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Hanauer Anzeiger

Seite 3

30 Oktober behörde, die sich seiner annahm, veranlaßte später, daß er nach hier zu einem Arzt gebracht wurde. Dieser hatte l1/« Stunden zu thun,, die Verletzungen zu verbinden.

Homberg, 29. Oktbr. Der in den Ruhestand getretene Königl. Rentmeister Carl Soff ist nach kurzem Leiden im 72. Lebensjahre verschieden.

H. Niederwalzern, 28. Oktbr. Auf dem hiesigen Bahnhof gerieth gestern ein mit Getreide beladener Waggon in Brand und ging vollständig in F am men auf. Wieman hört, soll daS Feuer durch Funken der Lokomotive entstanden sein. Im Gemeindewald zu Dilschhausen fand gestern Jagd" statt. Resultat: 13 Rehe (10 Rehgeisen und 3 Kitzchen), außerdem 14 Hasen. Aus der benachbarten Ober försterei hatte man glücklicherweise rechtzeitig Wind davon be­kommen, daß in Dilschhausen Jagd abgehalten werden sollte und fanden sich daher am Schluß des Festes 2 Jagdbeamte, ' welche vorher die sogenannte Jagd von der Grenze aus 6fr obachtet hatten, zur Besichtigung deS erlegten WildeS ein. Die Beamten haben ihren Auftrag nach etwa geschosienen RehkitzchtN zu fahnden prompt ausgeführt und ist eS so­mit geglückt, der Sachenäher treten* zu können. Die drei, entgegen den Bestimmungen des Wildschongesetzrs geschossenen Kitzchen sind am nächsten Morgen durch den zuständigen Oberförster koufiszirt worden.

Wiesbaden, 29. Oktbr. Zum General-Super­intendenten dahier ist der Profesior der Theologie Herr Dr. Maurer in Herborn ernannt worden. Er war seit langen Jahren Lehrer am theologischen Seminar in Herborn, zuletzt auch erster Pfarrer und Dekan daselbst, gehört zur a kirchlichen Rechten und zählt die meisten evangelischen Geist­lichen Nassaus zu seinen Schülern. Der neue General- Superintendent ist geboren am 31. Oktober 1835 zu Langen - schwalbach, ein Sohn des verstorbenen Lehrers an der städti­schen Mittelschule in der Lehrstraße, Herrn Heinrich Maurer, der mehr als 50 Jahre hindurch als Volksschullehrer thätig war, und ein Bruder des Herrn Uhrmachers Wilhelm Maurer in der Taunusstraße.

^ Frofchhaufen bei Seligenstadt, 29. Oktbr. In Ver­folg unserer gestrigen Notiz über das schauerliche Unglück beim Holzmann'schen Etablissement zu Hainstadt diene die traurige Mittheilung, daß die überfahrene Frau Pauline Bayer noch gestern Abend im Kreis Krankenhause zu Seligen stadt infolge' großen Blutverlustes ihren Verstümmelungen erlag, ehe die Aerzte zur Amputation der beiden zerschmetter­ten Beine schreiten konnten. Die Theilnahme am tragischen Gescbicke der braven Frau ist eine allgemeine und herzliche.

Pforzheim 28. Oktbr. Auch heute hat sich die Groß­herzogin wieder telegraphisch nach dem Stand der Typhus- j Epidemie erkundigt. Die Landesfürstin spricht die Hoff­nung aus, daß die Abnahme der schweren Krankheit sort- dauere und daß die letzten Fälle schon aus dem Genesungs­wege sich befinden. Medizinalrath Dr. Gißler erhielt den Auftrag, den Kranken und Schwestern Grüße von der Groß­es Herzogin zu bestellen. Die Letztere schließt mit dem Wunsch, es möge der Oberschwester Becker gelingen, bald das nöthige Vertrauen zu gewinnen. Die Zahl der Typhusfälle im Krankenhaus ist jetzt auf 42 heruntergekommen, unter diesen sind aber noch 10 sehr schwere Fälle.

Aschaffenburg, 27. Oktbr. Ein interessantes Experiment läßt die bayerische Staatsbahn hier ausfüh ren. Ein Haus in der Nähe der Bahngeleise soll ander­wärts errichtet werden. Statt eines Neubaues versucht man nun, das Haus auf einen Rost zu bringen und an den da­für bestimmten Ort auf Rollen 110 Meter weit zu verschie­ben. Selbstverständlich werden zahlreiche Absprießungen vor­genommen, um etwaige Erschütterungen oder Senkungen wirkungslos zu machen. Die Muttergotteskirche ist durch Restaurirung des Thurmes, insbesondere durch dessen reiche Kreuzblume, zu einem bemerkenswerthen Schmucke her Stadt geworden. Die hiesigen Wirthe beschlossen eine Erhöhung der Preise für Wurstbrod von 13 auf 15 Pf., sowie eine Vertheuerung des auszuschänkenden Aepfelweins. Sie ver­suchten Maßregeln gegen die Wirthschaftspachtungen durch Großbrauereien zu ergreifen. Die Zahl der hiesigen Wirth­schaften soll womöglich vermindert werden; es bestehen deren nâmlich bei einer Einwohnerzahl von rund 16 000 nicht we­niger als 138. Die Verhandlungen gegen den Zünd- körperfabrikanten Cromer, dessen Fabrik vor fast einem Jahre in die Luft flog, findet am 6. November statt. Bei der Ex­plosion kamen, wie seinerzeit mitgetheilt wurde, 11 Mädchen um's Leben. Die erste Verhandlung gegen Cromer wurde vom hiesigen Landgerichte abgebrochen, da es sich her aus stellte, daß er keine Konzession zum Betriebe der 12 Jahre von ihm - als dem Besitzer geleiteten Fabrik besaß; die Klage erscheint nun in entsprechend erweiterter Form. Einer Verurtheilung wird voraussichtlich eine Reihe von Entschädigungèllagen folgen.

Pflanzet Qbstväume! Im kleinsten Raum Pflanz' einen Baum, Und pflege sein! Er bringt Dir's ein!

Obgleich die Obstbaumzuckt in den letzten Jahren sich sehr gehoben hat, so wird ihr doch in manchen Gegenden noch nicht das nöthige Interesse zugewendet, ja oft sogar noch sehr vernachlässigt. Jedermann hält zwar Arpfel, Birnen, Zwetschen rc. für köstliche Früchte, kauft dieselben aber lieber oder entbehrt sie ganz, als daß er sie durch Pflanzung auf eigenem Grund und Boden erzieht. Ja manche Menschen stehen sogar der Obstbanmzucht feindlich gegenüber. Ich habe einen Landmann gekannt, der, man sollte es kaum für mög­lich holten, die Bäume, die er durch die Verkoppelung er­halten, well sie ihm beim Ackern lästig wurden, umhauen

wollte. Wenn die Obstbaumzucht bedeutende Kosten verur­sachen, viel Zeit und Mühe in Anspruch nehmen würde, so ließe sich dies begreifen; allein die Obstbaumzucht erfordert keine oder nur wenig Auslagen, sie ist vielmehr eine sehr an­genehme, gesunde und nützliche Beschäftigung. Was ist eine Gegend ohne Obstbäume? Sie ermangelt aller Schönheit. Der Baum ist die erste und schönste Zierde einer Landschaft! Sie wird durch ihn zu einem Garten Gottes! Was war das Paradies anders, als ein lieblicher Garten, eine herrliche Landschaft mit allerlei Fruchtbäumen? Nichts aber ist zur ländlichen Verschönerung mehr geeignet, als gerade ver Obst­baum, nicht nur durch seine imponirende Größe und schöne Gestalt, sondern auch durch die Pracht seiner Blätter, Blüthen und Früchte, wodurch er nicht nur ein Schmuck des Früh­lings, sondern auch des Herbstes wird. Geht einem nicht das Herz auf, wenn man z. B. im Frühjahr oder Herbst durch die Obstgärten geht? Der Obstbaum ist aber nickt nur der schönste S chmuck einer Gegend, er hat für uns noch andere Vortheile, welche die wenigsten Menschen anerkennen, und zwar deshalb, weil sie dieselben nicht kenven. Der Obstbaum ist es besonders, welcher durch seine großen Blättermaffen die für Menschen und Thiere schädlichen Stoffe aus der Luft entfernt, indem er sie gerade als seine eigenthümliche Nahrung begierig einsaugt. Gleich­zeitig haucht er aus denselben Blättern die erfrischende Le­benslust aus, daher er auf doppelte Weise zur Verbesserung der Luft beiträgt. Ja, in jetziger Zeit, in welcher besonders in der Ebene durch Ausrottung der Wälder das Klima ver­schlechtert wird, sollte man durch Anpflanzung von Obst- bäumen diesem Uebelstande abzuhelfen suchen. Kommen wir nun zu dem direkten Nutzen der Obstbaumzucht. Die Obst­baumzucht liefert aber auch in vielen Jahren eine nicht unbe­deutende Einnahme durch den Ertrag an Obst. Es ist wahr­haft erstaunlich, welch' große Summen manche Gemeinden im Württembergischen, in der Wetterau, in der Gegend von Frankfurt a. M. und Hanau an Obst erzielen. Nicht zu übersehen ist aber auch, welche Ersparungen an anderen Nahrungsmitteln durch einen reichen Obstsegen veranlaßt werden. Weiter ist nicht unbekannt, welchen wohlthätigen Einfluß der Genuß von gutem und reifem Obst auf die Ge­sundheit des Körpers ausübt. Der Genuß von Obst beför­dert nicht nur die Verdauung, sondern ist auch auf die Ge­hirnbildung, Gehirnthätigkeit und das Denkvermögen von größtem Einfluß, auch sichert es einen guten Schlaf. Nicht zu vergessen ist ferner auch das viele Brennmaterial, welches uns Obstbäume alljährlich durch Reinigung derselben liefern, was besonders in holzarmen Gegenden von Werth ist.Die beste Zeit für die Pflanzung der Obstbäume ist für unsere Geaem (Kreis Hanau) der Herbst, weil dem Bäumchen eine größere Menge Feuchtigkeit zu gute kommt. Es bilden sich schon im zeitigen Frühling, noch ehe der Baum treibt, die feinen, weißen Saugwürzelchtn, und tritt dann im Frühling Trocken­heit ein, so kann das im Herbst gepflanzte und daher gekräf­tigte Bäumchen derselben widerstehen. Im Obigem glaube ich die Hauptpunkte von der Wichtigkeit der Obstbaummckt vorgeführt zu haben. Lasset uns daher Obstbäume pflanzen und pflegen von unserer Jugend bis zum Grabe, und, wenn wir längst nicht mehr unter den Lebenden sind, so werden unsere Nachkommen mit dankerfülltem Herzen noch der für­sorglichen Hände gedenken, welche einst die Stämmchen in den Boden einsetzten.

K. G.

Ein tragischer Tod.

Es war an einem wunderschönen Herbstnachmittag des vorigen Jahres, als ich in den Zeißigwald gegangen war, und, lang ausgestreckt, meinen Gedanken nackhängend, im Moos lag. In nicht zu großer Entfernung suchte ein Knabe Beeren. Plötzlich läßt mich jämmerliches Angstgeschrei des Kindes anffahren. Bei seinem Beerensuchen ist der Knabe auf eine Kreuzotter gestoßen. Gelähmt vom Schreck sehe ich, wie das kleine Reptil, zusammen geringelt, den Kopf hoch er­hoben, den Rachen zischend aufgerissen, im Begriffe ist, vor­zuschnellen und zuzubeißen. Zu spät; die Entfernung zwischen mir und dem Knabe ist zu groß; ehe ich mit ein paar Sätzen dort bin, ist der Knabe gebissen, dem Tode geweiht oder für sein Leben unglücklich gemacht. Da ereignet sich etwas Wunderbares! Etwas Graues, Klumpförmiges, zeigt sich unmittelbar neben der Otter und hat sie gepackt. Ich bin da, ich sehe. Ein Igel hatte die Otter gepackt und hält sie fest, wie sie sich auch ringelt und wehrt. Meister Igel hat offenbar schon lange dort gesessen md auf den Moment gewartet, da er sich der Kreuzotter bemächtigen konnte, und in seinem Jagdeiser das Nahen des Knaben nicht bemerkt. Nun hält er sie gepackt und zerbeißt ihr den Kopf. Ich bleite stehen, um ihn nur ja nicht zu stören, rufe den Knaben, der am ganzen Leibe zittert, zu mir, untersuche ihn und, nachdem ich zu meiner Freude festgestellt habe, daß er nicht gebissen worden ist, gebe ich ihm zur Beruhigung von meinem Vesperbrod und meiner Wurst. Er trollt zufrieden davon, er hat keinen Begriff davon, daß das kleine Stachel- lhier ihm vielleicht das Leben gerettet, mindestens aber ihn vor langem Siechthum bewahrt hat. Ich aber weiß es und sehe mit Befriedigung Held Igel zu, der inzwischen den Kopf der Schlange verzehrt hat. Dann wird mir das Zuschauen langweilig, langsam gehe ich auch davon. Nach Verlauf von einer Stunde gehe ich nach Hause und komme dabei an dem Goldborn im Zeißigwald vorüber. Da kommt eine Schaar zehn- bis vierzehnjähriger Knaben über den Weg. Kinder­jubel und Gelächter! Sie stoßen etwas vor sich her und schlagen mit einem Stocke darauf. Wie ich näher zusehe, bemerke ich, daß das Etwas ein Igel ist, und da sehe ich auch unter dem Trupp den kleinen Jungen, dem der Igel

das Leben gerettet hat. Ich trete hinzu und erfahre, es ist derselbe Igel. Wie aber sah der arme stachelische Bursche ans! Er war todt, schnöde erschlagen. Den Kopf und die Schnauze hatten sie ihm breitgeschlagen, und das eine Auge ich möchte beinahe sagen: das treuherzige Auge hing heraus. Ich packe einen der Jungen und erfahre, der Kleine hatte von einem schlechten Thier erzählt und da sind sie hin­gelaufen an den Platz, wo Meister Igel noch immer be­schäftigt war, das bösartige Reptil mit Haut und Haaren zu verzehren, und haben ihn erschlagen. Ich ging an den Platz. Ein Theil der Otter lag noch da, und daneben war das Blut zu seben, welches der Igel lassen mußte, als sie ihn erschlugen. Der kleine Junge hatte dahei gestanden, als sie seinen kleinen Lebensretter für seine Heldenthat mit dem Tode belohnten. Was hals es mir, daß ich die Kinder über dasböse Thier" belehrte; der Igel war todt, und ich ging langsam von bannen. Ich hätte über den tragischen Tod des kleinen Lebensretters eine Thräne vergießen mögen. So erzählt L. Erdtel im StuttgarterBeobachter".Ein tragischer Tod",eine Thräne vergießen." Aber genügen solche Stoßseufzer? Müssen wir nicht weiter gehen zu einer harten Anklage und Verurtheilung der heutigen Bildung und Erziehung der Jugend durch Schule und Haus? Der Bil­dung deshalb, weil die Kinder wohl mit vielerlei Wust gestopft, aber nicht mit der Natur vetraut gemacht werden, wie sie es sollten; der Erziehung weil die Kinder in der mitgetheilten Geschichte ihre zum Himmel schreiende Unthat gar nicht recht eingesehen und tiefste Reue darob empfunden zu haben scheinen. Unkindliche Kinder, unmeoschliche Männer, unnatürliche Frauen da haben wir dasEnde des Jahr­hunderts." Es ist zum Herzbrechen und Verzweifeln. Wie wird es schließlich enden? fragt .,der Thier- und Menschen­freund."

Bolkswirthschaftliches.

Schweizerisch deutsche Handelsbeziehungen.

Seit einer Reihe von Jahren schon nehmen die Handelsbe­ziehungen zwischen Deutschland und der Schweiz immer größere Ausdehnung an und es steht in der schweizerischen Handels­bilanz Deutschland an der ersten Stelle der Einfuhrländer; in gleicher Weise ist es aber wiederum auch Deutschland, wo­hin von der Schweiz am meisten ausgeführt wird. Auch im Jahre 1896 ist, wie wir dem kürzlich erschienenen Berichte desSchweizerischen Handels- und Jndustrievereins" entnehmen, eine steigende Tendenz im Handelsverkehr der beiden Länder zu konstatiren, dem auch die infolge Aufhörens des Zoll­krieges sehr beträchtliche Erweiterung des Verkehrs mit Frank­reich, das nun wieder an zweiter Stelle erscheint, keinen Ab­bruch that. Die deutsche Einfuhr nach der Schweiz stieg von 242,854,722 Franken im Jahre 1894 auf 273,891,065 Franken im Jahre 1895 und beträgt für 1896 wicht weniger als 304,970,622 Franken der 993,859,185 Franken aus­machenden Totaleinfuhr der ' Schweiz. (Frankreich folgt in zweiter Linie mit 177,612,458 Franken Einfuhr pro 1896). Die schweizerische Ausfuhr nach Deutschland bezifferte sich 1894 auf 157,109,689 Franken; im Jahre 1895 auf 164,411,253 Fr. und betrug 1896 172,260,751 Fr. der auf 688,261,035 Franken sich belaufenden Totalausfuhr. An zweiter Stelle der Ausfuhrländer steht England mit 147,008,247 Franken, während Frankreich erst an dritter Stelle mit 81,016,009 Franken figurirt. Aus Deutschland werden nach der Schweiz in erster Linie Roh- und Hilfs- stosse der Industrie, namentlich Eisen und Kohlen, und dann Gegenstände des täglichen Gebrauchs und Massenverbrauchs eingeführt. Die schweizerische Ausfuhr nach Deutschland be­trifft zumeist Textilprodukte (baumwollene und wollene Ge­webe und Garne), dann die Uhrenindustrie, sowie den Käs­export.

Getreide-Einfuhr Deutschlands. In welchem er­heblichen Maße die Getreide-Einsuhr in Deutschland abge- nommen hat, seitdem das Verbot des Termingeschäftes an den Börsen in Kraft getreten ist, beweisend schlagend folgende amtlich festgestellten Zahlen. Es betrug die Einfuhr in Doppelzentnern von Weizen September 1897 654 294 gegen 1896 1 042 194 oder weniger 387 900 = 374 6/o. Roggen September 1897 819285 gegen 1896 974402 ober weniger 155117 16/o. Weizen Jan./Sept. 1897 8420 233 gegen 1896 11825 313 oder weniger 3 405 080 = 28^2 °/o. Roggen Jan./Sept. 1897 6 386 215 gegen 1896 7 386 474 oder weniger 1000 259 = 13,60 °/o.

Aus Hildesheim wird geschrieben: Im Bereich der Domäne Catlenburg, Kreis Northeim, ist die Aufstellung einer Turbine von 70 Pferdekräften erfolgt, welche zum Betriebe elektrischer Anlagen dienen soll; letztere sind ebenfalls in der Ausführung begriffen und sollen für den Betrieb der land- wirthschaftlichen Maschinen sowie zur Beleuchtung der Guts- gehöfte und vielleicht auch zum Pflügen Verwendung finden. Die elektrischen Anlagen aus der Domäne Sillium, Kreises Marienburg, sind bis auf einige Kleinigkeiten vollendet und funktioniren im allgemeinen zur Zufriedenheit. Auch die Pflügarbeiten mit elektrischer Kraft haben in letzter Zeit einen recht günstigen Verlars genommen, doch ist es noch zweifel­haft geblieben, ob der Nutzen den Kosten entspricht, da bei dem vorherrschend sehr strengen Boden der Effekt bisher die Erwartungen nicht ganz erfüllt hat.

Infolge der großen Ersparnisse, die die städti­schen Gasanstalten Berlins seit Einführung des Auer'schen Gasglühlichts für die Straßenbeleuchtung aufzuweisen haben, hat der Magistrat beschlossen, die Gasdeputation zu ermäch­tigen, mit der Umänderung der noch nicht mit Auerlicht ver­sehenen Laternen schleunigst vorzugehen. Von den jetzt vor­handenen 22 006 Straßenlaternen sind bereits 11483 mit Auerlicht versehen. Infolge dessen hat die öffentliche Beleuch­tung in der Zeit vom 1. April 1886 bis 1. Oktober 1897