Einzelbild herunterladen
 

Beilage zu W 255 des Hanauer Anzeiger.

Hanau den 30. Oltober 1897.

Tagesschau.

Militärisches Dienstjubiläum. Der Herzog Georg von Sachsen-Meiningen wiro am Dienstag sein 50jâhriges militärisches Dienstjubiläum feiern. Geboren in Meiningen am 2. April 1826, besuchte er als Erbprinz die Universitäten zu Bonn und Leipzig und begann, nach Absolvierung eines vollendeten wissenschaftlichen Bildungsganges, seine militärische Laufbahn bei der preußischen Garde in Berlin und Potsdam und kehrte, nachdem er 1849 zum Major bei den Garde- Kürassieren und 1853 zum Oberstlieutenant avancirt war, im Jahre 1854 noch Meiningen zurr ck. Im Jahre 1855 wurde er zum Oberst ernannt, 1863 zum Generallietenant und am 22. März 1868 zum General der Infanterie be­fördert. Als treuer Bundesgenosse Preußens machte er die Kriegsjahre 1870 und 1871 mit und zog persönlich mit nach Frankreich als Chef des 6. Thüringischen Infanterie Regiments Nr. 95, letzteres auf allen seinen Märschen und in seinen zahlreichen Schlachten und Gefechten bis zur Einschließung von Paris begleitend. Der Herzog ist auch Chef des 2. Thüringischen Infanterie-Regiments Nr. 32 und seit dem 25. Dezember 1849 Ritter des hohen Ordens vom Schwarzen Adler. Dem preußischen Königshofe trat er verwandtschaft­lich nahe, indem er am 18. Mai 1850 mit der Prinzessin Charlotte, Schwester des Prinzen Albrecht von Preußen, zu Charlottenburg vor den Altar trat. Erstling dieser Ehe mit der am 30. März 1855 verstorbenen Prinzessin war der am 1. April 1851 geborene Erbprinz Bernhard, gegenwärtig Kommandierender General des IV. Armeekorps und Schwager des Kaisers.

Postalisches. Die weiblichen Beamten, welche die Post in größerer Anzahl anzustellen gedenkt, sollen zunächst in der Weise Verwendung finden, daß sie bei allen größeren Postämtern den ausschließlichen Verkauf von Postwerthzeichen übernehmen. Bereits sind Prüfungen zu diesem Zwecke von einzelnen jungen Damen abgelegt worden. DerCon- fektionär" theilt zur Frage des Nacht-Telephondienstrs die Antwort des Herrn v. Podbielski wörtlich mit:Zur Ein­führung des Nachtdienstes liegt ein allgemeines Bedürfniß nicht vor. Die Vortheile des Nachtdienstes werden allgemein weit überschätzt, da viele Theilnehmer während der Nacht weder im Stande noch geneigt sein werden, einen Anruf im Fern sprecher zu beantworten. Ins Gewicht fällt schließlich der verhältnißmäßige Kostenaufwand, den die Einrichtung des Nachtdienstes erfordern würde und der bei weitem nicht durch I die Gebühren-Einnahme gedeckt werden würde, selbst wenn für jedes Nachtgespräch eine erhöhte Gebühr zur Erhebung gelangt ... Ich bedauere hiernach, so fährt der Herr Ge­neralpostmeister fort, dem Anträge nicht Folge geben zu können, bemerke aber ergebenst, daß ich beabsichtige, eine planmäßige Prüfung aller wichtigen Fragen auf dem Gebiete des Fern­sprechwesens auch derjenigen des Nachtvienstes vorzunehmen I und, wo es sich als nothwendig erweisen sollte, eine ander­weite Regelung eintreten zu lassen."

Der Bäckerstreik in Madrid dehnte sich auf sämmt­liche Brodverkäufer aus, ferner streiken 1000 von den dort vorhandenen 2500 Arbeitern in 90 von 214 Brodfabriken. Die Regierung und der Magistrat entsandten Hilfsarbeiter, trotzdem fehlte gestern Brod. Die umliegenden Ortschaften, die um Brodsendungen angegangen werden, haben theilweise ablehnend geantwortet, da die dortigen Bäcker sich weigern,

für Madrid Brod zu backen. Viele Fabrikanten sind geneigt, die Forderung der Arbeiter zu erfüllen, dagegen weigern sich alle, die Provision für die Brodverkäufer zu erhöhen. Die Streckmittel sind gering. Andres Paz, der Hanptsührer der Streikenden, hat vergeblich die Gastwirthe gebeten, die Ar­beiter auf Borg zu speisen. Bis jetzt herrscht Ruhe; für gestern Abend wurden ernste Unruhen befürchtet.

Vermischte Nachrichten.

Die erste Ziehung der Görlitzer Lotterie unter Reduzirung der Gewinne ist vom Minister des Innern für ungültig erklärt und Termin für die neue Ziehung auf Frei­tag 29. und Samstag 30. Oktober in Görlitz anberaumt worden. Die Loose hatten nur schwachen Absatz erfahren und deshalb war bei der Ziehung der ersten Klasse eine un- verhâltnißmäßig hohe Reduktion der Gewinne in letzter Stunde verfügt worden, ohne daß ein Vermerk, der eir e solche Reduktion für zulässig erklärt, auf den Loosen verzeichnet war. Tie neue Ziehung findet unter Beibehaltung der ur­sprünglich vorgesehenen vollen Anzahl und Höhe der Gewinne (Hauptgewinn 40,000 Mk.) statt und ebenso bleibt der volle Gewinnplan der zweiten Klasse, deren Ziehung vom 15. bis 18. Dezember d. J. stattfindet, unverkürzt bestehen.

Ein Türkenfreund. Auf der Berliner türkischen Botschaft erschien plötzlich ein Mann und verlangte den Bot­schafter zu sprechen. Nach seinem Begehr gefragt, erwiderte er, daß er der tapferen osmanischen Armee durch ein seines Geschenk den Zoll seiner Bewunderung darbringen wolle. Und damit übergab er den Herren einen Hundertmarkschein, der zum Besten der Verwundeten verwendet werden sollte. Des Mannes einfache Kleidung und sein ganzer Habitus verriethen, daß der Fremde nicht zu den Begüterten dieser Erde gehörte, und daß er sich sein Brot in mühsamer Arbeit verdienen müßte. So weigerte sich die Botschaft, den ganzen Betrag zu nehmen, doch erst nach längerem Sträuben willigte der Brave darein, daß die Summe auf die Hälfte reduzirt wurde. Nicht geringere Müde kostete es dann, den Wohlthäter zu be­wegen, seinen Namen zu nennen. Es stellte sich heraus, daß der Herr als Gärtner auf einem Rittergut in der Mark an­gestellt ist, so daß es gewiß ein nicht unwesentlicher Theil seiner Ersparnisse gewesen sein türste, den zu opfern er ge­kommen war.

Der Millionär als Droschkenkutscher. Von dem Eigenthümer des New-Aork Herald, dem vielfachen Millionär James Gordon Bennet, erzählt man folgende merk­würdige Thatsache : Bei den häufigen Spritzfahrten, die der extravagante Amerikaner nach Paris und dem Süden Frank­reichs unternimmt, führt er stets ein reizendes kleines Fuhr­werk mit sich, in welchem er selbst vierspännig durch die Straßen kutschirt. In diesem eleganten Vehikel steht nun Jedem ein Sitz zur Verfügung, der die von dem destinguirten Lenker geforderte Taxe bezahlt. Die Einkünfte dieser Touren" werden einem Pariser Wohlthätigkeitsverein über­mittelt. Eine besondere Eigenthümlichkeit des Millionär- Kutschers ist nun die, daß er nicht nur ein ziemlich hohes Fahrgeld für seine Touren verlangt, sondern auch höchlichst beleidigt ist, wenn der Fahrgast absteigt, ohne sich desKut­schers" in Form eines Trinkgeldes erinnert zu haben. Mr. Bennet hat ein scharfes Physiognomiegedächtniß und wird

! einen derart vergeßlichen Menschen nie zum zweiten Male in 'seinem Vierspänner aufnehmen.

Auszüge aus dem Amtsblatt Königlicher Regierung zu Cassel.

Bischofsheim. Im Wege der Zwangsvollstreckung ; sollen die im Grundbuche von Bischofsheim auf den Namen ; des Schuhmachers Heinrich Seipel und Frau, Katharina Louise, geb. Laidig, in Bischofsheim eingetragenen, in der Gemarkung von Bischofsheim belegenen Grundstücke am 15. Dezember 1897, vormittags 10 Uhr, vor dem Königlichen Amtsgericht zu Bergen versteigert werden.

Gebrauchsmuster.

Nr. 82 262. Zigarrendüte mit abtrenr barem Lotterie- loos. Georg Simmedinger in Franlfmt a. M., Born­heimerlandstraße 22, vom 21. Aucust 1897 ab. S. 3676. Kl. 54.

Nr. 82 127. In die hintere Wand einer Geheim-Kamera versenkbarer Sucher in Form einer konkav geschlissenen Linse. Justin Roeder in Frankfurt a. M.-Bockenheim, Jordan- straße 1, vom 13. September 1897 ab. R. 4755. Kl. 57.

Nr. 81 975. Kalte und warme Brausevorrichtung mittels Injektor und verstellbarer Mischbatterie. Carl W e u z e l in Frankfurt a. M., Rhönstraße 12, vom 17. September 1897 ab. W. 5905. Kl. 85.

Nr. 82 227. Abschmelzstöpsel, dessen Draht in einem mit Randnuthen versehenen Einsotzstück gelagert ist und leicht ausgewechselt werden kann. Voigt u. Haeffner in Frankfurt a. M.-Bockenheim, vom 16. September 1897 ab. V. 1362. Kl. 21.

Schiffsbericht.

Bremen, 28. Oktbr. Der Dampfer des Norddeutschen LloydH. H. Meier" ist gestern in New-Aork einaetroffen.

London, 28. Oktbr. Der Union-DampferNorman" ist auf der Ausreise gestern in Kapstadt ang- kommen.

New-Nork, 27. Oktober. Der DampferSouthwark" von 9erRed Star Linie" ist von Antwerpen gestern hier angekommen.

Für die Monate Rooember-Dezemkier

eröffnen wir ein zweimonatliches Abonnement auf den

Hanauer Anzeiger".

DerHanauer Anzeiger" behandelt die neuesten Tagessragen in allgemein verständlicher Weise. Die politischen Nachrichten sind kurz und übersichtlich zusammengestellt, den lokalen und provinziellen Vorkommnissen wird große Sorg­falt gewidmet, und aus ein spannendes Feuilleton besonders Gewicht gelegt. Zahlreiche zuverlässige Mitarbeiter setzen uns in den Stand, über alle wichtigen Ereignisse schnell und aus­führlich zu berichten.

Bestellungen nehmen alle Postanstalten, Landbriefträger, wie auch unsere Expedition in Hanau, Hammergaffe 9, ent­gegen.

Die Expedition desHanauer Anzeiger".

Total-Ausver-kauf

'p^ Wurstwaaren:

wegen

Geschäfts-Aufgabe.

Um rasch zu räumen, verkaufe ich den

Restbestand

meiner bekannt guten

= Schuhwaaren ss

zu unerreidlt billigen Preisen.

Braunschweiger

Cervelatwurst,

15065

M. Fischer, Sterngasse

11.

Gothaer Cervelatwurst, Fuldaer Preßkopf, Westfälische

Laudcervelatwurst, Mettwurst

zum Kochen in Hülsenfrüchte-Suppen, Braunfchw. Rothwurst Psd. 68 Pfg. 68

Wests. Leberwurst

Schinken Dörrfteisch Corned beef

V M W

75

80

80

w w w

V

sowie alle sonstigen Wurstsorten in reichster

Auswahl.

15425

Heinrich Roediger.

Visitenkarten fertigt rasch und elegant an die Waifenhaus-Buchdruckerei.