Erstes Blatt.
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Amtliches Organ für HtaöL- unS Landkreis Hanau
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Im Reklamentheil die Zeile 20 ^, für
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Nr. 272. Samstag den 20. November 1897.
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Amtliches.
4anö^rei0 ^anau.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
In Bergheim, Kreis Büdingen, ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen und Gehöftsperre angeordnet worden. Hanau am 20. November 1897.
Der Königliche Landrath v. Schenck.
Dienstnachrichten aus dem Kreise.
Gesunden: Ein leinenes Säckchen mit Schloß (auf der Post). Ein neuer Riemen zur Leitung eines Hundes.
Verloren: Auf der Straße von Alzenau bis Hanau eine graue Pferdedecke.
Hanau am 20. November 1897.
StcröM^ers ^artau,
BâMtmachungeu des Oberbürgermeisteramtes. Bekanntmachung.
Unter Bezugnahme auf § 10 des Ortsstatuts, betreffend das Gewerbegericht in Hanau, wird hierdurch nachstehend das Ergebniß der am 15. November d. Js. stattgefundenen Wahl der Beisitzer und Eisatzbeisitzer des Gewerbegerichts mit dem Bemerken veröffentlicht, daß Beschwerden gegen die Giltigkeit der Wahl nach § 15 des Gesetzes vom 29. Juli 1890, betreffend die Gewerbegerichte, innerhalb eines Monats nach der Wahl anzubringen sind.
Es find gewählt:
A. Von Seiten der Arbeitgeber:
1. als Beisitzer:
1. Zimm ermann Ernst, Fabrikant.
2. Körner Friedrich, Schreinermeister.
3. Föll Philipp, Metzzermeister.
4. Herz Jakob, Bäckermeister.
5. Meyer Johann Dietrich, Gastwirth.
6. Müller Kaspar, Schneidermeister.
2. als Ersatz-Beisitzer :
1. Franz Bernhard, Zimmermeister.
2. Fucker Heinrich, Weißbindermeister.
3. Kreuter Fritz jun., Bijouteriefabrikant.
4. Petel er Ignatz, Schlossermeister.
5. Rumpf, Friedrich, Bauunternehmer.
6. Rödiger Wilhelm, Spenglermeister.
FenMetsn.
Uon Grabsteinen und Todtenbrettern.
Ein Skizzenblatt zum Totensonntag (21. November).
Von Eduard Heuuinger.
Nachdruck verboten.)
Fürst Kanuitz, der berühmte Diplomat Maria Theresia's, wollte vom Tode nichts wissen. War einer seiner Freunde oder Bekannten gestorben, so durfte ihm von dem Ereignisfe nicht Mittheilung gemacht werden. Der Hingeschiedene wurde fortab nicht mehr in Kaunitz Gegenwart erwähnt; ließ sich das aber einmal doch nicht umgehen, so wurde er als „verreist" bezeichnet. Geschah es, daß der Staatskanzler einmal sehr wider seinen Willen mit Freund Hein irgendwie in Berührung kam, dann überfiel ihn Uebelkeit, tiefe Verstimmung, Nervosität, und tagelang dauerte es, bis er sich wieder überwunden hatte und in alter Frische erscheinen konnte.
Im schärfsten Gegensatze zu dieser von der Ueberkultur hervorgerufenen Sensibilität den letzten Dingen gegenüber steht das Verhältniß des Volkes zum Tode. Dem Volke ist der Tod vertraut, es steht ihm als einem Naturereignisse ruhig und gefaßt gegenüber, es spricht und denkt von ihm nicht anders, als von Geburt und Hochzeit, und es hat selbst für den gespenstischen Humor des Todes einen starken Sinn. Ganz besonders gilt das für den naiven Menschenschlag, der das Gebiet des Bayerwaldes und des Deutschen Böhmerwaldes, der Tyrol und Oberbayern bewohnt. Nirgends wohl tritt die Vertrautheit der Volksseele mit dem Tode so klar in die Erscheinung wie in diesen Gauen. Wer sie durchwandert, sieht sich überall an das Menschenschicksal gemahnt. Am Wege grüßen ihn „Marterlen", die zur Erinnerung an Un- glückssälle errichtet worden sind; Todtenkapellen und Todten-
B. Von Seiten der Arbeitnehmer:
1. als Beisitzer:
1. Adam Wilhelm, Diamantschleifer.
2. Aukamm August, Goldarbeiter.
3. Craß Karl, Goldarbeiter.
4. Lamm Jakob, Tabakarbeiter.
5. St einbr echer Heinrich, Schreiner.
6. Neumann Josef, Bildhauer.
2. als Ersatz Beisitzer:
1. Honzen Heinrich, Etuisarbeiter.
2. Herbert Ludwig, Tabakarbeiter.
3. Reul Heinrich, Schneider.
4. Wies Jean, Formenschreiner.
5. Hau Gustav, Spengler.
6. Geiger Friedrich, Etuisarbeiter.
Hanau den 16. November 1897.
Der Stadtrath.
16422 Herae us.
Bekanntmachung.
Auf Grund des § 58 des Statuts für Verwaltung und Verwendung des durch Ablösung an Stelle der der Altstadt Hanau zugestandenen Bauholzberechtigung getretenen Ab findungskapitals ergeht hierdurch an die Berechtigten die Aufforderung, ihre Ansprüche aus dem Jahr 1897 binnen 4 Wochen, vom Tage dieser Bekanntmachung an gerechnet, auf dem Rathhause zur Anmeldung zu bringen. Anzumelden sind nur die bereits vollendeten Neubauten bezw. Reparaturen.
Bemerkt wird, daß nach § 58 des Statuts für jeden Antrag vom Antlagsteller eine Vermessungsgebühr von 2 M. zu entrichten ist.
Hanau den 16. November 1897. 16423
Der Oberbürgermeister.
J. V.: Heraeus.
Tagesschau.
Von der Marine. Laut telegraphischer Meldung an das Ober Kommando der Marine ist S. M. S. „Loreley", Kommandant Kapitän-Lieutenant von Witzleben, am 17. November in Haiffa angekommen und beabsichtigte, am 19. ds. nach Beyruth in See zu gehen; S. M. S. „Kaiserin Augusta", Kommandant Kapitän zur See Koellner, ist am 18. ds. in Kanea angekommen.
Das energische deutsche Einschreiten in China wegen der Ermordung deutscher Missionare findet, wie man einmal mit patriotischer Befriedigung konstatiren kann, allgemein im Deutschen Reiche bei den verschiedensten politischen
raster fordern zum Eintritt und zu einem Augenblicke pietätvollen Gedenkens an die Abgeschiedenen auf; Bildstöckel und Votivtafeln erzählen von jenen furchtbaren Gefahren, denen der Aelpler unausgesetzt ins Auge blicken muß. Dazu treten dann noch als eine besondere Eigenthümlichkeit dieser Bezirke die Todtenbretter, auch Leichenbretter oder Rehbretter genannt.
Auf dem „r^' werden schon im Nibelungenliede die Leichen ausgebahrt und in der Gemeinde Anger bei Reich en- hall fanden die Beerdigungen noch um 1885 auf dem Todten- brette statt. Meistens aber wird heut die Leiche auf dem Todtenbrette nur aufgebahrt, das Brett selbst aber dann öffentlich ausgestellt, um dem Todten die Erinnerung und die Fürbitte der Lebenden zu sichern. Die Wege, die Friedhofsmauern findet man dort von diesen schlichten Mälern begleitet; jo, oft sind sie über die Fußpfade gelegt, die die Kirchenbesucher gehen müssen, und indem sie so die Aufmerksamkeit der Wanderer gleichsam erzwingen, gewähren sie ihnen zugleich einen allezeit festen und trockenen Weg. Diese Todtenbretter sind in den verschiedenen Gegenden verschiedenartig ausgestaltet: hier gradlinig und ganz schmucklos, sind sie dort von Kreuzen bekrönt, nähern sich an anderen Stellen der Form des Obelisken oder nehmen selbst reichere architektonische Gestalt an. Die lokalen Formen folgen stets bestimmten Traditionen, so daß sie die Herkunft des Todtenbrettes klar erkennen lassen. Diese Bretter hat nun die Pietät der Hinterbliebenen mannigfach verziert. Das Bild des Gekreuzigten, Symbole des Todes, wie ein Todtenschädel, eine abgebrochene Kerze, erhöhen den Eindruck; in einzelnen Gegenden aber — wie Lam in Böhmen z. B. — steht man den Verstorbenen selbst porträtähnlich abgemalt, wie ihn der Todesengel berührt; und dabei ist das Sterbegemach oft sehr realistisch geschildert. Auch deutet wohl ein Barett dm priesterlichen Stand des Verstorbenen an oder es ziert eine Bretzel das Leichentuch einer Bäckerin.
Die bentiae Nummer umfaßt antzer dein Unterhaltungsblatt 16 Seiten.
Parteien Billigung. Diese Thatsache mag der Reichsregierung als Ansporn dienen, ohne chauvinistische Uebereilung doch rasch in der auswärtigen Politik Entschlüsse zu fassen und ihnen sofort die That folgen zu lassen. In China handelt es sich jetzt vorerst nur darum, Genugthuung für einen schmählichen Gewaltakt zu erlangen, dem deutschen Namen das gebührende Ansehen und damit den deutschen Schutzbefohlenen den nöthigen Schutz zu wahren. Wenn von ausländischen Blättern, so namentlich in englischen, bereits weiter gehende politische Konsequenzen aus der deutschen Aktion gezogen werden, indem man annimmt, Deutschland wolle bei dieser Gelegenheit festen Fuß in Ostasien fassen, eine Flottenstation oder dergleichen erwerben, so würden wir uns nur freuen, wenn das durchführbar wäre. Jedenfalls zeigen jene ausländischen Stimmen, daß man dort, wegen des eigenen früheren Verhaltens, Deutschland keinen Vorwurf machen könnte, wenn es die gegebene Situation möglichst zu seinem Vortheil ausnutzte. England hat aus Anlaß des Ausstandes Arabi Paschas Egypten bis heute widerrechtlich behalten, Frankreich hat unter dem Vorwande, räuberische Krumirs züchtigen zu wollen, Tunis annektirt. Rußland und Frankreich haben sich wegen ihres Einschreitens zu Gunsten von China im chinesisch-japanischm Krieg schon wesentliche Vortheile von China zu verschaffen gewußt, nur Deutschland ist bisher leer ausgegangen.
Aus Stadt- und Landkreis Hanan Nachdruck unserer Loialartikel nur mit Quellenangabe „Han. Anz." gestattet.
* Todten fest. Es liegt eine tiefe und ergreifende Symbolik darin, daß wir durch die kirchliche Feier des Todtenfestes an die Vergänglichkeit des irdischen Lebens gemahnt werden in der Jahreszeit, wo die Natur draußen sich zur winterlichen Ruhe anschickt, um der Erneuerung im kommenden Lenze entgegen zu schlummer«. Unser leibliches Leben steht mit der ganzen Natur in innigem Zusammenhänge. Das Aufsteigen der Sonne zu einer größern Höhe an dem Himmel, der sich über uns wölbt, die zunehmende Erwärmung und das Blühen und Sprießen in der Pflanzenwelt, die die Erde lebendig überkleidet: das stellt uns immer wieder die frische, fröhliche Jugendzeit, das rüstige, schaffenssreudige Mannesalter, den aufsteigenden Weg zu des Lebens Vollkraft vor Augen. Aber die Sonne finkt am Himmel herab, immer kürzer wird der Bogen, den sie täglich durchmißt, immer geringer die Höhe, zu der sie täglich emporsteigt. Das Maß von Wärme und Licht, das sie uns spendet, vermindert sich fortschreitend, und das Leben draußen in der Natur scheint zn erlöschen. Die Nebel wallen, die der matte Strahl der Sonne mühsam durchbricht; der Frost schmiedet die Gewässer in eisige Fesseln, nackt, kahl und freudlos blickt uns der Wald
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Die größte und interessanteste Zierde der Todtenbretter aber bilden die Verse, mit denen sie versehen sind. In der That stellen diese Verse, welche sich auf den Todtenbrettern, den Grabsteinen, Votivtafeln, Marterten u. s. w. der bezeichneten Gegenden finden, einen werthvollen und viel zu wenig beachteten Bestandtheil der Volkspoesie dar, jener echtesten Volkspoeste, die, von dem Zeitgeschmäcke nur wenig berührt, an einem Orte sich Jahrhunderte lang in gleicher Weise fortgepflanzt, denselben Gedankenschatz immer wieder verarbeitet, zuweilen aber zu einer wahrhaft klassischen Ausprägung dieses oder jenes Gedankens gelangt. Ludwig von Hörmann hat sich daher mit seiner Sammlung solcher Verse ein wirkliches Verdienst erworben. Sie gestatten uns einen unmittelbaren Einblick in die Volksseele. Ueberall erkennen wir jene Vertrautheit mit dem Gevatter Tod. Daß wir alle vor ihm gleich sind, dieser Gedanke kehrt in hundertfacher Variation wieder, und er wird um so eindringlicher wiederholt und ausgesührt, als es ja meist gilt, das Mitempfinden des lesenden Wanderers zu erwecken und ihn zu einem stillen Gebete für die arme Seele zu veranlassen. Mit der höchsten Eindringlichkeit mahnt darum ein Leichenbrett in Pinzgau:
Im Kreuze leben: guter Theil
Im Kreuze sterben: ewiges Heil,
Beim Kreuze schlafen: ohne Sorgen,
Beim Kreuz erwachen: goldner Morgen.
Neben solchen überirdischen Tönen aber finden wir die Empfindungen ost in einer Weise ausgedrückt, die gerade durch ihren derben Realismus sehr wirksam ist. So heißt's zu Oberurnen in der Schweiz auf einen Kläutersammker:
Er sammelte allerlei Kräuter, Aber für den Tod hat er seins gefunden.
Ein poetisches Schusterlein hat sich in Kumaten selbst folgende Grabschrift gesetzt:
Da liegst Du, Schusterle, da kannst Du ruhig schlafen, Ein schön's Quartier, ja wohl, hat Dir die Welt geschaffen,