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Jährlich 9 ^. -Mjährl. 4 ^ 50 ^.

Vierteljährlich 2 »* 25 ^.

Für auswärtige Menneriten mit dem betrefj enden Pvstaufschlag.

Die einzelne

Nummer kostet 10 -A

ItinrückungS- gebühr

für Stadt- und Land­kreis Hanau 10 ^ di« ^gespaltene Garmond­zeile oder deren Raum, für Auswärts 15 ^.

Im Reklamentheil die Zeile 20 ^, für Auswärts 30 ^.

Amtliches Organ für Siaöt- unö LanöKreis Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Nr. 265.

Amtliches.

^anö^reiö ^anatt

Donnerstag den 11. November

der ehemals so benannten Friesenbleiche, wo mitten im Schutt

das Haus des Stellenbesitzers Worbs als eine Ruine steht, dann bei dem Gemeindevorsteher Seiffert, wo infolge umfang-

Gekannmiachungen des Königlichen ^Mdrathsamtes. reicher Flußbettvertiefungen und Uferabbrüche starke Mauern

Unter dem Viehbestände deS Landwirths Wilhelm Noß in Niederissigheim ist die Maul- und Klauenseuche ausge- brochen; es wird daher bis auf Weiteres Orts und Gemarkungssperre für Niederissigheim angeordnet. Das Durchtreiberr von Wiederkäuern (Rmdvüh, Schafe, Ziegen) und Schweinen durch den Ort und die Gemarkung Niederissigheim ist sonach verboten.

Die Bestimmungen der Bundesraths-Jnstruktion zur Aus-

aufgeführt werden, und endlich bei der Fabrik von Liebig, wo das Wasserbett eingestürzt ist. Der Kaiser fand mit kritischem Blick das Wesentlichste selbst heraus und streifte das Unwesentliche nur.

Einen tiefen Eindruck schien auf den Kaiser u. A. die zerstörte Feisthauer'sche Mühle in Querseiffen zu machen, denn nachdem sein Blick längere Zeit auf den Trümmern derselben

Die Bestimmungen der BundesrathS-Justruktion zur Aus- geweilt, ließ er durch den Prinzen Reuß den Besitzer zu sich führung des Reicksviehseuchengesetzes (Reichsges.-Blatt für ^befehlen und sagte etwa Folgendes:Sie sind ja durch das 1895, Seite 358 ff.) §§ 58, 59 ff. sind genau zu Unglück sehr schwer betroffen worden. Ahnten Sie es denn

1895, Seite 358 ff.) §§ 58, 59 ff. sind genau zu

beackten.

Die Herren Ortsoorständ: wollen Vorstehendes sofort ortsüblich bekannt macken.

Hanau am 11. November 1897.

Der Königliche Landrath

v. Schenck.

In Nieder-Mockstadt und Usenborn, Kreis Büdingen, ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen.

Zu Hof Dauernheim ist die Schweinerothlaufseuche aus- gebrocken.

Ha rau am 10. November 1897.

Der Königliche Landrath

v. Schenck.

1897.

an jenem Abende, daß Ihnen das Haus in der Nacht zu­sammenstürzen wird?" worauf Herr Feisthauer bemerkte, daß er wohl vorsichtshalber vorher schon -etwas Inventar herauf­

geräumt hätte. Darauf sagte der Kaiser:

in dasWaldhaus" zurückkehrte, wurde ihm ein eigens zu dem Zwecke angefertigter prachtvoller, mit der Kirche Wang und dem Datum des Besuches versehener und mit edelsten Rüdesheimer gefüllter Glaspokal kredenzt, den er leerte; auch nahm er einige Stückchen von Frau Hennig selbst gebackenem Streußelkuchen. Nach einsilbigem Aufenthalte verab­schiedete sich der Kaiser und verließ unter den brausenden Hochrufen der Menge Brückenberg und die Vorregion des Hochgebirges.

Das Römerglas, aus dem der Kaiser imWaldhause" zu Brückenberg trank, trägt am Becher den kaiserlichen Namenszug mit der Königskrone, umgeben von Maiglöckchen­zweigen, und dieser gegenüber eine Ansicht der Kirche Wang in Brückenberg. Der Lippenrand ist mit einer seinen Bor­düre gravirt und der hohe Stengel venetianisch gewunden. Der Fuß trägt Maiglöckchenzweige und das Datum 8. 11. 1897. Der Becher war geliefert von der Petersdorfer

geräumt hätte. Darauf sagte der Kaiser: «Hat man Ihnen Kunstglasindustne (M. Jente) in Hirschberg und zeichnete denn schon einen Platz angewiesen, daß Sie wieder bauen sich durch außerordentliche Sauberkeit in der Ausfüh-

Hat mau Ihnen

können, da Sie hierher doch nicht mehr bauen dürfen", worauf Herr Feisthauer bemerkte, daß er sich habe einen Platz kaufen müssen.

Am längsten weilte der Kaiser wohl in Brückenberg, wo er um ll3/* Uhr in das dortige GasthausZum Waldhaus" seinen Einzug hielt. Für die Fußtour von der Besitzung des Gemeindevorstehers Kahl in Querseiffen bis zur Holzschleise der Wittwe Ertel in Krummhübel waren 64 Minuten in

Aussicht genommen. Der Kaiser legte diesen Weg in einer guten halben Stunde zurück. Infolge dessen verfrühte sich In Seligenstadt, Kreis Offenbach, ist die Maul- und die Ankunft um etwa/< Stunden, sodaß der Kaiser der Be­sichtigung der Wasserschäden einige Minuten länger widmen konnte, als ursprünglich beabsichtigt war. Zunächst betrachtete der Kaiser, aus der Prinzeß Charlottebrücke stehend, die herab­

Klauenseuche erloschen und die Gehöft und Gemarkungssperre

aufgehoben worden.

Hanau am 11. November 1897.

V. 11644

Der Königliche Landrath v. Schenck.

gerollten riesigen ^teinkolosse links und hinter dem Waldhause Darauf ging er in das Waldhaus und ließ sich dessen Be

sitzer, Herrn Hennig, sowie die Frau desselben durch den Prinzen Reuß vorstellen. Frau Hennig und Frau Amtsvor­steher Alberti überreichten dem Kaiser ein Maiglöckchen- und ein Veilchen-Boukett. Der hohe Herr erkundigte sich leutselig

Der Kaiser im Ueberschwemmungsgebiet.

Vom Aufenthalt des Kaisers in den durch das Hochwasser

so schwer betroffenen Ortschaften weiß dieSchl. Ztg." fol-! und in theilnahmsvollster Weise nach den Einzelheiten der

gende interessanten Einzelheiten mitzutheilen: Katastrophe, die gerade hier so vernichtend aufgetreten ist und

In dem Hause des Stellenbesitzers Heinrich in Giersdorf bemerkte, man I"

rung aus.

Bei Schiers Hotel bestieg der Kaiser wieder die Equipage. Auch hier war dem Kaiser eine kleine Ueberraschung zuge­dacht worden. Während der Zeit nämlich, als der Kaiser hinauf zumWaldhause" schritt, war ein alter, schlichter Mann mit einem Packet an den Kaiserlichen Wagen heran­gekommen. Als der Gespannsührer fragte, was der Mann darin habe, sagte dieser nur:Es ist für den Herrn Kaiser!" Als man das Packet öffnete, sah man darin eine ziemlich große Rübezahlfigur, welche nun auf den Rücksitz des Wagens gestellt wurde. Als der Kaiser den Wagen wieder besteigen wollte, sah er die Figur sofort und schien die gutgemeinte Gabe freundlich aufzunehmen.

In Zillenhal trafen die Wagen eine Viertelstunde eher ein, als der Hofzug angelangt war. Die kleinen Prinzen Reuß, die Söhne des Prinzen Heinrich XXVIII. Reuß (Stonsdorf) konnten hier den Kaiser begrüßen. Dieselben fuhren auch bis Hirschberg mit und nahmen auch im Kaiser­lichen Salonwagen am Frühstück theil.

dürfe sich angesichts der mächtigen

Tagesschau.

Von der Morine. Laut telegraphischer Meldung an

das Oberkommando der Marine ist S. M. S.Kaiserin

besah der Kaiser nicht nur alle Wohnräume und den Brunnen, Steinkoloffe, die dort angewälzt seien, nicht wundern,i Augusta", Kommandant Kapitän zur See Koellner, am 9. sondern er ließ auch die aus Schüchternheit weggetretene daß das so festeWaldhaus" in seinem hinteren Theile; November in Smyrna angekommen und beabsichtigt,' am 20. Frau rufen und sich längere Zeit von derselben allerlei aus ein gestürzt sei. ^"- r.~..^"-' °"-----" *

ihren Hochwassernöthen erzählen, wie sie ihre erste Kuh in jene Stube gebracht und wie das Thier, da sie die zweite aus dem Stalle holen wollten, bereits sammt dem Kleider­

Herr Hennig zeigte nun eine kleine November nach Saloniki in See zu gehen.

Zusammenstellung von Ansichten des Waldhauses vor Stichwahl. Die Reichstagsstichwahl in der Westpriegnitz und nich der Katastrophe. Der Kaiser besichtigte diese Zu- hat ergeben, daß der Kandidat der freisinnigen Volkspartei sammenstellung genau und ging dann, geführt vom Prinzen mit Hilfe der Antisemiten und Sozialdemokraten über seinen

schranke ihnen im tiefen Wasser entgegengekommen. sei. Reuß und dem Besitzer des Waidhauses, durch die anderen konservativen Gegenkandidaten den Sieg davontrug.

Weiterhin besichtigte der Kaiser hauptsächlich noch die Fluß- Räume. Der Anblick und die Schilderung der Einzelheiten! Kartell. In seiner gestern in Dresden abgehaltenen bettverwüstungen von drei Stellen aus, bei dem Wege nach machte einen tiefen Eindruck aus den Monarchen. Als er Sitzung beschloß der Gesammtvorstand der nationalliberalen

Weiterhin besichtigte der Kaiser hauptsächlich noch die Fluß-

Feuilleton.

Die Martinsgans.

(Vox Dr. O. Ankel.

(Originalaufsatz für denHanauer Anzeiger')

Es ist eine durchaus anziehende Erscheinung, jener Martin von Tours, besten Todestag die Kirche am 11. November feiert. Von heidnischen Eltern um 315 zu Sabaria in Pannonien geboren, nach dem Willen feines Vaters ein Reitersmann im römischen He-re, erfuhr er frühe schon an seiner Seele die Kraft des Evangeliums. Einst, so geht die Sage, theilte Martin die Hälfie seines Mantels einem Bettler mit; in der Nacht darauf erschien ihm Christus, der Heiland selbst, mit eben jener Mantelhälfte angethan. Achtzehn Jahre alt, ward er getauft, hielt sich zunächst ein paar Jahre bei Hilarius von Poitiers auf und ging dann nach Pannonien, in sein Heimathland. Dort hat er seine Mutter bekehrt, auch manch andern Soltil gen offen für das Kreuz gewonnen. Aber die Arianer duldeten ihn, den Jünger Attzanasii, nicht lange, und er zog nach Mailand. Auch von da vertrieben, lebte er einige Zeit als Einsiedler auf der Insel Gallinaria bei Genua. Als dann Hilarius aus der Verbannung nach Pietavium zurückkehrte, folgte ihm Martin und gründete in der Nachbarschaft ein Kloster, wo er, in der Stille wirkend, seine Erdentage zu beschließen dachte. Doch das Pallium winkte ihm. Mit List nach Tours gelockt, sah er sich ge­nöthigt, auf den Bischofsstuhl zu steigen. Nicht gelehrt, aber des Gottes roll, von glänzender Beredsamkeit, ein Wunder- thäler und Freund der Armen, war er eine Leuchte des Christenglaubens, dem er Jünger um Jünger gewann. Um 400 ist er in dem Kloster Marmoutiers gestorben. Zweitausend Mönche trugen ihn zu Grabe. Die Kirche hat ihn heilig gesprochen.

Wie kommt der Heilige in die Gesellschaft der G a n S? ')

Recht plump erscheint die Sage, Martin habe, um der Bischofswürde zu entgehen, sich in einem Gânsestall verborgen; dvch das Geschnatter der durch den Anblick des frommen ManneS erschrockenen Thiere, die freilich dann zur Strafe gebraten wurden, habe ihn verrathen. Sinniger, weil den bischöflichen Beruf versinnbildlichend, ist die Darstellung Martins als Hirten unter einer Herde sitzend.

Doch woher der Gänse sch maus an seinem Todestag?

Uralte germanische Sitten und Gebräuche haben sich in vicht geringer Zahl bis heut erhalten, unverständlich oft, ja widersinnig dem jetzigen Geschlecht. So auch die Martins- g a n r.') Fast überall im deutschen Vaterland, besonders im Nor­den, da wo der Friesen zäh Geschlecht treu am Vergangnen hâugt, herrscht seit Alters die Sitte, zu Martini froh Gelage abzn- halten. Mit einem Tage war man ehedem meistens nicht zufrieden; die ganze Martinswochr^) ging darauf, Schlamp­woche sehr mit Recht genannt. Es bildeten sich förmliche Gesellschaften, die Martinsbrüder, zechsrohe Gesellen, die Martin zu Ehren wacker die Gurgel netzten. Dabei ging es nicht immer säuberlich her. Am 13. November 1557 brannte zu Augsburg ein Haus ab;solches hatten die Knappen, die da schwermeten und Martinsnacht hielten, verwahrlost." Von den Franken schreibt Sebastian Frank (f 1545) in seinem Weltbuch:Sant Martins und Sant NiclaS Fest

) Die Gans ist ein altes Kulturthier. Den Aegyptern war sie wohlbekannt, als auck den Griechen, als Opferthier der Armen, und Römern, als Leckerbiffen (bei ihnen bildeten die Fartores, die Gänse­stopfer, eine besondere Zunft). Von den Mittelmeerländern kam sie nach dem Norden, wo Karl der Große und andere Kaiser sich um die Verbreitung der Gänsezucht verdient machten; ganz besonders teer Gänsebraten in den Klöstern beliebt.

') Urkundlich zuerst erwähnt 1171, doch wird schon auf den alten Nunenkalendern der Martinstag durch eine Gans bezeichnet.

8) Am 4. November beginnend.

celebriert diß volk wunder ehrlich, doch unterschidlich, Sant Martin im Hauß ob tisch, Sant Niclas in der Kirchen. Erstlich loben sie S. Martin mit guotem Wein, gänsen, biß sie voll werden, unselig ist daS Hauß, das nit auf diese nacht ein ganß zuessen hat; da zäpfen st ne neuwe wein an, die sie bißher behalten haben, da gibt man zuo Würtzburg und anderßwa auf disen Tag den armen ein guote notturft. Zwei eberschwein schleußt man in ein zirkel oder ring auf disin Tag zuosamen, die einander zerreißen, das fleisch teilet man auß unters volk, das best schickt man der oberkeit." Jod. Lorichius sagt 1593;An etlichen Feyrabenden zunacht alS St. Gallen, St. Martin, d. H. Dreykönig vnd ander«, freydige Gastungen anstellen, ist ein ärgerlicher Myßbrauch, dieweil die bereitung zum morndigen Gottesdienst dardurch verhindert wirbt." Noch im 17. Jahrhundert war der Mar­tinstag in Tirol ein rechter Schmaustag. Ein Weisthum bestimmte:Es soll auch niemant kam wein ausschenken ausgenommen in den freien markten oder an sant Martins­tag." Auch in den Niederlanden, in Frankreich, Dänemark, Schweden und Norwegen war und ist zum Theil der Brauch im Schwang.

Doch warum wurde gerade Martin der Schutzheilige der Schlemmer?

Als die Sendboten des Christenthums durch die deutschen Gaue zogen, waren sie emsig bemüht, den Wodanâkultus auszutilgen. Nicht ohne Widerspruch. Tief wurzelte der OdinSglaube in den Herzen unsrer Ahnen. Ganz erloschen ist er nie; in Sagen, Märchen und Gebräuchen lebt er fort. Früh wurde von der Kirche der oberste Germanengott mit christlichen Heiligen klüglich in Verbindung gebracht: St. Martin, St. Georg, St. Michael traten an feine Stelle. Gerade auf Marti« gingen manche Züge Wodans über. Beritten war der Heilige wie dieser; auch Schwert und Mantel fehlten Martin nicht, sowie Barmherzigkeit und Milde