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30 Oktober
wirklichen Schwierigkeiten bereiten; besitzen doch selbst ausgesprochen freisinnige Organe, wie die „Vosstsche Zeitung", Objektivität genug, um zu ermessen, was für das Deutschthum bei den nächsten Wahlen auf dem Spiele steht. Sie hat ihren Parteifreundm in bett Ostmarken eindringlich an gerathen, Schulter an Schulter mit allen Deutschen zusam- menzustehen und sich stets des großen Einsatzes der deutschen Interessen im Fall des Zweifels bewußt zu bleiben. So ist eS denn nur dem Abgeordneten Richter und seinem Organ vorbehalten gewesen, die Fackel der Zwietracht in die deutschen Reihen zu schleudern und volksparteiliche Sonderkandidaturen als Flankenschutz der polnischen Schlachtreihen zu befürworten. Es ist auch Hoffnung vorhanden, daß er mit diesem Einfall allein bleibt — kein einziges fortschrittliches Blatt hat chn unseres Wissens sich bisher zu eigen gemacht; im Gegentheil empfindet man überall im volksparteittchen Lager die Despotie dieses Mannes wie eine Geißel und als das böse Verhäng - niß der Partei, sodaß die Reaktion gegen ihn aus dm eigenen Reihm kaum noch ausbleiben kann.
Aus Stadt- und Landkreis Hanau.
Nachdruck unserer Localartikel nur mit Quellenangabe „Han. Anz." gestattet.
* Die nette Stä-tesr-nttng. Im Verein für städtische Angelegenheiten spricht nächsten Montag Herr Handelskammer-Sekretär Steller über „Die neue Städteord- nung für die Provinz Hessm-Nassau". Der Vortrag findet abends 81 /s Uhr im hinteren Saale gleicher Erde der Centralhalle statt. Der Zutritt ist auch Nichtmitgliedern gestattet In Anbetracht oer Wichtigkeit des Themas darf wohl auf eine zahlreiche Zuhörerschaft gerechnet werden.
* Nähtage. Im Vaterländischen Frauenverein beginum von nächstem Montag ab die Nähtage zur Borbereitung des Weihnachtsfestes.
* Lehrreiche Entscheidung des Berliner Gewerbegerichts. Kutscher R. klagte gegen Fuhrherrn R. wegen kündigungsloser Entlassung, wurde aber adewiesen, weil er der Quälerei des iöm anvertrauten Pferdes überführt wurde. Demnach gilt Thierquälerei als sofortiger Entlassungsarund.
* Stadttheater. Der morgige Sonntag bringt nach längerer Zeit wieder eine Gesangsposse, daS komische Familieu- gemälde „Bummelfritze^ von Jacobsobn und Wilken, Musik von Michaelis. In Bezug aus drastisch erfundene Situationen, die mit wirklich ergreifenden abwechseln, und glänzend gestaltete komische Charaktere wird das prächtige Stück stets zu den besten Possen zu zählen sein, um so mehr gerade das gesunde, volksthümliche Element — ein Haupt erforderniß dieses Genres — seine eigentliche Stärke bildet. Unsere ersten komischen Schauspielkräfte sind mit der Darstellung der Hauptrollen betraut. — I« der nächsten Mittwoch Vorstellung „Doktor KlauS" werdm zum ersten Male auftreten: Herr Emll Lingen vom Hoftheater in Dessau in der Titelrolle und Herr Walter Dasing vom Stadttheater in Halle in der jugendlichen Liebhaberrolle des Paul Gerstel.
* Verein Kreditressrm zum Schutze gegen schädliches Kreditgeben. In der Abtheilung für Mahnsachen wurden im 3. Quartal 1897 eingereicht 317 Posten im Betrage von Mk. 13 831.90. Hiervon sind 44 Posten theils bestritten, theils unbestellbar. Geor-net wurden durch Bezahlung und Vereinbarung 161 Posten mit Mk. 9809.28. Im Ganzen sind dem Vereinsbureau bis jetzt eingereicht 11 966 Posten im Betrage von Mk. 494 157.96.
* Vom Diamantarbeiterstreik. In der gestern Abend abgehaltenen Generalversammlung des Diamantschleifer- vereius wurde mit großer Mebrheit beschlossen, mit den Hiesi-
Komitees sollen, soweit die Gelder reichen, Ankäufe für die Galerie gemacht werden. Den Künstlern werden alle ihnen durch ihren Aufenthalt in Pittsburg ercuachsenden Spesen erstattet.
Heimkehr.
Den Sturm im Herzen, den Sturm im Haar, So bin ich gewandert Jahr um Jahr,
Nun kommen die stillen Tage.
Die Sonne scheint so müd ins Ried Und zitternd verklingt ein letztes Lied Wie eine sehnende Klage.
Da steh ich wieder am Gartenthor, Die Georginen leuchten hervor Und blasse Chrysanthemen Und sagen: Was gingst du denn gar so weit? Vorbei ist nun längst die schöne Zeit, Nun heißt es Abschied nehmen.
Auf weiter Heide, da liegt ein Grab Und drauf ein gebrochener Wanderstab. Die Winde sausen drüber.
Dort schläft ein vergrämtes Mütterlein, Dem füllte ich Stab und Stütze fein — Da geh' ich nochmal hinüber. —
Sinngedicht.
Rosen und Nelken, Wie blüht ihr so schön, Aber euch welken So bald muß ich seh'n;
Irdische Freuden, Wie schnell seid ihr hin, O zu beneiden Ist himmlischer Sinn!
gen Arbeitgebern behufs event. Beilegung des Ansstandes erneute Unterhandlungen anzuknüpfen. Anscheinend ist man in Arbeiterkreisen geneigt, in der Lehrling' feaze entgegenzukommen. — Aus Amsterdam wird der „Frkf. Ztg." gemeldet: Im allgemeinen Diamantarbeiterbunde sind ernste Streitigkeiten ausgebrochen. Polack, der Begründer des Bundes, kündigt seinen Rücktritt an.
Cd. Buchstäblich wahr! Vor dem Schaufenster einer Firma in der Fahr gaffe zerbrach sich gestern ein bejahrter biederer Dorfbewohner allen Ernstes den Kopf darüber, wie das „schiene Weibsmensch" in den Fensterraum gekommen sei. „Wäi es des Stäubeos nor do enei gekomme?" fragte er staunend ein über das andere Mal. Ueber die wirkliche Natur des Modells belehrt, gab er seiner Verwunderung über die neue Zeit Ausdruck, die „su ebbes" machen könne. Er war trotz seines gesetzten Alters nach seinen eigenen Worten noch nie in einer Staot gewesen. Kaum glaublich, aber wahr !
)( Versammlung -es kath. Volksvereins. Am Sonntag den 21. November, nachmittags 4 Uhr, findet in der Centralhalle eine Versammlung des kath. Volksvereins statt. Die Herren Reichs- und Landtagsabgeordneter Rechts anwalt Dr. Schmidt aus Mainz und Landtogsabgeordneter R. Kircher von Fulda haben als Redner zugesagt. Herr Reichstagsabgeordneter Müller wird sich gleichfalls an der Versammlung betheiligen, falls nicht bis dorthin schon der Reichstag einberufen ist. Herr Landtagsabgeordneter R. Kircher wird wahrscheinlich das Thema „Die Wahlen" behandeln.
* Der blaue Frack ist da! Eigentlich schon lange; aber zewtssermaßen amtlich wird er im kommenden Januar auf der Bildfläche erscheinen. DaS Präsidium der im Januar in Wien zu eröffnenden Kochkunst-Ausstellung hat nämlich beschlossen, am Eröffnungstage im „blauen Frack aus dem Jahre 1848" zu erscheinen und dieses Kleidungsstück in der Folge bei allen außerordentlichen Gelegenheiten als F-stge- wand zu tragen. Vielleicht steht gar Werthers Leidenskostüm in Aussicht, wie es Goethe beschreibt: „gestiefelt im blauen Frack mit gelber Weste." Mit dieser Wiedereinführung des blauen und Verdrängung des langweiligen, wenn auch sehr praktischen schwarzen Frackes kann man sich einverstanden er klären, vorausgesetzt, daß der „blaue Frack aus dem Jahre 1848" nicht den gesetzlich hohen Kragen bekommt und sonst auch modern zierlich ausfieht. Der blaue Frack ist übrigens nie ganz verschwunden. Mitte der 60er Jahre etwa trug man ihn hi Deutschland auch, sogar mit gelben Metall knöpfen.
Für heute. Turngemeinde: Abends von 7^8—9 Uhr: Kürturnen und Vorturnerstunde. — Gesangverein „Eintracht" : Abends 8 Uhr: 30. Stiftungsfest (Herrenabend) im Saalbau „zum deutschen Haus". — Evang. Männer und Jünglingsverein: Abends 8V$ Uhr: Freie Unterhaltung (Ältst. Rathhaus). — Christlicher Arbeiterverein : Ebenfalls abends 81/2 Uhr: Gemüthliche Zusammenkunft im Vereins lokal „Brauerei Weismantel". — Abends 9 Uhr: Kasino „Eintracht" (Vereinslokal „Goldene Gerste"): Ler einsabend; — Dramatisch-litterarischer Verein „Melpomene" (im vorderen Sälchen Restauration „Carlsberg"): Rezitations- abend; — Verein „Einigkeit": Vereinsabend „zur großen Krone". — Fußballklub „Viktoria": Abends von 9—10 Uhr: Vereinsabend im „Deutschen Haus"; — Athletenklub „Germania" : Ebenfalls abends von 9—10 Uhr: Vereins abend (Gasthaus „zum schwarzen Bären"). — Gesangverein „Sumser": Abends 9Vi Uhr: Generalversammlung; Tagesordnung: Winterseierlichkeiten, Verschiedenes.
Für morgen. Arendâ'scher Stenographen - Verein (Reßaurant „zum Brauftüb'l", Gärtnergasse): 11—12 Uhr: Schreiben; von 12 —Val Uhr: Lesen. — Erster Hanauer Fußballklub „1893": Nachmittags 2Va Uhr: Uebungsspiel.
Versteigern« gs- ä Berpachtttngs- re» Kalender für Montag den 1. November.
Von vormittags 9 Uhr ab wird Leipzigerstraße 42 und 37a das zur Kolbt'schen Konkursmasse gehörende Inventar durch den st. beeid. Auktionator Herrn Carl Petri gegen Baar- zahlung versteigert.
Die städtische Bibliothek
Bangertstraße 2, erster Stock, ist Sonntags, Mittwochs und Samstags von 11 bis 1 Uhr zur kostenfreien Benutzung für das Publikum geöffnet.
Gesammtkataloge sind zu 1.20 Mk., die neuesten Nachträge Nr. 15 und 16 zu je 20 Pfg. in der Bibliothek zu haben.
Neuanschaffungen aus den letzten Jahren sind: v. Rotteck, Allgemeine Geschichte. 9. Bde. 1824.
Menzel. Geschichte des franz. Krieges von 1870/71. Demme, Nachrichten und Urkunden zur Chronik von Hersfeld bis zum Beginn des 7jährigen Krieges 1891 und 1893.
Gräfe, Dr. H. Der Vrrfafsungskampf in Hessen. 1851.
Laube, H. Erinnerungen 1810 bis 1881. 2 Bde. 1875 und 1882.
Byron's dramatische Werke. 1870.
„ lyrische Gedichte. 1872.
„ Dichtungen. 1865.
Les cinq Codes de l’Empire fran^ais. Paris 1812. Erdmann, Dr. I. E. Natur oder Schöpfung? 1840. Schleiden, Dr. M. I. Die Pflanze und ihr Leben. 1850.
Egli. Die Schweiz. 1886.
Glaser. WaS ist Wahrheit? 1869.
Goldsmith. Landprediger von Wakefield. Deutsch von Eitner. 1870.
Gotthelf, J. Wie Anne Bäbi Jowâger haushaltet. 1882.
„ Leiden und Freuden eines Torfschulmeisters.
v. Grabowsky, Graf. Up ewig ungedeelt. Schleswig- Holstein 1848—64.
Gutzkow. Der Zauberer von Rom.
Hackländer. Europäisches Sklavenlebrn. 1885.
„ Der letzte Bombardier. 1886.
„ Feuerwerker Wortmann und andere Soldatengesckichten. „ Wachtstubenabenteuer. 1885. „ Das Soldatenleben im Frieden 1885.
Hartman n, M. Gesammelte Werke. 1874.
(Forts, folgt.)
* Hana«, 30. Oktober. (Lebensmittelpreise.) Hülsenfrüchte: Bohnen 30—35 Psg., Erbsen 30—35 Pfg., Sinsen 40—45 Pfg. das Doppelliter ; Geflügel: Tauben, das Pärchen 70—80 Pfg.; ein alter Hahn 1,20-1,40 Mk.; ein junger Hahn 90 Pfg. bis 1,60 Mk.; ein Huhn 1,10—1,30 Mk.; eine Ente 2,50—3 Mk.; eine Gans 3,80—4,50 Mk.; Fische: gewöhnliche Sorte 25—30 Pfg., bessere Sorten 40 Pfg., Aal 1,10—1,20 Mk., Hecht 1,10 bis 1,20 Mk., Brefim 60—70 Pfg., Barben 60—70 Pfg., Barsch 60—70 Psg. — Va kg; Gemüse: Merrettig, die Stange 15—25 Pfg.; Blumenkohl das Stück 20—35 Pfg.; Kopfsalat, das Stück 6—8 Pfg.; Endivien, das Stück 5—8 Pfg.; Rettig, das Stück 5 Pfg.; Ober- Kohlrabi, das Stück 5—6 Psg.; Unter-Kohlrabi, das Stück 10—12 Pfg.; Wirsing, das Stück 10—15 Pfg.; Weißkraut, das Stück 10—20 Pfg.; Rothkraut, das Stück 15 bis 20 Pfg.; Sellerie, das Stück 5—10 Pfg.; gelbe Rüben das Bund 6—8 Pfg.; Braunkohl, die Portion 30 bis 32 Pfg.; Rosenkohl, die Portion 40—45 Pfg.; Schwarzwurzel, die Portton 25 — 30 Pfg.; Spinat, die Portion 20 bis 25 Pfg.; Schmalzkraut, die Portion 15—20 Pfg.; Kartoffel 10—12 Pfg. das Doppelliter ; Obst: Trauben 20—40 Pfg. das V« kg; Aepfel, das Pfand 15—30 Pfg.; Birnen, das Pfund 10—20 Pfg.; Nüsfe, das Hundert 35—40 Pfg.; Zitronen, das Stück 8—10 Pfg.; Apfelsinen, das Stück 12—15 Pfg.; Paradiesäpfel, das Stück 8—10 Pfg.; Ver- schiedenes: Butter das Pfund 1,05-1,25 Mk.; Käse, das Stück 4—5 Pfg.; Eier, das Stück 9—10 Pfg.; Zwiebel, das Doppelliter 22—24 Pfg.; Welfchkorn, das Doppelliter 24—26 Psg.; Radieschen, das Bündel 3 Pfg.; Kastanien, das Va kg 18—20 Psg.; Weizenmehl, 1. Sorte 24 Psg., 2. Sorte 22 Pfg., 3. Sorte 20 Psg., 4. Sorte 18 Pfg. = Va kg.; Stroh 2,20-2,50 Mk. und Heu 3,50—3,80 Mk. — 50 kg.; Buchenholz, der Meter 9,50 Mk. Eine Spansau 4—8 Mk.
Barometerstand
mittags 12 Uhr amr29./10.
30./10.
Sehr trocken Beständig
Schön Veränderlich
Regen (Wind)
Viel Regen
Sturm
Aus der Provinz und den Nachbargebieten.
Cassel, 28. Oktbr. Das hiesige städtische Gaswerk hat in dem nunmehr abgeschlossenen Betriebsjahr 1896/97 bei einem Umsatz von Mk. 781594 in Einnahmen und Ausgaben einen Gewinn von Mk. 309 467 erzielt. Von diesem Betrag wurden Mk. 151000 als 5proz. Rente des rund Mk. 3 000 000 betragenden Anlagekapitals an die Stadtkasse abgeführt, während der Rest mit Mk. 158 467 als eigentlicher Reingewinn ebenfalls zur Stadtkasse fließt. Der Reingewinn beträgt Mk. 74 000 mehr als im Voranschlag vorgesehen war. Der Konsum von Heizgas hat außerordentlich zugenommen. Die Gaspreise betrugen 16 Pfg. pro Cbm. Leuchtgas und 13 Pfg. (Wintermonate) ober 10 Pfg. (Sommermonate) pro Cbm. Heiz- und Kochgas. (Fkf. Z.)
Cassel, 29. Oktbr. Gestern Nachmittag ereignete sich auf hiesigem Personenbahnhöfe ein bedauerlicher Un fall. Der Rangirer Heckersdorf von hier gerieth beim Kuppeln zweier Wagen zwischen die Puffer und erlitt innere. Verletzungen, so daß er auf Anordnung des herbeigeeilten Arztes nach dem Landkrankenhause überführt werden mußte, wo er inzwischen seinen Verletzungen erlegen ist. Ein Verschulden Dritter erscheint ausgeschlossen. Der Unfall ist um so betrübender, als Heckerâdorf, der ein braver und pflichtgetreuer Mann war, am nächsten Sonnabend Hochzeit machen wollte.
Eschwege, 28. Oktbr. An einer Pferdeweide bei Niederhone kam gestern Nachmittag ein Mann vorbei, dem es Vergnügen machte, die weidenden Thiere an sich zu locken und mit Brod zu füttern. Angeblich nur dies brachte den Wärter der Pferdekoppel so furchtbar auf, daß er eine zur Hand stehende Schippe nahm und mit dieser den sich des unschuldigen Vergnügens Freaenden auf den Kopf schlug. Der Unglückliche stürzte besinnungslos zu Boden. Die OrtS-