Einzelbild herunterladen
 
  

Vie einzelne Nummer kostet 10 ^.

Otewnemewtt«

Preis:

Jährlich 9 Mjährl. 4^6 50^ vierteljährlich 2 ^ 25 ^.

Für auswärtige Ws»nentm mit dem ietrefjmden

Psstaufschlag.

i-rinrnckungS' gebühr

für Stadt- und Land» kreis Hanau 10 ^ bit ^gespaltene Garmond« zeit« oder deren Raum, für Auswärts 15 4

Im Reklamentheil

die Zeile 20 ^, für Auswärts 30 ^.

Amtliches Organ für $faöf~ unS LanöKreis Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Nr. 283.

Frcitag den 3. Dezember saCTwm^mwB^!iM^ta -^^ --/^

1897.

**9

Dienstnachrichten aus dem Kreise.

Gefunden: Ein Gebund Schlüssel rc. (9 Stück) in einem größeren und einem kleineren Ring. Ein Griff von einem Schirm von Perlmutter. Eine Milchkanne. Ein Zoll­stock. Eine weiße Serviette.

Vom Wasenmeister eingefangen: Ein brauner Jagd­hund und ein weißer Foxterrier mit schwarzen Abzeichen, beide m. Geschl.

Zugelaufen: Ein schwarzer Schäferhund mit gelben Beinen, m. Geschl., mit gelbem Halsband; Empfangnahme bei dem Schweinehändler Friedrich Neumann zu Mittclbuchen.

Verloren: Ein schwarzseidenes Tuch; dem- Wieder­bringer eine Belohnung.

Hanau am 3. Dezember 1897.

Tagesschau.

Zur Besetzung der Kiautschou Bucht durch das ostasiatische Kreuzergeschwader wird der Int. Korr, aus Peters­burg berichtet; Nach den der russischen Regierung seitens des Auswärtigen Amtes in Berlin gemachten Mittheilungen sieht man in Petersburg die deutsche Besetzung von Kiautschou nicht als eine dauernde an.. Die deutsche Regierung habe sich vielmehr in bestimmter Weise gegen die Annahme verwahrt, die Ermordung der Missionare zu Gebietserwerbungen in China benutzen zu wollen. Rußland habe daraufhin der deutschen Regierung angeboten, seinen ganzen Einfluß in Peking dahin geltend zu machen, daß die deutschersei^ ge­stellten Forderungen von der chinesischen Regierung ange­nommen und in vollstem Maße auch erfüllt würden. In diesem Falle werde sich die deutsche Besatzung aus Kiautschou alsbald zurückziehen. Ferner liegt folgendes Telegramm vor: Bureau Dalziel meldet aus Shanghai, es seien neun Mann wegen Betheiligung an der Ermordung der deutschen Missionare von den Chinesen verhaftet worden. In Shanghai sind wilde Gerüchte von einer angeblichen Koalition Deutschlands, Rußlands und Frankreichs zur Theilung des chinesischen Ge­biets im Umlauf. Deutschland sollte Schantung, Rußland Korea, Frankreich Fokien und Formoso erhalten. Japan, heißt es weiter, erhebe Einwendungen gegen die Okkupation von Kiautschou, solange die chinesische Kriegsschuld unbezahlt sei. Die Bewegungen der japanischen und englischen Flotte sollen einen Verdacht gegen andere Mächte erkennen lassen. China soll ein Schiedsverfahren wegen Räumung von Kiaut- fchou Vorschlägen. Central News beharrt auf der Korrekt­heit ihrer gestrigen Meldung, betreffend die englischen Ge- bietser Werbungen gegenüber von Hongkong.

Erhöhung der Betriebssicherheit. Die vom Reichs-isenbahnamte veranlaßten Berathungen von Vertretern der Bundesregierungen über verschiedene zur Erhöhung der Betriebssicherheit auf den deutschen Eisenbahnen in Aussicht genommene Maßregeln haben am 30. November und 1. De­zember unter dem Vorsitze des Präsidenten des Reichseisen­bahnamtes in Berlin stattgefunden. Die eingehenden Er­örterungen, bei denen die allseitige Bereitwilligkeit zu er­kennen war, Einrichtungen, die eine Erhöhung der Sicherheit versprechen, ohne Rücksicht auf die finanziellen Opfer zu treffen, haben zur Einigung über eine Reihe von Vorschriften geführt, deren Ausnahme in die über das Eisenbahnwesen er­lassenen Ordnungen beim Bundesrathe beantragt werden wird. Seiner Beschlußfassung wird unter Anderem unterstellt werden: die obligatorische Einführung von Ausfahrtsignalen auf allen mit Kreuzungs- oder Ueberholungsgleisen versehenen Stationen, die obligatorische Einführung von Vorsignalen zu sämmtlichen Einfahrtsignalen, die Einrichtung der Strecken- blockirung auf allen Bahnen mit dichter Zugfolge, eine be­trächtliche Herabsetzung der in Personen- und Güterzügen zu­lässigen größten Achsenzahlen rc. Die vom Reichseisenbahn­amte gleichfalls angeregte Frage einer Verstärkung der Wagen- luppetungen soll durch Förderung der von einigen größeren 0 ilenbafjnoerroaltungen bereits eingeleiteten Versuche einer möglichst baldigen Lösung zugeführt werden.

Rekrutenprüfungen im Deutschen Reich. Im Ersatzjahre 1896/97 wurden 250 931 Rekruten in die Armee und Marine eingestellt bezw. auf ihre Schulbildung geprüft. Von dieser Zahl hatten 250 083 Schulbildung in der deut­schen Sprache, 563 Schulbildung nur in einer anderen Sprache und 285 waren ohne Schulbildung, d. h. konnten weder lesen noch ihren Namen schreiben. In Prozent der Gesammtzahl aller Eingestellten betrugen diejenigen, welche weder lesen noch ihren Namen schreiben konnten, im Ersatzjahr 1887/88- 0 71 1888/89: 0,60, 1889/90; 0,51, 1890/91: 0,54, 1891/92- 0,45, 1892/93 : 0,38, 1893/94; 0,24, 1894/95; 0,22 1895/96 ; 0,15, 1896/97: 0,11. Stellt man für die Be­

Politische und unpolitische Nachrichten. (Depeschen-Kureau Herold.")

Berlin, 2. Dezbr. Bei dem Reichskanzler Fürsten Hohenlohe findet am 14. d. Mls. ein großes Diner statt, zu welchem die Minister, Staatssekretäre, sowie Mitglieder des Bundesraths und des Reichstages geladen sind. Auch der Kaiser soll sein Erscheinen zugesagt haben.

Berlin, 2. Dezbr. Die Konfiskation der letzten Nummer desKladderadatsch" hat in ganz Deutschland stattgefunden, nur nicht im Fürstenthum Reuß ä. L.

Berlin, 2. Dezbr. DieNationalztg." schreibt: die unausgesetzte Entwicklung, welche die japanische Flotte ge­nommen hat, und andererseits die Verhältnisse in China lassen es der deutschen Marineoer waltuug angezeigt erscheinen, einen Marineattachè nach Ostasien in Tokro-Nokobama za entsenden. Es fd^int der Marineverwaltung um so mehr nothwendig, als bereits England, Rußland, Frankreich, Oester­reich und auch Spanien Marine- resp. Militärattaches in Ost- asien unterhalten.

Berlin, 2. Dezbr. Die elsässischen Abgeordneten haben im Reichstag die Initiativanträge auf Aufhebung des Dik- taturparagraphen und Einführung deè Reichspreßgesetzes in Elsaß-Lothringen wieder eingebracht.

Berlin, 2. Dezbr. Der Panzer Oldenburg, welcher am 1. b. M. Kiel verlassen hat, wird die Reise nach Kreta nach Möglichkeit beschleunigen und am 25. d. M. daselbst eintrrfsen.

Berlin, 2. Dezbr. Bei der heutigen Fortsetzung der Berathung des Kolonialrathes kam insbesondere zur Sprache, welche Verbrechen als todeswürdig zu betrachten seien. Nach längerer Debatte wurde beschlossen, daß neben den schweren Verbrechen wie Mord und Todtschlag einige gemeingefähr­liche Delikte, den Landesverrath und den Aufstand gegen die deutsche Herrschaft ausgenommen, auch wegen Unterstützung oder Vorbereitung eines solchen Angriffes und wegen Auf­ruhrs auf Todesstrafe erkannt werden könne. Auch war der Kolonialrath dafür, daß bei gewissen gegen weiße Frauen ge­richteten Sittlichkeitsattentaten Todesstrafe einzutreten habe. Schließlich äußerte der Kolonialrath seine Ansicht über den Höchstbetrag der Freiheitsstrafen dahin, daß sie die Dauer von 15 Jahren nicht übersteigen dürfe.

Hamburg, 2. Dezbr. Der liberale Verein (freisinnige Vereinigung) hierselbst beabsichtigt eine große Flottenkunv- g ebung, zu welcher Kapitänlieutenant Wiâlizenus gewonnen werden roll.

Wilhelmshaven, 2. Dezbr. Der für China be­stimmte KreuzerDeutschland" ist heute früh auf der hiesigen Werft in Dienst gestellt worden. Nach China gehen 1000 Mann (Seeinfanterie und 500 Mann Matrosenartillerie. Die Indienststellung desKönig Wilhelm" ist bereits in An­griff genommen.

Wermelskirchen, 2. Dezbr. Auf dem Erweiterungs­bau der hiesigen Gasanstalt erfolgte heute Vormittag eine Ex- plofion, bei welcher der Ingenieur Kalle getödtet wurde. Ein Arbeter erlitt lebensgefährliche Verletzungen.

Wien, 2. Dezbr. Die parlamentarische Lage ist an­dauernd ungeklärt. Die Rechte lehnt kategorisch jede Nach­giebigkeit ab und besteht auf Beibehaltung des jetzigen Ab geordnetenhaus-Pcäsidiums und der Sprachenverordnungen.

Madrid, 2. Dezbr. Aus Havanna wird gemeldet, daß am Dienstag auf der Eisenbahnlinie von Rio de Janeiro eine Bombe explodirte, ohne daß Menschenleben zu beklagen sind.

Madrid, 2. Dezbr. Großes Aufsehen erregt hier die Nachricht von einem im erzbischöflichen Seminar in Toledo ausgebrochenen Ausruhr. 200 Seminaristen drangen in den Bischofspalast, zerstörten die Möbel und bedrohten den Bischof. Die Polizei mußte einschreiten.

Paris, 2. Dezbr. Wie verlautet, wird der Senator Milliard, Advokat beim Pariser Appelgerichtshof, Nachfolger des Justizwinisters werden. Die Partei Scheurer-Keszner soll durch Stimmenthaltung bei dem vorgestrigen Senatsvotum

zirke, von welchen die meisten Mannschaften ohne Schul­bildung geliefert wurden, das erste dem letzten Jahre der vor­stehenden Periode gegenüber, so kamen Analphabeten auf je 100 eingestellte Rekruten, im Reg.-Bez. Posen 1887/88: 4,47, 1896/97; 0,90, Marienwerder 4,76 bezw. 0,82, Gumbinnen 5,38 bezw. 0,62, Oppeln 1,90 bezw. 0,42, Königsberg 3,30 bezw. 0,40. Ueberall ist eine bedeutende Besserung zu bemerken; am stärksten ist die Abnahme der Eingestellten ohne Schulbildung in Gumbinnen, Marienwerder und Posen.

den Ministersturz herbeigeführt haben, weil die Regierung die Revision des Prozesses Dreyfus abgelehnt habe.

Paris, 2. Dezbr. Emile Zola hat gestern einem Re­dakteur vesFigaro" erklärt, der Mrlitärgouverneur von Paris Gene al Saussier sei von der Unschuld Dreyfus über­zeugt. Daraufhin läßt General Saussier Ipute öffentlich er­klären, er sei im Gegentheil von der Schuld des Dreyfus überzeugt.

Paris, 2. Dezbr. Die Minister Krisis ist noch nicht gelöst. Der gestern abgehaltene Ministerrath führte zu keiner Entscheidung.

London, 2. Dezbr. Aus Kairo wird gemeldet, daß die Stadt Mettemnah von den egyptischen Truppen besetzt wurde.

London, 2. Dezbr. Aus Montevideo wird berichtet, daß Der Präsident die Demission des Ministeriums ange­nommen und eine provisorische Regierung ernannt hat.

Witterungs^evicht.

Voraussichtliche Witterung: Theils heiteres, theils nkb.'ligrs im allgemeinen etwas kühleres Wetter.

Das Grubenunglück auf der Zeche Frankenholz,

das wir in unserer gestrigen Ausgabe gemeldet haben, stillt sich als noch surchtbarer heraus, als die ersten Telegramme erkennen ließen. Es sind durch schlagende Wetter 3 7 Berg­leute sofort getödtet und 42 schwer verwundet, einige der Verwundeten sind während des Transports nach den Lazarethen gestorben; man vermuthet, daß einige Bergleute noch in dem Schacht verschüttet sind, deren Rettung, ausge­schlossen erscheint. Als Ursache der Katastrophe wird jetzt ein falscher Schuß angenommen, der die angesammelten entzünd­lichen Gase zur Explosion brachte. DerB. L.-A." erhält über das Unglück das folgende Tel gramm:

Homburg (Pfalz), 2. Dezbr. Ein furchtbares Gruben­unglück, das nur von jenem schrecklichen Ereigniß in Camp­hausen übertroffen wird, ereignete sich gestern auf der Grube Frankenholz durch schlagende Wetter, und zwar kurz nach Einfahrt der Nachtschicht. Der Schauplatz des Unglücks, das westliche Grubenfelo, liegt 450 Meter tief; dort arbeiteten etwa 120 Bergleute. Auf dem benachbarten Schachte wurde der Schlag sofort vernommen, so furchtbar war die Explosion, die, wie vermuthet wird, infolge eines falschen Schusses ver­ursacht wurde. Sofort wurden 23 Todte zu Tage gefördert, welche Zahl in der Nacht auf 37 gestiegen ist, wozu noch 42 Schwur Di-t mundete kommen. Aerztliche Hilfe war alsbald zur Stelle, insbesondere zeigie sich die freiwillige Sanitätskolonne von Zweibrücken äußerst dienstbereit. Um neun Uhr waren sämmtliche Verwundete gebadet, verbunden und im Schlafhaus, sowie in dem Grubenlazareth zu Bett gebracht. Etwa zehn Aerzte aus der Umgebung waren thätig, allein trotz aller An­strengungen starb eine Reihe Verletzter nach dem Transport in das Lazareth. Die Leute sind furchtbar verbrannr, schwarz im Gesicht und völlig haarlos; außerdem kamen etliche Arm­und Beinbrüche und Verletzungen an der Brust vor. Die Geistlichkeit waltete ihres ernstes Berufes, indem sie den Sterbenden und Stöhnenden die letzten Segnungen zu Theil werden ließ. Furchtbar ist die Aufregung, Schrecken und bange Sorge prägen sich auf allen Gesichtern aus, aber wun­derbar ist die Resignation, mit der viele der hart betroffenen Angehörigen vor dem schauerlichen Unglück stehen, und die stillen Thränen, das leise Jammern wirken um so ergreifender. Ein alter Mann stand am Förderschachte, vielleicht eine halbe Stunde lang, da endlich sagte er still und ruhig:Ich habe auch einen dabei, da oben liegt er und ist todt". Ein Berg­mann war ein Jahr lang beurlaubt und fuhr um 4 Uhr wieder zur ersten Schicht, eine Viertelstunde später war er eine Leiche. Ein Mann von Waldmohr verliert zwei, eine Frau aus JâgerZburg drei Söhne. Die meisten Verunglück­ten sind verheirathet und Familienväter, ihre Personalien festzustellen war bis jetzt unmöglich. Die Sanitätslolonne aus Zweibrücken begab sich um 1 Uhr nachts mittels Extra- zuges wieder nach Hause. Bergamtmann Kistenfeger nebst den anderen Beamten des Bergumtes war sofort zur Stelle und befuhr den Schacht mit dem Obersteiger Möckel. Abends traf der Direktor der Grube Neukirchen, Bergrath Lohmann, nebst mehreren Beamten ein. Es befinden sich noch ein oder zwei Bergleute im Schacht, die wahrscheinlich verschüttet sind. Der Tod der direkt durch die Wetterexplosion Betroffenen dürste nach ärztlichem Gutachten durch Einathmen der heißen Lust sofort und ohne Todeskampf eingetreten sein. Seitens der Königl. Staatsbehörde war Staatsanwalt Fitting an der Unglücksstelle anwesend.