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Amtliches Organ für 5faöl- unS LanöKreis Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Nr. 303.
Dienstag den 28. Dezember
1897.
„Amtliche Beilage" Nr. 92.
Dicnstiiachrichten aus dem Kreise.
Zugelaufen: Ein gelber Spitz.
Entlausen: Ein kleiner brauner Spitzhund m. Geschl., auf den Namen „Flick" hörend.
Gefunden: Ein Geldstück.
Hanau am 28. Dezember 1897.
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In der oftasiatischen Frage
liegt eine Reihe von interessanten Mittheilungen vor, die allerdings zum größten Theil aus englischen Quellen her- rühren und erst noch anderweitiger Bestätigung bedürfen.
London, 27. Dez. Die Times melden aus Shanghai: Die britische Schaluppe „Phönix" segelte mit dem Befehl, sich dem Geschwader des Admirals Buller anzuschließen, ab. Ueber die Ziele des Geschwaders wird die größte Ver schwiegenheit beobachtet. Ein Gerücht bezeichnet Talieuwan als seinen Bestimmungsort. Die chinesische Regierung lehnte :s ab, die Likinsteu-r unter auslärdische Kontrole zu stellen als Sicherheit sür das Darlehen von der Hongkong-Shang- jai-Bank. Sie erklärt, falls dasselbe nicht ohne diese Be- lingung gewährt würde, würden sogleich Arrangements für !ine garantirte russische vierprozentige Anleihe von hundert Millionen Tael mit einem Emlssionspreis von 93 netto getroffen werden. Als Sicherheit dafür würde die Landsteuer mgeboten, die jedoch unter chinesischer Verwaltung verbleibe. Dafür würde China Rußland das Monopol für Eisenbahnen tnb Bergwerke nördlich der großen Mauer geben, sowie einen offenen Hafen als Endstation für die sibirische Bahn und -udlich zum Nachfolger des Generolzollinspcktors Hart einen Russen ernennen. — Daily Mail meldet aus Shanghai, es verlaute dort, daß am Weihnachtstag britische Truppen in I Hemulpo gelandet seien, welche die Wiedereinsitzung Mc'Leavy Browns als Berather für die koreanische Steuer- innahme veranlaßten. Einem Gerücht zufolge sei die uitische Flagge aus einer Insel an der Jangtße-Kiang- Nürdung aufgezogen. Dem Burau Dalziel zufolge übereichte der britische Vertreter in Söul ein Ultimatum gegen ie Ersetzung Browns durch einen Russin, sowie gegen die Monopolist! ung des Steuerdienstes durch Rußland. Bullers Geschwader unterstützte dieses Ultimatum, und die japanische flotte erwartet dort das Resultct desselben, da die japanische Regierung Englands Aktion unterstützt. Japan soll der sinesischen Regierung seine Unterstützung bei der Armee- Reorganifation angeboten heben unter Bewilligung eines lusschules für die Zahlung der Kriegsentschädigung.
Feuilletsn.
Ein Rückblick auf die Vergangenheit von Milhelmsbad.
Hana«, 28. Dezember.
Eine der meist besprochenen Hanauer Togesfragen ist -genwärtig unstreitig der geplante Theilverkauf von Wil- llmsbad. Die Geschichte dieses Ortes ist eines der interes- wtesten Kapitel unserer Lokalgeschichte und es dürfte beson- rs in der Jetztzeit die nachfolgende Dorlegung derselben nseren Lesern willkommen sein.
Wenn ehemals die Hanauer Bausteine bedurften, dann ihren sie in die „Steinkaute", wo der zum Mauern so rauchbare Dolerit in mächtigen Lagern zu finden war. Auch e bei Errichtung unserer Neustadt verwendeten Bau- vnd Pflastersteine stammen aus der „Steinkaute". Heute ist die Steinsaute verschwunden, an ihrer Stelle befinden sich der gliche Park und die stattlichen Gebäude unseres schönen Dilhelmsbades, nur die Unebenheiten des Bodens er innern ich an die Mulden und Gruben des alten Steinbruches, ei der Entstehung des Badeortes war dem heiteren Spiel s Zufalls eine Hauptrolle zugedocht. Es war im Jahre f09, als zwei Kräuterweiber aus Har au zwischen den ümpfen und dem Geröll der Steinkaute eine Quelle ent- ckten, deren Wasser bald rach dem Genuß bei einer der rauen „zu purgiren anfing, als wenn sie eine gelinde Pur- rtion gerrmmen hätte". Erfahrene Männer, nie der Leibst des Grasen Philipp Reinhard, Dr. Jeremias Müller
Andere, erkannten am Geschmack, der Wirkung des Essers und dem ausgeworfenen röthlichen Schlamm der ^ville, daß man es hier mit einer Heilquelle zu thun hatte, us Veranlassung des vorgenannten Arztes ließ der Graf
Petersburg, 27. Dezbr. Die Russen haben laut hier tigen Einfluß aus. Daß Wilhelm preußischer General war ingtti offener Nachricht den Hafen Kuan-Tschia, nördlich von und überhaupt zu Preußen yinneigte, war für Napoleon ein
Port Arthur, besetzt.
Ueber die Audienz, welche Bischof Anzer, der Surerior der deutschen katholischen Missionen in China, kürzlich beim Papste hatte, liegen jetzt nähere Mittheilungen vor.
Danach unterhielt sich Leo XIII. mit Herrn Anzer über tie Proklamation das Volk zum Kampfe gegen Frankreich aufgegenwärtige Lage der katholischen Missionen in China und rief. Im Feldzuge von 1814 leitete er die Belagerungen von
die energische Aktion, welche die deutsche Regierung zum Thionville, Luxemburg, Metz und Saarlouis. Am 27. Fe-
Schutze der deutschen Missionen unternommen hat. Der bruar 1821 starb Wilhelm I. im 78. Lebensjahr und der
Vatikan verfolgt die deutsche Expedition unter Führung des
Prinzen Heinrich mit sehr günstigen Blicken. Der Papst hat die Hoffnung ausgesprochen, daß die energische Haltung, die nunmehr gegen China beobachtet wird, dazu beitragen werde, der chinesischen Regierung einen heilsamen Schrecken einzujagen, was selbstverständlich für die Lage aller katholischen Missionen in diesem Reiche von vortheilhafter Rückwirkung sein muß. Was die Stellung des Pariser Kabinets zu dieser deutschen Aktion vom Gesichtspunkte des französischen kapitalien der Kabinetskasse wie der Generalkasse in zwei Protektorates über die katholischen Missionen in Ostasien be- Hälften zu theilen und die eine als sog. Staatskasse zu übertrifft, so glaubt man, daß von dieser Seite eine Einsprüche weisen; die andere bildete das fürstliche Hausfiretkommißver-
nicht zu besorgen sei. Es sei hierbei darauf hingewiescn, daß Bischof Anzer schon vor einigen Jahren in einem an den
französischen Gesandten in Peking gerichteten Schreiben erklärt hat, daß er das französische Protektorat nicht anerkenne und daß er sich als unter dem Schutze der deutschen Regierung stehend betrachte.
Aus Stadt- und Landkreis Hanau. Nachdruck unserer Lvkalartikel nur mit Quellenangabe „Han. Anz." gestattet.
* Jur Erinnerung. Unter den vielen dahingeschiedenen Männern von B.deutung, deren Gedenktage wir im Laufe des Jahres gefeiert haben, darf einer nicht vergessen werden, der in unserem Hessenlande einst die erste Stelle ein- nahm, nämlich Kurfürst Wilhelm II. Am 20. November waren 50 Jahre- seit seinem Abscheider! verflossen. Geboren zu Hanau am 28. Juli 1777, genoß er von seinem gestrengen Vater Wilhelm I. eine fast ausschli ßlich militärische Erziehung. 1792 beseitigte er sich schon an dem Feldzüge in der Champagne. Er studirte darauf einige Jahre in Marburg und Leipzig und vermählte sich sodann mit einer Tochter König Friedrich Wilhelms II., Prinzessin Auguste. Das junge Paar lebte in den ersten Jahren seiner Ehe in Hanau. Nach Besetzung Hissens durch die Franzosen im Jahre 1806 begab sich der Kurprinz mit seinem Vater nach Holstein und später nach Prag, von wo er 1809 mit seiner
Gemahlin nach Berlin übersiedelte.
Sein Aufenthalt in
Berlin und der Verkehr mit den Männern, welche Preußens Briefträger bezw. Postfchaffner, 800 Mk. Gehalt und 72 Mk. Erhebung im Stillen vorbereiteten, übten auf ihn einen mäch- Wohnungsgeldzuschuß jährlich.
die Quelle mit einem fieir erntn Brunnenkosten einfassen, ringsum gute Wege nnd einige Ruheplätze anlegen, sowie ein einfaches Häuschen für einen zu bestellenden Wächter errichten. Nunmehr begann eine Wallfahrt von Kranken ans Nah und Fern nach dem guten Brunnen, wie die Quelle fortab genannt wurde. Nach und nach entdeckte man noch vier weitere Quellen gleichen Gehalts, aber die zuerst gefundene, über die sich auch heute noch der Brunnentempel wölbt, wurde am meisten gebraucht. Die anderen vier Quellen wurden nach Erbauung der Badeonstalten der Havptquelle zur Verstärkung zugesührt. Was den Gehalt der Quellen betrifft, so waren nach einer von Dr. G. Gärtner im Jahre 1788 vorgenommenkn Analyse die Bestandtheile in einem Pfund (12 Unzen) Wilhelmsbader Mineralwasser : 0,87 Kubikzoll kohlensaures Gos, 0,25 Kubikzoll Stickgas, 0,70 Gran salzsaures Natron, 0,17 Gran salzsaure Kalkerde, 0,50 Gr an kohlen säure Kaikerde, 0,40 Gran Eisenoxyd — in Kohlensäure aufgelöst, 0,25 Gran Thonerde, 0,02 Gran Kieselerde (zufällig). Bei dieser durch Graf Philipp Reinhard getroffenen ersten Einrichtung an den Quellen verblieb es mehrere Jahrzehnte lang. Da trat im Jahre 1764 Erbprinz Wilhelm — seit 1785 Landgraf von Hessen-Cassel als Wilhelm IX. und 1803, zur Würde eines Kurfürsten erhoben, Kurfürst Wilhelm I. — die Regierung der Grafschaft Hanau an und damit begann für Hanau eine Zeit der Neueinrichtur gen und Verschönerungen. Die Stadt selbst verdankt ihm unter Anderem die Zeichenakademie, das Theater und das Waisenhaus. Aber seine prächtigste Schöpfung in hiesiger Gegend ist das WilhelmSbad. Im Jahre 1773 wurden die ersten Arbeiten zur Verschönerung des Ortes in Angriff genommen. Unter der Thätigkeit von 600 bis 700 Arbeitern verschwanden die Pfützen und Sümpfe und im Jahre 1776 war die Wüstenei der Steinbrüche soweit umgestaltet, daß mit der Anlage der Gebäude angesangen wer
und überhaupt zu Preußen hinneigte, war für Napoleon ein
Grund mit, sich Hessens zu bemächtigen. Den Feldzug von 1813 machte Wilhelm im preußischen Heere mit, nach der Schlacht bei Leipzig eilte er nach Cassel, wo er mit Jubel
empfangen wurde und im Namen seines Vaters in einer
Kurprinz bestieg als Wilhelm II. den Kurfürstenthron. Mag
er auch in seinen Regierungshandlungen, sowie als Familienvater vielfach gefehlt haben, das eine Verdienst kann ihm nicht bestritten werden, er hat seinem Lande die vom Volke langersehnte Verfassung gegeben. Mitte November 1830 hatte der am 16. Oktober vom Kurfürsten einberufene Landtag die Verfassung in ihren Haupttheilen vollendet. Der Kurfürst erbot sich, alle Landesschulden zu übernehmen und die Aktiv
mögen und wurde als unantastbares Vermögen der hessischen Fürstenfamilie anerkannt. Im Dezember wurde die Verfassung vom Landtage beendet, am 5. Januar 1831 vom Landesherrn unterzeichnet und am 8. Januar wurde dann unter dem Donner der Kanonen nnd dem Jubel des Volkes das Hauptgesitz verkündet. Wilhelm II. starb nach längerem Leiden am 20. Nommber 1847 zu Frankfurt a. M.; seine Leiche wurde in der Marienkirche zu Hanau feierlich beigesetzt. Ein den Landständen hinterlassenes Schreiben enthält die Ermahnung, frei bei der Verfassung zu verharren und dieselbe für alle Zeiten als ein Zeugniß seines redlichen und ernsten Willens anzusehen, das Wohl und Glück seines Volkes fester zu begründen und zu fördern.
* Verliehen. Dem ordentlichen Professor in der theologischen Fakultät der Universität zu Marburg D. Ernst Christian Achelis wurde der Charakter als Konsistorialrath verliehen.
* Offene Stellen im Bezirk des 11. Armeekorps. Cassel, 6 Feuerwachmänner, jährlich 1000 Mk. Gehalt neben freier Dienstkleidung. Coburg, Kaiserl. Postamt, Landbriefträger, 700 Mk. Gehalt und 144 Mk. Wohnungsgeldzuschuß jährlich. Königl. Eisenbahndirektion in Cassel, 180 Anwärter für den Zugbegleitungsdienst, je 800 Mk. Gehalt und 60 bis 240 Mk. Wohnungsgeldzuschuß jährlich. Königl. Eisenbahndirektion in Frankfurt a. M., 60 Anwärter für den Zugbegleitungsdienst, 800 Mk. Gehalt und 60 bis 240 Mk.
Wohnungsgeldzuschuß jährlich. Salzungen, Kaiser!. Postamt,
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den konnte. Tie technischen Pläne stammten von dem gräflichen Kammerrath, Berg- und Salzwerkdirektor Franz Ludwig Cancrinus, der später nach Rußland berufen wurde, wo er es zu hohen Würden brachte, sein Enkel Georg aber unter dem Namen Cancrin bis zum Staatsrath und Minister emporstieg, auch den Adel und Grafentitel erhielt. Den Ausbau der Gebäude vollführte der Maurermeister Dienald. Am 3. Juni 1779, dem Geburtstage des fürstlichen Gründers, wurde die ganze Anlage feierlich eingeweiht und mit wohlverdientem Recht nach dem Namen ihres Stifters „Wilhelmsbad" genannt.
Den Mittelpunkt der Gesammtanlage bildet das Kurhaus, der Kolonnadenbau. Der Parterrestock desselben war einge- theilt in einen Tanz- und Spcisesaal, in einen Saal zur „Assemblee und zu Kommerzspielen", einen solchen für „Billard, Pharao, Biribi, Roulette, wie andere Hazardspiele" und in ein Lesekabinet. Ein breiter Gang im ersten Obergeschoß diente als Gallerie zur Bewegung der Brunnengäste bei ungünstiger Witterung. Die auf den Seiten des Ganges wie die im Mansardenstock liegenden Zimmer bildeten Wohn- und Garderoberäumt für die Kurgäste. An den Kolonnaden - bau stoßen rechts und links zwei „Pavillons", von welchen der westliche für den Landesherrn als Absteigequartier reser- virt war, daher der Name Fürstenbau, der östliche aber, wie heute, so auch damals schon als Wirthschastsgebäude Verwendung fand. Der westlichste Pavillon wurde gewöhnlich „Judenbau" genannt, weil dorten der Gründer in echt humaner Gesinnung den damals noch schwerbedrängten Israeliten für eigene Räume sorgte, wo sie ganz ihrer Religion gemäß baden und speisen konnten. Im östlichsten Pavillon, dem „Kavallierbau", befanden sich die herrschaftlichen Bäder. Hier wurde das Wasser vermittelst Druckwerke 45 Fuß hoch emporge hoben für Douche, Spritzbäder und Tropfbäder. Wie die unteren Lokalitäten dieses Baues, so waren auch die Par-