Erstes Blatt.
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Amtliches (Argan für Htaöi- unö LanSKreis Hanau
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für Stadt- und Landkreis Hanau 10 ^ die 4gespaltene Garmond- zeile oder deren Raum,
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Nr. 261 Samstag den 6 November 1897.
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Amtliches.
St^öLA^âs ^anau.e ~ Bekanntmachung.
Aus Grund der allgemein ertheilten höheren Ermächtigung wird hierdurch für den zweiten Meßsonntag, den 14. November d. Js., eine vermehrte Beschäftigungszeit für alle Zweige des Handelsgewerbes in der Stadt Hanau, und zwar bis 7 Uhr abends, zugelassen.
Während des Gottesdienstes und zwar in der Zeit von 91/4 Uhr bis ll1^ Uhr vormittags und von 2 bis 3 Uhr nachmittags ist jedoch jede Art der Beschäftigung im Sinne des § 105b der Reichs-Gewerbeordnung ausgeschlossen.
In Betreff des Offenhaltens der Verkaufsbuden auf der hiesigen Herbstmesse bleiben die seitherigen Bestimmungen unberührt, nur ist den Verkäufern von Verzehrungsgegenständen (Konditorei- und Backwaaren, sowie Obst u. a. m.) an dem vorbenannten Sonntage in den für das Handelsgewerbe freigegebenen Stunden ebenfalls das Feilhalten gestattet.
Hanau den 2. November 1897.
Königliche Polizei-Direktion.
P. 11736 v. Schenck.
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^«xnö&reio ^anau.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
Unter der Gemeindeschafherde in Langenselbold ist die Rände ausgebrochen.
Hanau den 6. November 1897.
Der Königliche Landrath. ___________________v Schenck.
^taötRreiö ^anau. ^eèmNtmachungeu des Oberbürgermeisteramtes.
Der Hebetermin der Steuern und des Schulgeldes pro III. Vierteljahr 1897 98 findet vom 1. bis 15. November d. Js. statt — stehe Steuerzettel —, nach Ablauf dieses Termins wird mit Mahnung und Zwangsvollstreckung begonnen werden. -
Zwecks schnellerer Abfertigung bei Zahlungen wird ersucht, das Geld abgezählt zur Kaste zu bringen.
Hanau den 29. Oktober 1897.
Städtische Steuerkasse, Markt Nr. 16, 15389
Zimmer Nr. 5—6 zu ebener Erde.
Kleines Feuilleton.
Stadttheater in Hanau.
Hanau, 6. Novbr.
Es war gut für Herrn L'Arronge, daß unsere Direktion nach dem fragwürdigen Erfolg seines jüngsten BühnenwerkeS .Annas Traum" uns eines seiner älteren und weit besseren Stücke aufführte, das, in der Blütheseiner Schaffungsperiode erstanden, uns die Fähigkeiten und das künstlerische Verständniß des Dichters denn doch in einem ganz anderen Lichte zeigte. Wir schätzen in de» fünfaktigen Lustspiel Doktor Klaus" eines der gediegensten Theaterstücke, welche die deutsche Bühne besitzt. Die Handlung, einfach und schlicht durch- ^^„Empfivdunpsgehalt der einzelnen Scenen auf das richtige Maß beschränkt, der bem Ganzen innewohnende Humor, der in der fein flfseidjnekn Figur des allen .Griesinger" und der derber zuge- schmttenen Figur des, „LubowSki" so wirksame Verkörperung findet, kennzeichnen es als ein echt deutsches Stück, dessen sittlicher Gehalt in dem Herzen des Volke» Empfänglichkeit und Verständniß findet. Humor und Ernst vereinigen sich darin zu einem harmonischen Ganzen und verhelfen dem Stück zu dem gewünschten Erfolg. Ein tieferes Eingehen in Handlung und Charaktere können wir uns ersparen, denn das Lustspiel ist ja von einer Reihe früherer Aufführungen genügend bekannt. Für die Darsteller bietet es durchweg dankbare Aufgaben, so daß von vornherein bei genügender Besetzung auf eine wirksame Wiedergabe gerechnet werden kann. Aus dem alten Griesinger schuf Herr Direktor Opp mar wieder eine Figur von seltener Lebenstreue. Dieser Vater, der mit abgöttischer Liebe an seinem Kinde hängt und für sein Glück besorgt ist, dürste nicht besser dargestellt werden können, als es durch Direktor O ppm ar geschahe. Für alle Nuancen der Rolle findet er überzeugenden Ausdruck, und wenn ihm schon bei dem Gedanken, daß seiner Tochter an ihrem Glücke etwas fehlen könne, die Thränen in die Augen kommen, so glauben wir ihm dieses gern. In den Rollen des Doktor Klaus und des Paul Gerstel stellten sich auch zwei neue Bewerber nm das Fach des Heldenvater und des jugendlichen Helden vor. Wir hatten am Mittwoch schon Gelegenheit Herrn Linzen in der Rolle des Herzogs zu sehen und hier erkannt, daß wir es mit einem recht erfahrenen routinirten Darsteller zu thun haben, sein Doktor Klaus bestätigte diesen ersten Eindruck. Den äußerlich rauhen, im Innern aber doch guten Menschen wußte er durch überzeugende Charakteristik
Dienstnachlichten aus dcm Kreise.
Verloren am 3. d. Mts. aus dem Koupee des Eisenbahnzuges Hanau— Wilhelmsbad 1 neue Dienstmütze mit dem Buchstaben S. mit Tinte, sowie im Schild die Nr. 53 mit Blei gez., dem Wiederbringer eine Belohnung; ferner am 1. d. Mts. auf dem Wege zwischen Kinzigbrücke und Nordbahnhof 1 Damenhut aus gelbem Stroh mit 2 schwarzen Flügeln und braunem Tüll verziert; 1 wollene gelbgestreifte Pferdedecke.
Gefunden: 1 Paar goldene Ohringe; ein Viertel Original-Loos; 1 leeres Portemonnaie.
Hanau den 6. November 1897.
Zweibund und Dreibund.
Gleichzeitig mit dem Marquis Capelli, dem Unterstaats- fekretär des Grafen Robliant, als dieser Minister des Auswärtigen war, hat auch Crispi, der zwar nicht mehr aktiver Minister, aber immer noch der bedeutendste Staatsmann Italiens ist, seine Stimme für den Dreibund erhoben. Wir glauben, daß es reute, gewissermaßen am Vorabend der Zusammenkunft von Monza, von besonderem Interesse sein wird, die Ansichten desselben kennen zu lernen, und theilen deshalb aus seinem Artikel, der in der Londoner „Nieneteentb Century" erschienen ist und sich „Der Zweibund und der Dreibund" betitelt, hier das Wichtigste mit.
„Der Zar aller Reussen und der Präsident Faure haben, schreibt Crispi, der Welt in feierlichen Trinksprüchen die Allianz des Kaiserreichs mit der Republik kundgethan. Die Nachricht hat niemanden überrascht, da schon seit einigen Jahren das Einverständniß der beiden Regierungen bei Lösung der internationalen Fragen zu Tage getreten war. Es ist unnütz, wie es die Pariser Journale gethan haben, über das Datum jener Allianz zu diskutiren. Genug, sie existirt; darüber sind Völker und Fürsten im Reinen. Es ist das für die beiden Staaten eine unnatürliche Ehe; sür Frankreich ist sie eine Herabsetzung, ein Verzicht auf seine militärische Hegemonie; für Europa ist sie eine Gefahr.
Zar und Republik sind zwei Begriffe, welche sich gegenseitig ausschließen; sie können sich unmöglich in den Tendenzen und Zielen vereinigen. Wir kennen die Bestimmungen der Allianz nicht, aber welche Konjekturen man auch darüber machen möge, unmöglich ist, daß es auf den Triumph eines politischen Prinzips abgesehen sei. Seit unserer Jugendzeit waren wir daran gewöhnt, Frankreich als den Erlöser der Völker, als den Fahnenträger ter Freiheit anzusehen. Und aus logischen Gründen haben wir eine Allianz zwischen jener Nation, England und Italien für sthr natürlich gehalten. Ihre Verbindung wäre natürlich und würde ke n Mißtrauen
glaubhaft zu verkörpern, nur mit seiner Sprechweise vermochten wir uns noch nicht ganz zu befreunden; er war mitunter schwer verständlich. Herr Düsing führte sich in der Rolle des schüchternen Liebhabers sehr gut ein, so daß wir weiteren Proben seines Talentes mit Interesse entgegensehen. Jedenfalls bedeutet das Engagement dieser beiden Darsteller einen wesentlichen Gewinn für unser Ensemble, dies läßt ihr erstes Auftreten schon erkennen. Von den übrigen Darstellern ist uns nur Frl. Brando w in der Rolle der Julie bekannt, die sie mit gewohnter Liebenswürdigkeit der Darstellung auch diesmal zu voller Zuftiedenheit durchführte. Eine recht anerkennenswerthe Leistung bot auch Herr Steiugötter als Max von Boden; der Wandlungsprozeß in seinem Charakter, aus dem leichtlebigen Genuß- Menschen zu einem thätigen Mitgliede der Gesellschaft, wurde gut verkörpert. Herr Gehrmann hat sich rasch die Gunst des lachlustigen Publikums erworben, sein Lubowski war eine ausgezeichnete humorvolle Leistung. Auch die übrigen Darsteller befriedigten, besonders war Frl. Krause als Emma ganz entzückend Auch der Frau Marie durch Frau Leh manu sei anerkennend gedacht. Die kleine Episodenrolle der . Anna" im Stndirzimmer des Doktors wurde von Frl. Walther mit so frischem Humor ausgeführt, daß sie hier ebenfalls mit Anerkennung erwähnt werden soll. Das Ganze war frisch und lebendig unter der Rcgie des Herrn S tein gö t t er einstudirt und das Haus ganz vorzüglich besucht.
Aus Kunst und Leben.
Winterkostüme der Radfahrerinnen sieht man jetzt schon in Paris. Die Mode ist natürlich russisch oder sie will es wenigstens )tin. Die Blousen sind mit Pelz und Federn besetzt, den Hut vertritt eine kokelte, polnische, viereckige Krimmermütze, und so sausen die kleinen Cyclewomen durch das Boulogner Wäldchen als verkörperte Alliance russe.
Frau Dreyfus. Man schreibt der „Frkft. Ztg." aus Paris: Jetzt, wo der Name des ehemaligen Kapitäns Dreyfus wieder in Aller Munde ist, muß man auch wohl mit einigen Worten der Gattin des Deportirten gedenken. Wer ist diese Frau, zur Zeit wohl oie unglücklichste aller Frauen? Sie stammt aus gutem und reichem Hause, hat eine vortreff
er, egen. Im Jahre 1869 hatte man versucht, zwischen Oesterreich, Frankreich und Italien ein Bündniß zu stande zu bringen, welchem, wenn es geschlossen worden wäre, sich England aller Wahrscheinlichkeit nach mit der Zeit ange- schlossen hätte. Beust, der Urheber dieser Dee, forderte als wesentliche Bedingung die Zurückgabe Roms an Italien; da sich abtr die Kaiserin Eugenie dem widersetzte, wurden die Unterhandlungen zum großen Nachtheil Napoleons abgebrochen. Alle erinnern sich des Wortes jener Fürstin, welche gesagt haben soll, sie sähe lieber die Preußen in Paris als die Italiener in Rom. Sie mußte die beiden Okkupationen und d.n Sturz des kaiserlichen Thrones erleben.
Welches werden die Folgen der franko-russischen Allianz sein, falls sie zur Bethätigung gelangte? Gewiß hätten, wenn die geheimen Pläne des Zaren und Faures nicht ehrgeizige Ziele verfolgten, die beioen Regierungen zur Beruhigung Europas den Vertrag veröffentlicht. Deutschland und Oesterreich haben, als man ansing, gegen sie Mißtrauen zu hegen, gleichzeitig in Wien und Berlin am 3. Februar 1888 den Vertrag vom 7. Oktober 1879 publizirt. Frankreich, welches sich nach der ruinösen Niederlage von 1870 zur Republik umwandelte, hat keine Politik der Prinzipien verfolgt. Als einzige Republik in Europa, in der Mitte kräftiger Monar- chieen hat es, anstatt dre Volksregierung auszubilden und sie durch gutes Beispiel den anderen Völkern zu empfehlen, mit Gehässigkeiten sich begnügt, und es rüstet sich zur Revanche. Frankreich vergißt die Demüthigungen des Jahres 1870 nicht; es sehnt sich nach dem glücklichen Tage, an dem es die verlorenen Landstriche würde zurückerobern können. Der Pariser Pöbel legte ven Traktat, welchen Faure von Petersburg mitbrachte, in feinem Sinne aus und feierte die Rückkehr des Präsidenten durch den Zuruf: Nach Berlin! Nach Berlin! Es war eine Wiederholung des Feldgeschreies, mit dem Napoleon III. im Jahre 1870 bei seiner Abfahrt an die Grenze begleitet worden war.
Welches Recht sollte Frankreich auf die Zurücknahme von Elsaß-Lothringen wohl haben? Ist es vielleicht das Prinzip der Nationalität, wonach es jene Provinzen zurückhaben will, oder weil die Bevölkerung derselben es wünscht? Elsaß ist deutsch; die Bevölkerung Lothringens ist unbestimmter Natur. Seit 27 Jahren bilden Elsaß und Lothringen integrirende Bestandtheile des Deutschen Reiches, und kein Anzeichen ist in so langer Zeit erschienen, welches bewiese, daß sie sich schlecht dabei befinden. In Paris schreit und lärmt man; man trägt Kränze zur Statue von Straßburg; aber in Straßburg und Metz begrüßen die Bürger den Kaiser Wilhelm, so oft er jene Städte besucht. . . . Dies vorausgesetzt, müssen wir zu dem Schluffe gelangen, daß der aus unbefriedigten Ansprüchen hervorgegangene Zweibund den Krieg bringen werde.
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liche Erziehung genossen, ist im Wohlleben ausgewachsen und hat mit etwa zwanzig Jahren die Hcirath gemacht, die damals glänzend schien. Zwei Kinder sind der Ehe ent- sprossen, ein Knabe und ein Mädchen. Beide sind prächtig gediehen. Der Knabe, der heute sieben Jahre alt ist, sieht aus, wie ein zehnjähriger. Das Mädchen hat lange blonde Locken und ist eine richtige kleine Elsässerin. Den Kindern hat die Mutter erzâblt, daß der Vater auf einer langen Reise ist. Sie schreiben ihm oft: „Bleibe nicht so lange aus, lieber Papa! Komm' bald zurück!" Frau Dreyfus, die oft mit ihrem Mann über die Erziehung ver Kinder gesprochen hat, zieht sie genau nach seinen Ideen auf, als ob er da wäre. Sie selbst ist durch die Katastrophe, die wie ein Tonnerschlag in ihr stilles und glückliches Leben niederfuhr, leineswegs gebrochen worden. Nach der ersten Verzweiflung hat sie sich aufgerichtet, und mit unermüdlicher Energie, mit nie verzagendem Muthe ist sie seit drei Jahren an dem großen Werke thätig: ihrem Mann die verlorene Ehre wiederzugeben. Sie ist heut siebenundzwanzig Jahre alt, eine junge Frau also, die auch der Kummer nicht gealtert hat. Sie ist groß und schlank, keine Schönheit, aber eine vornehme Erscheinung. Sie kleidet sich^ in Schwarz. Sie wohnt bei ihren Eltern in Paris; den Sommer hat sie auf dem Lande bei Paris in Le Vösinet verbracht. Diejenigen, die sie näher kennen, sagen, daß das Unglück alle Kräfte geweckt hat, die in ihr schlummerten, und daß sie ihren Mann niemals so sehr geliebt hat, wie jetzt, wo er in seinem Jammer und Elend keine andere Stütz«, keine andere Hoffnung hat, als seine Frau.
Das merkwürdigste Weib der Erde. Ein menschliches Wunder im wahrsten Sinne des Wortes ist die Tochter eines Mestizenpaares auf der Jusel Trinidad in Westindien. Die jetzt 26jâhrige Evatima Tarso hat sich zwar nie in der Oeffentlichkeit gezeigt, doch ist sie sehr vielen Aerzten in