Einzelbild herunterladen
 

Wknvementr- Preis:

Jährlich 9 *.

M DSjährl. 4 ^ 50 ^.

Vierteljährlich 2 «* 25 ^.

Für auswärtige

1 Ndannmtcn mit dem betressenden Pvstaufschlag.

Die einzelne Nummer kostet 10 ^.

Hinrückrmgs- gebühr

für Stadt- und Land­kreis Hanau 10 ^ di« 4gespaltene Garmond­zeile oder deren Raum, für Auswärts 15 ^.

Im Reklamentheil die Zeile 20 ^, für

Auswärts 30 ^.

Amtliches Organ für Htsöt^ unS LanöKreis Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage

Nr. 268.

Montag kn 15. November

1897.

Hierzu

Amtliche Beilage" Nr. 80

Gefunden: Ein gefütterter gelber Herrenhandschuh (linker). Ein Notizbuch. Ein Spazierstock (in einer Droschke liegen geblieben).

Hanau am 15. November 1897.

Amtliches, ftaèt^reiö ^anau. sekauatmachungeu des Oberbürgermeisteramtes Abbruch.

Der vor die Hausflucht des alten Realschulgebäudes

vor-

i

springende Theil deS Hauses Johanniskirchplatz Nr. 3 soll abgebrochen und beseitigt werden.

Die Bedinzungen liegen von heute an im Stadtbauamt I,

Zimmer Nr. 23 des Rathhauses, für Interessenten in den Vormittagsstunden von 1012Va Uhr auf, auch wird auf

^jviMimuya |4uiiuni vu» av --xa /z xtyx uu|, uuuj w Wunsch weitere Auskunft an Ort und Stelle ertheilt.

Angebote sind verschlossen bis zum

Sonnabend den 20. d. Mts., vormittags 11 Uhr,

bei oben genannter Amtsstelle einzureichen, zu welcher Zeit daselbst die Eröffnung derselben im Beisein erschienener Be- theiligter erfolgen wird.

Hanau am 9. November 1897.

16040

Der Oberbürgermeister Dr. Gebeschus.

Bekanntmachung

Zum bevorstehenden Bußtage.

Auf einem der letzten großen Kongresse, die alljährlich in unserem Vaterlande gehalten werden, sprach ein Redner von der Volksseele. Sofort erwiderte ein anderer:Was ist Volksseele? Ich kenne keine Volksseele." Und nun zeigte der erste, wie gleiche Heimathèliebe, gleiche Begeisterung für dieselben Helden, gleiche Empfindungen in derselben Lage, gleiche Lieder und gleiche Worre in allen Gauen des Land.s Zeugniß ablegten von der inneren Einheit des Volkes, von der Volksseele.

Wie es eine Volksseele gibt, so gibt es eine Volks­sünde. Wie der Gedanke, die Empfindung, das Wort von Mund zu Mund, von Herz zu Herz sich forkpflanzt, so frißt VolkSsünde von Mann zu Mann, von Haus zu Dans, von Kind zu Kind und verheert die Volksseele und ruft Gottes Gericht heraus, wo ein Volk nicht seiner Sünde den Rücken kehrr und Buße thut. Dem nachzudenken, fordert uns der Landesbußtag auf!

Ooer wissen wir nichts von Volkssünde? O, wer sollte davon nicht wissen I Brennt nicht wie ein wildes Fieber in unserem Volke die Gier nach dem Geld? Warumi drückt der Reiche den Armen? Warum neidet der Arme' den Reichen? Gott Mammon beherrscht beide, und darum weicht die Furcht vor Gott; denn sie können nicht Gott dienen und dem Mammon. Uud darum schreit man nach

mag alles zu Grunse gehen, heißt es dann. Und es ver­breitet sich all die Unzufriedenheit und Bitterkeit, all daß M^ß- traaen und die Verzagtheit, der Trotz und die Rücksichtslosig­keit, die Zuchtlosigkeit, die wir so oft beklagen. Siehe, da ist Volkssünde! Da thue Buße!

Geldgier, Genußsucht, Pietätlosigkeit und Pessimismus: das sind Schäden und Sünden, an denen unser Volk krankt. Und wo liegt die Heilung? Sage dich selbst davon los in herzlicher Buße und beginne in deinem Hause ein neues 1 Wo man Gott als dem HErrn im Haute dient, weicht Pessimimus und Pietätlosigkeit, Geldgier und Genußsucht. Da gibt Gott Gnade und Segen. Die wünschen wir unserm deutschen Volk!

Die StadthaupttKffe (Stadtkämmerei) befindet neuen Gesetzen; denn jeder möchte die Gier des andern sich von Sonnabend den 13. b. Mts. ab im Neustädter zähme». Und sie wird doch durch das beste Gesetz nicht recht

Rathhairs, 1 Treppe hoch Zimmer Nr. 10, und ist zum Berkehr mit dem Publikum an Werktagen vormittags

von Va9 Uhr biß Val Uhr geöffnet.

Die Steuerkâfse befidet sich wie bisher im Rathhause gleicher Erde, Zimmer 67 (Eingang vom Hose aus).

Hanau am 11. November 1897.

Der Oberbürgermeister Dr. Gebeschus.

1606 L

Dèellstnachrichtcn aus dem Kreise.

Ve- loren: Ein Portemonnaie mit 5 M. 86 Pf. Ein s. g 'iad von einem Knabenmantel. Ein Portemonnaie mit ca. 5 .N.

iLnrlausen: Ein weißer Foxterrier mit rothem Kopf.

Zugelaufen: Ein weißer Foxterrier, ein junger Fox­terrier, ein schwarz und weiß gefleckter russischer Windhund, sämmtliche m. Geschl.

Fenilletsn.

Die ideale Frau.

Um zu erfahren, wie man sich in Männerkreisen die so­genannteideale Frau" vorstellt, hat die Londoner Lady's Real« in den Kreisen der britischen Aristokratie Umschau halten lassen und die Grafen, Vicomtes, Baronets und Lord­söhne der jüngeren Jahrgänge eingeladen, ihre Meinung zu jenem Thema abzugeben. In der Annahme, daß vor allem V die Damen aus unserem Leserkreise daran Interesse nehmen und vielleicht sogar diesen und jenen kleinen Win? daraus beherzigen, seien in Folgendem einige jener Männer bekennt- nisse, obwohl manche über das Ziel hinausschieße», hier nuebergegeben.

F*st alle Befragten wollen in derneuen Frau", in der nach Gleichberechtigung Strebenden nicht das Ideal eines Weibes sehen.Ich verabscheue die neue Frau, wie den Blaustrumpf und jene ganze Rasse", so ruft Sir George Douglas aus, und der Graf von Desart sekundirt, indem er die sich nach und nach vollziehende Revolution in den Ge­wohnheiten und Bestrebungen des Frauengeschlechts nicht weniger unnachsichtig beurtheilt.Vermeidet vor allen", so übertreibt er in seinem Eifer,jene sechs Fuß hohen Damen, welche Gamaschen tragen und nar noch radeln. Es gibt keinen schlimmeren Unfug als diese undisziplinirte und los­gelassene Horde, der man nur noch auS Höflichkeit den Namen Frau" beläßt.

Nicht viel gnädiger spricht sich Herr Geoffrey Bouchard von Montmorency der in Art, Wesen und Worten eman= zipirten Frau gegenüber aus.Welcher Schimpf für die menschliche Natur", so eifert er,dgs, was ihr als Frau fehlt, durch einè schlechte Kopie der Allüren des Mannes

gezähmt, »enn die Volkssünde nicht weicht, die Geldgier. Da thue Buße I

Aber wozu wollen sie das Geld? Zum Genuß! Und da ist die andere Dolkssünde, die uns quält: die Genußsucht. Allüberall heißt el: weniger Arbeit, mehr Lohn; weniger Mühe, mehr Genuß 1 Weil das Herz nicht in Gott ruht, herrscht das Fleisch über den Geist und man muß dem Fleische sein Gelüst befriedigen. Darum die endlose Reihe rauschen­der Feste: darum die grenzlose Verschwendung sauer ver­dienten Geldes in geistigen Getränken; darum spreizt sich' die Unsittlichkeit auf den glänzevden Straßen der Städte, in den Winkeln der Dörfer. Sieh, da ist Volkssünde! Da thue Buße I

Aber der Genuß kann ja nicht befriedigen; sein Nach­geschmack ist bitter. Und so quillt die dritte VolkSsünde hervor, die uns verdirbt: die Autoritätslosigkeit und der Pessimismus. Kein Genuß befriedigt mehr, so tadelt man alles und mäkelt an allem. Die Welt ist nichts werth, so

Tagesschau.

Aus dem Reiche der Post. Wie dieD. W." aus ganz zuverlässiger Quelle erfährt, hat das Reichspostamt in einer Zirkularverfügung die Oberpostdirektoren angewiesen, die Pensionirung der im Dienst befindlichen Beamten über 65 Jahre, die der Unterbeamten über 60 Jahre in die Wege zu leiten. Nur außergewöhnliche persönliche Verhältnisse sollen eine Ausnahme zulassen.

Zur Reichstag-einberufung. DerReichsanzeiger" veröffentlicht eine kaiserliche Verordnung, die den Reichstag auf den 30. November einberuft. Ueber die Vorlagen, die de« Reichstage in der laufenden Tagung zugehen werden, ist schon manches bekannt geworden. Außer dem ReichShaus- Haltsetat wird den Reichstag die Militârstrafprozeßreform- Vorlage beschäftigen, daneben eine Marin evorlaze, Novellen zum Terichtsverfassungsgesetz und zur Strafprozeßordnung, sowie zur Cioilprozeßordnung. Die Frage der Entschädigung unschuldig Verurtheilter soll in einem besonderen Vesetzent- wurf gelöst werden, endlich soll die Postda«pfersud»entions- Vorlage, die in der vergangenen Tagung unerledigt blieb, von Neuem erscheinen. Von allen diesen Vorlagen wird, wie üblich, der Reichshaushaltsetat dem Reichstage zuerst zugehen. Ein Theil der Einzeletats ist schon an den Bundesraih ge­langt, der Rest wird diesem so rechtzeitig unterbreitet werden, daß der Reichstag den Etat bei seinem Zusammentritt vor­finden wird. In engster Verbindung mit de« Etat steht die Marinevorlage.

Reichstagsstichwahl. Die freisinnige Presse fährt fort, das Ergebniß der Reichstagsstichwahl in der Westprieg- nitz als weitere Bestätigung für denZug nach links", der sich augenblicklich bemerkbar machen soll, aufzusassen. Die Voss. Ztg." findet sogar, daß die Stichwahl die Parole Gegen die Junker!" glänzend gerechtfertigt habe. Dazu be­merken dieHamburger Nachrichten":Etwas Dümmeres ist uns kaum vorgekommen. Bei dem ersten Wahlgange zeigte es sich, daß der Freisinn um mehrere tausend Stimmen zu-

nachahmen zu wollen!" so ruft er aus. Milder schon urtheilt Lord Mountmorres, indem er sagt:Obgleich ich die Bescheidenheit bewundere, so verabscheue ich die Prüderie und die gesuchte Reserve, wie sie zur Zeit der Thronbe­steigung der Königin Viktoria an der Tagesordnung waren, und die die Frau zwangen, sich immer hintenan und fern von jeder aktiven Betheiligung an den Ereignissen zu halten."

Welche Eigenschaften wird aber nun jene bewunderns- werthe Frau besitzen müssen, die derjenigen der Vergangenheit nicht gleichen, noch weniger aber derFrau der Zukunft" ähnlich sein soll?

Die Antwort, die Herr Smart Erskine hierauf ertheilt, klingt einestheilS ziemlich sonderbar und wiederum aber für die von der Natur etwas stiefmütterlich behandelten Damen recht ttostreich.Die ideale Frau darf nicht hübsch sein", so meint er.Es ist nothwendig, ja unerläßlich, daß, um ideal zu sein, eine Frau nicht durch ihre Schönheit auffalle. Die Schönheit ist eine schlechte Rathzeberin und zieht, um nur eine Gefahr anzusühren, von nützlicher Beschäftigung ab. Den­selben Grundgedanken, wenngleich etwas zarter und weniger entschieden ausgevrückt, äußert der vorerwähnte Sir George Douglas:Ich beklage den Gatten Kleopatras und beneide nur sehr wenig deren Geliebten."

Daß die Engländer, ohne Unterschied von Stand und Rang, größtentheils praktische Leute sind, ist bekannt, und so halten viele auch diese Eigenschaften für die Grundlage, um eineideale Frau" zu sein.

Die ideale Frau" so sagt der wohlbekannte Schrift­steller Franlfort Mooremuß ein saftiges Stück Rind­fleisch selbst auswählen können und sich nicht einen Fisch als frisch aufreden lassen, der es nicht ist. Eine wahre Haus­frau muß die Salate selbst bereiten und ihren Gästen nicht um V26 Uhr einen Thee anbieten, der schon um 4 Uhr auf- gegoffen worden ist." Lord Msuntmorres begnügt sich in

seinen Ansprüchen damit, von deridealen Frau" nur mehr Nachsicht fürdie unvermeidlichen Schwächen des stärkeren Geschlechts zu fordern", vor allem aber ermahnt er sie, alles zu vermeiden, was den Verdacht des Neids oder der Eifer­sucht erregen könnte." Lord Desart sagt:Die Frau meiner Träume muß niedlich, geistvoll und vertrauensvoll sein", und ein Anderer beschreibt sein Ideal also:Sie muß zur üblichen Stunde einschlafen und nicht machend ihren Mann erwarten, wenn ihn eine Parthie Schach oder dergleichen bis ein Uhr außer dem Hause gehalten hat." Ein anderer, einen großen geschichtlichen Namm tragender Herr, Lord Fitzgerald, will die Frau von Verstand und Geist als das Jde«l einer solchen betrachtet wissen. Er sagt:Es gibt keinen verführerischeren Reiz bei einer Frau, als einen Geist, der alles sofort erfaßt und alles in eleganter und präziser Form in wenigen Worten ausdrücken kann; einen Geist, der von Natur begabt und durch die Erziehung $etseiner! ist, der zu würdigen versteht und zu unterscheiden vermag. Eine Frau, welche d esen Talisman besitzt und sich vor Uebertreibung und Hervorthun zu hüten versteht, ist stets die angenehmste Gefährtin. Die Liebe verhilft wohl zu einem angenehmen Honigmonat, aber die geistige Kameradschaft zwischen Gatten allein schafft dauernd ein zufriedene» Heim." Damit wollen wir diese Be­trachtungen, bei denen manches richtig sein mag, aber keines­wegseines für alle sich schickt", abschließen.

Aus Kunst und Leben.

HochzeitsmedaMe. Wie derBerl. .Corr." mitge­theilt wird, liegt dem amtlichen Preisausschreiben für den Entwurf einer Hochzeitsmedaille ober Plakette die Absicht zu Grunde, die einheimische Medailleurkunst zu förden und durch Stellung einer Ausgabe, welche das Interesse weiter Kreise za erregen geeignet erscheint, die Aufmerksamkeit der Künstler