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für Stadt- und Land« kreis Hanau 10 ^i* 4gespaltene Garmond­zeile oder deren Rau», für Auswärts 15 ^

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Auswärts 30 ^.

Amtliches Argan Mr $fa6i- unö LsnöKreis Hanau.

Erscheint täglich Ausnahme der Sonn- und Feierlage, mit belletristischer Beilage.

Nr. 295.

Freitag den 17. Dezember

1897.

Hierzu Amtliche Beilage" Nr. 89.

Amtliches.

Dienstnachrichten aus dem Kreise.

Entlaufen: Ein weißer Jagdhund mit schwarzen Ohren, m. Geschl., und mit breitem Messinghalsband.

Verloren: Zwei Schlüssel aneinander gebunden.

Gefunden: Ein katholisches Gebetbuch. Ein Notizbuch von einem Milchsührer. Etwas baares Geld. Eine runde Broche mit Perle. Eine neue Haarnadel von Horn.

Hanau am 17. Dezember 1897.

Bekanntmachung.

Die Arbeiten zur Errichtung einer Materialkammer und eines Schuppens auf dem städtischen Gelände an der gelben Mauer sollen öffentlich vergeben werden.

Verschlossene mit AufschriftOfferte Materialkammer an der gelben Mauer" versehene Angebote sind bis Mittwoch den 22. Dezember d. I., vorm. 10 Uhr, dem unterzeichneten Amte Langstraße Nr. 41, I. Etage einzureichen, woselbst die Eröffnung der Offerten vor den etwa erschienenen Submittenten erfolgt.

Zeichnung und Vertragsbestimmungen liegen ebendaselbst in den Bureaustunden zur Einsicht aus, und können Kosten­anschlagsexemplare gegen Erstattung der Kopialien bezogen werden.

Hanau den 16. Dezember 1897.

Städt. Sielbauamt.

Tharann. 17776

Prinz Heinrichs Abschied.

Mit bedeutsamen Reden, in wuchtigen Worten, deren getragener Ernst der feierlichen Stimmung angepaßt ist, welche alle Zeugen des hervorragenden Ereignisses im Kieler Hasen gestern erfüllte, haben der Kaiser und sein einziger Bruder Prinz Heinrich bei der Festtafel in Königl. Schlosse öffentlich von einander Abschied genommen. Dem hinreißen­den Eindruck dieser Reden, die ein schönes Zeugniß ablegen von dem innige» brüderlichen Verhältniß der beiden hohen Herren, wird sich Niemand entziehen können. Der kaiserliche Trinkspruch zeichnet aber auch in großen markigen Zügen die Umrisse der überseeischen Politik, welche das Deutsche Reich nunmehr zu befolgen entschlossen ist und deren Durchführung mit der Entsendung eines zweiten Kriegsgeschwaders in die ostastatischen Gewässer ihren kraftvollen Anfang genommen hat.

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Feuilleton.

Die Kaiserin der Franzosen.

Ein Gedenkblatt zum 50. Todestage Marie Louis e' s, Gemahlin Napoleons L (17. Dezember.)

Von Robert Berndt.

(Nachdruck »erbeten.)

I.

Es war am 30. November des Jahres 1809. Im Kaiserpalaste des allmächtigen Herrn der Welt wurde ein trauriges Mittagsmahl gchalten. Es war ein Mahl im engsten Kreise: außer Napoleon und der Kaiserin Josephine war nur die nächste Umgebung zugegen. Kein Wort fiel, nur einmal fragte Napoleon nach dem Wetter. Aber die Antwort hörte er dann schon wieder nicht. Seine Gedanken weilten bei etwas Anderem, das den Blick seiner Augen un- fiät flackern machte, bei dem Unausgesprochenen, das doch die zitternde fröstelnde Kaiserin schon errieth. Ja, sie wußte es sogar; und dennech hotte sie nur den einen Gedanken: wenn nur das Wort, das verhängn, ßvolle, entscheidende, das schon seit Wochen und Monaten sie ängstigte, nicht gesprochen, nicht heut gesprochen würde, das schreckliche Wort: Scheidung.

Aber es wurde gesprochen. Als Josephine zögernd dem Kaiser iw das Nebengemach gefolgt war, wo der Kaffee ge­nommen werden sollte, faßte er sich ein Herz und begann ihr in den rührendsten Ausdrücken von seiner unveränderten und unwandelbaren Liebe zu sprechen, aber dann redete er von der Staatsraison, von der Nothwendigkeit, Frankreich einen Erben zu geben, von dem Zwang, seine Gefühle hinter diesem Gesichtspunkte zurücktreten zu lassen. Der rücksichtslose, ge­bieterische Mann sprech zarter und wärmer, als seine Art

Der Trinkspruch des Kaisers

auf seinen Bruder und das gute Gelingen der ihm anver- trauten Mission hat folgenden Wortlaut:

Mein lieber Heinrich! Da Ich heute nach Kiel hinrin- fuhr, überdachte Ich, wie Ich schon so oft mit freuten diese Stadt betreten habe, sei es, um dem Sport obzuliegen, sei es, um irgend einer militärischen Unternehmung an Deiner Seite und auf Meinen Schiffen beizuwohnen. Bei dem heutigen Eintritt in die Stadt hat Mich ein ernstes Gefühl bewegt, denn Ich bin Mir vollkommen bewußt der Ausgabe, die Ich Dir gestellt habe, und der Verantwortung, die Ich trage. Ich bin Mir aber zugleich bewußt, daß Ich die Ver­pflichtung habe, das auszubauen und weiterzujühren, was Meine Vorgänger Mir hinterlassen haben. Die Fahrt, die Du antreten wirst, und die Aufgabe, die Du zu erfüllen hast, bedingen an sich nichts Neues; sie sind die logischen Konse­quenzen dessen, was Unser Hochseliger Herr Großvater und Sein großer Kanzler politisch gestiftet und was Unser herr­licher Vater mit dem Schwerte auf dem Schlachtfelde errungen hat; es ist weiter nichts wie die erste Bethätigung des neu- geeinten und neuerstansenen Deutschen Reiches in seinen über- seeischen Aufgaben. Dasselbe hat in der staunenswerthen Entwickelung seiner Handelsinteressen einen solchen Umfang gewonnen, daß es Meine Pflicht ist, der netten deutschen Hansa zu folgen und ihr den Schutz angedeihen zu lassen, den sie vom Reich und vom Kaiser verlangen kann. Die deutschen Brüder kirchlichen Berufs, die hinausgezogen sind zu stillem Wirken, und die nicht gescheut haben, ihr Leben einzusetzen, um unsere Religion auf fremdem Boden, bei frem­dem Volke heimisch zu machen, haben sich Unter Meinen Schutz gestellt, und es gilt, diesen mehrfach gekränkten und auch oft bedrängten Brüdern für immer Halt und Schutz zu verschaffen. Deswegen ist die Unternehmung, die Ich Dir übertragen habe und die Du in Gemeinschaft mit den Kame­raden und den Schiffen, die bereits draußen sind, zu erfüllen haben wirst, wesentlich die eines Schutzes und nicht des Trutzes. Es soll unUr dem schützenden Panier unserer deutschen Kriegsflagge unserem Handel, dem deutschen Kauf­mann, den deutschen Schiffen das Recht zu Theil werden, was wir beanspruchen dürfen, das gleiche Recht, was von Fremden allen anderen Nationen gegenüber zugestanden wird. Neu ist auch unser Handel nicht; war doch die Hansa in den alten Zeiten eine der gewaltigsten Unternehmungen, welche je die Welt gesehen, und es vermochten einst die deut­schen Städte Flotten aufzustellen, wie sie bis dahin der breite Meeresrücken wohl kaum getragen hatte. Sie verfiel aber und mußte verfallen, weil die eine Bedingung fehlte, nämlich die des kaiserlichen Schutzes. Jetzt ist es anders geworden, die erste Vorbedingung: das Deutsche Reich ist geschaffen, die zweite Vorbedingung: der deutsche Handel blüht und ent­wickelt sich, und er kann sich nur gedeihlich und sicher ent­

war; dennoch war die Wirkung seiner Worte fürchterlich. Josephine stammelte, sie habe den Schlag lange erwartet, aber er wirke darum nicht minder tödtlich, und brach bewußtlos zusammen. Napeleon gerieth in die höchste Erregung; der Angstschweiß trat ihm auf die Stirn, er rief den Palast- prâfekten und trug mit ihm vereint die Kaiserin in ihre Ge­mächer. Dann sandte er die Königin Hortense zu ihr und war voll der zärtlichsten Theilnahme.

Aber sein Entschluß blieb dabei unerschütterlich. Einen Erben seiner Krone der Gedanke verfolgte ihn schon Jahre lang. So lange ihm der Erbe fehle, seialles be­gonnen, nichts vollendet", hatte er schon 1805 geäußert. Er hatte Josephine seit langem fühlen lassen, was sich vorbe­reitete und dabei in der Stille bereits die Vorbereitungen zu einer neuen Ehe getroffen. Im vollen Hochmuthe seiner Macht hatte er zwar gesagt, er könne die erste beste Fran­zösin, die durch den Arc de Triowphe gehe, auf den Thron heben. In Wirklichkeit aber richtete er seine Aufmerksamkeit nur auf die Töchter alter Fürstengeschlechter. Eine Prinzeß von Sachsen-Weimar war in Frage gekommen, eine Groß­fürstin von Rußland und eine österreichische Erzherzogin. Und nach manchem Schwanken und langem Verhandeln hatte diese letztere, hatte Marie Louise die Wahl des Kaisers ge­troffen.

II.

Marie Louise war damals 18 Jahre alt. Ihr Charakter hatte sich von früher Jugend an durchaus gleichmäßig ent­wickelt. Sie war eine ruhiee, überlegende Natur. Sie liebte die Ordnung, lag regelmäßig ihren Pflichten und Studien ob und that, was ihr geboten wurde. Nie war sie bis dahin an die Ocffentlichkeit getreten, nicht im Guten und nicht im Bösen. Man wußte von ihr kein geistreiches Wort, keinen selbstständigen Zug, aber auch keinen leichtsinnigen Streich zu berichten. In erster Linie war sie eine gute Tochter.

wickeln, wenn er unter Reichsgewalt sich sicher fühlt. Reichs- gewalt bedeutet Seegewalt, und Seegewalt und Reichsgewalt bedingen sich gegenseitig so, daß die eine ohne die andere nicht bestehen kann. Als ein Zeichen der Reichs- und See- gewalt wird nun das durch Deine Division verstärkte Ge­schwader auszutreten haben, mit allen Kameraden der fremd en Flotten draußen im innigenVer- kehr und guter Freundschaft, zu festem Schutz der heimischen Interessen gegen Jeden, der den Deutschen zu nahe treten will. Das ist Dein Beruf und das ist Deine Aus­gabe. Möge einem jeden Europäer draußen, dem deutschen Kaufmann draußen und vor allen Dingen dem Fremden draußen, auf dessen Boden wir sind, oder mit dem wir zu thun haben werden, klar sein, daß der deutsche Michel seinen mit dem Reichsadler geschmückten Schild fest auf den Boden gestellt hat, nm dem, der ihn um Schutz angeht, ein für alle Mal düsen Schutz zu gewähren; und mögen unsere Landsleute draußen die feste Ueber­zeugung haben, seieu sie Priester, oder seien sie Kauf­leute, ober welchem Gewerbe sie obliegen, daß der Schutz des Deutschen Reiches, bedingt durch die Kaiserlichen Schiffe, ihnen nachhaltig gewährt werden wird. Sollte es aver je einer unternehmen, uns an unserem guten Recht zu kränken oder schädigen zu wollen, dann fahre darein mit gepanzerter Fauft! Und so Gott will, flicht Dir den Lorbeer um Deine junge Stirn, den Niemand im ganzen Deutschen Reiche Dir neiden wird!

In der festen Ueberzeugung, daß Du, nach guten Vor­bildern handelnd Vorbilder sind Gott sei Dank in Unserem Hanse genügend vorhanden Meinen Gedanken und Wün­schen entsprechen wirst, erhebe Ich Mein Glas und trinke es auf Dein Wohl mit dem Wunsche für eine gute Fahrt, für eine gute Ausrichtung Deiner Aufgabe und für eine fröhliche Heimkehr: Seine Königliche Hoheit, der Prinz Heinrich lebe! Hurrah! Hurrah 1 Hurrah!"

Die Antwort des Prinzen Heinrich lautete wie folgt:

Durchlauchtigster Kaiser! Großmächtigster König und Herr! Erlauchter Bauder! Als Kinder wuchsen Wir zusam­men auf, später war es Uns als Männern vergönnt, einan­der in die Augen zu schauen und einander treu zur Seite zu stehen. Euerer Majestät erblühte die Kaiserkrone mit Dor­nen. Ich habe versucht, in Meinem engen Kreise und mit Meinen schwachen Kräften als Mensch, als Soldat und als Staatsbürger Eurer Majestät zu helfen. Es kam eine größere Epoche, eine für Euer Majestät bedeutende Epoche. Euer Majestät haben die große Gnade und Entsagung ge­habt, mir dieses Kommando anzuvertrauen. Ich danke dies Eurer Majestät aus treuestem, brüderlichem und unterthänig- stem Herzen.

"»»laR» Sie zählte zu den Charakteren, die stets eine Anlehnung brauchen, und fand diese Stütze an ihren Angehörigen. Ihre Briefe an den Vater, Kaiser Franz, und an ihre kaiserliche Stiefmutter sind voll ehrlicher Zärtlichkeit. Aber nie wird diese Zärtlichkeit die Schranken der Ehrfurcht und gehörigen Form einmal durchbrechen; Marie Louise war weder so starken Temperaments noch so frischen Muths, so etwas zu wagen. Sie war ein guter Durchschnittsmensch, ge­schaffen, im Gleichmaße des Tageèlebens eine Stelle gut auszufüllen und ihren.Pflichten ruhig, aber treu nachzu­kommen.

Und gerade dies ihr so erwünschte Gleichmaß des Lebens war ihr nie gegönnt gewesen! In ihre Kindheit fielen die Revolution skriege, in ihrer Jugend die Ereignisse von 1805 und 1809. Sie hatte oft die Armeen ihres Vaters ge­schlagen, hatte Wien in Feindeshänden gesehen und hatte flüchten müssen. Alles Neble ihres Lebens verkörperte sich schon zcitig für sie in dem einen Namen Buonaparte. Der abscheulichste unter dcn Puppensoldaten der kleinen Erz­herzogin war so getauft gewesen und hatte erbitterte Stiche und Verwünschungen zu erleiden gehabt. Später wird die sonst so gelassene Prinzessin zornig und feindselig, wenn sie auf denehrgeizigen Buonaparte" zu sprechen kommt, der dem Liebsten, was sie kennt, ihrem Vater und ihrer Familie, so viel Kummer bereitet. Wohl hundertmal hatte sie ihm noch in den letzten Jahren eine Kugel in den Leib gewünscht.

Und nun wollte eine ganz besonders ironische und wunder­liche Fügung der Geschichte, daß eben dieser Mann sie zur Gattin begehrte! Noch wußte sie nichts davon. Noch war es nur eine Sache der Verhandlungen zwischen den Tuilerien und der Wiener Kaiserburg. Aber als die Kandidatur der Großfürstin Anna endgiltig erledigt war, wollte Napoleon, Gewalthaber wie immer, daß fitzt der Vertrag mit Oesterreich