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Amtliches Organ für Staöi- unö LanöKreis Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage
Nr. 263.
Dienstag den 9. November
1897.
I
MW^MS-UZ-
„Amtliche Beilage" Nr. 78.
Amtliches.
SlâHl^ers ^artaxt.
GrksKutmachungeu des OberLürgermeisteramtes.
Bekanntmachung.
Interessenten zur Nachricht, daß die Entschädigungen für die während der diesjährigen Herbstübungen im Stadtkreise Hanau entstandenen Flurschäden auf die hiesige Kreiskasse zur Zahlung angewiesen sind und gegen Quittung alsbald abgehoben werden können.
Hanau am 4. November 1897.
Der Oberbürgermeister
15929 Dr. Gebeschus.
Dicnstnachrichten aus dem Kreise.
Gefunden: Ein Portemonnaie mit etwas Geld. Ein gelbes Taschentuch. Am 7. dS. Mts. auf dem hiesigen Meßplatz ein brauner Spazierstock mit Rehgeweih.
Verloren: Am 2. ds. Mts. 3 graue Mahnen mit 1 Wberzieher und etlichen Tüchern nebst 1 Gescheit mit 0. 8. gez? Am 5. ds. Mts. ein dreieckiges schwarzes Damen- Spitzentuch.
Hanau am 9. November 1897.
Die Betriebs- und Verkehrsstockungen auf der vormaligen Hessischen Ludwigsbahn.
Der „Rrichsanzeiger" schreibt: Die mit der Herbstkampagne auf den Linien der vormaligen Hessischen Ludwigsbahn eingetretenen Betriebs- und Verkehrsstockungen sind auf die unzureichenden Einrichtungen des Unternehmens, wie sie die Staatsverwaltung im Frühjahr d. I. überkommen hat, zurückzuführen. Alle Betheiligtrn warm sich der hierdurch für die nächste Zukunft geschaffenen mißlichen Lage wohl bewußt; insbesondere sahen die beiden Regierungen in Erkenntniß dieser Verhältnisse einen größeren RetablissementSfondS zur ersten Instandsetzung des der Ergänzung brirgenb bedürfenden Unternehmens sogleich bei der Uebernahme der Bahn vor. Das Anwachsen des Verkehrs von Mitte September ab war auch ein so gewaltiges, daß sehr bald schon daS Unzureichende der vorhandenen baulichen und betrieblichen Anlagen scharf hervortrat.
Das Fehlen auskömmlicher, von den Ladebahnhöfen getrennter Rangilbahnhöfe an allen Hauptsätzen des Bezirks, in Bingen, Mainz, Worms, Darmstadt, und die volle Unzu
Im Monat September mehr in
1896 1897 1897 Proz.
auf der Strecke
Mainz-
Aschaffenburg 2 407 342 2 636 315 228 973 9,51
auf der Strecke
Frankfurt—
Mannheim 1123 334 1 365 223 241889 21,53 Vom 1. bis 20. Oktober einschl.
also mehr mehr
1896: 1897: 1897 in Proz.:
auf der Strecke Mainz
—Worms Gr.. . 956 494 1231109 274 615 28,71 auf der Strecke Mainz
—Bingen .... 647 816 874144 226 328 34,94 auf der Str ecke Mainz
-Aschaffenburg .1654 314 2 086 352 432 038 26,12 auf der Strecke Mainz
—Frankfurt . . . 501 542 563 222 61680 12,30 auf der StreckeFrank-
surt- Mannheim. 847 200 1095 320 248 120 29,29
Es wurden somit auf den angegebenen Strecken im September 1897 919 285 Achskilometer — 15,76 Proz. und vom 1. bis
20. Oktober 1897 1 242 789 „ = 26,97 „
mehr gefahren wie in der gleichen Zeit des Vorjahres, Zahlen, welche am sichersten das gewaltige Anwachsen des Verkehrs erkennen lassen.
Auf der am schwersten belasteten Tunnelstrecke zwischen Mainz-Neuthor und Mainz-Hauptbahnhof, auf welcher 132 Personen- und Güterzüge in beiden Richtungen zusammen ohne die Extrazüge täglich verkehren, passtrten im September 1897^gegen September 1896 28°/o an Achskilometern mehr, ein Zuwachs, brr sich in der Zeit vom 1. bis 20. Oktober auf rund 45*/o erhöhte.
Der Bedarf an Güterwagen (offenen und bedeckten) im Direktionsbezirke Mainz, soweit Strecken der ehemaligen Hessischen Ludwigsbahn in Betracht kommen, betrug: für die Zeit vom 1. September bis 15. Oktober 1896: 54 663, w M * w 1- „ w 15. „ 1897: 73 431.
Mithin war der Gesammtbedarf im laufend n Jahr gegen den des Vorjahrs um 18 768 = 34 Proz. ff f r.
Die aus vorstehenden Zusammenstellungen vorgehende starke Verkehrssteigerung ist nicht durch Verkehrsumleitungen hervorgerufen, welche, wie mehrfach in der Presfe behauptet wird — aus Anlaß der Verstaatlichung der Hessischen Ludwigsbahn zu Gunsten der Linien dieser Bahn und zum Nachtheil der Nachbar bahnen bereits eingetreten seien. Selbst Verkehre, die nach der Angliederung des Netzes der Hessischen Ludwigs-Eisenbahn an die preußischen Staatseisenbahnen
länglichkeit bei Rangirbahnhofs Bischofsheim erwies sich hierbei als der wesenlUchste Uebel ft anb. Nicht minder störend war der Mangel an UeberholungSgleisen für Güterzüge oder die unzureichende Länge derselben auf allen Hauptstrecken, ferner die Knappheit der Güterschuppen und Ladegleise. Endlich trat zur Evidenz hervor, daß die Strecke Bischofsheim— Mainz CentralbahvHof, auf welcher ab Bischofsheim 3 Havpt- Zugrichtungen Frankfurt, Aschaffenburg, Mannheim und ab Mainz Neuthor 4 Zugrichtungen — die vorhergehenden und; Worms — abgefertigt mrven, durch den Mehrverkehr mit Zügen überlastet war.
Die in der Presse geltend gemachten und an die zuständigen Instanzen gerichteten Beschwerden bet Juteressenten über verzögerte Zustellung und Beförderung der Güter schildern im wesentlichen ^en thatsächlichen Zustand in zu« reffender Weise. Zu vermeiden war es nicht, daß diese schweren Störungen bei Güterverkehrs in empfindlichster Weise auf die Regelmäßigkeit des Personenverkehrs einwirkten. Da der GüterzugS-Fshrplan nicht einzuhalten war, die in den Bahnhöfen fertig gestellten Güterzüge aber zur Vermeidung gänzlicher Verstopfung abgclaffen werden mußten, da überdies bei der mangelhaften Anlage fast sämmtlicher Bahnhöfe ein Rangiren in ^n Hauptz leisen nicht zu vermeiden war, wurden die Personenzüge vor den Stationen festgehalten.
Daß eine ganz abnorme Verkehrssteigerung vorlag und1 noch anhâlt, weit stärker, als sie in den letzten Jahren bei Prwatunternehmens jemals bemerkt worden, ergibt sich aus folgenden, für die- H a u p t st r e ck e n des Bezirks ermittelten Zahlen.
In der Zeit vom 1. September bis 15. Oktober sind befördert:
Güterzüge täglich 1896: 1897:1
auf der Strecke Mainz—WormS.....10 13
„ „ „ Mainz—Bischofsh-im—Frankfurt 8 11
„ „ „ Mainz—Bingen ..... 11 14
„ „ „ Mainz—Bischofsheim—Aschaffen
burg .........11 17
Sa. . . 40 55
Außerdem wurden neu eingelegt zwischen Bingerbrück und Mannheim zwei und zwischen Bingerbrück und Bischofsheim drei Güterzüge.
An Wagenachskilometern in Güterzügen wurden zurückgelegt :
Im Monat September mehr in 1896 1897 1897 Proz.
auf der Strecke
Mainz-Worms 1200 518 1431592 231074 19,25 auf der Strecke
Mainz-Bingen 1 099 659 1317 008 217 349 19,76
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Feuilletsir.
Stadttheater in Hanau.
Hanau, 9. Novbr.
Unter unseren modernen Bühnendichtern ragen besonders einige weit über die übrigen hinaus, weil ihre Werke nicht nur für den augenblicklichen Saisonbedarf der Bühnen berechnet sind, sondern ein weit höheres, künstlerisches Interesse verdienen Im Mittelpunkte unseres litterarischen Lebens stehend, beherrschen sie durch ihr geistiges Schaffen die deutsche Schaubühne und drücken der Zeit den Stempel ihres Geistes auf. Sudermann und Fulda werden zu diesen Größen gerechnet, aber unsere heimathliche Bühne hat uns doch nur zum Theil mit den Werken dieser Männer bekannt gemacht. Sudermann kennen wir allerdings nahezu in allen seinen Stücken, er erfreut sich der besonderen Sorgfalt unserer Bühnenleitung, die auch für diese Spielzeit eine Gesammtaufführung seiner Bühnenwerke planen soll. Ludwig Fulda war in den letzten Jahren aus dem Spielplan unseres Theaters verschwunden. Wir hatten wiederholt auf diesen Mangel hingewiesen und die vorgestrige Aufführung brachte uns denn die Genugthuung, diesen geistvollen Dichter in einem seiner neueren Werke bewundern zu könne». Gleich dem .Talisman»' ist auch „Der S«hn des Kalifen" eines jener leichten lieblichen Versgebäude, die unS in das Wunderland der orientalischen Märchenwelt führen und deren ernster sinnvoller Grundgedanke im prächtig gewebten, heiteren Reimgewande verschleiert liegt. Das Stück sand eine überaus freundliche Aufnahme. Fulda offenbart sich auch darin als ein feinfühliger Dichter, der sowohl für die Schönheit der Sprache, als auch für den gefälligen Aufbau der Handlung und geschickte Szenenführung das rechte Verständniß beweist. Dazu kommt in dem Ganzen ein recht liebenswürdiger Humor zum Ausdruck, der manchmal etwas derb, aber nie die gezogenen Grenzen verläßt und dem Zuschauer zu herzlicher Heiterkeit Veranlassung gibt.
Die Darstellung und Jnszenirung machten dem Regietalent des Herrn Direktor O ppm ar alle Ehre, alles klappte auf das Beste und die Gruppen waren echt malerisch arrangirt. Eine ganze hervorragende Leistung war der „Derwisch" des Herrn O ppm ar, seine virtuose Darstellungskunst feierte in ber Ausführung der nicht sehr umfangreichen Rolle einen wohlverdienten Sieg. Die Parthie des »Prinzen Assad" gab auch Gelegenheit, das ganze Können unseres neugewonnenen jugendlichen Helden Herrn Dhsin g beurtheilen zu
können. Augenscheinlich ist der junge Darsteller noch zu sehr Anfänger, um von einer fertigen Leistung reden zu können, aber er offenbarte in der Ausführung dieser der schwierigen Rolle ein ganz hervorragendes Talent, das zu den schönsten Hoffnungen für die Zukunft berechtigt. Noch gab er manches in seiner Rolle zu äußerlich, was eine wärmere Tongebung und größere Vertiefung in den Geist der Dichtung verlangt hätte, aber an anderen Stellen wußte er uns auch so zu interissiren und zu fesseln, daß wir ihm gerne einen großen Theil an dem Erfolg des Stückes zugestehen. Auch Frl. Köller hat uns mit der Wiedergabe der „Morgieme" überrascht. Auch sie zeigte in der seelischen Ausgestaltung dieser Parthie ein sehr beachtenswerthes Talent, das allerdings die Schönheit dieser Rolle noch nicht ganz zur richtigen Gestaltung bringen konnte, aber immerhin recht anerkennenswerlhes bot. Eine natürliche Anmuth der Darstellung können wir ihr nachrühmen, wenn sie auch im Ausdruck der Leidenschaft nicht alles leisten konnte, was diese Parthie verlangt. Herr Linzen als „Vezier" und Frl. Lrandow als „Selmira" boten gut durchdachte und sorglich ausgeführte Leistungen. Von entzückender Munterkeit war Frl.'Krause als . Amine"; diese äußerst dankbare Rolle wurde durch genannte Dame zu einer Wirkung gebracht, wie sie besser kaum zu denken ist. Ihr „Partner' Herr Steingötter führte seine Parthie ebenfalls mit dem nöthigen Humor durch, so daß auch die humorvollen Szenen des Stückes zu gebührender Wirkung kamen. Herr Hille als .Mohamed" und Herr Tyrkowski als „Kairam", sowie die übrigen Darsteller befriedigten durch gute Wiedergabe der übertragenen Parthieen. Das Publikum begleitete die Aufführung mit lehhaftem Beifall und der Vorhang mußte sich am Schluffe jeden Aktes vielmal heben, ein Zeichen, daß man Gefallen an diesem Märchenspiel gefunden hatte.
Zweites Abonnementskonzert der sog. Uobetkonzerte.
Hana«, 9. Novbr.
Das zweite der in dieser Saison hier geplanten sechs sog. Nobelkonzerte, das gestern Abend in den Sälen der „Centralhalle" vor ziemlich zahlreicher Zuhörerschaft stattfand, reichte in der Gediegenheit uud Vollkommenheit seiner Darbietungen bei weitem nicht an das erste Konzert heran; es
trug in seinem Verlauf theilweise sogar recht star' die Signatur eines Dilettantenkonzertes, indem die mitwirkenden Kräfte noch nicht die erforderliche Reife für den öffentlichen Konzertsaal erlangt haben. Dies gilt mehr ober weniger von den beiden Jnstrumentalsolisten, dem „Violinvirtuosen" Herrn Ferdinand Kaufmann und dem Cellisten Herrn Max Trauner. Wir erkennen gern an, daß Herr Kaufmann bereits eine ziemliche Fertigkeit auf seinem Instrument erreicht hat, jedoch ist seine Virtuosität und Souverenität auf der Geige noch nicht bis zu dem Punkte gelangt, daß die Verzierungen und das Passagenwerk, wie es die von ihm gespielte „Fantasie caprice" von Vieuxtemps mit sich bringt, überall mit der nöthigen Durchsichtigkeit und Klarheit zur Ausführung kommen. Und auch hinsichtlich der Vertiefung der musikalischen Auffassung, der Beseelung und Wärme des Tones wurde er nur recht mäßigen Ansprüchen gerecht. Nichtsdestoweniger zeugte sein Spiel von Talent und künstlerischer Begabung und wird in Verbindung mit ernstem Streben, zumal bei der Jugendlichkeit des Ausführenden, sicher noch recht schöne Erfolge zeitigen. Außer der bereits genannten „Fantasie caprice" von Vieuxtemps spielte Herr Kaufmann noch „Knospensprossen" von Hubay, „Polonaise" von Bernhard, „Albumblatt" von Berglund „Mazurka" von Wieniawsky, wovon uns die Polonaise am besten gefiel. Ein nicht so günstiges Prognostikon wie Herrn Kaufmann glauben wir dem Cellisten Herrn Max Trauner stellen zu können. Der einzige Vorzug seines Spiels besteht in der Reinheit der Tongebung, im übrigen verräth sein Spiel wenig musikalische Intelligenz und Gestaltungsgabe ; ohne den Ton im geringsten anschwellen und abnehmen zu lassen, wozu der getragene Charakter seiner Vortragsstücke geradezu herausforderte, verlief sein Spiel vollkommen saft- und kraftlos und vermochte nicht für sich zu erwärmen. Seine Vortragsstück: waren: „Adagio" von Goltermann, „Elegie" von D. v. Goens und „Minuetto" von