Erstes Blatt.
Vonuementb» Preis:
Jährlich 9 ^. Mjährl. 4 vM 50 ^. vierteljährlich 2 <* 25 ^.
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Nummer kostet 10 ^.
Amtliches Organ für Staöt- nnö LnnöKreis Hannu.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage
Nr. 267.
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Samstag den 13. November
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trinrückungs- gebühr
für Stadt- und Land» kreis Hanau 10 ^ di« 4gespaltene Garmondzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 ^.
Im Reklamentheil die Zeile 20 ^, für
Auswärts 30 ^.
1897.
Amtliches.
^anöRr eis5 ^anau.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
Das Infanterie-Regiment Nr. 166 wird in der Zeit vom 18. November bis einschließlich 6. Dezember d. Js. Schießen mit scharfen Patronen aus dem großen Exerzierplatz in der Richtung vsm Bahnübergang nach der Fallbachbrücke abhalten.
Das Gelände: Arbeitshäuser —Pulverhauswache—Chaussee Hanau— Langendiebach—Reußerhof—Eisenbahn in Höhe des Kinzigheimer Hofes —, unter besonderer Absperrung des Fußweges — Reußerhof—Hanau und des Waldwegs — Chaussee Hanau—Roßdorf —, wird durch Sicherheitsposten abgesperrt und darf in der oben angegebenen Zeit von 11 Uhr vor- bis 4 Uhr nachmittags nicht betreten werden.
Den Weisungen der Sicherheitsposten ist unbedingt Folge zu leisten.
Hanau am 12. November 1897.
Der Königliche Landrath
M. 5564 v. Schenck.
Unter der auf Winterweide in Langendiebach befindlichen Schafheerde des Schafhändlers Hubert Niggemann aus Hesbo n ist die RäuVe ausgebrochen.
Hanau am 13. November 1897.
Der Königliche Landrath
v. S chenck.
Unter dem Schweinebestand des Gutspächters Theodor Göbels in Mainkur ist die Rothlaufseuche amtlich festgestellt und infolgedessen die Gehöstssperre für das genannte Gehöft bis aus Weiteres angeordnet worden.
Die vom Hetcn Regierungs-Präsidenten zu Cassel unterm 19. Dezember 1895 erlassenen Anordnungen, betr. die Bekämpfung der übertragbaren Schweinekrankheiten, abgedruckt in Nr. 8 der Amtlichen Beilage des „Hanauer Anzeiger" pro 1896, sind genau zu befolgen.
Die Herren Ortsvorstände wollen den Ausbruch der Seuche und die Anordnungen der Sperre sofort ortsüblich bekannt machen.
Hanau am 12. November 1897.
Der Königliche Landrath
V. 11723 v. Schenck.
i icWMlyrilylcn aus dem Kreise.
Gesunden: Ein Geldstück (von der Post), verloren: Ein schwarzes Spitzentuch.
Entlaufen: Ein junges Hündchen, Rattenpinscher, mit kurzer Ruthe und gestumpften Ohren.
Hanau am 13. November 1897.
Feuilletsn.
Stadttheater in Hanau.
Hanau, 13. Novbr.
5 Zum Andenken Schillers an dessen Geburtstage eines seiner Werke auszuführen, halten die deutschen Bühnen für eine Pflicht Für dieses Jahr brachte unsere Bühne sein Erstlingsdrama „Die Räuber" zur Aufführung. Dieses Schauspiel, mit der ganzen flammenden Begeisterung der Jugend geschrieben, zeizte schon den geborenen Dramatiker, denn Exposition, Konflikt und Lösung waren überraschend sicher motivirt. Der stürmische Erfolg der ersten Aufführung im Januar 1782 ist dem Schauspiel bisher treu geblieben, und bei guter Darstellung übt es heute noch seine unwiderstehliche Wnkung auf das empfängliche Gemüth der Zuhörer aus. Was die Aufführung hier am Mittwoch betrifft, so bedeutete dieselbe in dar- stellerhcher Hinsicht einen großen Erfolg für unseren Charakterdar- steller Herrn Hille, der in dem .Franz eine sehr beachtenswerthe Lefftung bot. Alle Nüancen dieser Parthie gelangten in au8- gezcichneter Weise zu der beabsichtigten Wirkung, die ein ausdrucksvolles Mienen- und Geber^ensviel unterstützte. Konsequent in der An- lage und Durchführung des Charakters, gab der Künstler ein treues Bild drejes abgefeimten Schurken, wie es kaum besser zu denken ist. Stürmischer Beifall und nach jeder Szene wiederholter Hervorruf zeichneten den Darsteller aus. Als prächtige Leistung verdient auch der „Schweizer" des Herrn Linzen bezeichnet zu werden. Herr Stein gö tter ist ein zu liebenswürdiger Darsteller für den Parquett- boden des feineren Salonlustspiels, als daß man verlangen könnte, daß er mit demselben Geschick und derselben Sicherheit in den böhmischen Wäldern als Anführer einer Rämerbande sich zurechtfinde; einige recht wirkungsvolle Momente können dem Darsteller nachgerühmt werden, aber im Ganzen entsprach seine Darstellung nicht dem Bilde, das die jugendlich feurige Dichterseele des neunzehnjährigen Poeten schuf. Völlig ungenügend erwies sich Herr Bernhard als der alte „Moor." Die Wahrheit des Satzes, daß vom Erhabenen zum Lächerlichen nur ein Schritt sei, bewährte sich hier. Der „Roller", Herr Walther, der „Spiegelberg", Herr Tyrkowski, der „Kosinski', Herr Dysing, und der „Hermann", Herr Göbel, konnten befriedigen. Auch Herr Gehrmann als .Magistratsperson' stellte zufrieden. Die ohnehin auf den hohlen Deklamations
StäHtA^ers ^anau.
MaMèAachmigen des Oberbürgermeisteramtes.
Bekanntmachung.
Die Stadthauptkaffe (Stadttämmerei) befindet sich von Sonnabend den 13. d. Mts. ab im Neustädter Rathhaus, 1 Treppe hoch Zimmer Nr. 10, und ist zum Verkehr mit dem Publikum an Werktagen vormittags von V29 Uhr bis Val Uhr geöffnet.
Hanau am 11. Nover der 1897.
Der Oberbürgermeister
Dr. G ebeschus. 16061
Bekanntmachung.
Wie in den Vorjahren hat im allgemeinen Interesse die Ausführung von Hansentwäfferungen während der Wintermonate zu ruhen.
Es dürfen daher in der Zeit vom 1. Dezember 1897 bis 28 Februar 1898 keine Hausentwässerungen ausgeführt werden und wird während dieser Zeit auch keine diesbezügliche Baugenehmigung ertheilt,
Hanau am 11. November 1897.
Städtische Polizeiverwaltung.
Der Oberbürgermeister
Dr. Gebeschus. 16097
Ein Denkmal für die Märzgefallenen.
Die für das nächste Jahr b.-vorsteh-nde fünfzigste Wiederkehr- des Tages, wo bunt zusammengewürfelte Menschenhaufen auf den in den Straßen Berlins errichteten Barrikaden ihr Leben preisgaben, soll zu etrer Kundgebung ausgenutzt werden. Mit großer Mehrheit hat die Berliner Stadtverordneten-Versammlung einem Anträge zugestimmt, „den Magistrat zu eriuchen, mit ihr in gemischter Deputation über die Errichtung eines Denkmals für die am 18. März 1848 Gefallenen zu berathen," und der Magistrat hat sich dazu bereit erklärt. Die Berliner Stadtverwaltung sucht ihr Verhalten mit der Anschauung zu entschuldigen, daß es sich bei den Märzkämpfern um die eigentlichen Väter und Urheber der preußischen Erfassung handle. Diese Anschauung ste^t jedoch mit den That'achen in Widerspruch.
Von den am 18. März 1848 Gefallenen haben nur sehr wenige das politische Ziel jener Zeit im Auge gehabt. Von den Kugeln der Ordnung schaffenden Soldaten wurden vielmehr solche Personen getroffen, wie sie sich bei jedem Straßen- Auflauf zusammenfinden. Ueberdies war die Verfassung bereits am Vormittage des 18. März durch königliches Patent gewährleistet; um sie zu erlangen, bedurfte es nicht der B.arri-
ton gestimmte „Amalie" konnte Frl. Brando w nicht sympathischer gestalten.
Gestern Abend hatte sich ein recht beliebter Gast bei uns ein- gefuuden, der außer seinem unverwüstlichen Humor uns auch einige kleine Frankfurter Dialektstücke mitbrachte. Wie sehr man Herrn Strohecker hier zu schätzen weiß, zeigte das gut besetzte Haus trotz der erhöhten Preise. «Frankfurt in Feindesland" von A. Hill eröffnete den Abend. Die kleine lustige Scene, die sich in einem französischen Dorfe abspielt, hat eine frappante Aehnlichkeit mit dem bekannten älteren „Kurmärker und Pikarde' und zeigt einen jungen Frankfurter Dragoner, der Sturm auf das Herz einer jungen Französin läuft und es schließlich auch erobert. Das zwei e Stückchen „Du- ch den Kaufmännischen Verein" spielt in Frankfurt selbst und schildert mit köstlichem Humor und treffendem Witz, der manchmal allerdings auch stark gepfeffert ist, wie ein Liebe-paar mit der Hilfe des Kaufmännischen Vereins zusammen bereinigt wird. Der übermüthige Schwank hat Herrn Ad. Staltze zum Verfasser. Das dritte spielt auf Sachsenhäuser Boden, betitelt sich „Der Atzemer und sein Sohn" von G. Beck und enditzt mit zwei verlobten Paaren. Alle diese drei Stücke gelangen erst durch Strohecker zur vollen Wirkung. Der flotte Frankfurter Dragoner, der mit Seelenwärmer handelnde Kaufmann und der Aeppelwein trinkende Sachsenhäuser wurden durch Herrn Strohecker mit solch urgemüthlichem Humor verkörpert, daß fortgesetzt stürmische Heiterkeitsausbrüche den Theaterraum erfüllten. Umerfüst wurde Herr Strohecker in allen drei Stücken von Frl. Mühlbach die als zierliche Französin, sowie als waschechte Frankfurterin und als derbe Sachsenhäuserin ebenfalls durchweg Vorzügliches leistete. Frau Schöning und Herr Schiefer vervollständigten mit köstlichem Humor das treffliche Dialekt-Ensemble, das sich in seinem Zusammenwirken so rasch die Gunst des Publikums erworben hatte.
Plauderstündchen.
Hanau, 13. November.
Schon wieder Einer, der sich verpflichtet fühlt, auf das Conto der Woche zu sündigen und eine Probe auf die Lang- muth der Leser beiderlei Geschlechts zu machen? werden Sie in der ersten Anwandlung des Schreckens ausrufen und ich verzeihe Ihnen diesen Ausruf mit aller mir verfügbaren Groß-
muth. Ich weiß ja, es erfordert keine geringe Anstrengung und eine recht beträchtliche Dosts Gutmüthigkcit, sich im Laufe der Zeit durch alle die ungezählte«, mit mehr oder weniger Geschick zusammengeschweißten Wocheubetrachtungen, die den geschätzten Lesern als regelmäßiges Samstagsfutter vorgeltgt werden, hindurchzulesen. Stoßen Sie sich nicht an tem harmlosen Wort „Samstagsfutter", es ist nicht böse gemeint und die Hoffnung, daß Ihnen mein bescheiden dargebotenes Futter keine allzugroßen Verdauungsbeschwerden verursachen wird, macht mich schon überglücklich. Wollen Sie es also einmal mit mir versuchen, verehrter Leser, und auch Sie, verehrte Leserin, deren gütiges Herz meiner demüthigen Appellation schon im Voraus den Erfolg garantirt? Ja? Sie neigen das holde Köpfchen zum Zeichen freundlicher Gewährung und gestatten meiner Feder, in Ihren Dienst zu treten? Tausend Dank! O, wie Sie mich glücklich machen, mich und meine Feder, die im Wonnerausch höchster Glückseligkeit das blanke Köpfchen tief in die schwärzliche Flüssigkeit, Tinte genannt, eintaucht und in ungeduldigen Aufregung raschelnd über das jungfräulich weiße Papier saust, von Stolz erfüllt im Dienste ihrer neuen Herrin, der schönen Leserin! —
Wenn ich Ihnen nun erzähle, daß ich mir soeben vergnügt die Hänoe gerieben habe, so wird Ihnen dies ohne Zweifel sehr gleichgültig sein und doch that ich es nicht ohne Veranlassung, denn das Schlußwort meines vorherigen Satzes hat für mich einen eigenen Klang und läßt Saiten in meiner Brust mitklingen, die sich zu höchst angenehmen Akkorden und Melodien vereinigen und die willenlose Seele in Träume wiegen, aus denen man sich nur sehr ungern von der Blechmusik einer Meßkapelle wecken läßt. Ich bin Gott sei Dank nicht abergläubig, sonst würde ich diese Störung als ein böses Omen betrachten. Angeneöm ist es gerade nicht, in der rosigsten Stimmung plötzlich den
kaden. Heinrich v. Sybel bat uns im Jahre 1889 in der „Historischen Zeitschrift" die Märztage mit nüchterner Sachlichkeit geschildert. Dieser Geschichtsschreiber weist ausdrücklich nach, „daß die große Wendung in Preußens innerer Polüik durch die Verhältnisse Europas, nicht aber durch den bewaffneten Zwang eines Straßenkampfes veranlaßt ist."
Zu einer Ehrung dec Märzgefallenen liegt sonach nicht der geringste Grund vor. Im Gegentheil; da die Männer des 18. März, wenn auch durch Hetzer verleitet, im Ausstande gegen ihren König und gegen die gesetzliche Staatsgewalt ihr Leben eingebüßt haben, so würde ihre Ehrung durch ein Denkmal eine Verherrlichung der Revolution bedeuten. Es liegt auch in der That den Urhebern dieses Plaues nichts ferner, als in dem Denkmal die Erinnerung an einen bedeutungsvollen Augenblick der preußischen Geschichte wachzuhalten. Das Denkmal soll vielmehr erinnern an den angeblichen Triumph des „Volkswillens" in blutigem Ringen über die herrschende Gewalt; es soll ein Mahnsteiu sein für das Proletariat, sich jener vermeintlichen Ueber- legenlest über die Truppen bewußt zu bleiben; es soll — das ist der Kern — ein Trutzstein sein, den die gesammte Demokratie als Vorkämpferin der Volkssouveränität in der deutschen Reichshauptstadt der monarchischen Regierung gegenüber errichten will.
Es ist nicht anzunehmen, daß die Staatsbehörden zur Errichtung eines Wahrzeichens der Revolution ihre Genehmigung ertheilen werden. Aber ein Zeichen von dem Hina gleiten der Berliner Stadtverwaltung zur Demokratie ist es immerhin, daß ein derartiger Plan überhaupt in Erwägung gezog-n wird.
Lagesschau.
Von der Morine Laut telegraphischer Meldung an das Oberkommando der Marine ist S. M. S. „Möwe", Kommandant Korvetten-Kapitân Merten, am 2. November in Aap (Karolinen-Inseln) angekommen und am 3. November nach Hongkong in See gegangen.
Sächsisches Vereinsgesetz Dem sächsischen Landtage ist ein Gesetzentwurf zugegangen, durch den das Vereins- und Versammlungsrecht in § 24 wie folgt abgeändert werden soll: Die Verbindung von Vereinen unter einander ist zulässig. Politische Vereine dürfen mit außerdeutschen Vereinen nur mit Genehmigung des Ministeriums des Innern in Wrbimung treten.
Obligatorischen Kochunterricht hat der Stadtmagistrat in Nürnberg in der achten Klasse einer seiner Mädchen-Volksschulen jetzt zur Einführung gebracht. In einer geräumigen, mit allen praktischen Neuerungen versehenen
Die heutige Nummer umfaßt mißet? dem Unterhaltungsblatt 14 Seiten.