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Ä»wneme«t».

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Jährlich 9 *.

WASHrl. 4 ^ 50 ^.

vierteljährlich 2 ^ 25 ^.

Für auSwärlige Metmenten mit dem betreffenden Psstaufschlag.

Die einzelne Nummer kostet 10 ^.

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Amtliches Organ für Hlsöt- unö LsnSKreis Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

EinrücknngS- gebühr

für Sradr- und Land» kreis Hanau 10 ^ b« ^gespaltene Garmond­zeile oder deren Raum, für Auswärts 15 ^.

Im Reklamentheil die Zeile 20 ^, für Auswäns 30 ^.

Nr. 3.

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Mittwoch den 5. Januar

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1898

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Amtliche Beilage" Nr. 2.

Amtliches.

Dicnstnachrichtcn aus dem Kreise.

Verloren: Ein vergoldeter Zwicker.

Gefunden: Ein gehäkeltes schwarzes Halstuch. Zwei neue Kämme. Eine Lockenscheere. Ein silberner Ring. Ein blauemaillirter Manschettenknopf. Verschiedene Briefmarken (von der Post).

Hanau am 5. Januar 1898.

^tadtBrei^ ^anau.

Bekamtmachungeu des Oberbürgermeisteramtes.

Oeffentliche Sitzung des Gemeinde-Ausschnfies

Donnerstag den 6. Januar 1898, nachmittags 5 Uhr. Berathungs-Gegen stände: 1. Etat der Knaben- und Mädchenvolksschule pro 1898/99. Knabenschule E. 18600, A. 70750, Zusch. 52150, Mädchenschule 22650, 77650, 55000. 2. Etat der Knaben- und Mädchenmittelschule pro 1898/99. Knabenschule E. 10600, A. 50550, Zusch. 39950, Mädchenschule 10300, 43900, 33600.

3. Etat der höheren Mädchenschule pro 1898/99. E. 29150, A. 59600, Zusch. 30450.

4. Etat der Oberrealschule pro 1898/99. E. 65500, A. 122500, Zusch. 57000.

5. Herstellung von eisernen Fenstern im Stadtschloß M. 511.

6. Vermiethung einer Mansardenwohnung daselbst.

7. Ausbau der Ramsaystraße M. 3100, E.-O. pro 1898/99.

8. Mehrkosten des Geländers an der Bebraer-Bahnhofstraße M. 133,13, Tit. XII 3 pro 1897/98.

9. Theilweise Neudeckung des Rathhauses M. 900, E.-O. pro 1898/99.

10. Sielanschluß des Restes der städt. Gebäude, E.-O. pro 1898/99 M. 19000.

11. Beschaffung von Plakattafeln und 5 Littfaßsäulen M. 1000, E.-O. I pro 1898/99.

12. Mehrbaukosten Nr. 41 Langstraße M. 754,99.

13. Einbau der Gas- und Wasserleitung in der Augustastraße, E.-O. Tit. II pro 1897/98 M. 21033,49.

14. Anschaffung einer Dampfwalze M. 16000, E.-O. pro 1898/99.

15. Rechnung des Gaswerks pro 1896/97.

16. Weiterverwilligung der seith. Unterstützungen an die Nachtwächter.

17. Ausstattung des Versammlungslokals in der höheren Mädchenschule, Tit. IV Sp.-E. B. pro 1897/98.

18. Nachverwilligung von M. 650 für Unterhaltung des städtischen Inventars, Tit. II C. 4 pro 1897/98.

19. Desgl. M. 300 für Reisekosten u. Tagegelder, Tit. II C.10.

20. Desgl. M. 150,08 für Laterne MarktstraßeBangert­straße, Tit. V 8 Gaswerk.

21. Desgl. M. 75,02 Mehrausgabe im Wosserwerk pro 1896/97.

22. Mittheilung, die Angabe des Dienstalters der Beamten im Etat betreffend. 188

Jeder Militärpflichtige, welchem über seine Dienstpflicht eine endgültige Entscheidung der Ersatzbehörden noch nicht ertheilt ist, hat sich in der Zeit vom 15. Januar bis zum 1. Februar d. J. bei dem hiesigen städt. Meldeamte (Langstraße 41 Part, rechts) zur Rekrutirungsstammrolle zu melden, bei Vermeidung der im Gesetze angedrohten Nachtheile.

Für solche Militärpflichtige, welche ohne an einem anderen Orte im deutschen Reiche einen davernden Aufenthalt zu haben, abwesend sind, haben deren Eltern, Vormünder, Lehr-, Brod­oder Fabrikherren die Anmeldung zu besorgen, ebenfalls bei Vermeidung der im Gesetze angedrohten Nachtheile.

Diejenigen Militärpflichtigen des Jahrgangs 1878, welche außerhalb Hanau's geboren, haben bei Anmeldung zur Stamm­rolle ihren Geburtsschein, welcher von dem Standesamte des Geburtsortes für diesen Zweck gebührenfrei ausgestellt wird, vorzulegen.

Hanau am 3. Januar 1898.

Der Oberbürgermeister

Dr. Gebeschus. 153

Eine Wahlparole.

Immer deutlicher tritt in den Reihen der demokratischen Opposition die Verlegenheit zu Tage, eine passende Parole für die kommenden Wahlen zu finden. Die bisherigen Ver­suche auf diesem Gebiete stellt der jüngste Vorschlag des Berliner Tageblatts" in den Schatten. Dieser Vorschlag einer angeblich zündenden Parole, einer Parole, die nach Ab­sicht des genannten Blattes,mit dem nöthigen Nachdruck

hinausgerufen in alle Wahlkreise und in alle Stände, ein Echo wecken würde wie Donnerhall", lautet:Nieder mit der Polizei-Bevormundung I Hoch die persönliche Freiheit!"

Liest ein mit unsern innern Zuständen Unvertrauter diese Worte, so könnte er glauben, wir lebten unter Verhältnissen, die den übertriebensten Schilderungen sibirischer oder ost- asiatischer Dinge entsprächen. Auf die persönliche Freiheit wird ein Hoch ausgebracht als wie auf ein erstrebenswerthes Ideal, auf ein Gut, das man sehnsüchtig erhofft, aber nicht besitzt. Wer aber unsere heimischen Zustände auch nur einiger­maßen kennt, weiß, daß sich hinter der neuesten demokratischen Wahlparole nichts als leerer Wortschwall birgt. Wo gebe es wohl im deutschen Reiche einen Bürger, der sich in seiner persönlichen Freiheit bedroht fühlte? Wir stehen nicht an, zu behaupten, daß in keinem Staate der Erde die persönliche Freiheit auf gesicherterer Grundlage ruht als gerade bei uns in Deutschland. Auch unser Vaterland hat die zu seiner Zeit erzieherisch und kulturfördernd wirkende Entwicklungsstufe des Polizeistaates durchgemacht, aber diese Epoche ist längst vorüber, und an Stelle des Polizeistaates ist seit lange be­reits der Rechtsstaat getreten. Das weiß und fühlt im Grunde genommen auch die Demokratie recht gut. Sie ver­sucht es aber nach alter Gepflogenheit dennoch, längst ver­rostetes Rüstzeug aus der Rumpelkammer hervorzuholen und dieses durch möglichst lautes Schreien mit erneuter Kraft aus- zustatten.

Doch halt, dasBerliner Tageblatt" hat ja auch den Versuch gemacht, seinen Vorschlag durch Thatsachen zu recht­fertigen. Es beruft sich zum Beweise dafür, wie nothwendig seine Parole sei, auf zwei Fälle der jüngsten Vergangenheit, in denen Uebergriffe niederer Polizeiorgane mehr oder minder sicher festgestellt sind. Nun wird es gewiß keinem ehren- werthen Menschen einfallen, derartige Vorkommnisse be­schönigen zu wollen. Wo aber bleiben Logik und Gerechtig­keitsgefühl, wenn man aus vereinzelten Vorgängen alsbald verallgemeinernde Schlußfolgerungen zieht und ein ganzes System für die hie und da stattfindenden Verfehlungen unter­geordneter Beamter haftbar machen will? Jedes System, auch das beste, ist bei seiner Durchführung von menschlicher Thätigkeit abhängig, und solange Menschen eben Menschen sind, behaftet mit den Fehlern uno Schwächen unserer irdischen Natur, werden daher auch Uebertretungen und dem Geiste des Systems widerstreitende Handlungen nicht gänzlich zu vermeiden sein.

Das freisinnige Organ thut der Wahrheit direkt Abbruch, wenn es von derdiskretionären Vollmacht" oder gar der

Ferrillets«.

Das gesangliche Keben unserer Vaterstadt.

Hanatt, 5. Januar.

Motto:Das Göttlichste im Menschen- geist offenbart sich am Herr- .lichsten in der Kunst; die Be­schäftigung mit ihr begeistert, erhebt, veredelt."

Die geschichtliche Entwickelung des Gesanges lehrt, daß derselbe von jeher auf verschiedenen Wegen und in verschiedenen Formen das eine große Ziel verfolgt hat, die Menschheit für ideales Streben zu erwärmen und zu begeistern. Diesem Zwecke dient in besonderer Weise auch der deutsche Männer­gesang.

Seitdem zu Anfang unseres Jahrhunderts der vier­stimmige Volksgesang eingeführt wurde und überall in unserem Vaterlande sich Vereine bildeten, welche sich die Pflege des­selben angelegen sein ließen, haben sich auch in Hanau Männer zusammengethan, um dieses nationale Gut zu geistigem Eigenthum zu machen, eingedenk des herrlichen Dichter-Ausspruches:Was du ererbt von deinen Vätern, erwirb es, um es zu besitzen."

Dem aufmerksamen Beobachter ist wohl nicht entgangen, wie mit den Jahren der Gesang in unserer Vaterstadt eine ernste Pflegestätte gefunden hat und auf diesem Gebiete be- achtenswerthe Resultate erzielt worden sind.

Die Fortschritte aus gesanglichem Gebiete liegen wohl einestheils an der Tüchtigkeit und den eifrigen Bemühungen strebsamer Dirigenten, anderntheils aber auch an dem In­teresse und der Hingabe der Sänger für die edle Sache und nicht zum mindestens an dem bei den meisten Hanauern aus­geprägten Sinn für Kunst. In einer Stadt, in welcher so viel Interesse für die plastische Kunst vorhanden, ist wohl auch Sinn für die musikalische Kunst und insbesondere für dieallergeistigste", den Gesang, in hohem Maße zu finden. Dieselbe findet bei Hoch und Niedrig, Arm und Reich, sehr viel Anklang.

Mit der wachsenden Pflege des Gesanges haben unsere Sänger von jeher in den Werken der besten Tondichter r. B. eines Schubert, Schumann, Kreutzcr, Mozart, Bruch, Kremser, Marschner, Koschat, Abt, S sicher, Zöllner und vielen anderen ihre Befriedigung gefunden, und durch diese herrlichen Pro­dukte ist bildend und veredelnd, stärkend und erhebend auf Geist und Gemüth eingewirkt worden.

Wenn wir die gesanglichen Bestrebungen genauer verfolgen, so wird von den Vereinen auch heute der Grundsatz befolgt, das Beste und Schönste zu bieten, was die Gesangesliteratur aufweist. Insbesondere hat der Vollsgesang, der unser In­nerstes am tiefsten und unmittelbarsten bewegt und erhebt, höchste Beachtung gefunden. Dem Volkslied ist gegenwärtig ein bleibender Platz aus dem Repertoir der Gesangvereine eingeräumt. Die Sänger unserer Vaterstadt haben erkannt, daß wir in dem schmucklosen und simplen Volksliede den innersten Herzschlag des deutschen Volkes bewundern, wie er uns in inniger Gemüthstiefe, Treuherzigkeit und Grundehr­lichkeit entgegentritt. Unsern Sängern ist es mehr oder weniger zur Gewißheit geworden, daß die einfachen Melodien und Harmonien einen gewaltigen Zauber auf unsere Seele ausüben!*) Aber auch an Chöre schwierigen Inhalts und klassischer Formen treten die Sänger heran, um neben der leichten und gefälligen Muse, vom künstlerischen Streben Zeugniß abzulegen. Wie im Gesang Reinheit der Intonation, feinfühlige Dynamik, deutliche Textaussprache, Innigkeit, Wärme nnd verständnißvoller Vortrag angestrebt werden, um durch ihn einen bleibenden und schönen Eindruck zu sichern, be­weisen die einzelnen Vereine jedes Jahr in den veranstaltetcn Konzerten, Liederabenden, Etifturgssestcn rc.

In den Reihen der Sänger begrüßen wir Männer aller Berufsstände und Klaffen, welche sich bemühen, den schönen Vollsgesang, aber auch die Kunstwerke unserer Meister im Sinne und Geist derselben zur Aufführung zu bringen. Die »orurtheilsfreie Kritik muß die erfreulichen Resultate anerkennen,

*) Anmerkung: Zn bedauern bleibt jedoch, daß noch nicht überall dem Volksliede die gebührende Beachtung geschenkt wird.

welche mit Hilfe der eifrigen Bemühungen der Sänger und durch sorgfältige Leitung erreicht werden konnten.

Neben dem ethischen Werth hat der Gesang aber auch eine praktische Bedeutung. Durch ihn werden nämlich unsere vater st ädtischen Feste verschönt und verherrlicht.

Wenn wir uns einen kurzen Blick rückwärts gestatten, so ist hervorzuheben, daß bei Festen religiösen CharakierS durch die Mitwirkung der Sänger dazu beigetragen wurde, daß sich diese Veranstaltungen erhebend gestalten konnten. Aber auch bei Festen, wo es galt, die vaterländische Gesinn­ung zu pflegen, die Vaterlandsliebe zu kräftigen und die Flammen der Begeisterung in Jugend und Volk zu nähren, waren Hanaus Sänger am Platze. Bei festlichen Gelegen­heiten lokaler Bedeutung haben die Vereine willig und gerne ihre schwachen Kräfte zur Verfügung gestellt und bei unseren Turn-, Schützen-, Feuerwehrfesten durch geeignete Vorträge angenehme Abwechselung und Genüsse geboten. Welch treff­liche Leistungen die Sänger bei der 300jährigen Jubelfeier der Neustadt im verflossenen /Jahre aufweisen konnten und wie der Gesang damals ein großer Anziehungspunkt bildete für Jung und Alt ist jedenfalls noch frisch in aller Erinne­rung. Gewiß darf in dem gesanglichen Leben unserer Vater­stadt auch nicht unerwähnt bleiben, daß die Sänger einzeln und in geschlossenen Reihen durch wohlthätige Veranstalt­ungen Noth und Elend mit mildern halfen. Die Leistungen haben in früherer Zeit und insbesondere in der Gegenwart bei unseren Bürgern und unseren städtischen Behörden ein williges Ohr, Anerkennung imd Dank gefunden, ein Sporn zu weiterer segensreicher Thätigkeit.

Aber auch innerhalb des Vereins ist der prak­tische Gewinn des Gesanges nicht zu unterschätzen! Durch den Gesang werden die veranstalteten Festlichkeiten gewürzt und belebt. Die gemeinsamen Wanderungen durch Felder, Auen und Wälder werden durch gesangliche Vorträge ver­herrlicht. Die L eder erklingen voll Freude am Traualtar dem Freunde; sie erheben das Herz des Braut- oder Jubel­paares wohl auch zur nächtlichen Stunde; sie verhallen in wehmüthigen Akkorden als letzter Gruß am Grabesrande des Sängers.