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Amtliches Organ für Staöt- unö Lanökreis Hanau
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Hanau am 21. Dezember 1897.
Heilstätten für Lungenkranke.
Tas Deutsche Zentralkomitee zur Errichtung von Heilstätten für Lungenkranke hielt am 18. d. Mts. unter dem Vorsitz des Staatssekretärs des Innern, Grafen v. Posa- dowsky-Wehmr im Bundesralhssaal seine*gweite Generalversammlung ab. Ihre Majestät die Kaiserin, die Protektorin des Komitees, hatte beabsichtigt der Versammlung l eizuwohnen, war aber durch eine leichte Unpäßlichkeit gezwungen, den Be
.„.7—3... ,„..0_—, ......p — „j —.......0-»-.^ Bergische Verein für Gemeinwohl, die Vereinigung zur Für-
mit dem Bedauern über die eingetretene Behinderung ihr leb- sorge für kranke Arbeiter in Leipzig u. A. widmen sich ker-
rathungen fernzubleiben, und ließ dem Zentralkomitee zugleich
Haftes Interesse an der deutschen Heilstâttenbewegvng auS
drückt. Ebenso hatte der Ehrenvorsitzende des Komitees, der ; Bestrebungen, sowrit sie unbemittelten Lungenkranken zu Hülfe Reichskanzler Fürst zu Hohenlohe-Schillingsfürst, welchen kommen wollen, an dm Jnvaliritäts- und AltersoerstcherungS- dringende Berufsgeschâfte fernyielten, der Versammlung seine anftalten, weil durch die Unterbringung gefährdeter Ver-
drücken. Ebenso hatte der Ehrenvorsitzende des Komitees, der
besten Wünsche für das gemeinnützige Werk übermittelt. Der Voi sitzende betonte in seiner B egrüßungsrede mit warmen
Worten die Bedeutung eines planmäßigen Vorgehens gegen, diejenigen in Braunschweig und Hannover, haben eigene Andie Lungenschwindsucht wie solches durch die Errichtung zahl- stalten bereits im Betrieb; diejenigen für Berlin, für Braw
Worten die Bedeutung eines planmäßigen Vorgehens gegen
reicher Heilstätten in Deutichland mit schnellem Ei folge ange- denburg, Baden, Hessen-Darmstadt, ferner die Norddeutsche
bahnt worden sei.
Ueber die Entwickelung der Bestrebungen in den einzelnen Theilen des Reiches berichteten die V rtrcier der betreffenden Vereinigungen und Anstalten unter Vorlegung von Plänen und Ansichten. Geheimrath v. Leyden-Berlin gab Mittheilungen über den Berlin-Brandenburger Heilstättenverein, Geheimrath Gerhardt Berlin über die mit günstigem Erfolge thätige Heilstätte Grabowsee bei Oranienburg, errichtet durch den Volksheilstäitenvèrein vom Rothen Kreuz, Medizinalrath Roth-Oppeln über den Verein für Oberschlesien ; Geheimraty Georgi-Mylau berichtete für das Königreich Sachsen, wo im
Großindustrie, weil dabei einerseits die möglichst frühzeitige
September d. Js. die erste Volksheilstätte Albertsberg bei Einleitung des Heilverfah ens, andererseits die wünschens-
ReibolüLgrün in Gegenwart Sr. Majestät des Königs von wertre Berücksichtigung bet der Zuweisung geeigneter Arbeiten Sachsen eingeweiht wurde. Geheimrath von Ziemssen-München ermöglicht wird. So haben die Badische Anilin- und Sodamachte Mittheilungen über bin Stand der Sache in den ver- fabrik in Ludwigsrafen, ^ic Werke von ten Brink in A'len schiedenen Gegenden Bayerns, Landrath Heydweiller- (Baden), diejenige von Selve in Altena i. W. spezielle Ein- Altena i. W. über die Heilstätte des Krèises Altena und die richtungen zur Behandlung lungenkranker Arbeiter. Eine sonstigen Unternehmungen in Westfalen, Geheimrath Rasina- - Rnhe von Vereinen widmen sich außerdem der vielfach noth- Karlsruhe über das Vorgehen im Großherzogthum Baden, wendigen Fürsorge für Familien während der Zeit, in wel- Direktor Gebhardt-Lübeck über die Bestrebungen in den Hanse- cher der Ernährer in der Anstalt zu verweilen gezwungen ist. ftâbten und die Betheiligung der Versicherungsanstalten über- Das Centralkomitee hat bisher 137,000 M. an Beihülfen Haupt, Fabrikbesitzer Sumpf Cassel über die Heilstätten in für Anstaltsbaulen bewilligt. Als publizistisches Organ dient Hessen-Nassau. bte neubegründ te Heilstätrenkorrespondenz. Die in den An-
Leuilletsn
Sta-ttheater in Hanau.
Hana«, 21. Dezbr.
Nachdem der Spielplan des Stadttheaters an den letzten Theatertagen nur Wiederholungen aufzuweisen hatte, brachte die Aufführung am sog. „goldenen Sonntag" uns die Novität „Die goldne Eva", die, wie aus einer Vornotiz in diesem Blatte zu ersehen war, ihren Verfassern den Herren Franz von Schönthan und Franz Koppel-Ellfeld in des Wortes vollster Bedeutung zu einer „Goldenen" geworden ist. Den Weg, die heilere Bühnendichtung in ein gefälliges Gewand zu kleiden, zu den heiteren Farben des Kostüms auch die gefällige Versform zu bringen, den die ^eifafl« mit so gutem Glück mit „Renaissance" eingeschlagen haben, verfolgen sie auch in diesem Stücke und schreiten ihn munter weiter, denn einer Meldung aus der Hauptstadt zufolge hat dort ein neues Kostüm- und Belslusispiel der beiden Auioren vor kurzer Zeit das Licht der Lampen erblickt und gute Aufnahme gefunden. Mit den strengen Grundsätzen bet nach litterarischen Gesetzen richtenden Kritik darf man der Handlung ebensowenig nahen als den Versen, denn Beides ist nur für die Augen- blickswirkung geschaffen und rein äußerlicher Natur und wer das Theater besucht, um sich einige Stunden köstlich zu amüsiren, der wird vollauf von der fröhlichen Laune des Ganzen befriedigt werden. Es steckt ein guter Humor in dem geschickt zubereiteten Stücke und die hübsche Grundidee ist zu einer recht lustigen Handlung ausgearbeitet worden, deren frisch bezwingende Laune nicht ohne Wirkung bleiben kann. Frau Eva , ist eine reiche Augsburger Goldschmiedswiltwe, die aber gern höher ; hinaus möchte und die Werbung eines verkommenen Grafen nicht un- gern steht, trotzdem sie ihr Herz an den bei ihr in Arbett stehenden Ge- £ Men Peter verloren hat. Der lustige Verlauf des Stückes zeigt uns, wie es der List und dem Uebermuth Peters gelingt, die Werbung des Grafen zu hintertreiben, Frau Eva von ihren hochfliegenden Plänen zu heilen und wie sie das Glück an Peters Seite findet. Die Handlung ist in das mittelalterliche Augsburg verlegt, könnte aber ebensogut in unserer Zeit spielen. Sie ist äußerst bühnenwirksam aufgebaut, aber wenig komplizirt. Ein Vorzug des Ganzen ist noch, daß es frei von allen Frivolitäten ist, daß die Sprache leicht und gefällig, mitunter sogar von poetischer Schönheit ist. Gespielt wurde so frisch und munter, daß man seine Freude daran habm konnte, die Darsteller waren recht sicher in chren Rollen und alles klappte auf das beste. Das Verdienst dafür ge
Dienstag den 21. Dezember
Von besonderer Bedeutung war, daß die genannten ärztlichen Autoritäten ausdrücklich die Heilbarkeit der Lungen- sLwindsuchl im heimischen Klima bei rechtzeitiger Einleitung der Behandlung betonten. Wiederholt wuree von ihnen her- vorgehoben, daß die in den deutschen Heilstätten erzielten Erfolge den gehegten Erwartungen entsprächen, und daß somit an der Sicherheit der Grundlagen, auf denen das planmäßige Vorgehen zur Bekämpfung der Lungenschwindsucht in Deutsch- land begründet sei, kein Zweiiel bestehe.
Nach dem der Versammlung vorgelegten Geschäftsbericht ist die Heilstätter-sache in allen Theilen des Reiches in er- freullchtm Fortschreit :n begriffen. Die hauptsächlichsten Träger sind die für den speziellen Zweck der Fürsorge für Lungenkranke innerhalb bestimmt abgegrenzter Bezirke ins Leben gerufenen Vereine, d nn Zahl bereits mehr als 20 beträgt. Aber auch andere Korporationen, so das Rothe Kreuz, die Vaterländischen Frauenvereine, der Johannilerorden, der
selben Aufgabe. Eine wesentliche Stütze finden diese Vereins-
sicherster in der Haupisache die Unterhaltungskosten sichergestellt werden. Einzelne Ve-sicheruttgsaustalten, so die hanseatische,
Knappschastspensionskasse in Halle werden in Kurzem die ihrigen eröffnen; andere z. B. die in BreSlau, Stettin, Münster, in Rhrinbayern, im Königreich Sachsen, in Weimar, Oldenburg u. s. w. sind durch Hergabe billiger Baukapitalien bei der Errichtung von Heilstätten beteiligt. Von tommir naler Seite werden solche in München und im Kreise Altena i. W., errichtet. In einigen Fällen, so im Königreich Sachsen, in Baden, in Hambarg, hat auch der Staat direkt die Heilstâttenunternehmungm unterstützt. Hervorzuheben ist das selbststând ge Vorgehen einzelner Arbeitgeber aus der
bührt dem Regisseur des Abends, Herrn Direktor Ja ritz, der auch mit der Wiedergabe des Peter Vorzügliches bot und in erster Linie den Erfolg des Stückes durch flotte Darstellung herbeiführte. Neben ihm gebührt Frl. Brandow als Eva genannt zu werden; das flotte temperamentvolle Spiel der Dame, ihre bezwingende Natürlichkeit, die Grazie ihrer Darstellungsweise vereinigten sich zu einem Ganzen, die auch ihrer Darstellung den Erfolg machten. Das Publikum wurde nicht müde, beide Darsteller nach den Aktschlüssen immer wieder hervorzurufen. Einen vorzüglichen Vertreter hatte auch der Graf Zeck in Herrn Tyr- kowski gefunden, der eine überaus drollige Figur aus die Bretter stellte. Für den mit köstlichem Humor ausgestatteten Ritter von Schwetzingen haben wir in Herrn Linzen einen Vertreter, der den Anforderungen dieser Parthie nach jeder Seite gerecht wurde. Frl. Köller als Gräfin Agnes vermochte sich in das frisch lebendige Ensemble nicht recht hineinzufinden, während Frl. Krause den Lehrjungen Friedl mit frischem Humor verkörperte. Die heirathslustige Haushälterin fand in grau Millar eine recht wirksame Vertreterin. Die Novität fand eine überaus freundliche Aufnahme.
Das Schulwesen in Hanau
Stadt und Land
(Nachdr. Verb.) im Mittelalter.
Von Ernst I. Zimmermann. (Fortsetzung.)
Dorfschulen. — Kriegk sagt in feiner Abhandlung über das deutsche Schulwesen im Mittelalter: „Dorfichulen gab es im Mittelalter, sowie im ersten Jahrhundert nach demselben, ja in manchen Gegenden sogar noch im 17. Jahrhundert kaum irgendwo. Hier und da ertheilte irgend ein Handwerksmann oder der Geistliche den Dorskintern einigen Unterricht. Schulen aber entstanden dort erst durch die Vereinigung des Metzneramtes mit dem Schuldienste. . . In den Frankfurter Dörfern w^rd vor 1606 keine Schule erwähnt. Damals wurde zu Bornheim ein Schulhaus eingerichtet und ein Schulmeister eingesetzt, dem man seinen Gehalt aus dem städtischen Almosenkasten anwies." Wenn wir auS EraSmuS Alberuâ' weiter
1897. stalten gemachten Erfahrungen werden nach einheitlichem Plane vom Kaiserlichen Gesundheitsamt statistisch-wisfenschast- lich bearbeitet. Wenn ein Abschluß der eingeleiteten Sammelforschung auch erst in einiger Zeit zu erwarten ist, so bestätigen doch die bisher ersichtlichen Ergebnisse die Voraussetzung, daß in zweckmäßig angelegten und gut geleiteten Heilstätten die Behandlung Lungenkranker durchaus auâ- sichtsvoll ist.
Tagesschau.
Von der Marine. Laut telegraphischer Meldung an das Ober-Kommando der Marine ist S. M. S. „Charlotte", Kommandant Kapitän zur See Thiele (August), am 17. Dezember in San Domingo angekommen und beabsichtigt, am 21. Dezember nach St. Thomas in See zu gehen.
Militärisches. In weiten Kreisen ist die Ernennung des Generalmajors Stern, bisherigen Kommandeurs der elften Feldartillerie-Brigade, zum Inspekteur der technischen Institute deshalb viel bemerkt worden, weil General Stern tu den dievstâltesten Generalmajors mit einem Patent vom 16. Juni 1894 gehört, während der bisherige Inhaber der Stellung, der jetzt zur Disposition gestellte Generalmajor Giseoius, erst am 17. Juni d. J. zu seiner Charge befördert und die Inspektion der technischen Institute sonst stets von Obersten an er jüngeren Generalen geleitet wurde. Ebenso ist es allgemein aufgefallen, daß dieses Mal für die Stellung ein höherer Offizier der Feldartillerie gewählt wurde. Wie ein Berliner Blatt erfährt, hängt diese Ernennung damit zusammen, daß General Stern für die im neuen Reichsetat in Vorschlag gebrachte Stellung eines Feldzeugmeisters in Aussicht genommen ist. Da für die zahlreiche« neuen Feldartillerie-Geschütze eine größere technische Aufsicht eingerichtet werden soll, so ist eine Vergrößerung der Inspektion, die jetzt aus zwei Abtheilungen für Artillerie- und Infanteriewaffen besteht, durch Kommandirung von Feld- artillerieoffizieren b absichtigt.
Erinnerung aus großer Zeit. Der älteste Brigadekommandeur Baron von der 20. Infanterie-Brigade in Posen ist pensionirt worden. Mit der Führung dieser Brigade wird der Oberst v. Prittwitz und Gaffron vom 6. Gren.-Rgt. beauftragt. Bei diesem Anlasse wird folgende Erinnerung aus großer Zeit das lebhafteste Interesse erwecken: „Ihr habt heute einen schönen Sieg erfechten helfen; was wird sich mein Date» freuen, wenn er die Depesche erkält!" so rief unser Ki onprinz, als er um 6 Uhr abends am 6. August 1870, nachdem auf allen Seiten die Höhen von Fröschweiler und Elsaßhausen genommen waren, durch die Truppen des XI. und V. Armeekorps ritt, dem 3. Posenschen Infanterieregiment 58 zu; plötzlich hielt er und ließ sich durch den Divisionskommandeur den Premierlieotenant Baron vorstellen. Als dieser, der eben jetzt zur Disposition gestellte Generalmajor und Kommandeur
—— ^—^^— —■——■■■■I———■— ^iM . 1 unten mitgeteilten Erzählung, er habe (im Jahre 1508) eine« Schulmeister zu Nied in der Wetterau bekommen, darauf schließen dürfen, daß dort eine Schule um diese Zeit bestand, so dürfte Kriegl's Angabe etwas einzuschränken sein, obwol mir sonst bis zur zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts von Schulen in Hanauischen Dörfern nichts bekannt geworden ist. Die früheste Einrichtung von Dorfschulen geschah dadurch, daß man einen des Schreibens und Lesens kundigen Glöckner anstellte, welcher den Unterricht zu erteilen hatte. Da wir über Dorfschulen im Mit' lalier weiter nichts zu sagen haben, so folgen hier einige Nachrichten bis ins 18. Jahrhundert. In der H och st ä dt e r Gemeinderechnungvon 1589 wird das Schulhaus erwähnt, es scheint schon längere Zeit bestanden zu haben, eine feste Besoldung für den Lehrer fand ich jedoch erst in der Rechnung ron 1622 angegeben und zwar elf Gulden. Die Gemeinde Hochstadt verehrte auch, „altem brauch nach", wie es in der Rechnung von 1616 heißt, ihrem Lehrer jährlich ein Viertel Wein im Werte von ein bis zwei Gulden; der Pfarrherr erhielt das Doppelte. 1592 wurde ein neuer eiserner Ofen für 7 fl 8 ß in die Schule von der Gemeinde angeschafft. Die Dorfschulmeisterstellen waren überall wenig einträglich. Kurz vor dem drei- ßigjährigen Krieg erhielt in Wachenbuchen, nach de« Gemeinderechnungen, der dortige Lehrer nur sechs Gulden, hierzu kommen freilich noch viele Naturalbezüge und andere Nebeneinnahmen z. B. für die Führung der Gemeinderegister, der Gerichtsschreiberei u. dgl. Der im Jahre 1683 für die Höfe um Schlüchtern : Gumperts, Röhrig und Drasenberg, zu einem Schulmeister angenommene Heinrich Mühlhause erhielt jährlich sechs Thaler und freie Kost. Im Sommer durfte der Lehrer nur halben Schullohn nehmen; in Bergen verpflichtet er sich 1748 ausdrücklich hierzu. War es doch eine Seltenheit, daß im Sommer Unterricht gehalten wurde und dann legte man denselben auf eine frühe Morgenstunde. In