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Freitag den 10. Dezember

Amtliches.

^anöUrcto ^anaxr.

Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.

In Hausen bei Frankfurt a/M., in Ober-Wöllstadt, Kreis Friedberg, und in Rothenbergen, Kreis Gelnhausen, ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen und sind die polizeilichen Schutzmaßregeln angeordnet worden.

Hanau am 10. Dezember 1897.

Der Königliche Landrath v. Schenck.

In Seligenstadt, Kreis Offenbach, ist die Maul- und Klauenseuche erloschen und Gehöft- und Gemarkungssperre aufgehoben worden.

Hanau am 8. Dezember 1897.

Der Königliche Landrath

V. 12791 v. Schenck.

Landwirthschaftlicher Kreisverein Hanau.

Nächste Versammlung Samstag den 18. Dezember, nachmittags 2 Uhr, im Gasthauszum goldenen Löwen" in Hanau.

Tagesordnung:

1. Geschäftliche Mittheilungen.

2. Vortrag über Mutabilität des Obstbau's. Bericht­erstatter: Herr Jnstitutsgärtner Huber aus Cass^.

3. Vortrag über Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche. Berichterstatter: Herr Kreisthierarzt Collmann.

4. Ankauf von Kunstdünger rc.

Der Vor st and.

Die Herren Bürgermeister des Kreises werden ersucht, obige Bekanntmachung des landwirtschaftlichen Kreisvereini in ihren Gemeinden in ortsüblicher Weise bekannt zu machen. Hanau am 9. Dezember 1897.

Der Königliche Landrath v. Schenck.

Dienstmchrichtril aus dem Kreise.

Gefunden: Eine kleine Scheere. Eine Kinderphoto­graphie. Ein Knabenrädchen. Ein Portemonnaie mit etwas Geld.

Entlaufen: Ein großer grauer Doggenhund mit weißer Brust und weißer Schwanzspitze, m. Geschl.

Verloren: Zwei Schlüssel in einem Ring. Ein gold- ner Zwicker mit Futteral.

Hanau am 10. Dezember 1897.

Fettilletsn.

Der neue SM.

(Vortrag, gehalten von Herrn Dr. Georg Fuchs aus München am 7. d. M. im Kunstindustrie-Verein dahier.)

Wenn man bisher im deutschen Reiche nach dem Stil des vornehmen Hauses, des Palastes und des Tempels frug, so wurde ein mächtiger Atlas aufgethan. Im Stile des Empire, des Rokoko, des Barok, der deutschen und der italienischen Renaissance; gothisch, romanisch, norwegisch, byzantinisch, mau^ risch, ägyptisch, persisch, indisch und altassyrisch so baute der wohlhabende Deutsche vom Ende des 19. Jahrhunderts, so richtete er sich ein. Mit großer Gelehrsamkeit erforschte er die Baukunst und die angewandte Kunst aller Zeiten und Völker, mit unerschütterlicher Gewissenhaftigkeit und sklavischer Ehrfurcht ahmte er sie nach. Er selbst, der Lebende, der Starke er hatte keinen Ehrgeiz für sich, er wollte nichts erschaffen. Er stand unter dem Bakel des Professors. Ja, als die Zeit kam, da ihn die gelehrte Romantik des Urväter­hausrathes und der Raub der Gräber zu bedrücken ansing, als es ihm dumpf und beklommen wurde, als er nach Luft und Licht und Behagen verlangte, da dachte er keinen Augen­blick daran, unter den eigenen Volksgenossen nach Künstlern zu suchen, welche ihm bieten könnten, was er begehrte. Er, der mächtige Deutsche, in dem das Empfinden für das eigene Volksthum, für die Größe und Schönheit der Heimath fo gewaltig aufgelebt war, wie nie zuvor: Er bettelte an den Pforten anderer Völker. Dem Britten, dem Franzosen, dem Amerikaner und dem fernen Japaner brachte er die Fülle seines Reichthumes dar, den er durch eine Schaffenskraft ohne Gleichen erworben hatte, um von ihnen die Zierrathe für ein Haus und Heim zu erkaufen. Niemals stieg ihm darum die

Zum Besuch des Prinzen Heinrich beim Fürsten Bismarck

liegen noch die folgenden Meldungen derHamburger Nach­richten" vor:

Im Vorzimmer empfing Frau Gräfin Rantzau den Prinzen im Namen ihres Vaters, der durch seine Krankheit am Stehen und Gehen noch verhindert ist. Nachdem Prinz Heinrich die Gräfin begrüßt hatte, zog er den Geheimrath Schweninger in ein eingehendes Gespräch über den zeitigen Gesundheitszustand des Fürsten Bismarck und über die Aus­sichten einer Besserung. Die' Antwort, welche Geheimrath Schweninger gab, soll ganz tröstlich gelautet haben; wenn das unbequeme und schmerzliche Leiden auch nicht von heute auf morgen zu beseitigen ist, so ist doch wohlbegründete Hoff­nung auf völlige Wiederherstellung in absehbarer Zeit.

Nachdem der Prinz diese Auskunft erhalten hatte, öffneten sich die zum anliegenden Salon führenden Thüren, und man sah den Fürsten in schwarzer Zivilkleidung langer, schwarzer Leibrock mit weißer Halsbinde in einem Rollstuhle sitzen, über die Kniee eine Decke gebreitet.

Der Besuch des Prinzen im Bismarck'schen Hause dauerte fast zwei Stunden. Nach kurzem Aufenthalte im Familien­salon begab man sich zum Frühstück, das unter angeregtem Gespräche verlief. Der Fürst hatte eine gute Nacht verbracht, und Geheimrath Schweninger glaubte es verantworten zu können, ihm zur Feier des Tages einen Dispens von den sonst sehr strenge eingehaltenen Diätregeln zu bewilligen, was Fürst Bismarck beim Tischgespräche mit munterer Laune selbst hervsrhob. An der Frühstückstasel nahmen außer dem Prinzen Heinrich und dem Fürsten Bismarck theil: Graf und Gräfin Rantzau, Frau Marie Meister, die seit einiger Zeit im Bis­marck'schen Hause zu Besuch weilt, der Begleiter des Prinzen Heinrich, Kontreadmiral Freiherr von Seckendorff, Geheimrath Schweninger und Dr. med. Chrysander.

Da der sonstige Zustand des Altreichskanzlers ihm die Theilnahme an allen Mahlzeiten und die gewohnte Be­schäftigung mit Lesen, sowie die Unterhaltung im Familien- und Freundeskreise fast ohne Einschränkung, wie in gesunden Tagen gestattet, so würde es für ihn sehr lästig sein, an ein und dasselbe Zimmer für Wochen gefesselt zu sein. Deshalb ist jetzt als das lleinere Uebel von zweien der Rollstuhl zu Hilfe genommen. Es ist ein in Anbetracht des erheblichen Körpergewichts des Fürsten Bismarck sehr fest gebauter, niedriger Stuhl, der auf Gummirädern von etwa 50 cm im Durchmesser läuft, und dessen elegante Konstruktion nicht ver­räth, welche starke Last man ihm zumuthen darf. Lange auch hat der Benutzung eines solchen Fahrzeuges, das dem Fürsten bei seinem Leiden schon viele gute Dienste hätte leisten können, 1 der Umstand im Wege gestanden, daß im Friedrichsruher ! Herrenhaus die Wohn- und Speisezimmer von dem Arbeits- MMMMjyWMMMMMBHBiaKgBHrag^:^ WMb!^^ l'ffTf^W JTIimillllM

Schamröthe ins Gesicht. Gebietenden ungeheuerer Macht fülle steht dys deutsche Volk im Ratbe der Völker, die Welt huldigte feilst unvergleichlichen Wissenschaft, seiner Technik, feiner Tonkunst. Die deutsche Malerei entwickelte sich aus heimathlichem Geiste zur höchsten Höhe. Der Tag ist nicht fern, wo sie vor allen anderen Nationen den Vorrang haben wird, denn der größte bildende Künstler des Jahrhunderts, Arnold Böcklin, ist ein Deutscher. Allein die Werke unserer Meister fanden keinen Eingang im deutschen Hause. Man häufte sie in Ausstellungen und Galerien, denn sie konnten nicht unter uns wohnen; sie waren deutsch und modern, unsere Wohnungen aber undeutsch oder alterthümlich. So war es denn den Malern im Allgemeinen unmöglich ge­macht, den Zweck ihrer Kunst zu erfüllen; den Zweck: zu schmücken, den Jnnenraum zu schmücken. Sie verfehlten ihren Berus, sie wurden Individualisten. Nur innerhalb der Schranken, welche der Kunstübung durch den Zweck gesetzt werden, entwickelt sich diese zum Stil so lehrt uns die ganze Weltgeschichte der Kunst. Unsere Maler hatten keinen Zweck, man beauftragte sie nicht, da oder dort innerhalb eines gegebenen Ganzen zu gestalten, so sahen denn die Künstler in ihrer Kunst nichts mehr, als ein Mittel, ihre Individua­lität auszudrücken. Das that jeder auf feine Art, so eigen­artig wie nur immer möglich, ja eigenartig bis zur Unmög­lichkeit. Es ist einleuchtend, daß diese Originalitätssucht, so sehr sie auch von den falschen Propheten gepriesen wurde, das Entspringen eines großen, einheitlichen Stromes natio­naler Kunstübung verhindern mnßte: unsere bildende Kunst kam nicht zum Stile, die Maler verfehlten ihren Beruf. Aber das wollten sie nicht alle. Einige von ihnen sannen nach, wie sie eine der modernen Malerei entsprechende Art des Wohnens, der Innenarchitektur und angewandten Kunst er­reichen könnten, eine deutsche dekorative Kunst im Empfinden unserer Zeit zum Schmucke unseres

zimmer und Schlafgemach des Fürsten, die im linken Schloß- flügel liegen, durch einen Korridor getrennt sind, der vier Stufen höher liegt als das Hauptgebäude. Die kleine Treppe wird nun, um glattes Passiren des Fahrstuhles zu ermög­lichen, durch eine kleine Holzbrücke überdeckt, sobald der Fürst von einem Schloßtheil in den anderen fährt. Der einzige Weg, den der greise Staatsmann ohne Gebrauch des Roll­stuhles zurücklegt, ist jetzt der allmorgendliche Gang vom Schlafzimmer nach dem Baderaum, etwa zwanzig Schritte, die er, gestützt aus seinen Kammerdiener, ohne Nachtheil wagen darf. Der Humor und der Appetit des Fürsten lassen trotz der Schmerzen in den Beinen und dem Mangel an aus­reichender Bewegung nichts zu wünschen übrig.

Von Friedrichsruh begab sich der Prinz nach Altona, um dem Grafen Waldersee einen Besuch abzustatten, der etwa eine Stunde währte.

Vor der Abfahrt begrüßte Prinz Heinrich das auf dem Perron aufgestellte O fizierkorps. Auf eine Ansprache des Grafen Waldersee, in der dieser dem Prinzen zu seiner bevor­stehenden Reisegutes Soldatenglück" wünschte, antwortete Prinz Heinrich, zu den Offizieren gewendet:Ich danke Sr. Exzellenz herzlich für die freundlichen Worte, die er in Ihrem Namen an mich gerichtet hat: Meine Herren, ich bitte Sie, mir glauben zu wollen, daß, wenn ich hinausgehe dorthin, wohin die Gnade des Kaisers mich sendet, ich es dem Kaiser danke, daß er dieses Vertrauen in mich gesetzt hat. Im Namen des Kaisers, zu seiner Ehre und zur Ehre des Vater­landes werde ich meines Amtes walten. Se. Majestät der Kaiser lebe hoch, hoch, hoch". Kräftig stimmten die Offiziere in das Hoch ein.

Nach kurzer herzlicher Verabschiedung setzte der Prinz seine Reise nach Kiel fort.

Deutscher Reichstag.

6. Sitzung vom 9. Dezember.

Der Reichstag hat heute die erste Lesung der Flottenvorlage beendigt. Abg. Hammacher (nail.) erklärt, seine politischen Freunde hätten einmüthig beschlossen, sich auf den Boden der Vorlage zu stellen. Sie seien mit der Regierung überzeugt, daß die Flotte in ihrem jetzigen Um­fange nicht auâreiche, die ihr gestellte Aufgabe zu erfüllen, weder für den Küstenschutz, noch für unsere Interessen im Auslande. Die finanziellen Bedenken verkenne seine Partei nicht, aber das nationale Empfinden, das die Partei von An­beginn an erfüllt habe, lasse sie leichter über diese Bedenken hinwegsehen. Er stehe nicht an, zu erklären, daß die Re­gierung, bei dieser Vorlage von einem Verantwortlichkeitsge- fühl vor der Geschichte beseelt werde, für welches man ihr nur Dank wissen könne. Im Jahre 1870 härten die Fran­zosen unseren ganzen Seehandel lahmgelegt, weil es uns in Lebens, welche die moderne Malerei in ihren stilistisch reifsten Werken mitumfassen könnte, die sich mit der Malerei und Plastik zu einer großen lebendigen Kunst, zu einer großen lebendigen Kunstübung vereinigen könne. Sie fanden das, wovon ich Ihnen heute erzählen will: den neuen Stil.

Sie nicht allein. Wir alle, wir jungen Künstler und Kunstfreunde empfanden es als eine Schmach, daß unser Volk allein keinen seiner Art entsprechenden Stil hervorbrachte. Wir sahen wie in England und daran anschließend in Frank­reich schöpferische Geister alle Dinge des Lebens verschönten, wir salen, daß die Amerikaner gerade, weil sie sich so unbe­irrbar an das Bedürfniß und das Empfinden ihres Volkes und ihrer Zeit hielten, wahre Großthaten auf dem Gebiete der angewandten Kunst vollbrachten, wir sahen, daß die Wallonen, die Norweger, die Dänen ihr Kunstgewerbe lebendig und ihren Bedürfnissen und Empfindungen entsprechend zu erhalten wußten.

Bei uns dagegen wachsen die Kinder der wenig bemittelten Ueberzahl der Gebildeten in Räumen auf, in denen sie nur mit häßlichen Dingen in Berührung kommen. Die Gegen­stände sind fabrikmäßig hergestellt. Ihre Formen und Ver­zierungen sind banal und unorganisch man hat in Deutsch­land den fest eingewurzelten Aberglauben, es könne für das nämliche Geld nichts Schönes geschissen werden. So verstieß man das Kind in die Häßlichkeit. Häßlich ist das Bett, in dem es schläft, die Tapete, die ihm beim Erwachen entgegen­leuchtet, und ber Vorhang, durch welchen sich die frühe Sonne zu ihm stiehlt. Häßlich ist der Stuhl, auf dem es sitzt, häß­lich die Tasse, aus der es trinkt, häßlich der Teppich, auf dem es spielt, häßlich das Buch, aus dem man es unterrichtet, häßlich sein Einband und häßlich der Druck, abscheulich die Bilder. In der That, wenn man eine Durchschnitts-Ein­richtung und ein Durchschnitts-Dasein in Deutschland be­trachtet, so findet man nur Häßlichkeit. Besten Falls sind