UtmmementS- Preis:
Jährlich 9 *.
KMjährl. 4 Jt 50 & Vierteljährlich 2 «* 25 ^.
Für auswärtige Mennenten mit dem betreffenden Postaufschlag.
Die einzelne Nummer kostet 10 ^.
(rinrückungs- gebühr
für Stadt- und Land« kreis Hanau 10 ^ di« 4gespaltene Garmondzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 ^.
Im Reklamentheil die Zeile 20 ^, für
Auswärts 30 ^.
Amtliches (Argan für StaSt- unö LanöKreis Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage
Nr. 262.
Montag den 8. November
1897.
Amtliches.
LcrrröUvsis ^anau.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
Die Herren Ortsvorstânde setze ich davon in Kenntniß, daß ich die KreiSbehörden der benachbarten Königlich Bayerischen und Großherzoglich Hessischen Kreise ersucht habe, die unterstellten Bürgermeistereien der Grenzorte anzuweisen, beim Ausbruch von Vühseuckm in ihren Gemeinden unverzüglich und auf kürzestem Wege den benachbarten diesseitigen Gemeinden Mittheilung zugehen zu lassen. Es ist dies geschehen, damit die Herren Ortsvorstände in der Lage sind, den Ausbruch der Seuche möglichst bald in ihren Gemeinden aus ortsübliche Weise bekannt zu geben. Selbstverständlich haben umgekehrt die Herren Ortsoorstânde der diesseitigen Grenzgemeinden — wie dies auch für den Regierungsbezirk Cassel bereits vor einigen Jahren höheren Orts vorgeschritten ist — die Verpflichtung, bei SeuchenauSbrüchen sofort nach Feststellung der Seuche den benachbarten Königlich Bayerischen und Großherzoglich Hessischen Gemeinden Nachricht zu geben.
Hanau den 5. November 1897.
Der Königliche Landrath
J. V.:
V 11442. Schneider, Kreissekretär.
Diejenigen Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher, welche mit Erledigung meiner Bekanntmachung vom 19. v. Mts. betreffend Wandergewerbescheine für 1898 (abgedruckt in Nr. 74 der Amtlichen Beilage) noch rückständig sind, werden ersucht, die in dieser Bekanntmachung erforderte Nachweisung bezw. Fehlanzeige bis spätestens zum 10. d Mts. bei Meldung kostenpflichtiger Abholung mir einzureichen.
Hanau am 6. November 1897.
Der Königliche Landrath
v. Schenck.
Dicnstnnchrichten aus dem Kreise.
Verloren: Ein sog. Krümmerstauchen.
Abhanden gekommen: Am 7. d. Mts. auf dem hiesigen Meßplatz ein Spazierstock mit Horngriff.
Gefunden: Zwei Knabenmützen (auf der Messe) ; eine Vorlage (Teppich); ein weißer baumwollener Herrenhandschuh (rechter).
Zugelaufen: Ein weißer Foxterrier mit gelben Abzeichen w. Geschl.; ein zahmes Eichhörnchen.
Kreta.
Die Friedknsverhandlungen in Konstantinopel zwischen den türkischen und griechischen Kommissaren rücken nur langsam vom Fleck, aber sie kommen doch immerhin von der Stelle. Der Streit dreht sich um mehr oder weniger schwierige Einzelfragen, mit denen wir uns umsoweniger beschäftigen wollen, als an ihrer endlichen Schlichtung kein Zweifel besteht. Die Grundlage ist in dem Präliminarvertrage klar genug gegeben, und können sich die Kommissare über diesen oder jenen Punkt für den endgiltigen Friedensvertrag nicht einigen, so wird die Sache durch Schiedsspruch ver Vertreter der Großmächte entschieden.
Schlimm stehen noch immer die Aussichten für die endliche Beseitigung der Wirrsale auf der Insel Kreta. Die ganze Frivolität, mit der sich Griechenland in den Krieg mit der Türkei gestürzt hat, erkennt man nachträglich noch daran, daß der Ruf: „Vereinigung mit Griechenland" bei den Kretern ganz verschollen ist. Die Aufständischen machen kein Hehl mehr daraus, daß sie den Anschluß an Griechenland nicht wollen, sondern mit einer nach ihren Wünschen eingerichteten Autonomie vollauf zufrieden wären. Das nationale, groß- griechische Element ist immer mehr zurückgetreten hinter dem Bestreben, die türkischen Muhamedaner von der Insel zu entfernen und sich an ihren Liegenschaften zu bereichern. Während die Besatzungen der europäischen Großmächte an den Küstenpunkten zur Untätigkeit verdammt sind, setzen sich außerhalb ihres kleinen Machtbereichs die Brandstiftungen und Metzeleien fort. Natürlich vergelten die Muhamedaner die Grausamkeiten der Christen aus gleiche Weise, wo sie dazu an der Lage sind.
Einen Schritt scheint man nun wenigstens weiter gekommen zu sein, indem sich die Großmächte darüber geeinigt haben, den Obersten Schäffer als provisorischen Gouverneur mit Zustimmung der Pforte einzusetzen. Schäffer ist Luxemburger von Geburt, also aus einem neutralen Staate, kennt den Orient, war namentlich bei der englischen Okkupation Egyptens mit thätig und ist mit einer Armenierin v'.rheirathet.
Die Behauptung, daß -Deutschland dieser Kandidatur entgegentrete, trifft nicht zu; da wir keine Sonderinteressen in Kreta verfolgen und Schäffer die nothwendigen Eigenschaften, militärische Erfahrung, Kenntniß des Orients, bewährte Thatkraft zu haben scheint, so mußte sich die deutsche Regierung dem Vorschläge der anderen Mächte an schließen. Dagegen setzt der Sultan dieser Kandidatur noch Widerstand entgegen, der sich auf die armenische Frau des Obersten und auf dessen früher England geleisteten Dienste stützt. Es bleibt abzuwarten, ob der Sultan mit Rücksicht darauf, daß Schäffer nur proonorisch bestellt und die Ernennung eines Gouverneurs bis nach eingetreüner Beruhigung der Insel vorbehalten werden soll, seinen Widerspruch aufgeben wird.
Tagesschau.
Bon der Morine. Laut telegraphischer Meldungen an daS Ober Kommando der Marine ist S. M. S. „Charlotte", Kommandant Kapitän zur See Thiele (August), am 5. November in St. Vincent angekommen und beabsichtigt, am 10. Nov-mber nach St. Thomas in See zu gehen; der Dampfer „Kaiser" der Deutschen Ost-Afrika-Linie ist mit den abgelösten Besatzungen S. M. S. „Habicht", Hulk „Cyclop" und Peilboot „Kamerun", Transportführer Koroetten-Kapitän Gercke (Eduard), am 5. November in Las Palmas eingetroffen und hat am 6. November die Heimreise fortgesetzt.
3« den Reichstogswohlen. Zu einem vom Vorstände des nationalliberalen LandeSverein für das Königreich Sachsen erlassenen Aufruf, in dem für »ie Reichstogswahlen die Sammlung der nationalen Kräfte empfohlen wird, be merken die „Hamb. Nachr." : „Wir b zweifeln nicht, daß dies gelingen kann, wenn die Sache richtig angefaßt wird. DaS Rezept ist sehr einfach: die vorhandenen Parteien müssen unter vorläufiger Zurückstellung aller trennenden Momente die staatserhallenden und produktiven Stände gegen die Sozialdemokratie zu einem festen Verbände bei den Wahlen zu ver einigen suchen. Ob ein Kandidat nationalliberal oder konservativ ist, darf erst in zweiter Linie in Betracht kommen; den Ausschlag hat zu geben, ob er gewillt ist, der Regierung die Mittel zur Bekämpfung des Umsturzes und zur Beförderung der nationalen Produktton euf allen Gebieten zu gewähren. Ein Reichstag, der nach diesen Grundsätzen gewählt ist, wird in allen politischen un» nationalen Fragen erst recht nicht versagen."
Die Geldspenden für die Ueberschwemmte», die in letzter Zeit leider recht spärlich flossen, h.ben bei der Hauptstiftungskasse die Summe von drei Millionen Mark nahezu erreicht, d. h. einschließlich der Million, welche die städtischen Körperschaften aus dem Gemeindesäckel Berlins bewilligt haben. Von der Millionenspende ist jetzt auch der Restbetrag an die Zentral-Sammelstelle abgeführt worden. Am Samstag gingen von den in letzter Sitzung des geschäftsführenden Ausschusses bewilligten Unterstützungsgeldern die letzten 694473 M. an die Reichsbank ab, welche sich erboten hat, die Sendungen durch ihre Filialen den Nothdistrikten kostenfrei überweisen zu lassen. Vom Gesammt-Cingang sind nunmehr zusammen 1724426 M. vertheilt worden, sodaß noch etwa 724000 M. zur Verfügung stehen. Die Hauptstiftungskasse ist inzwischen daran gegangen, einen statistischen Nachweis des gesammten Wohlthätigkeitswerkes auszuarbeiten; aus derselben soll insbesondere hervorgehen, in welcher Weise sich die eingegangenen Beträge auf die einzelnen Provinzen und Hauptstädte vertheilen. Da sich die Gelder aus den Ergebnissen der zahlreichen Sammelstellen, die über ganz Deutschland vertheilt sind.. zusammensetzen, so kann das Resultat dieser Statistik natürlich nur einen ungefähren Anhalt geben.
Den Eierhandel betreffend. Der Kluo teutscher Geflügelzüchter, Sitz Berlin, hat sich an das Königlich Preußische Ministerium dss Innen mit einem Gesuch wegen' der schärferen Beaufsichtigung deS Eierhandels gewendet. Nachdem in der betreffenden Eingabe die Bemühungen der deutschen Geflügelzüchter dargelegt sind, viele Millionen dem Vaterlande zu erhallen, welche sonst für Geflüzelprodukte an das Ausland verloren gehen, und nachdem fernerhin der Bestrebungen der Behörden und Vereine Erwähnung gethan, um die landwirtschaftlichen Kreise zu unterstützen, heißt es weiter: Den Beweis für die Nutzlosigkeit der Bestrebungen der Behörden und Vereine liefern die von Jahr zu Jahr steigenden Zahlen der für Geflügelprodukte an das Ausland gezahlten Millionen, weil durch die ausländische Konkurrenz im Eierhandel die Geflügelzucht bei unS in Deutschland immer mehr zurückgedrängt wird. Diese Zurückdrängung der deutschen Geflügelzucht vom Markte beruht nun außer anderen Gründen in erster Linie mit darauf, daß 1. die ausländischen Eier im Preise billiger sind, 2. daß die ausländischen Eier,
welche durch die lange Transportzeit sehr leiden, von unreellen Eierhändlern unter wissentlich falscher Bezeichnung zum Verkauf gebracht werden. Es wird nun verlangt, daß »er Eierverkauf nach Gewicht stattfindet, weil die ausländischen Eier kleiner sind und weniger wiegen als die inländischen, ferner wird bemängelt, daß unter der Bezeichnung „frische Landeier" vielfach ausländische Eier verkauft werden, welche nach dem langen Transport nicht mehr frisch sind und daher gesundheitlich auch ihren Zweck nicht erfüllen können. DaS Ministerium wird daher ersucht, die Polizeibehörden zu folgenden Bestimmungen zu veranlassen: 1. Jeder Verkäufer, welcher Eier öffentlich zum Verkauf ausstellt, hat an dem Behälter der Eier die Bezeichnung zu führen, ob „Ausländische Eier" oder „Inländische Eier" sich darin befinden. 2. Als „Trink-Eier" dürfen nur solche Eier öffentlich bezeichnet und in den Handel gebracht werden, wenn durch Aufdrücken eines Stempels a) der Geflügelzüchter b) das Legedatum des Eies ersichtlich ist.
Fremde Arbeiter in Deutschland In den letzten Jvhren ist es wiederholt vorgekommen, daß ausländische Arbeiter, die zu den Erntearbeiten nach Deutschland gekommen sind, nach Beendigung dieser Arbeiten in Deutschland bleiben und fich dann mit der Zeit die Naturalisation erschleichen. Ganz besonders geschieht das in der Weise, daß die Leute durch Agenten nach dem Westen Deutschlands verschleppt werden, namentlich in die Bochumer Gegend, wo sie m«t den deutschen Polen zusammenleben und schließlich selbst für Deutschpolen gehalten werden. Irgend welchen nennenswerten Vortheil haben wir von diesen Leuten nicht, da sie auch als Ar- b eiter unnderwerthig sind, wohl aber großen Nachtheil. Denn sie sind es, die, entweder sich direkt in Posen fcstsetzend oder aus bhi westlichen Gegenden nach Posen zurückwandernd, die Lücken füllen, die die Auswanderung der reichsdeutschen Polen im Osten gelassen hat. Die nichtdeutschen Polen sind die Reserve des deutschen Polentbums, die immer wieder einrückt und die freigewordenen Stellen mit einer nationalpolnischen Bevö-kerung ausfüllt, die auf einer niedrigen Kulturstufe steht und sich stetS ohne weiteres der polnischen Propaganda an- schließt. Um dem vorzubeugen, hat der preußische Minister deS Innern, Frhr. v. d. Recke, eine Verfügung erlassen, die in nationalen Kreisen mit Genugthuung ausgenommen werden wird. In Zukunft soll nämlich die Zulassung von russischen und galizischen Arbeitern von den Ortsbehörden nur für land- wirthschaftliche Betriebe gestattet werden und müssen diese Arbeiter regelmäßig zum 15. November in ihre Heimath zurückkehren, widrigenfalls mit sofortiger Ausweisung gegen sie vorgegangen wird. Auch während der zugelassenen Beschäftigungszeit im Jnlande sollen die ausländischen Arbeiter ohne weiteres ausgewiesen werden, wenn sie sich durch den Anschluß an inländisch-polnische, von der deutschen Umgebung abgeschlossene Arbeiter gruppen lästig machen.
WitterrLngsberichL.
Voraussichtliche Witterung: Zunächst noch Fortdauer des herrschenden Witterungscharakters.
Politische und unpolitische Nachrichten
(Deveschea-Burea« Herold.")
Berlin, 7. Noobr. Auf die Entsendung des „Gefion" nach Haiiti ist, wie die „Berl. N. N." erfahren, bis jetzt keineswegs verzichtet. Die Reparatur-Arbeiten dürften jedenfalls mit größter Beschleunigung betrieben werden.
Berlin, 7. Noobr. Auch offiziös wird bestätigt, daß der Reichstag für die letzten Tage des November einberufen werden wird und ihm bei ßinem Zusammentritt neben dem Etat auch noch die Marineoorlage und die Militärstrafpro- zeßordnung sofort vorgelegt werden wird.
Wien, 7. Novbr. Wie das „Vaterland" von Seiten eines Ressortministers erfährt, hält die Regierung ihre Stellung für sehr fest und denkt nicht daran, zu demissioniren.
Wien, 7. Novbr. Von unterrichteter Seite wird ver- sichert, daß Oesterreich-Ungarn eine Vermehrung der Landiruppen auf Kreta nicht vornehme und auch die in den dortigen Gewässern befindliche Flotte eher verringern als verstärken wird.
Palermo, 7. Novbr. Gestern Abend entstand im Theater Garibaldi eine große Panik dadurch, daß bei der Aufführung d-s Ballets „Brahma" ein auf Rädern rollender Kahn herabstürzte, durch welchen die Prima-Ballerina Visconti und der Mimiker Francioli schwer verletzt wurden. Der Maschinenmeister Roschi gab infolgedessen einen Revolver- schuß auf sich ab. Das Publikum verließ fluchtartig in großer Aufregung das Theater. Hierbei kamen mehrere Verwundungen vor.