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Amtliches Organ für Staöt- unö LanöKreis Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Nr. 297.
Montag den 20. Dezember
Einrückungs- gebühr
für Stadl- und Land« kreis Hanau 10 ^ die 4gespaltene Garmondzeile oder deren Raum, für Auswärrs 15 ^.
Im Reklamentheil die Zeile 20 ^, für Auswärts 30 ^.
1897.
Amtliches. cSanö&reio ^artait.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrath samtcs.
Unter dem Rindviehbestande des Metzgers und Gastwirths Jakob Schütz zu Ostheim ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen; es wird daher bis auf Weiteres die Orts- und GemartungSsperre für Ostheim wieder angeordnet.
Blatt „Tribuna" zutreffend bemerkt — wie der Aufschrei der Seele Deutschlands, die sich zu immer höherm Fluge gleich dem Adler aufschwingt!"
Das Durchtreibën von Wiederkäuern und Schweinen durch In der That erhält der kaiserliche Geleitspruch seine be- den Ort und die Gemarkung Ostheim ist sonach Verbote«.' s^dere Bedeutung dadurch, daß er den Nachdruck auf die Die Bestimmungen der Bundesraths-Jnstruktion zur Aus- Betonung des grundsätzlichen Charakters legt, der mit der führung des Reichsviehseuchengesktzes (Reichsges.-Blatt für Sendung des Prinz-Admirals Heinrich verbunden ist. Nicht 1895, Seite 358 ff.) — §§ 58, 59 ff..— sind genau zu eine einmalige Genugthuung zu erzwingen gilt es, sondern „für immer" den bedrängten Brüdern Halt zu gewähren, und
beachten. - _
Die Herren Ortsvorstände wollen Vorstehendes sofort der „neuen deutschen Hansa" für alle Zukunft den Schutz zu bieten, den sie von Reich und Kaiser verlangen kann. Die
ortsüblich bekannt machen.
Hanau am 20. Dezember 1897.
Der Königliche Landrath v. Schenck.
Dienstnachrichten ans dem Kreise.
Verloren: 4,40 Mk. baar (in Papier gewickelt). Ein
Trauring, Stempel-Nr. 585 (am Markt); dem Wiederbringer unvergängliches Denkmal gesetzt hat.
eine Belohnung. Eine Peitsche (s. g. Bogenpeitsche) auf dem Die stolze Hansa mußte zerfallen, weil sie an der deutschen Wege von Mittelbuchen bis Wilhelmsbad; Empfangnahme Kaisermacht keine Stütze fand. Jetzt aber reckt der deutsche beim Milchführer Heinrich Stroh zu Mittelbuchen. Eine Aar seine Schwingen wieder. Es gilt die erste Bethätigung unfertige Mannsweste. Ein unfertiger Pantoffel. Eine des jungen Reiches in seinen überseeischen Aufgaben: „Es lederne Schürze. Eine rothe Knabenmütze. Ein neusilberner soll unter dem schützenden Panier unserer deutschen Kriegs
Theelöffel. Ein Handschuh mit Lederbesatz.
Zugelaufen: Ein gelber Pinscher; Empfangnahme bei Heinrich Stroh, Milchführer, zu Mittelbuchen.
Hanau am 20. Dezember 1897.
Bekanntmachung der Hanauer Ortskrankenkasse.
Die am 25. ds. Mts. fällig werdenden Krankengelder re. werden des Weihnachtsfestes wegen Freitag den 24. Dezember d. I., von morgens 9 bis 1 Uhr nachmittags, ausgezahlt.
Hanau, 20. Dezember 1897.
Der Vorstand der Hanauer Ortskrankenkasse.
Zimmermann,
Vorsitzender.
Daß man im Auslande die Rede des Kaisers vielfach scheel ansehen würde, war zu erwarten. Wie ein vaterländischer Die beim Abschiedsmahl im Kieler Schlosse vom Kaiser Sänger vom Jahre 1870 sagen durfte: „Es stritt mit uns an den Prinzen Heinrich gerichtete Rede hat tief in das Ge- im Gliede kein Freund, denn Gott allein —", so gab es in
Die Rede des Kaisers
Leirilletsn
Das Schulwesen in Hanau
Stadt und Land
INachdr. verb.) im Mittelalter.
Von Ernst I. Zimmermann.
(Fortsetzung.)
Aelteste Hanauer Schulmeister-Ordnung. — Stadtgerichts- Protokoll von 1496: Vff Mitwochen nach Sant Paulus tag Conuersionis hait meister Johann' Klynge von Meintz die Kinderschule dem Radt zu Hanawe vff gesagt vnd Widder in ire her de frye vnd ledig vff geben, mit danckparkeit ires guten willen vnd früntschafft, durch sie vnd rre kinder ime offt erzeygt vnd gethan worden syen etc. mit sruuiUcher erbittung das vmb sie vnd ire kinder hernach mals Widder zuuerdienen, desselbe meister Johann hait auch gesagt, wie er bestetiget vnd zum ersten anfangklich vffgenommen worden sey zu eynem schulmeistrr. Nemlich also das by Ihnen zielen also lange vnd drvile er ein Schulmeister ist, das tin iolicher burger vnd Jnwoner zu Hanauwe von ynem kinde, das by ime zu schule geet ime jerlichen vnd iglichs Me besunde geben solle zehen schillinge heller franckfurter werung vnd nicht mehr, aber er mag myner vnd vnder zehen (ca. 3,50 M.) schillingen nemen, abe ine gelüst vnd wem ers goudi (gönnet), alleyn vßgescheyden de aceidentalibuâ Holtz vnd licht, sal ein iglichcr knabe auch schuldig vnd pflichtig sin za geben zu geburlichen zieten; Vnd alle ander accidentalia, eß seyen Nuwe Jare, kirßgelt, kyrbegelt oder anders, nichts vßgenomen, sal man ime nit schuldig oder pflichtig sin zu geben. Aber vßmercker, vßlendige frembde knaben vnd schuler, die nit zu Hanawe daheym sint, sollen
müth des deutschen Volkes eingegriffen. Das waren herzerfrischende Worte, die, ganz anders wie die langathmigen Reden mancher Volksvertreter, das zum Ausdruck brachten, was von der überwiegend großen Mehrheit unseres Volkes gefühlt und gedacht wird; „sie sind — wie das römische
neue Hansa: das ist ein geschichtlicher Hinweis auf vergangene deutsche Größe, wie er ergreifender nicht gedacht werden kann in solchem Augenblick und unter solchen Umständen. Der alte Bund der Hansa bezeichnet eine Periode deutscher Größe, in der die thatkräftige Verbindung kaufmännischen Unter nehmungsgeistes mit nationaler Initiative zur See bewunderungswürdige Erfolge erzielt und dem deutschen Geiste ein
flagge unserm Handel, dem deutschen Kaufmann, den deutschen Schiffen das Recht zu Theil werden, was wir beanspruchen dürfen, das gleiche Recht, was von Fremden allen andern Rationen gegenüber zugestanden wird!" Durch diese Sicherung der deutschen Interessen in der weiten Welt soll das fortgeführt werden, was unter Kaiser Wilhelm dem Großen und seinem großen Kanzler durch die Errichtung des Reiches begonnen ist — fortgeführt im friedlichen Wettstreit mit andern Kulturvölkern. Ausdrücklich bezeichnet der Kaiser das Unternehmen als „wesentlich das eines Schutzes und nicht des Trutzes" und weist das deutsche Geschwader hin auf „innigen Verkehr und gute Freundschaft mit allen Kameraden der fremden Flotten draußen." „Sollte es aber einer unternehmen — so fuhr der Kaiser fort — uns an unserm guten Recht zu kränken oder schädigen zu wollen, dann fahre darein mit gepanzerter Faust!" Diese
17918 Worte zeigen, daß Deutschland mit aller Kraft einem etwaigen --—— Eingriff in seine Rechte entgegentreten wird.
herunter nit »erthedingt oder gezogen sin, damit mag er eß halten geburlichen nach synem willen. Doch sal er eß mit remlicher vnd gebmlicher belonunge mit den selben halten. Dieß alles vnd igUchs hait der genannte Meister Johann Klynge mit hartgebrnden truwen gelobt vnd zu got vnd synen heiligen xesworen, also zu halten vnd getruwelich zu voln- brengen . . .
Sein Schulamt hat Meister Klynge, wie das Protokoll ferner besagt, deshalb aufgegeben, weil er mit der Pfarrei zu Hanau von unserem gn. Herrn belehnt worden sei und daher der Schule furter nit mehr gewarten könne. Es erhält jetzt Meister Johann Emel, Sobn des ehrsamen Henne Emel, den man nennet Snell, die Schule und wird vor Schultheiß und Schöffen in Pflicht genommen, „den schulern mit fließ für zu sin, die zu der schule zu lernen vnd mit singen zu leren, durch sich selbst syne Collabora- toreS vnd vnderthan, so ferre ine Crafft vnd macht dreyt."
Meister Johann Emmel, genannt Schnell, welcher 1525 zum Dechant bestellt wird, sagt 1515 die Schule aus und Paulus Gyssel von Steinau an der Straße übernimmt dieselbe unter den oben genannten Bedingungen. Ueber die Familie Emmel-Schnell sei noch folgendes mitgetheilt : ein Jörg Emmel genannt Schnell ist 1526 Keller zu Steinau; ein Friedrich Emmel (Schnell) starb am 6. Jan. 1538 als Kämmerer zu Hanau (er kam aus dem Heegwald, fiel bei der Oelmühle in „apoplexiam" und verstarb plötzlich). Der Grabstein des letzteren vom Kinzdorf-Friedhof wurde 1891 bei den KanalisationSarbeiten aufgefunden und zwar in der sog. Eschenallee gegenüber der Zimmermann'schen Eisengießerei.
Gelehrtenschulen.^ Studierende Hanauer. — Bisher ist nur von den niederen Schulen, Trivial-Schulen nannte man sie wenig zutreffend, die Rete gewesen, waren doch eigentliche Latein- und höhere Schulen im Mittelalter keine im Hanauer Land vorhanden. Man sollte glauben, in der Stadt Hanau müsse bei dec großen Anzahl von Geistlichen eine lateinische Schule gewesen sein, doch wird nirgends eine solche erwähnt,
der That damals keine Macht in Europa, die es mit Freude vernommen hätte, als von Versailles aus die große Kaiser- Botschaft erging. Mit Mißgunst haben es auch jetzt ausländische Blätter vernommen, daß das geeinigte Deutschland nunmehr auf dem großen Völkermarkle den Platz begehrt, den das zerrissene ehemals nicht beanspruchen durfte. Daß aber auch einige deutsche Blätter in diesen Chor mit einstimmen, und, wenn auch nur versteckt, gegen einige Wendungen der kaiserlichen Rede Stellung nehmen, macht einen kläglichen Eindruck.
Unter der Gestalt der Borussia am Denkmal Friedrich Wilhelms III. im Lustgarten in Berlin stehen die Worte: „Sie haben Dich ost bedrängt von Deiner Jugend auf, aber sie haben Dich nicht Übermacht." Das wird auch das geeinigte Deutschland auf sich anzuwenden haben, das heute in voller Jugendkraft einherschreitet. Schon die Thatsache, daß nicht nur. Prinz Heinrich nach Friedrichsruh gepilge-t ist, um sich den Segen des alten getreuen Eckhart im Sachsenwalde für seine Fahrt in die fernen Meere zu erbitten, sondern daß auch der Kaiser die Schwelle überschritten hat, die das Theuerste birgt, was die Nation ihr Eigen nennt, beweist, daß die deutsche Politik sich aus dem rechten Wege befindet.
Tagesschau.
Armee-Kommandos. Eine größere Anzahl Veränderungen in den höheren Kommandostellen hat der Kaiser unter dem 14. Dezember vollzogen. Generallieutenant v. Gottberg ist zum Kommandeur der 20. Division in Hannover ernannt; der frühere Kommandeur, General v. Bock und Polach, ist Kommandeur des Gardekorps geworden. Zwei Generalmajors, ein Oberst und Regiments-Kommandeur und vier Stabsoffiziere sind zur Disposition gestellt, bezw. haben den Abschied erhalten.
Marine-Kundgebung. In der letzten Sitzung der Handelskammer für das Herzogthum Gotha nahm diese zur Flottenvermehrungsvorlage Stellung und nahm folgende Resolution an: „Die Handelskammer hält eine Vermehrung der Flotte zum Schutze des Handels für unbedingt erforderlich".
Kundgebung für die Flottenvorlage. Die von Hamburg aus angeregte Kundgebung von Industriellen zu Gunsten der Flottenvorlage soll nunmehr am 13. Januar erfolgen. Es sind zahlreiche Einladungen dazu ergangen; der deutsche Handelstag wird, laut „Frkf. Ztg.", das Arrangement nicht übernehmen.
Zur Eröffnung des preutzischen Landtages. Es wird von maßgebender Seite versichert, daß der preußische Landtag zum 11. Januar zusammentreten werde, aber zugleich binzugefügt, daß die offizielle Festsetzung dieses Termins noch bevorstände. Die kommende Tagung des Landtags wird vorerst, abgesehen vom Etat, nicht zu viele wichtige Vorlagen bringen. Mit im Bordergrunde wird die im Finanzministerium was sich auch bei der vorwiegend bäuerlichen Bevölkerung im Mittelalter leicht erklären läßt. Die berühmte Schule des Klosters Schlüchtern entstand erst nach der Reformation, die hohe Landesschule zu Hanau erst im 17. Jahrhundert. Die Klöster unterhielten in der Regel Schulen zur Heranbildung des Klerus. In der Klosterschule der Dominikaner zu Frank- für t finden wir 1519 einen Hanauer thätig, den 1526 als Prior des Klosters erwähnten Martinus O t t (Otth, Orth, t 1537); er war Lector der Schule und lehrte Logik und Physik. Der 1467 verstorbne Prior desselben Klosters, Ulricus Wißhupel (Wijßhiepel, Wijßhoubt, heute Weishaupt), ist jedenfalls identisch mit dem Prior Ulricus von Hanau, also auch ein Hanauer. Wollten sich junge Leute aus Hanau einem sogenannten gelehrten Beruf.' zuwenden, so gingen sie im 14. und 15. Jahrhundert nach Prag, Erfurt oder nach Heidelberg, später nach Marburg, Wittenberg oder Leipzig. Wir geben in Nachfolgendem eine Zusammenstellung der in den genannten Orten studierenden Stadt-Hanauer vom 14. bis Ende des 16. Jahrhunderts (nach Stölzel: Studirende der Jahre 1368 bis 1600 aus dem Gebiete des spät. Kurfürst. Hessen, Kass. Ztschrft, N. F., 5. Suppl.). In Prag finden wir nur einen Hanauer: Ulricus de Hanawe, 1377, unter den Juristen. Der Zeit nach geordnet verteilen sich die ferneren 70 studierenden Hanauer — eine kleine Zahl für einen Zeitraum von fast 250 Jahren — auf die genannten Städte wie folgt:
Heidelberg
Joh. Herboidi, 1387
Vener. domic.de Hanaw, 1389,1 Joh.Schlich, 1466 (1467 in Erfurt) Ludwig, comes de Hanaw, Mainz
Dioc. 14762
Conr. Slych, 1477
Phil. Pfil, 1483 (1480 in Erfurt)
Joh. Greff, 1485 '
Joh. Rauch, 1487
Joh. Glipurck, 1492 4
Joh. Rüpel, 1493 8
Reinh. Rauch, 1497 G Awilianus, 1499
Joh. Meyer, 1505*