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Amtliches Organ für Staöt- unö LauöKreis Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
grtitag den 29. Oktober
1897.
Amtliches. ^anö^ret0 ^anau.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtcs.
Unter Bezugnahme auf meine Bekanntmachung vom 25. d. Mts. — Nr. 250 des „Hanauer Anzeiger" — mache ich hierdurch bekannt, daß in Rüdigheim der Ausbruch der Maul- und Klauenseuche festgestellt worden ist. Die Orts- und Gemarkungssperre für Rüdigheim ist bereits unterm 25. d. Mts. angeordnet worden.
Hanau den 28. Oktober 1897.
Der Königliche Landrath
V. 11002 v. Schenck.
Ueber die Gemeinde Hörstein, Bezirksamt Alzenau, ist infolge Umsichgreifens der Maul- und Klauenseuche die Gemarkungssperre verhängt worden.
In Lindheim und Enzheim, Kreis Büdingen, ist die Maul- und Klauenseuche ebenfalls ausgebrochen und Orts- und Gemarkungssperre angeordnet worden.
Hanau den 28. Oktober 1897.
Der Königliche Landrath
V. 10997 v. Schenck.
In Seligenstadt und Klein-Krotzenburg ist die Maul- und Klautnfeuche ausgebrochen und Gehöftssperre bezw. Gehöfts- und Gemarkungs sperre angeordnet worden.
Hanau am 28. Oktober 1897.
Der Königliche Landrath
V. 10992/93 v. Schenck.
Dicrchuothnchtcn aus dem Kreise.
Gefunden auf dem Wege von Wilbelmsbad bis Wachenbuchen (im Walde) eine silberne Taschenuhr; Empfangnahme bei dem Schreinerlehrling Wilhelm Kleeb zu Wachenbuchen. Eine gelbe (Decke) Teppich, A. H. gez.; Empfangnahme beim Herrn Bürgermeister zu Rüdigheim. Eine Fahrrad-Laterne, welche beim Bürgermeister zu Kesselstadt in Empfang genommen werden kann. Eine messingene s. g. Stopfbüchse. Zwei neue Malerpinsel.
Verloren: Ein Paar weiße baumwollene Handschuhe. Ein blaurother Saphir (Stein).
Entflogen: Eine blaue Trommeltaube mit weißgesprenkelter Haube und Federfüßen.
Entlaufen: Ein schwarzer Spitz, m. Geschl.
Hanau den 29. Oktober 1897.
Kavallerie-Angriffe.
Wie die „Freisinnige Zeitung" die Dinge auf den Kopf zu stellen pflegt, erhellt auch aus einem Artikel „Kriechübungen der Infanterie", in welchem sie an der Hand eines im „Militär-Wochenblatt" enthaltenen Artikels über die Vorwärtsbewegung der Infanterie gegenüber dem kleinkalibrigen Gewehr schließt:
„Wir aber fragen: wie verhält sich nach dieser Darstellung der große Kavallerie Angriff bei dem letzten Manöver? Die Kavallerie bot dem Vertheidiger doch nicht blos Mannsziele, sondern auch noch dazu die breiteren Ziele der Pferde. Dazu ging die Kavallerie doch geschlossen vor, während es sich bei der Infanterie von vornherein nur um aufgelöste Schützenlinien handelt. Wenn schon diese nur kriechend zum , Angriff übergehen können, wie soll dann eine Kavallerieattacke möglich sein gegenüber einer Vertheidigung, die nicht blos durch Infanterie, sondern, wie es bei dem großen Manöver der Fall war, auch durch Artillerie gestützt wird. Dazu komm^nun noch das Schnellfeuer der neuen Feldgeschütze. In der That, man muß Recht geben denjenigen, welche gesagt haben, daß im Ernstfall von jener vorstürmenden Kavallerie nicht so viel Mann übrig geblieben sein würden, um auch nur die Todten begraben zu können."
Hier stellen die „Berliner Neuesten Nachrichten" zwei Unwahrheiten fest:
I. Wird bei Kavallerie-Angriffen in seltenen Fällen die Reiterei eingesetzt werden, um der eigenen bedrängten Infanterie Luft zu machen, wie bei Mars la Tour 1870, sondern in den meisten Fällen wird es sich um die Herbeiführung der völligen Auflösung der geschlagenen und im Rückzüge befindlichen feindlichen Infanterie handeln, deren Feuer, soweit sie sich überhaupt nicht schon verschossen hat, nur von erheblich geringerer Wirkung sein kann. In diesem Falle ist das Einsetzen der Reiterei Pflicht, denn es vernichtet die feindliche Armee und erspart eine neue Schlacht.
Will man das aber im Kriege machen, so muß man es im Frieden üben. Dazu sind die großen Manöver da, die einzig dazu die Gelegenheit bieten. So lange bei Manövern blind geschossen wird, werden solche Gefechtsbilder niemals absolut kriegsmäßig sein nnd der Laienkritik damit manche scheinbare Blöße bieten.
2. Die Aeußerung des Generals Grafen Häseler über das „Begraben der Todten", ist dem Wortlaut wie dem Sinne nach völlig entstellt wiedergegeben. Die Bemerkung des Generals galt, wie bereits festgestellt ist, gar nicht den Kavallerie- Angriffen, die durchaus in seinem Sinne gewesen sein dürften, sondern einer fehlerhaften Tiefenentwickelung der augenblicklich vorgehenden Infanterie.
Tagesschau.
Der Vttndesrath hat in seiner gestrigen Sitzung der Vorlage, betreffend den Entwurf von Bestimmungen über den Vollzug der Freiheitsstrafen, der Vorlage, betreffend Aenderungen der §§ 42 und 44 der Ver kehrsordnung für die Eisenbahnen Deutschlands, und dem Abkommen zur Regelung einiger Fragendes internationalen Privatrechts vom 14. November 1896 die Zustimmung ertheilt und die Ausschußsnträge, betreffend Abänderung des LegleitscheinrezulativS und betreffend Aenderung der Ausführungsbestimmungen zum Zucker- steuergesetze, angenommen. Die Vorlage, betreffend den Stand der Bauausführungen rc. für die Eisenbahnen in Elsaß- Lothringen, wurde zur Kenntniß genommen. Endlich wurde über den Seiner Majestät dem Kaiser zu unterbreitenden Vorschlag wegen Besetzung einer Stelle bei dem Disziplinar- Hofe sowie über eine Reihe von Eingaben Beschluß gefaßt.
Drittes Kriegerwaisenhaus. Für die Erbauung eines dritten Kriegerwaifenhausrs sind aus dem Unterweser- Bezirke die Orte, Bederkesa und Oerten mit auf die engere Wall gestellt worden. Eine Kommission, bestehend aus dem Major a. D. Schemann und dem Magistratssekretär Backhausen aus Berlin, wird Ende dieses Monats die in Lehe und Bederkrsa angebotenen Grundstücke besichtigen.
Die Festspielstätte« für die deutschen National feste, welche dem Präsidium dieser Feste in Vorschlag gebracht worden sind, werden gegenwärtig von den Vorstandsmitgliedern des Hauptausschusses, Landtagsabgeordneten v. Schenckendorff-Eörlitz und Hofrath Dr. Rolfs-Ptünchen einer eingehenden Besichtigung unterzogen. Die Mahl des Festortes wird von der Erfüllung aller vorgeschriebrnen Bedingungen abhängen und im Laufe des Januar 1898 durch Einzelabstimmung sämmtlicher Mitglieder des großen Präsidiums vorgenommen werden. Nach vollzogener Wahl soll sofort mit den Preisausschreiben und Vorarbeiten begonnen werden.
Zur Besteuerung der Schutzhütten. Aus Innsbruck wirdden„Münch.N.N."geschrieben:Beiuns in Oesterreich ist schon so Manches geschehen, worüber man jenseits der schwarz-gelben Grenzpfähle sich baß gewundert hat. Während man in anderen Fremdenverkehrsländern dem reisenden Publikum auf ' den Bahnen alle Bequemlichkeiten zu bieten trachtet und die Fahrpreise möglichst herabsetzt, kann man sich bei uns zu diesen Zugeständnissen gar nicht verstehen, sondern die Fahrpreise zeigen sogar eine aufsteigende Tendenz. Jetzt sollen sogar die Unterkunftshäuser der alpinen Vereine in die allgemeine Steuer einbezogen werden, wofür bereits die entsprechenden Vorarbeite« in Angriff genommen wurden. ' Mit Recht sagt ein'angesehenes Blatt Innsbrucks: Nicht geT nug, daß die Wirthschastspächter in diesen welteinsamen Hochgebirgsgegenden für die Ausübung ihres sehr riskanten und in Regensommern oft genug verlustreichen Wirthschaftsbe-! triebes Erwerbsteuer bezahlen, sollen nun auch die alpinen: Vereins-Sektionen selbst, beziehungsweise deren Hüttenbesitz, besteuert werden, obwohl es sich dabei durchwegs nur um gemeinnützige Unternehmungen handelt. Für den Bau und die Einrichtungen dieser Hütten sind Hunderttausende von Gulden vielfach aus dem fernen Ausland in unsere Berge gekommen, und es wurde und wird noch immer daraus der armen Hoch-1 gebirgsbevölkerung ein sehr erwünschter und ausgiebiger Verdienst zu Theil. Die fremden Besucher der Hütten bringen ebenfalls bedeutende Summen ins Land und suchen vielfach nach Plätzen für neue Bauten, kurz der gesammte Hüttenbesitz der alpinen Vereine bringt für Land und Staat direkt und indirekt in so mancherlei Weise derart großen Nutzen und Vortheil, daß die Fortentwickelung dieser segensreichen Bauthätigkeit im Hochgebirge wirklich nicht durch scharfe Anziehung der Steuerschraube beeinträchtigt oder gehemmt werden sollte. Jedenfalls werden sich die alpinen Vereine gegen die ihnen zugedachte Besteuerung mit allen gesetzlichen Mitteln aus Leibeskräften wehren und jeder Freund unserer Alpen wird
ihnen im Interesse der Touristik und des Fremdenverkehrs den besten Erfolg wünschen.
Politische und nn^sMische Nachrichten.
(Depeschea-Bur ean Herolds)
Berlin,»28. Oktbr. Der Kaiser begab sich heute Morgen gegen 8 Uhr nach Jüterbogk, um einer Schießübung der Artillerie-SLießschüler beizuwohnen.
Berlin, 28. Oktbr. Der Bau des Panzerschiffes Ersatz „König Wilhelm" ist der Werft Germania in Kiel als der Mindestfordernden der zur Abgabe von Angeboten aufgeforderten Werften übertragen worden. Sie ist verpflichtet, das Schiff in 34 Monaten zur Probefahrt fertig zu stellen.
Berlin, 28. Oktbr. Die morgen hier stattfindende Landesvirektoren-Konferenz wird über die Feststellung eines normalen Besoldungsplanes für die Provinzialbeamten berathen.
Berlin, 28. Oktbr. Gegenüber neuen in der Presse aufgeiauchten Meldungen von einer Kanzlerkrisis glaubt die „Post" mit Nachdruck betonen zu können, daß sich in der letzten Zeit die innerpolitische Lage nicht geändert hat und eine Veranlassung für einen Wechsel in dem höchsten Reichs- amt z. Zt. ebensowenig bestehe, wie sie in den letzten Wochen bestanden hat. Weiter kann die „Post" mittheilen, daß die Reise des Reichskanzlers nach Karlsruhe mit dem Darmstädter Zwischenfall in keinem Zusammenhang steht, es sich vielmehr dabei um Fragen der innern Politik gehandelt hat.
Berlin, 28. Oktbr. Bei einer Auslassung über die bevorstehende Entscheidung der wichtigsten schwebenden Fragen der inneren Politik gibt der „Lokalanzeiger" eine Aeußerung des Reichskanzlers wieder, die dem Blatt aus Süddeutschland mitgetheilt worden ist. Danach sagte der Reichskanzler: Ich kann und will nicht mit leeren Händen vor den Reichstag treten, hoffe aber, daß noch etwas Brauchbares zu Stande kommt.
Berlin, 28. Oktbr. Der „Reichsanz." veröffentlicht die Entbindung des Staatssekretärs des Auswärtigen, Freiherrn von Marschall, von seiner bisherigen Stellung behufs anderweiter dienstlicher Verwendung unter Belassung des Titels und Ranges eines Staatsministers und die Ernennung des Botschafters am italienischen Hofe von Bülow unter Abberufung von diesem Posten zum Staatssekretär des Auswärtigen Amtes und zum Staatsminister und Mitglied des Staatsministeriums.
Berlin, 28. Oktbr. Wie ein Berichterstatter meldet, sind die Termine für den Zusammentritt des Reichstages und preußischen Landtages von Seiten der Regierung nunmehr festgesetzt. Der Reichstag werde zum 7. Dezember d. J. einberufen werden; der Landtag solle am 11. Januar 1898 zusammentretcn.
Berlin, 28. Oktbr. Wie die „Nat.-Ztg." mittheilt, sind alle Telegramme in der Karlsruher Angelegenheit, die an russische Blätter gerichtet waren, darunter auch das ursprüngliche Telegramm, das den Wortlaut des Karlsruher Hofberichts wiedergab, in Rußland angehalten und den Zeitungen nicht mitgetheilt worden.
Berlin, 28. Oktbr. Wie die „Kreuzztg." hört, hat der ordentliche Professor der Theologie an der hiesigen Universität, Dr. Schlatter, einen Ruf nach Tübingen erhalten.
Witterungsbericht.
Voraussichtliche Witterung: Theils heiteres, theils nebeliges Wetter.
Schiffsbericht.
New-Aork, 24. Oktbr. Der Dampfer „St. Paul" von der American Linie in Liverpool ist gestern hier eingetroffen.
NeW'Nork, 25. Oktober. Der Dampfer „Veendam" von der Niederländisch - Amerikanischen Dampfschifffahrts- Gesellschaft ist gestern hier eingetroffen.
Lsnbs«, 26. Oktbr. Der Union-Dampfer Gascon" ist auf der Ausreise vorgestern in Kapstadt ang! kommen.
Bremen, 27. Oktbr. Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd „Bonn" ist vorgestern in Baltimore eingetroffen«
Hamburg, 28. Oktober. Der Dampfer „Alesia" von der Hamburg-Amerika-Linie ist gestern in Baltimore eingetroffen.
Gebrauchs-Muster,
Nr. 82 158. Ringförmiger, schrägstehender Stoffichicber für geradnadlige Sohlen-Nähmaschinen. Deutsche Nähmaschinen-Fabrik von Jos. Wertheim in Frankfurt a. M., vom 5. September 1897 ab. — D. 2369. Kl. 52.