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Amtliches Organ für HiaSt- unö LanöKreis Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage

Freitag den 5. November ................... MB«

1897.

Amtliches.

StâHMveis ^anau. Bekanntmachung.

Auf Grund der allgemein ertheilten höheren Ermächtigung wird hierdurch für den zweiten Meßsonntag, den 14. No­vember d. Js., eine vermehrte Beschäftigungszeit für alle Zweige des Handelsgewerbes in der Stadt Hanau, und zwar bis 7 Uhr abends, zugelassen.

Während des Gottesdienstes und zwar in der Zeit von 91/4 Uhr bis lP/4 Uhr vormittags und von 2 bis 3 Uhr nachmittags ist jedoch jede Art der Beschäftigung im Sinne des § 105b der Reichs-Gewerbeordnung ausgeschlossen.

In Betreff des Offenhaltens der Verkaufsbuden auf der hiesigen Herbstmesse bleiben die seitherigen Bestimmungen un­berührt, nur ist den Verkäufern von Verzehrungsgegenständen (Konditorei- und Backwaaren, sowie Obst u. a. m.) an dem vorbenannten Sonntage in den für das Handelsgewerbe frei- gegebenen Stunden ebenfalls das Feilhalten gestattet.

Hanau den 2. November 1897.

Königliche Polizei-Direktion.

P. 11736 v. Schenck.

^andâreto ^anau.

Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.

Betr. Viehzählung.

Auf Beschluß des Bundesrathes vom 7. Juli 1892 findet im deutschen Reiche am 1. Dezember d. I. eine allgemeine Viehzählung beschränkteren Umfanges statt.

Die erforderlichen zur Anwendung gelangenden Zahl- papiere und zwar:

a) Zählkarte,

b) Anweisung für die Zähler,

c) Kontrolliste für die Zähler,

d) Anweisung für die Behörden,

e) Ortslffte

werden den Herren Bürgermeistern und Gutsoorstehern in den nächsten Tagen zugehen.

Zur unmittelbaren Leitung der Viehzählung dürfte in jeder Gemeinde eine Zählkommisüon, an deren Spitze ber i Orts vorstand steht, zu bilden sein. Hinsichtlich der Zu­sammensetzung der Zählkommission und ihrer Obliegenheiten verweise ich auf § 4 der Anweisung D.

In den Gemeinden, wo keine Zählkommission gebildet ist, liegt den Ortsvorständen allein die Leitung des Zählge­schäftes ob.

Wegen Bildung von Zählbezirken, sowie Annahme und Anweisung des Zählpersonals nach den Bestimmungen der §§ 5 und 6 der Anweisung D wollen die Herren Orts- jijiii »I

Feuilletsit.

Die ungarische Pußta, ihr Polk und seine Lieder. ß Hanau, 5. November.

DerKaufmännische Verein" eröffnete gestern Abend im Saale des Hotels zum Riesen seinen diesjährigen Vortragszyklus mit einer Rezitation von Fräulein Erszi Torday aus Budapest überDie ungarische Pußta, ihr Volk und seine Lieder". Fräulein Torday führte die Zuhörer hinein in ein Gebiet der großen ungarischen Tiefebene, das, frei von überfeinerter Zivilisation, noch in seiner vollständigen Naturwüchsigkeit dasteht. Sie zeigte ihrem Publikum mit vorzüglichem rednerischen Geschick die mannigfaltigsten Stimmungsbilder aus jener scheinbaren Ein­tönigkeit der Pußta,die einer geheimnißvollen Schönheit gleicht, deren Reize nur ein leichter Flor verhüllt". In dieser Ebene mit ihren schier endlos langen Ortschaften, zwischen welchen einzelne Gehöfte wie nach einem gewissen System eingestreut sind, wohnt der Kern der ungarischen Nation, ein Volk, das sein Vaterland mit ganzer Seele liebt. Aber der Sohn der Pußta hat auch Grund zu diesem innigen, mächtigen Gefühl für sein Heimathland, denn es stattet ihn reichlich aus mit allem, was der Mensch zu seinem Wohlsein bedarf. Da wogen die goldenen Aehren der besten Weizen­sorten, da gedeihen Mais, Rüben, Tabak, Melonen rc. in außerordentlicher Fülle. Tort grasen aus fetten Weiden edte Rosse, Rinder und Schafe, da nisten im Rohr der Sümpfe zahlreiche Vögel und die Flüsse sind belebt von einer unver­gleichlich großen Fischmenge. Ja selbst in den Wüsteneien kann die glühende Sonnenhitze das Pstanzenleben sticht er­sticken. und oerabe die ödesten, einsamsten F'steike bor l5K-n-

vorstände schleunigst das Erforderliche veranlassen. Bis spätestens zum 21. November er. haben die Herren Bürger­meister zu berichten, über die Bildung von Zävlkommissionen und die Mitglieder der letzteren, über die Eintheilung der Gemeinden in Zählbezirke und Zahl der letzteren, sowie über Annahme und Anweisung der Zähler, insbesondere darüber, wer als solcher furgirt.

Hanau den 28. Oktober 1897.

Der Königliche Landrath

V. 10470 v. Schenck.

Landwirthschastlicher Kreis­verein Hanau.

Nächste Versammlung Samstag den 6. November, nachmittags 2 Uhr, im Gasthauszum goldenen Löwen" in Hanau.

Tagesordnung:

1. Geschäftliche Mittheilungen.

2. Aufnahme neuer Mitglieder.

3. Vortrag über Obstbau. Berichterstatter; Herr Philipp Jung in Butterstädterhöfe.

4. Vortrag über Lebensversicherungswesen. Berichterstatter: Herr Regierungs-Assessor Dr. Wenke.

Der Vorstand.

Die Herren - Bürgermeister des Kreises werden ersucht, obige Bekanntmachung des landwirtschaftlichen Kreisvereins in ihren Gemeinden in ortsüblicher Weise bekannt zu machen.

Hanau am 27. Oktober 1897.

Der Königliche Landrath v. Schenck.

Professor Mommsen und die Deutsch-Oesterreicher.

Die Deutschen in Oesterreich führen einen verzweifelten Kampf gegen die Uebergriffe des SlaventhumS, bei welchem sie sich lebhafter Sympathien in ganz Deutschland erfreuen. Aber das Ringen des Deuischthums mit seinen Widersachern im Nachbarreiche ist in pber Hinsicht eine innere Angelegen­heit des österreichischen Staates, in die sich durch irgend welche

I Handlungen einzumischen keinem fremden Element gestattet ist. Trotzdem hat es Professor Mommsen für anqezeigt gehalten,, in einem offenen Schreiben für die Deutsch-Oesterreicher ein-; zutreten, sie zum Ausharren im Kampfe anzufeuern und in den heftigsten Ausdrücken des Unwillens Kritik zu üben an dem polnisch-slavischen Uebermuth und seinen Gönnern in den maßgebenden Kreisen des Staates und der Stadt Wien.

Man wird bereitwillig die Verdienste des Professor Mommsen um die Wissenschaft anerkennen wollen, aber doch zugeben müssen, daß er, wie so viele andere namhafte Katheder­

sind in ihrer Art so wunderbar schön, daß sie am meisten von den Dichtern besungen werden. Beim Anblick der Pußta enthüllt sich eine Fülle von poetischen Reizen. Hier ist ebenso bezaubernd der Morgen wie der Mittag, der Abend wie die Nacht. Jede Tages- und Jahreszeit bietet ein anderes herr­liches Bild. Tie Eigenthümlichkeit des Bodens weist die Bewohner auf die Beschäftigung mit Ackerbau und Viehzucht hin. Gern und unverdrossen verrichten sie unter den sengen­den Sonnenstrahlen ihre ländlichen Arbeiten, die ost bis in die späte Nacht sich ausdehnen. Diejenigen Gegenden der Pußta, die wegen ihres feuchten Bodens zum Ackerbau nicht benutzt werden können, liefern die fetten, üppigen Weideplätze für Pferde, Schafe und Hornvieh. Aus diesen Steppen er­klingen aus ferntönenden Schallmeien die Weisen der ver­schiedenen Hirten, welche sich nach der Art ihrer Herden in einer gewissen Rangordnung abstufen. Der Vornehmste unter ihnen ist der Pferdehirt, auch der Rinderhirt (Guljâs) nimmt eine hervorragende Stellung ein, weniger aber der Schafhirte, der friedlichste und poetisch angeregteste von allen, während der Schweinehirt seiner borstigen Herde wegen oft zum Ziel- objekt des Gespöttes seiner vornehmeren Kollegen wird. Als ein weiteres Glied des Pußtenvolkes ist der Fischer nicht zu vergessen, der auf denFluthen den fischreichen Theiß seinem Tagewerk obliegt.

Alle diese Pußtaleute treffen nach Schluß ihrer Tagesbe- schästiguvg, namentlich aber an den Sonn- und Feiertagen mit Frauen und Töchtern in der Schänke, Csârda genannt, zu gemeinsamer Lust und Freude zusammen. Zu ihnen ge­sellt sich der immer musikalische Zigeuner, und kaum hat er seiner Geige die ersten Töne entlockt, so erklingen auch schon aus den Kehlen der Gäste die herrlichsten Volksgesänge. All die zahllosen Volkslieder jener Hirten, Bauern und Fischer werden in einem wechselvollen Rhytmus gesungen und dabei hör (VfavSstS Aßt-n-m* QsQtö ^tA?» ^tt^^a^^vA^ Kn*,^ ^GöfAttT

gelehrte, ein schlechter Politiker ist, der anscheinend für die Tragweite seines Beginnens gar nicht das rechte Verständniß hat. Zunächst überschätzt er wohl die Bedeutung seines eigenen Namens, wenn er sich den Beruf vindicirt, auf die Be- völkerungs- und Regierungskreise Oesterreichs irgendwie an­regend einwirken zu können. Die österreichische Regierung wird vor ihm schwerlich kapituliren. Im Gegentheil, sie wird mit Recht die Bort rin glichkeit eines unberufenen Rathgebers beanstanden.

Sodann aber scheint Professor Mommsen auch kein Auge für die Thatsache zu haben, daß sein Verhalten nur die Sache der Gegner des Deutschthums fördern kann. Den Slaven hat er eine erwünschte Handhabe geboten, die österreichischen Deutschen des Zusammengehens mit den Reichsdeutschen zu beschuldigen, und da die Deutschen in Oesterreich ohnehin Verdruß erregt haben durch ihre Obstruktionspolitik, sowie durch ihr Vorhaben, Abgeordnete nach Berlin zur Erweckung deutscher Antheilnahme an ihren Leiden zu entsenden, so ge­lingt es einer geschickt geleiteten Intrigue unschwer, Zweifel an der Ergebenheit der Deutschen für den Kaiserstaat im all­gemeinen wachzurufen.

Wollte Professor Mommsen seinem nationalen Empfinden gegenüber dem slavischen Uebermuth einen öffentlichen Aus­druck geben, so hätte er dazu am eigenen Herd eine so schöne Gelegenheit gehabt, indem er die Deutschen in den Ostmarken zur Einigkeit und zum Aushaaren ermahnte. Aber man hat noch nichts davon vernommen, daß er das Verhalten seines Parteifreundes Eugen Richter mißbilligt, der Hand in Hand mit einigen Gesinnungsgenossen in Westpreußen und Posen mit voller Berechnung Zwietracht in die Reihen der Deutschen trägt und die Polen in ihrem Kampfe gegen die Deutschen unterstützt. -r.

Tagesschau.

Bon der Marine. Laut telegraphischer Meldung an das Ober-Kommando der Marine ist S. M. S.Gneisenau", Kommandant zur See Hofmeier, am 3. November in San Francisco (Brasilien) angekommen und beabsichtigt, am 6. November nach Santos in See zu gehen.

Die Tranerfeier und die Beisetzung des Ge- neralmajors A. von Bülow auf dem Zwölfapostel- I kirchhofe in Schöneberg hat einen erhebenden Verlauf ge­nommen. In der erleuchteten und mit einer Fülle von hohen Gewächsen geschmückten Kapelle stand der unter der Menge von Kränzen völlig verschwindende Sarg, dessen Deckel die Generalsinsignien des Entschlafenen zierten. Unter den Kranzspenden sind in erster Reihe diejenigen des Kaiser­paares zu erwähnen, welche am Kopfende des Sarges be­festigt waren. Der Generalstab und alle diejenigen Regi­menter, denen General von Bülow angchört hatte, hatten und Leidenschaft hervorgerufenen Melodien an kein bestimm­tes Gesetz, an keine Regel gebunden sind, so ist auch der Csardas kein Tanz, der bestimmten Regeln unterworfen ist, sondern ein Tanz, durch den der malerisch gekleidete Magjar in edlen, freudigen Bewegungen mit seiner noch phantasie­voller geschmückten Tänzerin sozusagen eine geheimnißvolle Unterredung, eine Enthüllung des leidenschaftlich bewegten Gemüthes zum Ausdruck bringt,es ist getanzter Tokajar". Man muß Ungar sein, um ihn tanzen zu können, denn nie wird ihn ein Anderer so tanzen, wie er getanzt werden muß, um nicht zu einem wirren, bedeutungslosen Durcheinander zu werden. So ergötzt sich das Volk der Pußta in seiner freien Zeit singend und tanzend in der Csârda und darum spielt auch die Csârda eine so große Rolle im Pußtaleben. Etwas hat sie zwar von ihrem typischen Charakter verloren, seit aus ihr die Betjaren (Räuber) oder Szegöny legeny d. h. arme Bursche, wie sie selbst sich zu nennen beliebten, aus ihr verschwunden sind. Das Volk rühmt diesen fahrenden Ge­sellen nach, daß sie nicht aus Hang zum Diebstahl und Raub, sondern aus Liebe, Verzweiflung und dergl. zu ihrem unstäten Leben getrieben worden und Großmuth und ritterliches Wesen hervorragende Eigenschaften bei ihnen gewesen seien. Seit der Betjar zum Bettler geworden, ist ein Stück Romantik von der Pußta hinweggenommen. Ein Erbstück ist jedoch dem ungarischen Bauern vom Betjar verblieben, der Hang zum Pferdediebstahl. Wie es der Betjar nicht als ein Ver­brechen empfand, wenn er dem reichen Besitzer ein edles Roß aus der großen Herde entführte, so auch heute noch der Bauer. Wird er wegen Roßdiebstahl bestraft, so glaubt er ein himmelschreiendes Unrecht erdulden zu müssen. Bei dem starren Sinn des Pußtabewohners, der beispielsweise leicht einer Bitte, aber einem Befehl nur äußerst schwer zugänglich ist, wird es auch noch lange dauern, ihn über vorerwähnten <Y>..~*J.l---- cv» .. ---- .......-