Erstes Blatt.
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Nr. 255.
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Amtliches Organ für Htaöi- unö LanSKreis Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage
Samstag heu 30. Oktober
1897.
FMMWM
Amtliches.
^anöftret# ^anau.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtcs.
Auf Ansuchen des Großherzoglich Hessischen Kreisamts Büdingen wache ich hierdurch bekannt, daß auf dem am 2. November er. zu Ortenberg stattfindenden Vieh- markt Rindvieh und Schweine aus Ortschaften des diesseitigen Kreises nur auf Grund einer von der Ortspolizeibehörde ausgestellten Bescheinigung, daß die betreffende Ortschaft seuchensrei ist, zugelasfen werden.
Hanau am 29. Oktober 1897.
Der Königliche Landt ath v. Schenck.
Landwirthschastlicher Kreisverein Hanau.
Nächste Versammlung Samstag den 6. November, nachmittags 2 Uhr, im Gasthaus „zum goldenen Löwen" in Hanan.
Tagesordnung:
1. Geschäftliche Mittheilungen.
2. Aufnahme neuer Mitglieder.
3. Vortrag uDer Obstbau. Berichterstatter; Herr Philipp Jung in Butterstädterhöfe.
4. Vortrag über Lebensversicherungswesen. Berichterstatter: Herr Regierungs-Assessor Dr. Wenke.
Der Vorstand.
Die Herren Bürgermeister des Kreises werden ersucht, obige Bekanntmachung des landwirthschaftlichen Kreisvereins in ihren Gemeinden in ortsüblicher Weise bekannt zu machen. Hanau am 27. Oktober 1897.
Der Königliche Landrath v. Schenck.
^taöt^rciö ^anau.
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.
Bekanntmachung.
Am 31. Oktober d. Js. wird wie in den Vorjahren, zwecks Veranlagung der Einkommensteuer für das Jahr 1898/99 eine allgemeine Ausnahme des Personenstandes in hiesiger Stadt vorgenommen werden. Zu diesem Behufe werden jedem Hauseigenthümer oder dessen Stellvertreter schon mehrere Tage vorher die erforderlichen Hauslisten eingehändigt werden, um deren genaue und gewissenhafte
Kleines Feuilleton.
Resormationssest.
Dein Wort ist unsers Fußes Leuchte,
Auf unserm Wege ist's ein Licht, ;
Wenn wir in seinem Scheine wandeln, So fehlen wir des Lichtes nicht;
Ihr Pilger, die ihr schweren Herzens
Durch Wüstenei und Wildniß reist, Folgt nur vertrauensvoll bin Pfaden, Die euch das Wort der Wahrheit weift.
Es ist das Wort euch doch nicht ferne,
Zu euren Füßen leuchtet's ja,
Und wenn ihr trmlich daraus achtet, So bleibt es euch beständig nah;
Kein Dunkel gibt's, das es nicht lichtet, Kein Schatten ist, der ihm nicht weicht, Auch ist kein Stern am weiten Himmel, Der nicht vor seinem Glanz erbleicht.
Wohlan, wir zieh'n im Licht des Wortes,
Wir wollen keinen Hellern Schein;
Nur fröhlich weiter! Denn wir werden
Schon auf dem rechten Wege sein;
Du aber leuchte, Licht von oben,
Mir freundlich jetzt am dunkeln Ort,
Und wenn einst meine Augen brechen,
So leuchte mir im Heizen fort!
Ern st Fis cher.
Stadttheater in Hanau.
Hana«, 30. Oktober.
Die gestrige Aufführung im Stadttheater hatte uns nach dem Studium des offiziellen Theaterzettels schon vorher viel Kopfzer-
Ausfüllung hinsichtlich sämmtlicher in dem betreffenden Hause nebst Zubebör wohnenden Personen nach dem Stande vom 31. Oktober d. Js. ersu6t wird. Insbesondere bitte ich besondere Sorgfalt auf die Angabe von Stand und Gewerbe zu verwenden und überall die Art der Beschäftigung — namentlich auch, ob selbstständig, Gehilfe, Lehrling rc. — ersichtlich zu machen.
Indem ich schließlich auf die, auf den Hanslisten abgedruckten gesetzlichen Bestimmungen verweise, spreche ich das Ersuchen aus, daß das ketheiligre Publikum sowohl im eigenen Interesse, als auch zur Fö derung der Veranlagungs-Arbeiten dahin wirken wolle, daß der am 1. November erfolgenden Abholung der Hauslisten kein Hinderniß entgegensteht.
Hanau den 8. Oktober 1897.
Der Oberbürgermeister
J. V.: Heraeus. 15179
Der Hebetermin der Steuern und des Schulgeldes pro III. Vierteljahr 1897/98 findet vom L bis 15, November d. Js. statt — fiehe Steuerzettel —, nach Ablauf dieses Termins wird mit Mahnung und Zwangsvollstreckung begonnen werden.
Zwecks schnellerer Abfertigung bei Zahlungen wird ersucht, das Geld abgezählt zur Kasse zu bringen.
Hanau den 29. Oktober 1897.
Städtische Steuerkaffe,
Markt Nr. 16, 15389
Zimmer Nr. 5—6 zu ebener Erde.
Dienstnachrichtcn aus htm Kreise.
Zugelaufen: Ein schrra zer Spitz mit weißer Brust und weißen Hinterpfoten.
Eingefangen: Ein Ferkel, blau gezeichnet.
Hanau den 30. Oktober 1897.
Wahlvorbereitungen in den Ostmarken.
In den Ostmarken sind die Polen unter Ausbietnng aller Kräfte bemüht, die Gunst des Augenblicks auszunutzen. Das polnische Centralwahlkomitee für Westpreußen und Ermland beruft eine Genei aloersammlung der neulich gewählten Kreis- delegirten zum 4. Dezember nach Graudenz, um die Wahlen vorzubereiten. In Posen ist man auf polnischer Seite nicht minver thätig. Die Frage, ob man gegebenenfalls mit
brechen verursacht. Es schien uns unerklärlich, wie es die Direktion ermöglichen wollte, daS altbewährte Benedix'sche Lustspiel »Die rele- girten Studenten" ohne den Helden des Stückes, den früher relegirten Studenten und jetzigen Weltreisenden Reinhold Kronau aufzuführen, den wir auf dem Zettel vergeblich suchten. Aber der Verlauf der ersten Aktes brachte uns die angenehme Enttäuschung, daß unsere Theaterleitung dieser Experiment keineswegs zu machen gewillt war, denn pünktlich nach dem Fallen des Stichworts stellte sich der flotte Bruder Studio im Kreise seiner lieben Verwandten von dem Weltbummel ein. Auch das liebliche Töchterchen des Oekonomierathes Hirschbach, das der Theaterzettel ebenfalls boshaft verleugnete, hatte sich eingefunden und so hatte man denn die angenehme Hoffnung, das Lustspiel mit den üttidjen drei verlobten Paaren enden zu sehen. Die harmlose Fröhlichkeit des Stückes fand ein dankbares Publikum, das die Aufführung mit Beifall begleitete. Dem Regisseur der gestrigen Aufführung Herrn Lehrmann aber geben wir zu bedenken, daß ein Zuviel der einfachen Handlung und Sprache des Stückes nicht förderlich ist, wie solches sich in der ins Possenhafte übertriebenen Szene, Reinhold und seine Verwandten, kund gab. Der „Reinhold Kronau" war eine schöne temperamentvolle Leistung des Herrn Stein götter und Frl. Brandow standen als „Konradine Hartenberg' warme überzeugende Herzenstöne zur Verfügung. Herr Walter als , Justizratb Stein' führte seine kleine Parthie dezent durch. In der Darstellung alternder .Gecken" ist Herr Tyrkowski Meister, sein Tannenheim gab ein glänzendes Beispiel davon. Herr Gehrmann als .Hirschbach' trug etwas stark auf, erntete aber lebhafte Anerkennung. Herrn Bernhard war mit dem „Kornhändler Kronau' eine größere Aufgabe übertragen worden und er entledigte sich derselben nicht ohne Erfolg. Frau Lehmann und Frau Miller als Frau .Kronau' und Frau »Hirschbach' führten ihre Parthieen ebenfalls mit der nöthigen Zungengeläufigkeit durch. Frl. Rudow und Frl. Krause wirkten in ihren kleinen Rollen recht sympathisch. Herr Göbel als „Lindeneck" schien vom Souffleurkasten abhängig zu sein, was seine Darstellung noch mehr beeinträgte und Herr Ern au als „Born" war in der gewählten Maske gerade nicht das Ideal eines so romantisch veranlagten Mädchens wie der Tochter des Oekonomierathes Hirschbach. Herrn Ernaus Begabung scheint sich mehr nach dem Fach eines jugendlichen Komikers und Raturburschen zu neigen, als für die hier auszufüllende Stelle.
Aus Kunst und Leben.
Zukunfts-Telegraphie. Die „Zentral-Zeitung für Optik und Mechanik" vermittelt einen wehr als schwungvollen Ausspruch des englischen Professors Ayrton, eines be-
anderen Parteien, mit dem Centrum und der freisinnigen Volkspartei, Wahlkompromisse eingehen solle, wird in der Presse in einer für das Polenthum sehr charakteristischen Weise beantwortet. Im „Orendownik" gelangt die ganze Fülle des polnischen Nationalstolzes zum Ausdruck, wenn das Blatt jede fiemde Hilfe als eines Polen unwürdig beiseite setzt. „Wir sind uns selbst genug, und stegen oder unterliegen mit eigener Kraft" — klingt es aus seinen Spalten heraus. Wenn man dem Volke Kompromißkandidaten ansinne, schwäche man den Hauptweck aller Agitation, das nationale Bewußtsein der Polen, ab. Es sei nebensächlich, ob die polnische Fraktion 15 oder 20 Abgeordnete zähle; 15 Abgeordnete mit polnischen Stimmen gewählt, wögen schwerer als 20 mit „fremder" Hilfe Gewählte. Man kann nicht bestreiten, dag dieser Standpunkt von Würde und Selbstbewußtsein zeugt. Er findet aber im polnischen Lager selbst Widerspruch; der „Dziennik Poznanski" ist der Meinung, daß es vor allem auf eine möglichst große Zahl polnischer Abgeordneter ankomme und nebensächlich sei, mit welcher Hilfe die Polen gesiegt hätten. Er plaidirt auch im Gegensatz zu dem vornehmen Polenthum für Betheiligung der polnischen Wähler an den Stichwahlen zwischen deutschen Kandidaten, sei es auch nur um eine regierungsfreundliche Wahl zu hintertreiben — ein Vorschlag, der allerdings nur eine akademische Bedeutung hat, da er in der Praxis schwerlich zur Verwirklichung gelangen wird.
Mit Genugthuung muß konstatirt werden, daß sich angesichts dieser Rührigkeit doch auch die Deutschen endlich auf sich selbst besinnen. Der Ausschuß des Centralvereins der vereir igten Konservativen für die Provinz Posen hat bereits getagt und beschlossen, daß bei den bevorstehenden Wahlen unbedingt nur deutsche Kandidaten von den Konservativen aufzustellen und zu unterffâtzen sind und daß da, wo der Abschluß von Kompromissen angezeigt erscheint, die Zugehörigkeit der Kandidaten zu einer bestimmten Partei ein Hinderniß für eine Vereinbarung im nationalen Sinn an sich nicht bilden soll. Das ist ein von staatsmännischer Einsicht zeugender Beschluß, der hoffentlich von bestimmendem Einfluß für allen deutschen Wädler sein wird, wobei wir indes auch das Moment nicht zu gering angeschlagen sehen möchten, daß überhaupt nur solche Kandidaten aufgestellt werden, denen in allen Kreisen der deutschen Bcvölkeeung ein solches Vertrauen entgegen gebracht wird, daß eine allgemeine Theilnahme der deulschen Wähler sicher zu erwarten steht; die für alle Deutschen geschaffene Zwangslage überläßt dem Sonderstreben einzelner Parteien keinen Zoll breit Raum mehr. Bei dem allseitigen guten Willen zur Verstänsigung wird auch die Kandidatenfrage in den einzelnen Wahlkreisen keine unüber
sonders auf dem Gebiete der Elektro-Chemie oft genannten Forschers. Er sagt.' neulich in einem Vortrage: „Es unterliegt keinem Zweifel, daß eine Zrit kommen wird, wo Kupferdrähte, Guttapercha und andere Mittel zum Umhüllen der Telegraphendrähte Dinge der Vergangenheit sein werden. Wenn dann Jemand seinem Freunde, dessen Aufenthalt er nicht kennt, eine Mittheilung machen will, so wird er mit einer elektromagnetischen Stimme reden, die nur von Demjenigen vernommen w'rd, der das zugehörige elektromagnetische Hörorgan besitzt, für jeden Anderen aber unverständlich bleibt. Er ruft z. B.: „Wo bist Du?" und er vernimmt von dem, für dm die Frage bestimmt war, vielleicht die Antwort; „Ich befinde mich im Bergwerke da und da" oder „in der Mitte des Ozeans" oder „Ich übersteige eben die Anden-Kette" u. s. w. Wenn aber keine Antwort eintrifft, so weiß der Fragende, daß der Freund todt ist. Was für ein Rufen und Antworten mag dann von Pol zu Pol gehen, hörbar jedoch rur für Die, zwischen Denen die Sprachverbindung verabredet ist, für alle übrigen Menschen aber unvernehmbar." — Großartig!"
Amerikanisches Mäcenatenthum 200,000 Mk. für Bilder gibt alljährlich die Stadt Pittsburg in den Vereinigten Staaten aus. Ein vor kurzer Zeit dortselbst verstorbener Millionär hat der Stadt sein ganzes Vermögen mit der Bedingung vermacht, daß eine Bildergalerie angelegt werden soll, und zwar sollen jedes Jahr 200,000 Mk. für Gemälde modernster Meister ausgegeben werden. Das Programm, welches von dem zum Zweck des Ankaufes eingesetzten Komitee angenommen wurde, ist ebenso sorgfältig entworfen, wie kostspielig. Eine Jury wird alljährlich Europa bereisen, um Gemälde zu einer Ausstellung anzuwerben, welche jedes Jahr im Herbst in Pittsburg stattfinden wird. Die erste Ausstellung wird noch dieses Jahr eröffnet werden. Es soll eine Jury gewählt werden, in welcher jedes Land, das bei der Ausstellung betheiligt ist, durch zwei namhafte Künstler vertreten wird. Nach dem Urtheil dieses internationalen