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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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Nr. 285.
Amtliches, ^anöâreiö ^anau.
Selanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
In Rückingen und Niederissigheim ist die Maul- und Klauenseuche erloschen und sind die zur Verhütung der Weiterverbreitung der Seuche angeordneten Sperrmaßregeln wieder aufgehoben worden.
Die Herren Ortsoorstände wollen Vorstehendes sofort ortsüblich bekannt machen.
Hanau am 6. Dezember 1897.
Der Königliche Landrath
V. 12659/12660 v. Schenck.
In Eckartsborn, Kreis Büdingen, ist die Rothlaufseuche erloschen und die Gehöftsperre wieder ausgehoben worden.
Hanau am 6. Dezember 1897.
Der Königliche Landrath
v. Schenck.
Dieustnachrichten aus dem Kreise.
Gesunden; Ein rotlckarrirtes Taschentuch. Ein schwarzer Handschuh mit Pelzbesatz. Drei große Milchkannen. Ein getragenes Kinderleibchen. Eine lederne Umhängetasche. Ein braunes Knabenrädchen.
Zugelaufen; Ein großer schwarzer glatthaariger H"nd mit langen Ohren, langer Ruthe und trug ein mit gelben Knöpfen besetztes Halsband; Empfangnahme bei Metzger Karl Spangenberg in Bergen. Ein weißer Foxterrier mit rothbraunem Kopf, w. Geschl.; Empfangnahme beim Metzger Johann Mankel zu Wachenbuchen.
Verloren: Zwei Paar rothe Sammtschuhe. Ein Portemonnaie mit ca. 1,70 Mk.
Hanau am 6. Dezember 1897.
Der Reichstag
hat an diesem Montage die Berathung der Marinevorlage begonnen. Die Bedenken, die bisher in der Presse gegen den Eutwurf geltend gemacht worden sind, haben sich weniger gegen die Höhe der Fordèrungen als gegen die Form gewandt, in der sie an den Reichstag herantreten. Von den grundsätzlichen Gegnern der Flotte abgesehen, wird allgemein anerkannt, daß die verbündeten Regierungen die richtige Mitte getroffen haben, und daß die Finanzlage deS Reiches die erforderlichen Aufwendungen für die Flotte ohne neue Steuern sehr wohl gestattet. Nur die Festlegung des Flottenplanes hat Widerspruch erfahren. Der Abg. Richter hat sich sogar der Mühe unterzogen, in seiner „Freisinnigen Zeitung" eine Reihe von ministeriellen Aussprüchen vom Jahre 1867 an zusammenzustellen, um schließlich triumphirend auszuruse»: „Bis zu Herrn Tirpitz hat niemals eine Regierung daran gedacht, durch Gesetz einen Soll-Bestand der Flotte festzulegen !"
Mit solchen Aussprüchen aus früherer Zeit ist nichts bewiesen. Wenn der bisherige Weg in der Flottenfi age verlassen worden ist, so ist das lediglich deßhalb geschehen, weil er nicht zum Ziele führt! Was wir auf diesem Wege erreicht haben, ist, daß wir mit unserer Flotte immer mehr zurückgekommen sind. Flottengründungsplan und Denkschriften haben den deutschen Interessen eine genügende Flotte nicht zu schaffen vermocht. Erst im Jahre 1894 war diejenige Zahl von Linienschiffen erreicht, die 1873 im Gründungsplan vorgesehen war, und heute sind gar nur sieben kriegsbrauchbare Linienschiffe vorhanden, wiil inzwischen die regelmäßigen Ersatzbauten mit dem natürlichen Absterben des Echifisbestandes nicht gleichen Schritt gehalten haben. Wir sind von btr dritten auf die siebente Stelle in der SchiffS- zahl gelangt und sind selbst von Staaten überholt, die bei weitem nicht so ausgedehnte See - Interessen haben, wie wir.
Mit solchen Zuständen mögen zwar die grundsätzlichen Gegner der Flotte einverstanden sein; diejenigen aber, welche wissen, daß eine starke Flotte eine Lebensbedin- gung für Deutschland ist, sehen in dem Schiffsmangel eine Gefährdung der Sicherheit des Vaterlandes und seiner Jn- tereffen und wünschen, daß der Soll-Bestand der Flotte ebenso gesetzlich festgelegt werde, wie alle großen Einrichtungen im Reiche und im Staate. Die Rechtsprechung, das Bildungswesen, die Verwaltung, die Arbeiter-Versicherung, das Steuer- und Zollwesen, die Wehrmacht zu Lande — sie alle sind an Bestimmungen gebunden, über die sich die gesetzgebenden Fakloren im verfassungsmäßigen Wege geeinigt haben; da-
Montag den 6. Dezember
durch sind sie dauernd gesichert. Was würde wohl werden, wenn im Parlamente Jahr für Jahr darüber gestritten und beschloss.n werden könnte, wie viele Oberland'esgerichte und Landgerichte oder wie viele Universitäten und Gymnasien zu belassen oder zu streichen seien?
Werden für die Verwaltung neue Formen festgesetzt, so geschieht das mit der ausgesprochenen Absicht, das Nützliche und Nothwendige auf die Dauer za schaffen. -Ca5 liegt im Wesen des Staates, der der Beständigkeit bedarf, und niemand erblickt in dieser Bindung eine Schwälerung des Bud- getrechteS der Volksvertretung. Genau so soll nun auch die Ärth^ marine als Reichsinstitution auf eine gesetzliche, dauernde Grundlage gestellt werden. Wer eine starke Flotte will, die unsrrn Sek-Jnteressen thatkräftig dienen kann, muß auch die Festlegung des Planes.wollen, die allein die Bürgschaft für die Zukunft gewährt. Die Form der Marinevorlage ist also nicht nbensâchlich; sie ist ein Grundsatz, von dem nicht ab- zegangen werden darf. Es ist das durchaus im Rahmen der Verfassung gelegen, ja es entspricht recht eigentlich dem Weien des konstitutionellen Regiments, das der einseitigen Willkür dieser oder jener Gewalt einen Riegel vorschiebt und die Vereinbarung zwsich.n den berufenen Faktoren aus dem Wege der Gesetzgebung fordert.
T<sgssschaÄ.
MilitärinvolideK. Abgeordneter Graf Oriola hat den Antrag eingebracht, daß der Reichskanzler ersucht werde, einen Gesetzentwurf vorzulegen, der den berechtigten Wünschen der Militärinvaliden, insbesondere auch in Bezug auf Wittwen und Waisenversorgung und in Bezug auf Belassung der Militärpension neben dem Diensteinkommen, Rechnung trage.
Gehaltserh-hungen einzelner niederer Be- amtenklafsen in Preotzen Bon den im Etat des Finanzministeriums stehenden Beamten sollen, wie verlautet, die Grenz- und Steueraufseher, sowie die Amtsdiener und Boten der Hauptzoll-, Hauptsteu r- und btr Nebenzollämter in ihren Bezügen in der Weise aufgebessert werden, daß eines- theils eine mäßige Erhöhung ihrer Gehälter und anderntheils eine Erhöhung ihrer Stellenzulagen, welche jetzt für eine bestimmte Anzahl berittener Aufseher 100 Mk., für eine bestimmte Anzahl Aufseher zu Fuß 80 Mk. jährlich betragen, vom 1. April k. I. in dem Landtage in Vorschlag gebracht werden wird. ES verlautet u. A., daß sowohl das Anfangs- gehalt wie das Höchstgehalt der Grenz- und Steuerausseher um 100 Mk. erhöht werden soll, wozu Mittel im Betrage von im Ganzen 63 000 Mk. zur Verfügung gestellt werden müssen.
Noch Oftasien. Die Meldungen über die Höhe der beabsichtigten Truppensendungen nach Ostasten werden jetzt amtlich bestätigt. Es sollen zur Verstärkung der Landuv gs- ablhrilung deS Kreuzer-Geschwaders demnächst ein Bataillon Marine-Infanterie und eine Kompagnie Matrosen-Artillerie nach Oftasien abgehen. Das Bataillon wird zu wer Kompagnien formirt und erhält eine Stärke von 23 Offizieren, Aerzten und Zahlmeister und 1200 Unteroffizieren und Mannschaften. Die Kompagnie Matrosen-Artillerie wird insgesammt vier Offiziere und Aerzte und 200 Unteroffiziere und Mannschaften stark sein. Dem Transport wird eine Anzahl von Feldgeschützen und Maschinengewehren mitgegrben werben. Ferner sollen auch Freiwillige der Frld-A; tillerie und ein Detachement Pioniere «bgesandt werden. Die gesammte Kopfstärke unserer Marinemannschaften auf chinesischem Boden wird demnach über 4500 Mann betragen. Ferner werden alle Osfisierburschen, Ordonanzen und DiSpositionsurlauber der Seebataillone einberufen. Die Abfahrt der Truppen erfolgt wahrscheinlich von Hamburg aus. Avmiral v. Diederich soll Befehl erhalten haben, keinem fremden Kriegsschiffe den Zugang in die Kiautichou-Bucht zu gestatten.
Zur Lage auf Cuba. Die spanische Regierung be- fintet sich in großen Finanznöthen, die es unwahrscheinlich machen, daß Spanien die Genugthuung der vollkommenen Unterwerfung der Jnel erleben wird. Das ist um so schmerzlicher, als General Blanco eine nahe Bezwingung des Ausstandes in Aussicht stellt. Hierüber liegt folgende Nachricht vor; Madrid, 3. Dezbr. General Bianco kabelte an die Regierung, er bedürfe keiner weiteren Verstärkungen, da er es für zweckmäßig erachte, Einheimische anzuwerben. Zur Deckung der Kriegsforderung, sowie zur Aufbesserung der Verpflegung der Truppen werden monatlich 40 Millionen Pesetas nothwendig sein. Bekäme er diesen Fonds, so werde er bis Juni den Aufstand, mit Ausnahme der Ostprovinzen, bezwingen. Die Regierung ist höchst verlegen, da die Hilfsquellen erschöpft und die ausländischen Bankm zur Beschaffung neuer Gelder wenig geneigt sind.
1897
Eine Petition gegen das Petroleum- Monopol.
Das in Mannheim zusammengetretene Komitee unabhängiger Petroleumgroßhändler Südwest Deutschlands hat an den Reichskanzler nachstehende Petition abgesandt;
„Euer Durchlaucht Aufmerksamkeit dürfte das erneute Auftreten derPetrolkum-Monopolbestrebungen nicht entgangen sein. Wenn die gehorsamst Unterfertigten sich gestatten, auf die großen Gefahren hinzuwcisen, welche die Alleinherrschaft der Standard Oil Co. auf dem deutschen Petroleummarkt im ©folge haben würde, so sind sie dazu veranlaßt, weil ihre Existenz als Petroleum-Großhändler und ihre Ehre als selbstständige Kaufleute durch das jüngst beliebte Vorgehen der Standard Oil Co. und ihrir deutschen Geschäftsstellen, der Deutsch-Amerikanischen Petroleum-Gesellschaft und der Mannheim-Bremer Petroleum-Aktiengesellschaft ernstlich bedroht wird. Die Unterfertigten dürfen sich einer eigenen Darstellung der jüngsten Phasen des Kampfes um die Diktatur aus dem Petroleummarkte um so eher enthalten, als die „Frankfurter Zeitung" in ihrem ersten Morgenblatt vom 19. d. MtS. eine durchaus zutreffende Schilderung der Situation gegeben hat, welche wir hier deizulegen uns erlauben. Ais Symptom d-r drohenden Alleinherrschaft der Standard Oil Co. über Westeuropa verdient aber hervorgehoben zu werden der Rückzug des russischen Petroleums aus dem Wettbewerb, gekennzeichnet durch die Aufgabe der deutschen und belgischen Niederlassungen des Syndikats der Baku-Pcodu- zenten und namentlich ein Vertrag, welcher von den deutschen Zweigen der Standard Oil Co. den deutschen Petroleum- Großhändlern aufgenöthigt werden soll und von einem Theile derselbtN aus Noth bereits unterzeichnet rversen mußte. E n Formular zu diesem Vertrage liegt hier bei. Dieser Vertrag liefert das ganze deutsche Pet^oleumgeschäft völlig hilflos der Macht der Standard Oil Co. aus. Wir sagen hilflos, denn die Verhandlungen, die tot mit der einzigen deutschen Vertreterin der noch unabhängigen amerikanischen Petroleumprodu- zevlen, mit der Pure Oil Co. in Hamburg gepflogen, haben erkennen lassen, daß diese jedenfalls im Augenblick nicht in der Lage ist, den Wettbewerb mit der übermächtigen Standard Oil Co. aufzunehmen, und es ist mindestens zweifelhaft, ob sie je oder wenigstens so zeitig in diese Lage kommen wird, um noch ein unabhängiges deutsches Petroleumgeschäft zu finden, dessen sie sich in dem Kampfe gegen das Monopol bedienen kann. Gelingt es der Pure Oil Co. nicht — und wir haben gegründeten Anlaß zu der Befürchtung, daß es nicht gelingen wird—, rhre Kampfbereitschaft zu vollenden, bevor die deutschen Petroleumgroßhändler dem Zwange gehorchend sich der Standard Oil Co. unterworfen haben, so ist die amerikanische Standard Oil Co. im unbestrittenen Besitze des deutschen Marktes, sie erwirlt ein thatsächliches Monopol für die Versorgung Deutschlands mit Petroleum und ist in den Stand gesetzt, die Preise zu diktiren, wie sie das schon bisher in den Gebieten gethan hat, wo sie keinen Widerstand fand, z. B. an den deutschen Ostseeplätzen Königsberg, Danzig rc. und in deren Hinterland. Die enorme volks- wirthschaftliche Bedeutung eines solchen PrivatmonopolS liegt in der Thatsache, daß die Standard Oil Co. innerhalb weiter Grenzen die Macht erhält, die deutschen Petroleumkonsumenten zu besteuern; eine Erhöhung des Petroleumpreises auch nur um 1 Mark für den Doppelzentner kostet Deutschland zu Gunsten amerikanischer Großkapitalisten nicht viel weniger als 10 Millionen. Am 17. d. Mts. sind die Petroleumgroßhändler Süüwestdeutschlands hier zusammengetreten, um die Mittel gemeinsamer Abwehr der Monopolbestrebungen zu berathen ; sie haben dabei einstimmig gegen das Vorgehen der deutschen Zweige der Standard Oil Co protestirt und die er= gebenst Unterfertigten beauftragt, Euer Durchlaucht über diese Versammlung zu berichten. Wir erfüllen diesen Auftrag durch Vorlage eines Berichts und bitten, indem wir bestimmter Vorschläge uns enthalten, Euer Durchlaucht wollen hochge- neiglest veranlassen, daß die Reichsregierung uns im Kampfe gegen die Monopolbestrebungen der Standard Oil Co. mit allen geeigneten Mitteln unterstütze, im Kampfe gegen eine Uebermacht, der wir ohne diese Unterstützung sicher erliegen müssen. In Ehrerbietung Das Komitee unabhängiger Pe- trolenmgroßhändler Südwestdeutschlands.
Politische Zrnd Unpolitische Nachrichten
(Depeschen-Bureau .Herolds)
Berlin, 5. Dezbr. Der „Vorwärts" schreibt in der Sache Norman-Schumann; Bebel war gestern vor die Staatsanwaltschaft geladen, um in der Anklage gegen Norman- Schumann wegen Majestätsbeleidigung, begangen durch seinen