Einrückungsgebühr
für Stadt- und Land» kreis Hanau 10 ^ die ^gespaltene Garmond- zeile ober deren Raum, für Auswärts 15 ^.
MonvementS-
Preis:
Jährlich 9 ^. Halbjährl. 4 ^ 50 ^.
Vierteljährlich
2 M 25 ^.
Für auswärtige lUbonnentm mit dem betreffenden Postaufschlag.
Die einzelne Nummer kostet 10 ^.
Amtliches Organ für Hlaöt- unö Lanölireis Hanau.
Im Reklamentheil die Zeile 20 ^, für Auswärts 30 ^.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
M. 300.
Donnerstag den 23. Dezember
1897.
Hierz*
„Amtliche Beilage" Nr. 91.
Amtliches.
SLäHMr^sis ^artait.
Auf Grund der §§ 5 und 6 der Verordnung vom 20. September 1867, die Polizeiverwaltung in den neuen Landestheilen betreffend, und der §§ 143 und t144 des Gesches über die allgemeine Landesverwaltung vom 30. Juli 1883 wird im Einverständnis mit dem Stadtrath, für den Umfang des Gemeindebezirks der Stadt Hanau folgendes verordnet: , § 1. Bei anhaltendem Frostwetter wird das Auslassen oder Ausgießen von Abwässern auf die Straßen bei Meidung einer Strafe bis zu 9 Mark subs. 3 Tage Haft verboten.
Die Abwässer sind in die zunächst gelegenen Eintauchen auszugießen.
S 2. Diese Verordnung tritt mit dem Tage ihrer Veröffentlichung im Hanauer Anzeiger in Kraft.
Hanau am 29. Dezember 1892.
Königliche Polizeidirektion.
v. Derben.
Vorstehende Verordnung wird in Erinnerung gebracht.
Hanau am 23. Dezember 1897.
Königlich; Polizeidirektion.
I. V.: Dr. Becker, Reg.-Asseffor.
(-ÄanöUrei^ ^anau.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtcs.
Aus landwirthschaftlichen Kreisen werden wiederum Klagen laut über die großen Schädigungen, welche der Landwirthschaft durch die in dieser Zeit wieder massen hast austretenden Raben und Krähen zn ! gesagt werden.
Ich ersuche die Herren Ortsvorstände sosort zur Verminderung der Plage die geeigneten Maßregeln zu ergreisen.
Hanau den 22. Dezbr. 1897. v. 13381 Der Königliche Landrath
I. V.: Becker, Regierungs-Assessor.
Dienstnachrichten aus dem Kreise.
Gesunden: Ein Paar dunkle Kinderstauchen. Ein Taschenmesser. Ein Dienstbuch für Antonie Spahn von hier,
Feuilleton.
Der Dater der deutschen Poeterei.
Zum 300. Geburtstage Martin Opitz', 23. Dezember.
Von Otto von Maaß.
(Nachdruck verboten.)
Als Martin Opitz starb, ging ein lauter Klageschrei durch die gesummte poetische und wissenschaftliche Welt Deutschlands. Alle waren darüber einig, daß Deutschland in ihm seinen größten Dichter verloren habe: legte man doch der deutschen Nèuse, wenig geschmackvoll, den Namen Opitzinne bei! Diese Werthschätzung erhielt sich lange Zeit in unverminderter Stärke; noch Gottsched hielt auf Opitz eine warme Lobrede. Erst in unserem Jahrhundert ist ein Rückschlag eingetreten; aber noch heut bewegt sich das Urtheil über den Dichter in starken Extremen, die von völliger Geringochlung bis zu respektvollster Belehrung schwanken. So kann uns in diesem Falle noch mehr, wie sonst, nicht die Litteraturgeschichte, sondern nur die unmittelbaare Kenntniß des Mannes und seines Werkes ein wahrhaftes Bild von ihm geben.
Es ist bei der Zeichnung dieses Bildes vielleicht öfters vergessen worden, daß ,s nicht von dem Hintergründe seiner Zeit zu trennen ist. Dieser Hintergrund war blutig und düster: es war der dreißigjährige Krieg, der auch in Opitzens Leben vielfach hineingespielt hat. Vor den Greueln des Krieges flüchtete er sich in das friedliche Holland und Jütland; der Krieg trieb ihn schließlich nach Danzig, das sich damals einer verhältnißmäßigen Waffenruhe erfreute. Opitz hat, seit er ins Mannesalter getreten war, sein Vaterland nicht im Frieden gesehen; in seinen Dichtungen kehrt der Wunsch nach einem stillen Leben oft wieder und einer der schrecklichsten Folgen des Krieges, der oei Heerenden Pest, ist auch er vorzeitig erlegen.
nebst Abmeldezettel. Ein Portemonnaie mit etwas Geld.
Verloren: Ein brauner Pelerinekragen. Eine goldre Damen-Remontoiruhr, Nr. 101204, mit Monogramm RR. und goldner Kette; dem Wiederbringer eine gute Belohnung.
Hanau am 23. Dezember 1897.
StâHM^ers ^atra^. BeksuutmachuNgeu des Oberbürgermeifteramtes.
Der am 1. März 1874 hier geborene Kaufmann Hermann Ernst Heinrich Wilhelm Liebehenz hat um Entlassung aus dem preußischen Staatsverbande nachgesucht.
Hanau am 21. Dezember 1897.
' Der Oberbürgermeister
Dr. Geb eschus. 18055
Die ostasiatischen Vorgänge.
Das Auslaufen eines großen japanischen Geschwaders aus Nagasaki, das jedenfalls als Gegendemonstration gegen die Besetzung Port Arthurs durch die Russen anzusehen ist, hat die Lage in Ostasien unfraglich bedeutend komplizirt. Die japanische Militärpartei trägt sich schon lange mit dem Gedanken, gegen Rußland loszuschlagen, solange die sibirische Bahn noch nicht fertiggestellt ist. Doch dürfte Japan angesichts des Zusammenhaltens Rußlands, Deutschlands und Frankreichs und vor Allem im Hinblick auf die Gefahr eines weiteren Zusammenstoßes mit den Vereinigten Staaten von Nordamerika einen solchen tollkühnen Angriff schwerlich wagen. Wohl aber ist es möglich, daß es sich aus dem chinesischen Riesenleibe gleichfalls „Kompensationen" herauszuschneiden sucht und sich im Bunde mit den Engländern endgültig in dem schräg gegenüber Port Arthur aus der südlichen Seite des Golfes von Petschili belegenen Wei-hai-wei festzusetzen sucht. In Berliner diplomatischen Kreisen hat, wie verlautet, die japanische Flottendemonstration, die ohne jedes Vorzeichen erfolgte, außerordentlich überrascht.
Die bereits für unwahrscheinlich erklärte Nachricht, daß anläßlich der Pöbel-Angriffe gegen die Besatzung des „Cor- moran" auch unser Gesandter in China, Freiherr v. Heyking, insultirt worden, wird jetzt vom „Ostasiatischen Lloyd" als vollständig aus der Luft gegriffen bezeichnet. Der Vizekönig Tschang-Tschitung hat die von Herrn von Heyking verlangte Genugthuung in vollster Form geleistet. Am 6. November erschien der Tautai von Hankau mit großem Gefolge an Bord des „Kormoran" als Vertreter des Generalgouverneurs und überbrachte ein Schreiben desselben, in dem für den von dem Vizekönige tief bedauerten Vorfall um Entschuldigung gebeten wurde. Zugleich erklärte der Tautai namens des Vizekönigs, daß die Schuldigen ermittelt und mit äußerst strengen Strafen belegt worden wären. Am 7. November um 12 Uhr mittags fuhr dann der „Cormoran" nach Wutschang hinüber,'
Ob diese furchtbare greuelvolle Zrit, in der unserem Volke langsam das Mark ausgesogen wurde, überhaupt geeignet roar; einen großen deutschen Dichter hervorzubringen, das mag füglich als eine Doktorfrage unerörtert bleiben. Aber wenn ein Pon den Großen Krieg mit erlebte, so kann kein Zweifel sein, daß eben dieser Krieg seinem ganzen Dichten den Stoff liefern, das Blut geben, den Stempel aufdrücken mußte. Denn die Gelegenheit ist ja die wahre Muse des Dichters, und so sehen wir denn auch in den Werken eines Grimmelshausen und auch in denen des geringeren Moscherosch den wilden Feuerschein des greuelreichen Kampfes lodern, hören seinen wüsten Lärm heraus und erkennen seine grausamen Züge. Und Opitz? Auch er hat vom Kriege gesungen und noch im Feuer der Jugend ein vielgerühmtes „Trostgedicht" geschrieben. Da finden wir nun wohl alle üblen Folgen des Krieges geschildert uvd der Verfasser ist nicht sparsam, uns Bilder des Elends, Hunger, Verwüstung, Schande, Rohheit, vorzuführen. Aber ein gut Theil dieser Züge haben ihm Ooid und Lucian, Virgil und Lucrez geliehen; und auch alle anderen sind frei von jeder bestimmten Farbe und realistischen Bestimmtheit. Opitzen's Schilderungen geltrn dem Kriege überhaupt, dem Jugurthrnischen so gut wie dem Kriege der beiden Rosen. Ein Mann aber, in dessen dichterisches Schaffen die in ihrer Furchtbarkeit doch großartigen Erscheinungen seiner Zeit keinen Schatten warfen, war — das können wir mit Sicherheit sagen — kein echter und rechter Poet.
Wiederum aber zeigt uns der zeitliche Hintergrund das Bild Opitzens in einem anderen, günstigeren Lichte. Indeß die deutsche Nation entwürdigt und mit Füßen getreten wurde, behielt Opitz einen starken und mannhaften nationalen Stolz, rief die Deutschen mit einer an ihm nicht häufigen Wärme für ihre Freiheit auf, bekannte sich freudig als Deutschen, und während die traurige Fremdlânderei eben über
wo ein chinesisches Kriegsschiff die deutsche Flagge am Topp hißte und sie mit 21 Schuß salutirte. Sobald dieser Salut gefeuert war, drehte der „Cormoran" und trat die Rückreise nach Wusung an.
In einer Berliner Mittheilung des „Hamb. Korr." wird dargelegt, eine Vereinigung unserer gesammten ostastatischen Seestreitkräfte nebst den 1500 Mann Marine-Infanteristen und -Artilleristen in der Bucht von Kiau-Tschau resp, den angrenzenden Landesgebieten sei zweifellos nicht in Aussicht genommen, da die chinesischen Truppen ja bisher keinen Widerstand geleistet hätten. Es heißt dann weiter: Der unter dem Prinzen Heinrich stehenden 2. Kreuzerdivision dürften vielmehr andere Aufgaben zugetheilt sein als der 1. Division. Vorerst steht nur fest, daß Prinz Heinrich Mitte Februar nächsten Jahres in Honkong wird sein können. Eine erste Verstärkung unserer ostasiatischen Seestreitkräfte stand bereits am Montag den 20. d. M. zu erwarten, da der Kreuzer 2. Klaffe „Kaiserin Augusta", von Singapore kommend, nach seiner Segelordre mit btm Anfang dieser Woche in Hongkong eintreffen sollte.
Ueber das von unseren Landungstruppen besetzte Kiau- Tschau dürfen wohl noch die folgenden Notizen der russischen „Nowoje Wremja" Interesse beanspruchen: Die Bucht war ehemals der Haupthafen des ganzen nördlichen China, in letzter Zeit jedoch hat Tschifu dem Hafen von Kiau-Tschau großen Abbruch gethan und den größten Theil des Verkehrs an sich zu ziehen gewußt. Der in den Hasen mündende Fluß Kiau-Leiko wird von zwei durch einen Kanal verbundenen Flüssen gebildet, von denen Leiko nach Norden fließt und Kiau in die genannte Bucht mündet, wodurch eine Verbindung zwischen dem äußeren und dem inneren gelben Meere ermöglicht wird, ohne daß es nothwendig ist, die Halbinsel zu umfahren. Fluß und Hafen sind allerdings gegenwärtig stark versandet.
Ueber Port Arthur machen wir unseren Lesern heute einige interessante Mitheilungen:
Porl Arthur umfaßt die größten und wichtigsten See- Arsenale Chinas. Der Hafen mit seinem engen Einkaufskanal, einer richtigen „Föhrde", bietet an sich wenig Raum für größere Geschwader. Ein geschickt konstruirtes großes Fluthbassin gestattet jedoch die Aufnahme von gegen vierzehn großen Panzerschiffen. Ein umfangreiches Trockendock, Hebe- krâhne, Kohlenlager u. A. m. veraollständigen die Ausrüstung des Platzes. Port Arthur ist ein günstiger Anker- und Aus- besfirungsplatz, gestattet jedoch vermöge seiner natürlichen Beschaffenheit nicht das rasche Auslaufen einer größeren Anzahl von Schiffen, keine raschen Vorstöße auf die hohe See. Der Küstenschutz erstreckt sich über mehr als eine deutsche Meile Seegrenze. Die Batterien sind gleichmäßig zu beiden Seiten der Einfahrt vertheilt und enthielten bei der Einnahme durch die Japaner über vierzig Kruppgeschütze mit einem Kaliber ■""■"■^M"—^W— —M—«^
uns hereinbrach, ging er ans Werk, eine deutsche Dichtkunst zu begründen:
In will die Pierinnen,
Die nie nach deutscher Art noch haben reden können, .... Versetzen bis hierher in unser Vaterland.
Ganz abgesehen von dem (später zu erörternden) Erfolge dieser Bemühung ist diese Haltung moralisch in hohem Grade anerkennswerth; und im Moralischen liegt auch noch in weiterer Hinsicht Opitzens Stärke. Zuchtlos war die Zeit, alles ging aus den Fugen, Sitte, Form und Würde brachen in Stücke: Martin Opitz aber ist Zeit seines Lebens ein würdiger, wohlanständiger, tadelloser Mann gewesen, aus dem kein Flecken sitzt (denn sein angebliches Laviren zwischen der katholischen und der protestantischen Partei ist eine nicht geklärte Sache). So sehen wir im Bilde eine Epoche, das die Geschichte im klebrigen in einem dämonisch-großartigen düsteren al fresco-Stil gemalt hat, Opitzens Gestalt reinlich, glatt, hell und nüchtern dastehen. Der anscheinend unerklärbare Gegensatz erklärt sich daraus, daß Opitz das Produkt einer ganz besonderen Kultur, das Kind eines Staates im Staate ist, — das Kind der Gelehrtenrepublik.
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Martin Opitz ist ein Schlesier, ein Bunzlauer. Damals war Schlesien ein Blütheland der Gelehrsamkeit. Valentin Trotzendorf, der Schüler Melanchthon's, hatte hier gewirkt, und sein Wirken hatte reiche Früchte getragen. Schlesiens Schulen, das Magdalenäum zu Breslau, das Schönaichianum zu Beuchen, die Anstalten zu Goldberg und Bunzlau, standen in hohem Rufe und die hier entstandene gelehrte Kultur war nachhaltig genug, um Schlesien fast ein Jahrhundert lang in unserer Litteratur eine tonangebende Rolle zuzuweisen. Auch Opitzen's Sippe war eine gelehrte, der Vater ein wohlhabender Rathsherr, der Oheim Rektor der Bunzlauer Schule. So wuchs Ovitz gewissermaßen in die aelebrte Welt hinein.