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Amtliches Organ für Htaöi- unö LanSKreis Hanau.

SinrücknngS- gebühr

für Stadt- und Land­kreis Hanau 10 ^ die ^gespaltene Garmond- zeile oder deren Raum, für Auswärrs 15 ^.

Im Reklamentheil die Zeile 20 ^, für Auswärts 30 ^.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Nr. 2. Dienstag den 4. Januar 1898

HeaHeHHHBgW^MS^MeSSKmMSSaHBraHHHSBS^^-^^s^g^^

Amtliches.

^anb^rex^ ^anau.

Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtcs.

In Hörstein, Bezirksamt Alzenau, ist die Maul- und Klauenseuche erloschen und die Sperre aufgehoben worden.

In Albstadt, Bezirksamt Alzenau, ist die Seuche aus­gebrochen und Gehöftsperre angeordnet worden.

Hanau am 3. Januar 1898.

Der Königliche Landrath

V. 21 u. 22. v. Schenck.

Dicnstliachrichtcn aus dem Kreise.

Gefunden: Ein goldnes Medaillon mit Reisekettchen. Ein Regenschirm. Ein guter grauer Filzhut am Neust. Markt.

Zugelaufen: Ein Stallhase'.

Verloren: Ein Einhunderlmarkschein.

Hanau am 4. Januar 1898.

^U^tRreh ^anau.

Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.

nach St. Thomas zu gehen, wo unsere Schulschiffe lagen. Die Aufregung war hier auf den Gipfelpunkt gestiegen und die Zeitungen wühlten und hetzten mit den abenteuerlichsten Gerüchten. Als Sonnabend den 4. Dezember das Gerücht entstand, unsere Kriegsschiffe seien in Sicht, flohen alle Bewohner der Stadt in die Berge oder verkrochen sich in den Häusern. Am selben Tage erhielt unsere Gesandtschaft eine Depesche vom Grafen Schwerin, daß er Montag früh um 6 Uhr präzise in Port au Prince einlaufen würde. Von St. Thomas hatte man es so einge­richtet, daß Sonntag den 5. Dezember morgens zwei Steamer der Hamburg-Amerika-Linie, dieSlavonia" undGalicia", im hiesigen Hafen einlaufen konnten, um die zahlreichen Deutschen mit ihren Familien an Bord zu nehmen. Am Sonntag Nachmittag hatte sich bereits auf Ordre der Legation

der größte Theil der Deutschen eingeschifft.

in der Stadt war furchtbar.

Die Aufregung

Jeder Bürger lief bis an die

Zähne bewaffnet in den Straßen herum; an Ausgehen war für uns Deutsche nicht zu denken. Die Regierung hatte Sonnabend Nachmittag eine Proklamation an das Volk er­lassen, die von Tapferkeit und Freiheit strotzte, in der es aber zum Schluß hieß, daß bei Ankunft der deutschen Kriegs­schiffe die Regierung nur für die Mitglieder der neu-

Jeder Militärpflichtige, welchem über seine DienstpflichtJralen Machte verantwortlich sei, wir Deutsche eine endgültige Entscheidung der Ersotzbehörden noch nicht ^" ^ ^n a ls 0 für v 0 gel f r er er klar t.

ertheilt ist, hat sich in der Zeit vom 15. Januar bis' ~ ± ,

MM 1. gtltttOT ». 3. bei O.m hiesig,» ^ Ita »tf «Jg^

Meldeamts <La«gft«ahe 4t pari, rechts) zur ",^^ °te, unb /-® ^ V1"* M"n taglamm flftä Retrutirungsstammrolle zu melden,

- - - -- --- blick, und ^taufenbe von Haitianern betrachteten lautlos dies

Montag präzise um 6 Uhr erschienen vollkommen gefcchts-

der im Gesetze angedrohten Nachtheile.?' ? ^enoe von Hamanern verrosteten lautlos dies

Für solche Militärpflichtige, welche ohne an einem anderen ^chauipnl. ^n der Mitte des Ho^ns ntw ...

Orte im deutschen Reiche einen dauernden Aufenthalt zu haben, iBOr. ^^r. <ne vier haitianischen Kriegsschiffe, von denen abwesend sind, haben deren Eltern, Vormünder, Lehr-, Brod- ^ ganz verlassen waren, Jetten sich in die Ecke des im oder Fabrikherren die Anmeldung zu besorgen, ebenfalls bei^"^ liegenden Forts, der ^nsel ^»ler, gelegt. Es herrschte ' . - ^ U ' AM SKATS S?O1OV tlötMflH P'AMAMMlhArtlsl AI ♦♦ VAAnR O^nM

In der Mitte des Ha^ns ar^i

elangt, legten sie

Vermeidung der im Gesetze angedrohten Nachtheile.

an Bord dieser kleinen Kanonenboote ein reges Leben. Gegen

Vermeidung der im Gesetze angedrohten Nachtheile. I n Mt n- & ; ' £r ; :r, ^ ^^.

Diejenigen Miliiärpfl chtigen des Jahrgangs 1878, welche i ^ Uhr stießen von derCharlotte 4 Boote ab, jedes mit außerhalb Hanou's geboren, haben bei Anmeldung zur Stamm-! emem Maximgeschutz am Steven, vorne einer weißen flagge rolle ihren Geburtsschein, welcher von dem Standesamte des ^r Kriegsflagge Deutschlands. ^ie

Geburtsortes für diesen Zweck gebührenfrei ausgestellt wird, ^^ sausten die Boore über das Wasser. Am ^ort

vorzulegen.

Hanau am 3. Januar 1898.

Der Oberbürgermeister Dr. Gebeschus.

Am Port angekommen, entstiegen dem ersten Boot ein Lieutenant und

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Die deutschen Kriegsschiffe vor Haiti.

einige Soldaten. Vorweg trug man die Parlamentärfahne; dann folgte der Lieutenant und die Matrosen mit aufge­pflanzten Bajonetten. Der Lieutenant trug ein großes Schreiben, welches er dem Hafenkommandanten mit den Worten überreichte:

Hier ist das Ultimatum 311t sofortigen Einhändigung an den

, , Präsidenten von Haiti. Sie haben Zeit bis 1 Uhr. Ich habe jetzt

erstatter in Port au Prince bringt nachstehende Mit-. 9 Uhr".

theilungen dorther vom 9. Dezember v. J. j Dieser Lapidarstyl warf den Hafenkommandanten bereits

Graf Schwerin verließ mit seiner Gemahlin ganz plötzlich' platt auf den Boten und stotternd bat er, daß ihn der Haiti, um mit einem Steamer der Hamburg-Amerika-Linie Lieutenant zum Präsidenten begleiten möchte.Das ist1

Ein ausführlicher Bericht derPost" von ihrem Bericht-

jetzt

Kleines Feuilleton.

Aus Kunst und Leben.

* Die Peusions Anstalt der Genossenschaft deutscher Bühnenangehöriger. Das Vermögen der Pensions-Anstalt tat nach dem letzt jährigen, den Zeitraum vom 1. Oktober 1896 bis 30. September 1897 umfassenden Rechenschaftsbericht die Höhe von fünf Millionen und acht- zehntausend Mark erreicht. Trotz dieser hohen und an­scheinend so günstigen Ziffer, welche sich durch manche der Pensions-Anstalt gemachten Schenkungen edler Menschen­freunde, aus einer Reihe von Vermächtnissen, den namhaften Zuwendungen einzelner hervorragender und glücklich situirter Künstler, sowie den außerordentlichen Einnahmen durch Benefiz- vorstellungen und sonstige Veranstaltungen erklärt, während die pflichtmäßigen Beiträge der Mitglieder zur Zeit noch immer hinter der erwarteten Höhe Zurückbleiben müssen, da bei Weitem noch nicht allen Bühnenkünstlern die Möglichkeit gewährt ist, die mit dem Eintritt in die Genossenschaft über­nommenen Verpflichtungen damrnd erfüllen zu können, ist das Ergebniß der Feststellung der Jnvaliden-Penstone«, welche zur Zeit zur Vertheilung gelangen können, auch in diesem Jahre noch unverändert geblieben. Es gelangen hiernach zur Auszahlung

für die I. Kategorie 80 Mk.

II. 100

w w III- tt 108

IV. 300

Der Grund dieser Erscheinung liegt einmal in dem Umstände, daß bei dem Jnslebentreien der Pensions-Anstalt vor 26 Jahren aus Rücksichten der Humanität eine größere Anzahl von Bühnen-Angehörigen Aufnahme gesunden, welche sich be­

reits in vorgerückteren Jahren befanden; zum anderen be­dingt der fortdauernde Rückgang des Zinsfußes in den letzten Jahren und dessen zu erwartendes noch weiteres Sinken die Verwendung des ursprünglich zur Ausbesserung der Pensionen angesammelten Reservefonds im Interesse des Ausgleichs der Verluste an Kapitel- und Hypothekenzinsen des Anstaltsver- wögens noch auf Jahre hinaus und mußte somit die wohl von manchem Veteranen der Bühne im Stillen erwartete und aus dem Schooße der Delegirtenversammlung in einem bezüglichen Anträge lebhaft befürwortete Erhöhung der Pensionen für dieses Jahr verweigert werden, wie voraussichtlich auch noch für die allerrächsten Jahre eine solche kaum zu erwarten steht. Um so dringender und zwingender erscheint dem gegen­über die Nothwendigkeit einer stetigen und ergiebigen Ver­mehrung der außerordentlichen Einnahmen der Pensionsanstalt, die im vorigen Jahre anläßlich deS ersten Jubiläums der Genossen'chaft deutscher Bühnerangebörixer sich eines erheb­lichen Zuwachses erfreuen durften. Die von den Vorständen deutscher Bühnen s. Z. als eine Ehrenverpflichlung aner­kannte Aufgabe der Förderung der Interessen der deutschen Bühnengenlssenschaft ist seitens mancher Theaterleiter bisher in entgegenkommendster und hochherziger Weise eingelöst worden durch die Veranstaltung von Bemfizoorstellungen und Unterstützung von Festabenden, Künstlersesten, Ballfestlichkeiten u. a. m. wie sie da und dort zum Besten der Pensions- anstalt mit meist glücklichem Gelingen stattgesundcn haben und namhafte Uekerschüsse ergaben. Viele andere freilich sind damit noch im Rückstände geblieben. Dem freien Ermeffen der Theatervorstände wird es immer überlassen bleiben müssen, ob sie sich zu einer die humanitären Zwecke der genannten An­stalten fördernden thatkräftigen Unterstützung auf diesem oder jenem Wege bereit finden wollen Ehre wird es jedem von ihnen bringen, wenn es geschieht vnd in einer Weise ge­schieht, daß ein zufriedenstellendes Resultat mit einiger Sicher -

nicht nöthig", antwortete dieser, sprachs und wandte den Rücken. Alsbald sausten die Boote zurück in den Hafen. Gleichzeitig waren Schreiben an sämmtliche Konsulate in der Stadt ergangen, in denen das Ultimatum enthalten war mit der Bemerkung, daß die deutschen Handelsschiffe bereit wären, sämmtliche Fremde an Bord zu nehmen und daß man die Konsulatsfahnen möglichst hoch hissen möchte. Der früh morgens infolge einer Depesche hereingekommene Dampfer der französischen Kompagnie Transatlantique erhielt ein Schreiben des Kommandanten Thiele derCharlotte" (EinHanauer. D. Red.); es lautete:

Lieber Kapitän! Um 1 Uhr versenke ich die haitianische Flotte. Ich bitte Sie, Ihren Dampfer möglichst weit aus der Schußlinie zn entfernen. Thiele, Kommandant der deutschen Streitkräfte in den haitianischen Gewässern".

Inzwischen bevölkerten wohl 2 Dutzend kleiner deutscher Boote den Hafen an allen Ecken und Enden, zum Vergnügen, wie die Haitianer glaubten. Dabei peilten diese Boote den ganzen Hafen aus, ich selbst habe später mehr als 34 kleine Bojen gezählt, die den großen Schiffen den Weg angeben sollten. Sie bestanden aus einem kleinen Kreuz aus Bam­busstäben, das durch Blei am Boden festgehalten wurde und oben eine kleine Fahne hatte. Der haitianischeAdmiral" hatte sich vor lauter Schreck über diese Thätigkeit, die chm nachmittags erst bekannt wurde, und über das ganze Auf­treten der deutschen Schiffe total betrunken.

Das Ultimatum war innerhalb einer halben Stunde in der Stadt bekannt, und ich hielt es nun auch für noth­wendig, mich einzuschiffen. Der Hafen lag ganz frei,Char­lotte" undStein" waren ganz nahe an die Stadt gerückt, und drohend leuchteten die mit Kanonen gespickten Breitseiten in die Stadt. Die beiden deutschen Steamer der Hamburg- Amerika-Linie und der französische Dampfer lagen weit draußen im Meer. Auf dem Franzosen befanden sich gegen 900 Personen aller Nationen, wir Deutschen waren auf ter Slavonia" undGalicia" mit einigen Haitianern und gegen hundert Italienern. Das Ultimatum lautete:

1. Sofortige Bezahlung von 20 000 Dollar Gold.

2. Entschuldigungsbrief des Justizministers an den Grafen Schwerin, der so gehalten werden mußte, daß derselbe dem Grafm volle Genug­thuung gab.

3. Umstoß des Urtheils gegen Emil Luders; Rückkehr desselben nach Haiti, wenn er will, und Schutz seiner Person vom haitianischen Gou­vernement.

4. Die Frist lautete bis 1 Uhr mittags.

Also 4 Stunden hatte Haiti zum Ueberlegen. Um halb 1 Uhr sollte für die Konsulate der erste blinde Schuß ab­gegeben werden, um 1 Uhr sollte nötigenfalls das Bom­bardement beginnen.

Ich befand mich aus derSlavonia". Die Amerikaner, deren KriegsschiffThe Marblehead" nicht zur rechten Zeit angekommen war, hatten sich beim amerikanischen Minister versammelt.

heit erreicht werden kann. Möchten dem im Vorjahre von so vielen Seiten gegebenen Beispiele recht bald diejenigen Nachfolgen, welche bisher hierzu noch nicht Veranlassung oder Gelegenheit fanden. H.

Das Jahr 1898 scheint nach den bisher bekannt ge­wordenen Veranstaltungen und Unternehmungen ein recht er- eignißreiches werden zu sollen. Am 12. April wird das 100jährige Bestehen der Schweiz alsHelvettsche Republik" gefeiert. In Dänemark wird am 8. April der 80. Geburts­tag des Königs Christian IX. gefeiert, an dem die regieren­den Häuser von England, Rußland und Griechenland um den greisen Fürsten versammelt sind. Ganz Sachsen trifft große Vorkereiiungen für den 70. Geburtstag des Königs Albert am 23. April, und das 50jährige Regierungsjubiläum des Kaisers Franz Josef I. ron Oesterreich am 2. Dezember wird mit größtem Glänze vor sich gehen. Im Monat Sep­tember wird das kleine Holland und speziell die blühende und freie Handelsstadt Amsterdam der Schauplatz glänzender Er- eiglnsse sein aus Anlaß der Großjährigkeit und Krönung der jungen Königin Wilhelmine. Die gebildete Welt Deutschlands begeht am 2. April den hundertsten Geburtstag des Dichters Hoffmann von Falles leben, die deutschen Stenographen am 20. Mai den hundertsten Geburtstag ihres Meisters Wilhelm Stolze. Italien wird den hundertsten Geburtstag seines großen Dichters Giccrmo Leopardi am 29. Juni zu einem Nationalfesttag machen, der 15. August wird ein großer Fest­tag der deutschen Katholiken werden, da vor 600 Jahren die Grundsteinlegung zum Kölner Dom erfolgte. Oesterreich wird die 50jährige Wiederkehr der Seeschlacht von Custozza und das Andenken des siegreichen Radetzki am 25. Juli, England die Erinnerung an die Seeschlacht von Abukir vor hundert Jahren und ihren Sieger Nelson am 1. August feiern, und in denTagen vom 23. bis 27. Juli wird Hamburg der Schauplatz des glänzend­sten Deutschen Turnfestes sein, das bisher stattgefunden hat.