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Hanauer Anzeiger
30. Oktober
eine Ersparniß an 4,4 Millionen Kubikmeter Gas ergeben. Wenn alle jetzt bereits vorhandenen Laternen mit Glühlicht versehen sein werden, so wird die gesammte öffentliche Be leuchtung, gegenüber dem bisherigen Gasverbrauch von 17 Millionen Kubikmeter, nur noch 10 Millionen erfordern, sodaß also eine Ersparniß von 7 Millionen Kubikmeter im Werthe von etwa 1 Million Mark eintreten wird.
Vermischte Nachrichten.
Gelbes Fieber. Die Einwohner von Memphis verlassen in Schaaren die Stadt, da einige Fälle von gelbem Fieber dort vorgekommen sind. Memphis hat vor etwa zwanzig Jahren eine Gelbfieber - Epidemie durchgemrc^t, welche die Bevölkung verringerte. Auch in allen Theilen von New-Orle-ms sind Leute am gelben Fieber erkrankt. Das Wetter begünstigt die Avsbreitung der Seuche.
Mord. Der Besitzer Barra aus Wischin bei Sckonebeck (Ostpreußen) wurde im Wischiner Torfmoor ermordet aufgesunden. Der Schädel ist vollständig zertrümmert.
Erschossener Wilddieb. Laut einem Telegramm aus Tuchel, Westpr., ertappte der Förster Haertel aus Hagenort den Besitzersohn Glasa, einen bekannten Wilddieb, wie er einen geschossenen Rehbock aus weidete. Als Letzterer auf Anruf sein Gewehr anlegte, streckte der Forstbeamte den Wild- lieb mit einem Schuß nieder. Der A^zt hat denselben aufgegeben.
Humoristisches.
Bemäntelung. A.: „Lieber Freund, ich glaube gar, Du bist vom Pferde gefallen?" B.: „Nein, nein, ich sitze nur nicht gern längere Zeit auf demselben Fleck!"
Anzüglich. Gast (zum Weinwirth): „Seit ich bei Ihnen verkehre, spare ich Karlsbad." Weinwirth : „Wieso?" Gast: „Ja, weil ich bei Ihnen so wie so immer Brunnen trinke".
Begreiflich. — „Jnteressiren Sie sich für Faust, Herr Lieutenant?" Lieutenant: „Aeh, mehr für Gretchen !"
Sckiffsbericht.
Der Dampfer „Perfta" ist am 28. Oktober wohlbehalten in New-Dork angeksmmen.
Hamburg, 29. Oktober. Der Dampfer „Constantia" von der Hamdurg-Amerika-Linie ist gestern in St. Thomas eingetroffen.
Bremen, 29. Oktbr. Der Dampfer des Norddeutscher Lloyd „Fulda" ist vorgestern in New-Dork eingetroffen.
Philadelphia, 28. Oktbr. Der Dampfer „Illinois', von uer „Red Star Linie" ist von Antwerpen gestern hier ana? komme«.
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Drahtnachrichten des „Han. Anz."
Berlin, 30. Oktbr. Die Morgenblätter konstatiren, daß durch den gestrigen Besuch des Kaisers beim Reichskanzler das Verbleiben des Fürsten Hohenlohe im Amte gesichert ist. Der Besuch ist ferner als Besiegelung des Entschlusses, die Militärstrasprozeßordnung an den Reichstag zu bringen, zu erachten. Die Unterredung zwischen dem Kaiser und dem Reichskanzler währte, nach dem „Lokalanz.", etwa '/t Stunden und trug einen überaus herzlich -n Charakter. Der ,,Nationalzeitung" zufolge dürfte der Entwurf der Militärstrafprozeßordnung in den nächsten Tagen aus den Aus- schüffen an das Plenum des 'Bundesrathes gelangen und die Eventualität, daß er dort liegen bleibe, ist nunmehr ausgeschlossen und steht fest, daß er an den Reichstag gelangen wird.
Berlin, 30, Oktbr. Dem „Berl. N. Nachr." zufolge ist der Regierungspräsident Freiherr von Rheinbaben zum Generaldirektor der indirekten Steuern aus- erseben.
Berlin, 30. Oktbr. Die Konferenz der Landesdirektoren beschloß eine gleichmäßige Regelung der Gehälter der Beamten der Provinzialoerwaltungen, soweit dies namentlich die lokalen Verhältnisse gestatten»
Nerlirr, 30. Oktbr. Dem „Vorwärts" wird aus Wittenberge gemeldet: Bei der gestrigen Nachwahl zum Reichstage im Wahlkreise Westpriegnitz erhielten bisher Schultz (frs. Vp.) 2315, Hinze (Soz.) 1653, von Saldern (kons.) 1199 und Wohlfarth (Ant) 1009 Stimmen. Von 153 Orten steht das Resultat noch aus. Stichwahl zwischen Schultz und von Saldern ist wahrscheinlich.
Berlin, 30. Oktbr. In der Strafsache gegen den Bankier Sternberg u. Gen. hat, wie die Blätter melden, der Staatsanwalt gegen die Freisprechung Berufung eingelegt.
Berlin, 30. Oktbr. Wie der „Voss. Ztg." aus Budapest gemeldet wird, beabsichtigt Kaiser Franz Joseph nach Wien abzureisen. Man hofft dann, daß die Krise rasch ihre Lösung in einer oder der anderen Form finden werde. Die Berichte aus W-en über die Vorgänge im Reichsrath machen hier großen Eindruck. Alle Zeitungsstimmen sind darin einig, daß es ein Fehler war, Badeni so lange am Ruder zu lassen. Vielfach glaubt man, es werde doch noch ein Versuch gemacht werden, nach ungarischem Muster mit der Opposition einen Kompromiß zu schließen, wodurch nicht nur das Provisorium, sondern auch die Rückkehr zu normalen Parlamentärischen Verhältnissen gesichert werden soll. Von der Anwesenheit des Kaisers in Wien werde in dieser Richtung eine günstige Wirkung erwartet.
Wien, 30. Okibr. Die Journale sämmtlicher Parteien konstatiren, daß die Regierung und die Majontät des Par-1
laments gestern im Abgeordnetenhause eine große Niederlage erlitten haben. Die Ansichten über die Konsequenzen, welche Badeni hieraus ziehen wird, sind getheilt. Nur die „Arbeiterstg." glaubt, daß Badeni seine Lage begreifen und daraus die gebotenen Konsequenzen ziehen wird.
Wien, 30. Oktbr. Die letzte Sitzung des Abgeordnetenhauses ist erst gestern Abend gegen 8 Uhr geschlossen worden. Um 7 Uhr war die geheime Sitzung in eine öffentlich: umgewandelt worden. Der Tumult war schließlich so grop, daß der Vizepräsident die Sitzung schließen mußte. Die nächste Sitzung wird erst Donnerstag nächster Woche stattfinden.
Graz, 30. Oktbr. Die Schlußverhandlungen gegen den Berliner Schriftsteller Bruno Wille, welcher hier wegen eines freidenkerischen Vortrages verhaftet wurde, findet Ende November statt.
Rom 30. Oktbr. Die „Tribuna" veröffentlicht den angeblichen Wortlaut eines vom Kardinal Rampolla an die Nuntien versandten geheimen Rundschreibens. Derselbe fordert die Nuntien auf, bei verschiedenen Regierungen gegen den neuen Verfolgungsakt zu protestiren.
Rom, 30. Oktbr. Zu der Reise des Grafen Golu- chowsky nach Monza bemerkt die „Italic", daß Goluchowsky wahrscheinlich nach Rom kommen werde, um den Besuch des Ministerpräsidenten Rudini zu erwidern.
Rom, 30. Oktbr. Der König von Sia m ist von hier nach Neapel abgereist.
Paris, 30. Dktbr. Die Deputirtenkammer genehmigte gestern den Handelsvertrag mit Japan und berieth alsdann über die Goblet'sche Vorlage, welche die Wiedereinführung der Listenwahl betrifft. Die Kommission hatte sich ebenfalls für die Berathung der Vorlage ausgesprochen.
Madrid, 30. Oktbr. Die Königin-Regentin empfing gestern, obwohl sie noch sehr leidend ist, den Minister- plâsidenten Sagasta.
Mons, 30. Oktbr. Ein neuer sozialistischer Wahlverein ist für die Gegend von Borinage im Gegensatz zu den jetzt bestehenden gegründet worden. Dieser Verein soll bei den nächsten Wahlen eigene Kandidaten gegen die offiziellen sozialistischen aufstellen.
Athen, 30. Oktbr. Abermals fand eine mehrstündige Sitzung der Finanzvertreter unter dem Vorsitz des Finanzministers Streit statt. Die Verhandlungen werden streng geheim gehalten, doch scheint es, daß zwischen den englischen nnd französischen jFinanzvertretern eine gewisse Meinungsverschiedenheit besteht.
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Hamburger Engros-Eager*