschule pro 1898/99 sieht vor: Einnahme 18 600 Mk., Ausgabe 70 750 Mk, sonach erforderlich als Zuschuß der Betrag von 52 150 Mk. — Mädchevvolksschule: Einnahme 22 650 Mk., Ausgabe 7 7 650 Mk., Zuschuß 55 000 Mk. Herr Henrich fragt an, wie weit die Berathungen über die Neugestaltung der Schullokalitäten vorgeschritten seien. Herr Wörner gibt Aufschluß dahin, daß in der Baudeputation eingehende Berathungen stattgefunden haben und demnächst eine diesbezügliche Sonate erscheinen werde. — Bevor in der Etatsberathung weiter so tgeschritten wird, bringt Herr Bode einen dir mäßige Erhöhung des Schulgeldes im Allgemeinen betreffenden Antrag ein, denselben begründend durch die jährlich wachsenden Anforderungen unseres Schulwesens an den Stadtsäckel. Der Bedürfnißzuschuß erreiche im Etatsjahre 1898/99 die Höhe von Mk. 292 140 d. i. gegen das Vorjahr ein Mehr von ca. 42 000 Mk. Vor einigen Tagen habe eine gemischte Deputation zur Erörterung der Angelegenbeit eine S tzung abgehalten, zu welcher auch die Direktoren der Oberreal- und höheren Mädchenschule eingeladen worden seien. Er habe von den Berathungen den Eindruck erhalten, daß man einer mäßigen Erhöhung des Schulgeldes nicht abgeneigt sei. Sein Antrag gehe dahin: „Der Gemeinde-Ausschuß möge sich damit einverstanden erklären, dem Stadtrath zur Erwägung anheim zu geben, der Frage der Schulzeit erhöhung näher zu treten. Zur
feniHetett.
Das gesangliche Leben unserer Vaterstadt.
Hanan, 6. Januar.
(Schluß.)
Gesangverein Germania.
(gegründet am 23. Februar 1880.)
Durch becchtenswerthe Leistungen bekannt ist der Gesangverein „Germania", welcher dieses gelegentlich des im verflossenen Sommers stattgefundenen „Fohnenweihfestes" unseres Wissens zum ersten Male vor der großen Oeffevtlichkeit zeigte.
Der Zwick des Streit: § ist die Pflege des deutschen Männergesanges und der geselligen Unterhaltung. Hervor- gegangen ist in Frage kommender Verein aus den Mitgliedern dir Feuer» ehr spritze Nr. 1. Die Leitung hatte eine Reihe von Jahren der später zum Ehrenmitgliede ernannte Herr- Fritz Kämpfer. Hierauf übernahm auf kurze Zeit die Direktion des Gesanges Herr Lehrer Göbel, bis nach dieser Zeit Herr Kämpfer wieder den Dirigentenstab ergriff. Vom Jahre 1890 bis 1895 stellte der Verein die gesangliche Thätigkeit ein. Vom 23. Mai 1895 an wurden die gesanglichen Uebungen unter Leitung des Herrn Lehrers Ohl wieder ausgenommen.
Gegenwärtig ist der Dirigent dis Vereins Herr Lehrer Wagner, welcher d.nselben mit Fleiß, Umsicht und praktischer Tüchtigkeit leitet, wie die respektablen Leistungen. bei der im Sommer veranstaltiten „Fahnenweihe" zur Genüge bewiesen. An Mitgliedern zählt der Verein bereits 50 aktive, 30 passive und 1 Ehrenmitglied. Gegenwärtig führt den Vorsitz Herr Konrad Seikel. —
Gesangsabtheiliiiig des christl. Arbettervtrelns.
Im Jahre 1892 trat hier der christliche Arbeiterverein ins Leben, der noch Jahresfrist aus seiner Mitte heraus eine
^führung der Opern „Freischütz" und „Stradella" zu bewundern Gelegenheit hatte, darf und kann sich eine Vorstellung machen von dem ernsten Erfassen der gestellten Ausgabe.
Der Verein besuchte in den Jahren 1835—61 Gesangfeste in Mainz, Frankfurt, Würzburg, Köln und Darmstadt, fowie das IV. Mittelrheinische Musikfest in Mainz. Auch betheiligte er sich an den Mainthal-Sänaerfesten zu Offenbach und Homburg v. d. -H. Im Jahre 1875 feierte der Verein Frohsinn in großartiger Weise sein 50jähriges Stiftungsfest. Er besaß ein eigenes Haus mit großen Räumlichkeiten und einer Halle, die etwa 1000 Sänger faßt«. Letzteres, die Centralhalle, wurde umständehalber verkauft und ist gegenwärtig im Besitz des Herrn Restaurateurs Schüßler; im Innern sind nicht unwesentliche bauliche Veränderungen vor- genommen worden.
Während der Gesangverein „Frohsinn" den gemischten Chorgesang auf weltlichem Gebiete pflegte, hat der hiesige Oratorien Verein nun nahezu ein halbes Jahrhundert dieser Kunstgattung auf dem Gebiet der Oratorien Musik obgelegen. — Außerdem bestehen in Hanau zwei evangelische Kirchen- cköre (der der Jobannis- und Marienkirche) uns ein katholischer Kirchenchor. Letztere lassen es sich angelegen sein, zur Verherrlichung der Gottesdienste an Festtagen den religiösen Gesang zu pflegen. Welche spezielle Aufgabe sich die erwähnten Vereine gestellt haben und mit welchem hingehenden Fleiße dieselben thätig sind, ersehen wir am besten aus den gegebenen Notizen. —
Der hiesige Oratorienverein hat seine Thätigkeit im Januar 1849 begonnen. Sein erster Dirigent war ein geborener Hanauer, Herr Rühl*), der aber
Gesangsabtheilung bildete, hauptsächlich zu dem Zwecke, die Vereinsveranstaltungen durch den Vortrag geeigneter Chöre zu verherrlichen. Dirigent dieser GesangSabcheilung ist seit ihrem Bestehen bis auf den heutigen Tag Herr Lehrer Ohl, der es verstanden hat, unter nicht leichten Verhältnissen sich eine kleine wohlgeschulte Sängerschaar heranzubilden. Das alljährlich stattfindende Verbandssest der mittelrheinischen evangelischen Arbeitervereine gab der Gesangsabiheilung Gelegenbeit, auch außerhalb wie z. B. am Niederwalddenkmal, in Oberrad und Bockenheim, mit Erfolg aufzutreten. Bei dem Verbandsfest am Niederwalddenkmal wurde der von sämmtlichen Verbandsvereinen einstudirte Beethovensche Chor „Die Himmel rühmen" gesungen, den der Dirigent der hiesigen Gesangs- abtheilung Herr Lehrer Ohl dirigirte. Außerdem nahm die Gesangsabtheiluvg u. a. an den Fahnenweihfesten der Brudervereine in Darmstadt und Frankfurt a. M. theil. Anerkennung verdient, daß es sich der Dirigent zur Aufgabe gemacht hat, vornehmlich das Volkslied zu pflegen. Gegenwärtig zählt die Gesangsabtheilung des christl. Arbeitervereins 22 Mitglieder.
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Nicht unerwähnt soll bleiben, daß in Hanau schon im Jahre 1825 den 28. März ein Gesangverein ins Leben trat, den wir mit als einen der ältesten in Deutschland bezeichnen können. Es ist dies der Gesangverein „Frohsinn", welcher leider als Gesangverein nicht mehr existirt.
Genannter Verein beherrschte in früheren Zeiten das musikalische und gesangliche Leben Hau aus. Von tüchtige« Dirigenten (Herren Lukan, A. Appunn, W. Hamburger) geleitet, blühte das gesangliche Leben. Neben einem gut geschulten Männerchor hatte der Verein Frohsinn einen leistungsfähigen gemischten Chor, der sich an schwierige Aufgaben heran- wagte in der Aufführung verschiedener Opern und Operetten. Wer die trefflichen Leistungen in Gesang und Spiel bei Auf-
*) Anmerkung. Von ihm ist später auch in Frankfurt ein Oratorien-Verein gegründet worden, der noch den Namen „Rühl'scher Gesangverein" trägt.