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Amtliches Organ für Staöt- und Lanökreis Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage
Nr. 258.
Mittwoch den 3. November
1897.
Hierzu
„Amtliche Beilage" Nr. 77
Amtliches.
Handelskammer Hanan.
Der Herr Minister für Handel und Gewerbe hat am 19. Oktober 1897 folgendes
Wahlstatut
Abhanden gekommen am 28. v. Mts. zu Frankfurt a. M. ein Adler Fahrrad 35 mit schwarzen Felgen, einfach, gebogener Nickellenkstange mit Korkgriffen, von welchen der rechts ziemlich abgeschürft ist. Es trägt die Fabriknummer 55257 und Polizeinummer B. 7886.
Zugelaufen: Ein hellbrauner Jagdhund und ein schwarzer Dachshund; Empfangnahme beim Feld- und Forst- Hüter Peter Brüning zu Rückingen.
Hanan den 3. November 1897.
genehmigt:
Die Wahlen zur Handelskammer erfolgen durch alle Wahlberechtigten mit gleichem Rechte.
§ 2.
Der den Stadt und Landkreis Hanau und die Kreise Gelnhausen, Schlüchtern, Fulda, Hünfeld und Gersfeld umfassende Bezirk der Handelskammer wird zum Zwecke der Wahl der Mitglieder in sechs engere Bezirke derart eingetheilt, daß die Wahlberechtigten
a) des ^tadt- u. Landkreises
b) c) d) e) t)
M
w
M ff
Zeises Gelnhausen
Hanau zwölf Mitglieder,
ff
Schlüchtern Fulda Hünfeld Gersfeld
drei zwei fünf zwei
U
ein Mitglied,
im Ganzen also fünfundzwanzig Mitglieder wählen.
8 3.
Die Dreyfus-Angelegenheit
macht in der Behandlung der Pariser Presse immer mehr den Eindruck eines schweren Albs, der auf dem Volks- gewisfen lastet. Der Hauptmann im Generalstabe Dreyfus war vor drei Jahren vom Kriegsgericht wegen Landesverraths verurtheilt und dann nach der Teufelsinsel geschafft worden, wo er jetzt noch als Sträfling unter strenger Bewachung lebt. Worin seine Schuld bestand, ist nicht genau bekannt geworden; denn das Verfahren wurde streng geheim gehalten. Angeblich hätte er an fremde Militärattaches geheime Pläne verkauft und die Namen französischer Spione verrathen. Auch worin der Schuldbeweis bestand, weiß man nicht. Die Behauptung, gestohlene Schliftstücke aus dem Popierkorb der deutschen Botschaft hätten zur U-berführung des Dreyfus gedient, ist von der sranzösiichen Regierung selbst zurückgewiesen worden, was nicht hindert, daß sie von neuem wieder auftaucht. Dreyfus hat sich für ganz unschuldig erklärt und als das Opfer höllischer Ränke hingestellt. Alle Versuche seines Vertheidigers und seiner Familie, die Wiederaufnahme des Verfahrens zu erwirken, ünd bisher gescheitert. Die Wenigen,
Das Wahlrecht wie die Beitragspflicht sind, außer von
die öffentlich Zweifel an der Schuld des Dreyfus zu äußern
den Erfordernissen des § 3 des Gesetzes vom 24. Februar wagten, wurden von der Pariser Presse moralisch gesteinigt. 1870, 19. August 1897, von der Veranlagung zu einem Trotzdem fanden sich immer wieder neue Zweifler.
Gewerbesteuersatze von jährlich mindestens zwanzig Mark
Für die in § 2 bezeichneten Bezirke in den betreffenden Kreisstädten statt.
bedingt.
II. Wahlverfah
Gegenwärtig nun ist es nicht ein beliebiger Querkopf, der die Pariser mit den Gedanken ängstigt, daß Dreyfus am
rem
finden die Wahlen
Der Wahlkommissarius hat für die
Wahlhandlung in
sämmtlichen Bezirken eine mindestens einstündige Dauer festzuhalten. MWMW?B
Mehrere Wahlen erfolgen in einer gemeinsamen Wahlhandlung und zwar derart, daß jeder Wahlberechtigte einen Stimmzettel abgibt, auf dem so viele Personen verzeichnet sind, wie zu wählen sind.
Hat der erste Wahlgang zu einem endgültigen Ergebnisse gemäß § 14 des Gesetzes vom 24. Febrnar 1870,19. August 1897, nicht geführt, so ist für den e, forderlichen zweiten
Wahlgang von dem Kommissarius ein neuer Termin zu bestimmen und öffentlich bekannt zu machen.
§ 6.
Abgesehen von den in den §§ 17—19 des Gesetzes vom 24. Februar 1870, 19. August 1897, vorgesehenen Fällen scheiden alle zwei Jahre aus:
vier für den Stadt- und Landkreis Hanau gewählte Mitglieder,
ein für den Kreis Gelnhausen gewähltes Mitglied.
Zum Zwecke der das erste und zweite Mal ausscheiden- den Mitglieder werden die Kreise Fulda und Gersfeld zu- sammengelegt, so daß in ihnen vereinigt alle zwei Jahre zwei Mitglieder ausscheiden.
Für die Kreise Hünfeld und Schlüchtern findet die erstmalige Auslosung je eines Mitgliedes für den Wahltermin Ende 1899 statt, mit der Wirkung, daß das nicht ausgelooste Mitglied weitere vier Jahre im Amte bleibt.
§ 7.
Dei den Wahlen ist die Vertretung der wahlberechtigten Firmen durch einen in das Handelsregister eingetragenen Prokuristen allgemein zugelassen, mit der Maßgabe, daß der die Wahlstimme abgebende Prokurist sich durch schriftliche Vollmacht des Firmeninhabers — bezw. bei wahlberechtigten Gesellschaften, Gewerkschaften und juristischen Personen eines ihrer gesetzlichen Vertreter — legitimirt.
Hanau den 16. September 1897 in sess.
Ende doch das Opfer eines Justizmordes sei. Der Mann, der Beweise für die Unschuld des ehemaligen Hauptmanns zu besitzen glaubt, ist der zweite Präsident btâ Senats, Scheurer-Kestner, ein Elsässer von Geburt, der bisher allgemein als eine ruhige, nüchterne Persönlichkeit galt. Gegen seinen Willen hat die Hetzpresse Lärm geschlagen, noch bevor er seine Beweismittel dem Kriegsminister unterbreitet hatte, was inzwischen geschehen ist. Jetzt ist er, weil er einen und den andern Panamahelden gekannt hat, schon fast so schlimm als ein Panamist und wegen seines deutschen Namens kaum besser als ein „prussien.“
Unter der Oberfläche dieser heftigen Wallungen aber schlummert das Grauen vor dem Gedanken, daß Dreyfus am Ende doch unschuldig sein könne, in welchem Falle der Chauvinismus mitschuldig an dem Justizmorde wäre; denn Dreysns sollte ja durchaus ein • deutscher Spion sein. Der
alte Schreier Cassagnac vermehrte dies geheime Unbehagen, indem er behauptet, das Verfahren gegen Dreyfus sei ungesetzlich gewesen, weil man sowohl dem Angeklagten als auch seinem Vertheidiger das Hauptschriftstück der Anklage verheimlicht habe, und indem er laut das volle Licht des Tages fordert.
Was bei den Schritten des biedern Scheurer-Kestner auch herauskommen möge, es kann uns, abgesehen von der rein menschlichen Theilnahme, gleichgiltig sein, ob Dreyfus mit Recht oder Unrecht die Qualen des Aufenthaltes auf einer öden, ungesunden Insel leidet. Bemerkenswerther sind uns die Gewissensqualen, unter denen sich die in Frankreich windet.
öffentliche Meinung
(L. 8.)
gez. Canthal.
15613
Dienstnachrichten aus dem Kreise.
Gefunden: Eine wollene Pferdedecke. Ein Damen- Hut. Zirta zwei Meter Bleirohr, Ein Telegraphen-Jsolator mit Schraube. Ein Portemonnaie mit etwas Geld.
Tagesscha
An den Kaisermanövern des
U.
kommenden Jahres wird, wie jetzt mit ziemlicher Bestimmtheit verlautet, das X. (hannoversche) Armeekorps iheilnehmen. Außer dem hannoverschen soll noch das westfälische (VII.) Korps herangezogen werden. Die endgültigen Entscheidungen über die yerbst- Übungen erfo'gen bekanntlich immer erst im Januar oder Februar.
Von bet Marine. Laut test graphischer Meldung an das Ober-Kommando der Marine ist S. M. S. „Wolf", Kommandant Korvetten-Kapitän Schröder (Johannes), am 1. November in Dartmouth angekommen und an demselben
Tage nach Oporto in See gegangen.
Ersatzwahl. In der Westpriegnitz war infolge der Ernennung des früheren Abgeordneten v. Polbielsky zum Staatssekretär des Reichspostamts eine Ersatzwahl im Reichstage erforoerlich geworden. Die Wahl hat am Freitage voriger Woche stattgesunden. Weil keiner der Kandidaten eine absolute Mehrheit auf sich vereinigte, ist noch eine Stich-
wähl erforderlich zwischen dem konservativen Rittergutsbesitzer v. Saldern und dem freisinnigen Berliner Destillateur Max Schulz. Außer diesen waren noch ein sozialdemokratischer und ein antisemitischer Kandidat ausgestellt. Der letztere hat kaum 2000 Stimmen erhalten. Daß er als Sieger aus der Wahlurne hervorgehen würde, war nicht anzunehmen. Es handelte sich vielmehr nur um eine sogenannte Zählkandidatur, die besser unterblieben wäre; denn infolge der dadurch hervorgerufenen Zersplittreung ist die Wahl des konservativen Kandidaten im ersten Gange verhindert worden. Bei den Wahlen im Jahre 1893 sind in der Westpriegnitz 12 481, davon 6265 konservative Stimmen abgegeben worden. Diesmal scheint die Wahlbetheiligung ein wenig geringer gewesen zu sein. Verloren hat nur der Freisinn. Während er es im Jahre 1893 auf 4418 Stimmen brachte, hat er diesmal mindestens 1000 Stimmen weniger erhalten. Die Sozialdemokraten haben nur geringe Fortschritte gemacht. Die „Freisinnige Zeitung" des Abgeordneten Richter hofft, daß die Freisinnigen ebenso wie in Ruppin-Templin, bei- der Stichwahl siegen. Ein solcher Ausgang würde unmöglich sein, wenn die Antisemiten, wie es der Vergangenheit ihrer Partei entspricht, für den Konservativen stimmen würden. Tie Freisinnigen rüsten sich schon auf eine lebhafte Agitation. „Es gilt — ruft die „Freisinnige Zeitung" — alle Reserven heranzuziehen, um zum Siege zu gelangen I" Hoffentlich lassen es auch die Konservativen nicht an dem nöthigen Eifer fehlen. Es haben nahezu 6000 Wahlberechtigte bei der Haupt - wähl ihre Stimme nicht abgegeben.
Die badischen Wahlen. Bei den badischen Landtagswahlen ist die langjährige nationalliberale Mehrheit im Landtage durch das Zusammengehen der Sozialdemokratie, der Süddeutschen Volks- und der Centrumspartei gebrochen worden. Die auffallendste Erscheinung ist eine Zunahme der Sozialdemokratie. Diese Thatsache ist um so lehrreicher, als unter den badischen Nationalliberalen die Anschauung, daß man die Sozialdemokratie nur ruhig gehen zu lassen braucht, um sie in kurzer Zeit dem Niedergänge und der Auflösung verfallen zu sehen, viel Anklang gefunden hat. Insbesondere in Mannheim ist diese Anschauung schon seit längern Jahren vertreten und von den Landtagskandidaten noch soeben im Wahlkampfe mit größtem Nachdruck bekräftigt worden. Um so auffallender wirken jetzt die an^ Erstaunliche grenzenden Erfolge gerade der Mannheimer Sozialdemokraten. Zum Mindesten beweist dieser Vorzug die Unhaltbarkeit der neuerdings auf Grund vereinzelter Beobachtungen geltend gemachten Annahme, daß die sozialdemokratische Fluth den Höhepunkt überschritten habe. Trotz alledem aber bleibt die Thatsache bestehen, daß die Sozialdemokratie, auf sich allein gestellt, sich mit dem Mannheimer Siege würde haben begnügen müssen. Wenn sie statt dessen in ter Lage ist, die Eroberung auch von Karlsruhe zu verkünden und damit den sozialdemokratischen Rüstungen zu den Reichstagswahlen einen weitern Impuls zu geben, so fällt die Verantwortung dafür auf das Centrum.
In die Nothstandsvifirikte. Der geschäftsführende Ausschuß des Zentralkomitees für die Ueberschwemmten hat beschlossen, demnächst 790 000 Mk. in die Nothstandsdistrikte abzusenden, davon 200 000 Mk. für Württemberg, 200 000 Mk. für den Regierungsbezirk Liegnitz, 200 000 Mk. für Regierungsbezirk Frankfurt a. O., 20 000 Mk. für West- Priegnitz, 30 000 Mk. für Oberbayern, 30 000 Mk. für Niederbayern, 30 000 Mk. für Cottbus, 30 000 Mk. für Beeskow-Storkow, 20 000 Mk. für Oppeln, 20 000 Mk. für Pommern, 10 000 Mk. für Mecklenburg. Es bleiben noch Vs Million Mk.
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