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Ar. 291. Montag den 13. Dezember
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1897.
Hierzu
-.Amtliche Beilage" Nr. 87.
^anö&re 10 ^anau.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtcs.
Unter der Schafherde der Gemeinde Rieder-Mockstadt, Kreis Büdingen, ist die Räude festgestellt und deshalb Gemarkungssperre angeordnet worden.
Hanau am 13. Dezember 1897.
Der Königliche Landrath
v. Schenck.
Dirnstnachrichtcn ans dem Kreise.
Entlaufen: Ein weißer Jagdhund mit gelben Flecken. Ein gelber Dachshund m. Geschl. Ein junger weißer Jagdhund mit braunen Flecken, m. Geschl.
Verloren: Ein goldner Fingerring mit rothem Stein; dem Wiederbringer eine Belohnung. Ein Zwanzig Markstück.
Gefunden: Eine goldne Damenuhr mit Kelte. Ein Regenschirm. Ein Muff. Ein Zwicker. Ein Geldstück (von der Post). Ein schwarzer Kinderstrumvf.
Auf dem Mainuser am 12. ds. Mts. weggeschwommen eine weiße Gans.
Hanau am 13. Dezember 1897.
Ausreise des Expeditions Geschwaders nach China.
Die Kriegsschiffe „Deutschland" und „Gefion" der neugebildeten zweiten, dem Befehl des Prinz-Admirals Heinrich unterstellten Division des Kreuzer-Geschwaders — das dritte Kriegsschiff, die „Kaiserin Augusta", schwimmt bereits im Indischen Ozean — verlassen an diesem Mittwoch Morgen den Kieler Hafen zur Fahrt in die fernen Meere, denen die deutsche Kriegsflagge die Macht und Herrlichkeit, aber auch die friedliche Kultur-Mission des deutschen Reiches verkünden soll. Zwei Tage später wird auf den Dampfern des Norddeutschen Lloyd die zur Unterstützung der Landungs- Abtheilung des Kreuzer-Geschwaders aus Infanterie, Artillerie und Pionieren zusammengesetzte Truppenexpedition den deutschen Boden verlassen, um, wie der Prinz-Admiral Heinrich beim Abschied den Offizieren der Altonaer Garnison zurief, im Namen des Kaisers, zu seiner Ehre und zur Ehre des Vaterlandes ihres Amtes zu walten.
Der Ruf des Kaisers nach Freiwilligen, der an alle Infanterie-Regimenter ergangen war, hat einen glänzenden Er-
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Feuilleton.
«Nachdruck ---toten.) ^ nfnf Sjjj
(Vortrag, gehalten von Herrn Dr. Georg Fuchs aus München am 7. d. M. im Kunstindustrie-Verein dahier.)
(Schluß.)
^ Andererseits ist Bresche gelegt in die individualistischen ^irlelren, welche bestritten, daß die Kunst einen Zweck habe, welche verkündeten: der Künstler lebe sich ans in seinem Werke — schrankenlos, ungebäudigt! Unsere schöpferisch be- gabten Maler und Bildhauer werden heimgeführt zu ihrem Berufe. Wir erinnern uns der Zeiten edelster Kunstblüthe, der Zti)en eines Dürer, Holbein, Veit Stoß und Jamuitzer, wo auch der erhabenste Schöpfergeist die Beziehungen zum Leben, zu den Zwecken und Bedürfnissen des Lebens nicht verlor, wo er nicht von der heute herrschenden Originalitätssucht und Schaulust dazu getrieben wurde, sich in schwülstigen Effekten und wüster Phantastik gleich dem Athleten der Arens zu erschöpfen. So begrüßen wir die angewandte Kunst als eine Schule der Genesung auch für die freien Künste. Es macht uns froh und g> tröst unsere Meister bald wieder so recht bei dec Arbeit zu sehen, beim Webstuhl und Brennofen, beim Holzstock und beim Ambos und vor der Staffelei nicht mit der Absicht ihre Person durch seltsame und immer seltsamere Darstellungen in der Leute Mäuler zu bringen, sondern bedacht auf die Schönheit und auf die Erfüllung des jeweiligen Zweckes. Nur so gelangt die Kunst zu jener edelsten Freiheit in strengster Gebundenheit, welche wir Stil nennen.
Nun aber fordere ich Sie auf: führen Sie diese Kunst ein in die Häuser, in die Paläste, in die Tempel! Ich kann C1- ' ^ » . ----„ «AMC cn - i _ 1.1„ „a„ «„C
folg gehabt; Meldung«» gingen in großer Zahl ein, nur ein geringer Theil der Freiwilligen konnte eingestellt werden, j Der Appell an die Waffenfreudigkeit findet noch immer ein: Echo in den deutschen Herzen. Der Geist treuer Pflichterfüllung ist auch heute noch in unserm Heere in alter Kraft lebendig; derselbe Geist, der in den mörderischen Schlachten des deutsch-französischen Krieges so herrliche Großthaten verrichtete.
Prinz-Admiral Heinrich und die wackern deutschen Soldaten gehen ungleich schwereren Aufgaben entgegen, als sie das heimathliche Garnisonleben fordert. Sie alle haben Anspruch darauf, daß Heimath und Vaterland sie nicht ohne Segrnsspruch und Segenswunsch entlassen; es ist eine erlesene Schaar blühender deutscher Jugend, es ist ein Stück Deutschland — und nicht das schlechteste —, das mit ihnen fernhin über die Meere zieht, um die Wacht zu halten für Deutschlands Ehre und Würde. Als Pioniere deutscher Macht ziehen sie aus; mögen sie alle aus friedlicher oder kriegerischer Pflichterfüllung dereinst ehrooll und fröhlich in die Heimath zurückkehren!
Deutscher Reichstag.
(Sitzung vom 11. Dezember.)
Der Reichstag setzte heute, nachdem zunächst ein Antrag auf Einstellung eines gegen den Abg. Horn (sozdem.) schwebenden Strafverfahrens für die Dauer der Session angenommen worden war, die erste Lesung des Etats fort. Abg. Fritzen (Centr.) spricht seine Genugthuung darüber aus, daß es wieder möglich geworden sei, eine erhebliche Summe für die Schuldentilgung zu bestimmen. Die Matri- kularbeiträge seien beizubehalten als Sicherheitsventil gegen neue Reichssteuern; denn wenn die einzelstaatlichen Finanzminister höhere Matrikularbeiträge an das Reich zahlen müßten, würden sie sich die Vermehrung der Reichssteuern zweimal überlegen. Bezüglich der Marinevorlage werde das Centrum das Resultat der Kommissionsberathungen abwarten; er hoffe aber, daß der Reichstag mit der Regierung zu einer Verständigung kommen werde. Die von dem Grafen Limburg- Stirum in dessen neulicher Rede ausgesprochene Behauptung,! daß das Ansehen des Reiches und das Ansehen der Leitung! des Reiches gegen früher gesunken wäre, sei unzutreffend; es seien durchaus keine Anzeichen dafür zu entdecken, im Gegentheil, Deutschland habe seine Stimme mit großem Gewicht in vielen auswärtigen Fragen in die Wagschale gelegt. Der Redner bespricht sodann die Einzeletats verschiedener Ressorts, spricht dabei die Erwartung aus, daß die Lösung der sozialen Aufgaben weiter verfolgt werde, und fragt den Kriegsminister,1
treten Hermann Obrist's gesagt hat, indem er betonte, daß wir erst an den amerikanischen Neubauten beurtheilen können, welchen gewaltigen Vorsprung ein talentvoller Künstler dort einem hiesigen Architekten gegenüber habe, und dann fortfuhr: „Was von den alten Ausstattungsstücken des Hauses nicht mit den modernen Bevürnissen im Einklang steht, ist im modernen amerikanischen Hause über Bord geworfen; mit der Zentralheizung der Ofen zuweilen auch der Kamin, mit dem elektrischen Lichte der Kronleuchter und Standleuchter, mit den Wa' schränken und Schrankkammern die Kommode und vielfach der Schrank. Dafür sind neue Formen gefunden und diese Formen werden mit der ganzen Ausstattung des Zimmers zusammen erdacht und einheitlich durchgeführt. Erst wenn Obrist — selbst vor ähnliche Aufgaben gestellt wird — wenn er so jeden einzelnen Raum nach seiner Bedeutung durchbilden und den Plan des ganzen Hauses durch Steigerung und Aussöhnung solcher Effekte nach seinem künstlerischen Sinne ausarbeilen darf; erst dann wird Obrist ganz in seinem Felde sein! — Mög- der junge Künstler die Gönner finden, die ihn vor solche Aufgaben stellen, die das, was tief in ihm steckt, voll zur Entfaltung bringen helfen!"
Ich glaube ganz im Sinne des großen Kenners zu handeln, wenn ich Sie bitte, diese seine Mahnung auch für alle anderen Künstler von eigener dekorativer Begabung gelten zu lassen, die jetzt deutlich erkennbar vor uns aufgetreten sind. Befürchte niemand, daß er etwa als „Versuchs-Kaninchen" für moderne Jnnen-Architektur dienen solle. Denn einmal steht Dem Bauherrn ja die ausgedehnteste Kontrolle über die Entwürfe zu, zum anderen müssen wir sesthalten, daß die Künstler selbst schon das lebhafteste Jntereffe haben, sich zu bewähren. Hier zeigt sich außerdem wieder der enorme Vortheil unseres langjährigen intensiven und praktischen Studiums der alten Epochen: wir wuchern mit dem dabei aufgesammel- x— R-:i.f. x.x-;cx._ rc-f-t.-..*.- m^Mix ^„„x mA„ kAWU
ob sich infolge der Kaiserlichen Kabinetsordre bezüglich der Duelle eine Abnahme des Zweikampfs in dec Armee bemerkbar gemacht habe. Mit einem Schlage könne man zwar den Duellen nicht ein Ende machen, aber das könne man doch verlangen, daß jetzt nicht mehr diejenigen, welche nach ihrem Gewissen prinzipielle Gegner des Duells seien, aus der Armee ausgeschlossen würden, und ferner, daß mit denen, die Linienoder Reserveoffiziere werden wollten, nicht eine Inquisition angestellt werde über die Frage, wie sie zu dem Duell ständen. Schließlich betont der Redner noch, daß sich das Centrum unter keinen Umständen auf eine Vermehrung der indirekten Steuern einlassen werde.
Der preußische Kriegsminister v. Goßler erwidert dem Vor-ebner, daß sowohl der oberste Kriegsherr als auch die Militärbehörden auf die Verringerung der Duelle hinwirkten. In letzter Zeit seien eigentlich nur zwei Duelle vorgekommen, bei denen es sich um die häusliche Ehre handelte, das höchste Gut, für das man kämpfen müsse. Hier müsse es einem Soldaten überlassen bleiben, in welcher Weise er feine Ehre schützen wolle. In beiden Fällen sei die kriegsgerichtliche Untersuchung eingeleitet worden. Die Ehrengerichte machten sich schon recht wirksam bemerkbar. Eine Frage über die Stellung zum Duell werde an keinen Offizieraspiranten gestellt. Es bestehe darüber eine besondere Ordre.
Abg. v. Leipziger (ksns.) meint, daß nach dem Abgang des Fürsten Bismarck unter dessen unmittelbarem Nachfolger ein Rückgang in der energischen Leitung der auswärtigen Angelegenheiten und eine Verminderung des deutschen Ansehens eingetreten sei. Zur jetzigen Regierung habe er das Vertrauen, daß sie zu dem Regiment des Fürsten Bismarck zurückgekehrt sei und die deutschen Interessen im Auslande mit Nachdruck wahren werde. Der Redner geht nunmehr aus Einzelheiten des Etats ein und bemerkt, es sei noch nicht abzusehen, ob die Besserung der Finanzlage eine dauernde sei. Jedenfalls hänge sie von der dauernden Besserung der wirth- schaftlichen Lage ab, von der noch nicht gesprochen werde» könne, angesichts der niedrigen Getrerdepreise. Bei der Besprechung des Marineetats gedenkt der Redner mit Trauer des nntergegongenen Torpedoboots 8 26, seines heldenmüthigen Kommandanten, des Sprossen eines edlen deutschen Fürstenhauses, und seiner wackeren Mannschaft, die als echte Christen in den Tod gegangen seien.
Abg. Bebel (sozdem.) führt aus, daß die Finanzlage allerdings günstig sei; sie habe aber anscheinend schon den Höhpuntt erreicht. Das Reichsbudget beruhe ja im Wesentlichen auf den indirekten Steuern, die zumeist von den unteren Klassen aufgebracht würden, eren wirthschaflliche Lage und Konsumfähigkeit schnell sinke. Die riesigen Einnahmen des Reiches kämen vorzugsweise den höheren und herrschenden Klassen zu Gute. Sollten wieder neue Einnahmen nothwendig werden, so werde man hoffentlich von indirekten Steuern ab
durchaus keinen Sprung in's Ungewisse. Wir haben bereits Vorlage Werke, welche eine „Neugestaltnng unserer Wohnräume" anstreben und auch dem Laien ein ungefähres Bild davon geben, was er von den Dekorateuren der neuen Richtung zu erwarten hat. Ich verweise hier auf Hermann Werle „Das vornehme deutsche Haus" und „Ein malerisches Bürgerheim" von demselben, ferner auf das von Gradl u. Schlotke herausgegebene Werk „Kleinkunst".
Wir haben fernerhin durch die genaue und umfassende Registrirung und bildliche Vorführung der gesammten deutschen Produktion, welche sich die Zeitschriften zur Aufgabe ge- sttzt- haben, die denkbar günstigste Gelegenheit, uns bis in's Einzelnste zu orientiren. Durch diese Blätter und die Ausstellungen der Zukunft wird das kunstliebende Publikum sehr bald mit der movernen angewandten Kunst vertraut werden, denn diese Kunst ist heimathlich, sie ist vor allem überaus praktisch. Diese Künstler sind nicht an todte, bedingungslos festgenagelte Formen gebunden, die Gesttze der Symmetrie, welche bisher als feststehender Kanon schematisch eingehalten wurden, gelten nicht mehr: der Zweck, die praktische Bestimmung, diktirt die Raumverlheilung und stellt neue reizvolle Aufgaben, neue und reizvolle Lösungen. So treibt das heimathliche, moderne, lebendige Bedürfniß zum heimathlichen, modernen, lebendigen Stile. ES ist ganz bezeichnend, daß sich viele dieser Künstler nur ungern dazu herbeiiassen für den Lcxus zu schaffen, daß ihnen ebenso die Kunstthätigkeit, welche nur auf Museen und Ausstellungen rechnet, von Grund aus verhaßt ist. Sie wollen lebendige That! Drum wollen sie gerade die einfachsten alltäglichsten Dinge und die in diesen enthaltenen Motive der Schönheit erwecken. So bat z. B. die Monatsschrift „Deutsche Kunst und Dekoration" unter ihren 12 Preisausschreiben nicht ein einziges, welches einen Lvxusgegenstand verlangt. Gewünscht werden da u. A. TAnelo« (Site- «wK Q>nfH»r-,sPAA»J für nrnnftnfp Wnbn- und