«Wanemeeti- PreiS:
Jährlich 9 ^.
AMährl. 4^50.* Vierteljährlich 2 ^ 25 ^.
Für auswärtige Ms^nenten mit dem brrrrsienden Vvstaufschlag.
■ Die einzelne Stummer kostet 10 ^.
Amtliches Grasn für OtaSt- unö Lanökreis Hansu.
irinrückirngS- zcbühr
für Sradt- und Landkreis Hanau 10 ^ di« 4gespaltene Garmond» " zeile oder deren Raum, für Auswärts 15 ^.
Im Reklamentheil die Zeile 20 ^, für
Auswärts 30 ^.
Erscheint täglich rmi Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Nr. 274.
Dienstag den 23. November
1897.
BBS
„Amtliche Beilage" Nr. 81.
Amtliches.
Staöt&rew ^anau.
NâMmachMgLN des Oberbürgermeisteramtes.
Bekanntmachung.
Wie in den Vorjahren hat im allgemeinen Interesse die Ausführung von Hausentwâsserunge» während der Wintermonate zu ruhen.
Es dürfen daher in der Zeit vom 1. Dezember 1897 bis 28. Februar 1898 keine Hausentwässerungen ausgeführt werden und wird während dieser Zeit auch keine diesbezügliche Baugenehmigung ertheilt.
Hanau am 11. November 1897.
Städtische Polizeiverwaltung.
Der Oberbürgermeister
Dr. Gebeschus. 16097
Dienstmchrichten aus dem Kreise.
Gefunden: Ein Griffelkasten. Ein karrirtes Taschentuch. Ein silbernes Armband. Eine Peitsche. Ein Lesebuch für Kinder.
Zugelaufen: Ein weißer Hühnerhund mit braunen Flecken, dl Geschl. Ein weißer Jagdhund mit braunem Kopf und braunen Flecken, m. Geschl.
Verloren: Zwei Pfund Federn (in ein graues Tuch geschlagen).
Hanau am 23. November 1897.
der Polizeiverordnung zu regeln. Der Entwurf zu der be- bei dec Vereidigung hinwies und daran erinnerte, daß der züglichen Verordnung sieht die Kontrolle bis auf das zum! Zar Admiral der deutschen Marine ist, er hob hierbei die eigenen Verbrauch im Haufe geschlachtete Vieh vor. Mit den > '^-^ r— r
übrigen Bundesstaaten sind Verhandlungen angeknüpft worden hinsichtlich der Einführung der allgemeinen Fleischschau.
Politische wnd NAPsLiLischK Nachrichters-
(Depescheu-Bureau Herold.")
Tüchtigkeit der russischen Matrosen hervor und schloß mit einem dreimaligen Hurrah auf Kaiser Nikolaus.
Neunkirchen, 22. Novbr. Wie die „Saar- und Blies- Ztg." meldet, ist eine Verleumdungsklage gegen das Stöcker'sche „Volk" angestrengt, wegen der von diesem Blatte
aufgestellten Behauptung: einer der Schöffen, welche bei dem
Berlin, 22. Novbr. Wie die „Post" meldet, hat Urtheilsspruch in dem von Stöcker gegen den Freiherrn von Kontreadmiral von Diederichs, Kommandeur der Stumm angestrengten Beleidigungsprozesses mitgewirkt habe, Kreuzerdivision, in den Tagen vor dem 20. Oktober in sei kurz vor dem Termin bet dem Stöcker'schen Anwalt er- Shantzhai persönlich Unterredungen mit dem deutschen Ge- schienen mit der dringenden Bitte, ihn abzulehnen. Er sei sandten Freiherrn von Heyking gehabt, der dort bereits mehrere ein ruinirter Mann, wie er in die Lage käme, Stumm ver- Tage auf seiner Rundreise weilte, als die Kreuzerdivision urtheilen zu müssen, eint; af. . - . ™
Er sei
Berlin, 22. Noobr.
Wien, 22. Novbr. Im Abgeordnetenhause
Wie die „Post" meldet, werden verlautete, daß übermorgen im Plenum des Abgeordneten- ' ' ' Hauses die Berathung der dipaulischen Anträge (Sprachen
anträge) und in einer weiteren Sitzung jene des Ausgleichsprovisoriums begonnen wird.
Hiernach der K: a 0 t s ch a u b u ch t abgegangemn deutschen Schiffe wahrscheinlich längere Zeit dort bleiben. Schon früher
seien dort deutscherseits Vermessungen vorgenommen worden. In unterrichteten Kreisen nimmt man an, daß möglicherweise noch weite, e Verstärkungen in Ostasien nöthig werden dürften, als die Entsendung des Kreuzers „Kaiserin Augusta" sie unserer dort weilenden Kceuzerflobe zu bringen im Stande ist.
Kiel, 22. Noobr. In Marine kr e i s e u verlautet, daß oie Bildung einer zweiten Kreuzer-Division für £) [tasten
Wie», 22. Novbr. Im Zusammenhang mit den bevorstehenden Sprachendebatten veröffentlicht die Parteileitung des Jungtschechrnklubs eine Kundgebung, in welcher Vorschläge zur Lösung des Sprachenstreites gemacht werden. Dieselben sind aber, da vollständig Parität beider Nationen als oberster Grundsatz aufgestellt wird, derartig, daß die Deutschen bereits jetzt erklären, auf ihrem alten Standpunkt verharren zu müssen.
Tagesschau.
Bon der Marine. Laut telegraphischer Meldungen an das Ober Kommando der Marine ist S. M. S. „Kaiserin Augusta", Kommandant Kapitän zur See Köllner, am 21. November in Port Said angekommen und beabsichtigte, am 22. nach Aden in See zu gehen; S. M. S. „Wolf", Kommandant Korvetten Kapitän Schröder, ist am 21. November in Las Palmas angekommen; S. M. S. „Stein", Kommandant Kapitän zur See Oelrichs, ist am 21. November in B rbados angekommen und beabsichtigte am 28. No- vemb» r nach Trinidad in See zu gehen; S. M. S. „Nixe", Äomnanbmt Korvetten Kapitän Goecke, ist am 21. November in Freerown angekommen und beabsichtigte, am 22. d. Mts. nach Vittoria in See zu gehen.
Einführung der allgemeinen Fleischfchau. Seitens der zuständigin Minister wird beabsichtigt die Einführung der allgemeinen Fleischschau in Preußen im Wege
Fenilletsn.
Stadttheater in Hanau.
Hanau, 23. Novbr.
Dem dramatischen Erstlingswerk Friedrich Schiller's, „Die Räuber", das im wilden Drange der Jugend entstanden und die künftige Größe des jungen Poeten vorahnen ließ, - folgte in der Aufführung am Sonntag auch dessen letzte dramatische Arbeit, „Wilhelm Tell", das der leider zu früh verstorbene Dichter noch auf dem Krankenbette vollendete. Beide Stücke umsäumen ein reiches Feld dichterischer Thätigkeit, das unseren Schiller heimisch in allen Schichten des deutschen Volkes gemacht hat. In „Tell" offenbart sich noch einmal das ganze wunderbare Talent des Dichters, dessen große schöpferische Gestaltungskraft mit solcher Lebendigst, Kraft und Energie die Fülle seines Reichthums auszuschütten vcr- nwchte. Sind doch selbst die Schwächen im Aufbau der Handlung in diesem Werke zu Schönheiten gemacht worden, deren Zauber man sich willig hingeben muß. Wie kein anderes dramatisches Werk stellt dieses bei der Aufsührung an die Gesammtheit wie an jeden Einzelnen Anforderungen, denen eine mittlere Bühne wie die unsere nur schwer nachzukommen im Stande ist. Dieses muß bei der Beurtheilung der Leistungen mit in Betracht gezogen werden. Wie früher lag die Rolle des Attinghauscn wieder in den Händen des Herrn Direktor O ppm ar, dessen Spiel das Publikum zu lebhaftem Beifall anregte. Mit gutem Geschick vertrat auch Herr Steingötter die Rolle des Tell, sein prächtiges Organ und seine gewinnende Erscheinung verhalfen der Darstellung zu dem gewünschten Erfolge. Einen Vorzug gegen frühere Tell-Aufführungen hatte die sonntägliche in der Besetzung der Stauffacherrolle gebracht, denn seit einer Reihe von Jahren haben wir diese Parthie ihrer Bedeutung nicht entsprechend besetzt gefunden. Der diesmalige Vertreter, Herr Linzen, verkörperte aber nicht nur in der äußeren Erscheinung diese markige Schweizcrgestalt, er bewies auch, daß er mit dem Geist der Rolle vollständig vertraut war; seinem ausdrucksvollen Spiel fehlte nicht die gebührende Anerkennung. Ganz besonders wirkungsvoll war die große Rede in der Rütkiszene. Recht temperamentvoll war Herr Dy sing als Melchthal, aber auch äußerlich verkörperte er den jungen heißblütigen Schweizer gut. Wenn es der talentvolle Darsteller verstünde, in seinem Spiel mehr Wärme und Empfindung zum Ausdruck zu bringen, würden seine Gestaltungen Vieles gewinnen. Herr Hille war als Geßler vorzüglich, solch scharf gezeichnete Charaktere gelingen
besohlen sei, bestehend aus den Schiffen „Kaiserin Augusta", „Gefion" und „Deutschland". Die Nordostsee-Ztg, ist in der Lage bestätigen za können, daß Prinz Heinrich von Preußen sich erbeten habe, die Expedition nach China aus dem Panzer „Deutschland" mitzumachen und daß der Kaiser seine Genehmigung hierzu ertheilt habe. :
Ktel, 22. Novbr. Der Kaiser ist heute Vormittag Schriftstücke beziehen.
9Vs Uhr hür eingetroffen. Am Bahnhof hatten sich Prinz Paris, 22. Noobr. Oberst Piquart wird wahrund Prinzessin H inrich und die Vertreter von Militär-, scheinlich erst am nächsten Sonntaz hier eintreffen.
Marine- und Civilbebörden, darunter auch der Oberpräsident von Köller, zur Begrüßung eingefunden. Als der Kaiser sich bald darauf an Bord des Panzers Kurfürst Friedrich Wilhelm begeben, hatte er auf der Landungsbrücke eine halbstündige Unterredung mit dem kommandirenden Admiral von
Paris, 22. Novbr. Der „Figaro" veröffentlicht den Inhalt der Anklage, welche Mathias Dreyfus gegen den Grafen Esterhazy erhöbe:, hat. Sie enthält sieben Punkte, welche sich alle auf die dem Exkapitän Dreyfus zugeschriebenen
Barcelona 22. Noobr. Die Karlisten und Republikaner bereiten aus Anlaß der demnächstigen Ankunft des Generals Weyler große Kundgebungen vor. Gegendemonstrationen werden ebenfalls organistrt.
London, 22. Novbr. Der „Standard" meldet aus
Knorr, dem Staatssekretär Tirpitz und dem Stationschef Admiral Kester.
Kiel, 22. Novßr. In Gegenwart des Kaisers fand heute Mittag die Vereidigung der Marinerekruten statt. Nach der Vereidigung hielt der Kaiser eine kurze Ansprache, in welcher er auch auf die treue Pflichterfüllung des Herzogs Friedrich Wilhelm von Mecklenburg und der mit dem Torpedoboote 8. 26 umgekommenen Mannschaften hinwies. Sodann brachte Ar miral Knorr ein Hoch auf den Kaiser aus, worauf dieser nochmals das Wort ergriff und auf die Ehre der Anwesenheit der Offiziere und Manischaften des im hiesigem Hafen liegenden russischen Kreuze-s „Wladimir Monowach"
Walther Fürst. Nicht sehr glücklich war Herr Göbel in der Darstellung des Rudenz. Der junge Darsteller hatte noch das Malheur, die Lachlust des Publikums zu erregen, was nicht ohne Wirkung auf seine Darstellung blieb und dieselbe noch mehr beeinträchtigte. Herr Göbel hat entschieden Talent, das bekundete auch sein Rudenz, aber soll diesem auch der Erfolg nicht ausbleiben, so muß er mehr Sorgfalt auf die Durchbildung seiner Aussprache verwenden und auch seine Gesten in besseren Einklang mit seinen Worten bringen. Aus der großen Reihe der übrigen Darsteller zeichneten sich noch Herr Achenbach und Herr Wegner aus. Die Damenrollen des Stückes sind nicht sehr umfangreich, aber auch sie stellen an ihre Trägerinnen hohe Anforderungen. Am besten fand sich Frl. Brand ow als „Hedwig" zurecht, die mit Glück den geforderten einfachen Ton fand. Etwas energischer und auch etwas wärmer im Ton durfte Frau Millar als „Gertrud" sein. Den Anforderungen einer „Armgard" aber konnte Frau Lehmann nicht gerecht werden. Mit besonderem Eifer hatte sich Frl. Köller der „Bertha" angenommen, und konnte auch das Vollbringen mit dem Wollen nicht gleichen Schritt halten, so ließ doch die Ausführung das hübsche Takent der jungen Dame und ein ernstes Vorwärtsstreben erkennen. Frl. S o u v e n t fand für den kleinen Walther Tell nicht den richtigen kindlichen Ton. Die Regie hat mit diesem Schauspiel ein schweres Stück Arbeit zu bewältigen, und wir wollen der verständigen Regie des Herrn Steingötter nicht die Anerkennung vorenthalten, wenn sie auch nicht ganz frei von kleinen Sünden war. Zu diesen rechnen wir das passive Verhalten der Reisigen, als das Volk Tell befreien will und auf Geßler eindringt, das Erscheinen von Stauffacher und Walther Fürst in der hohlen Gasse bei Küßnacht bei Geßlers Tod und andere Kleinigkeiten mehr, die aber den guten Eindruck des Ganzen nicht im Geringsten beeinträchtigen konnten.
Uon Grabsteinen und Todtenbrettern.
Hanau, 22. Novbr.
Dem unter dieser Überschrift in Nr. 272 b. Bl. veröffentlichten Aufsatz wäre noch anzufügen, daß auch in unserer Gegend an kuriosen Grabschriften voll unfreiwilligen Humors früher kein Mangel war. So berichtet Merians „Topo- graphia Hassiae" (Frankfurt 1646) Seite 41 bei der Beschreibung von Gelnhausen wörtlich:
.Cs schreibt Friedericus Taubmann / in der Vorrede
Konstantinopel: Edhem Pascha und die anderen höheren Offiziere, die sich im Kriege gegen Griechenland ausgezeichnet haben, sollen nach den asiatischen Provinzen gesandt werden, weil ihre Anwesenheit in Konstantinopel Argwohn erregt.
Konstantinopel, 22. Novbr. Um den Forderungen Rußlands nachkommen zu können, hat die Pforte beschlossen vor der Hand auf den Marineorganisatiosplan zu v er-
WitterungsberichL.
Voraussichtliche Witterung: Fortdauer des herrschenden Witterungs-Charakters.
über daß Virgillii Culicem am 9. Blat / daß / nahend dieser Reichs-Statt Gelnhausen / folgende Grabschrift gelesen werde;
Unter diesem Stein
Ligt begraben der Pfarren von Vtenhein / *) Er war nicht von Eyßleben /
Gott geb ihm das ewige Leben.
Darauß zu sehen / daß selbige Zeit vngeschickte Teutsche Reimenmacher gehabt hat / die gar weit von der alten Teutschen Poeten schöner Art gewiechen waren; welche heutigs Tags wieder Herfür gesucht/ und noch höher gebracht wird/ daß man sich jetzund über die Teutsche Verß nicht genugsam verwundern kann."
Allerdings gibt ein derartiger Leichensteinvers keinen richtigen Maaßstab für den Stand der deutschen Dichtkunst und von den „Teutsche Verß" aus der Zeit des 30jährigen Krieges haben wir auch heute nicht mehr die hohe Meinung wie der hochgelahrte Vielschreiber D. Martinus Zeiler, der Verfasser des Textes zu den Merianschen Topographien, die man als die „Baedecker" des 17. Jahrhunderts bezeichnen kann.
Uebrigens findet sich noch heute auf dem Friedhof in Bingen eine Grabschrift aus neuerer Zeit (von einem Notar Faber verfaßt), die sich scheinbar harmlos liest, aber nur mit den Anfangswortkn gelesen, larkastisch klingt:
„Wohl auch die stille Häuslichkeit
Ist eines Denkmals werth, Ihr sei es hier von mir geweiht Und wer die Tugend ehrt Auch in dem einfachen Gewand, Mir, meinem Schmerz ist er verwandt.
------- H.
*) Udenhain, zwischen Birstein und Wächtersbach, ehemaliges Gerichts- und Pfarrdorf, zu welchem die Dörfer des Gerichts Spielberg eingepfarrt waren.