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Amtliches Organ für Siaöt- unö LanöKreis Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage

Nr. 252. Mi

Mittwoch den 27. Oktober

1897.

Amtliche Beilage" Nr. 75. ^WWIMIMMMNSWIMSM^.'L'^M t ' ÄM

Amtliches.

^taö t^rew c^anau.

SelaMtmachungen des Oberbürgermeisteramtes. M Bekanntmachung.

Es wird hierdurch zur allgemeinen Kenntniß gebracht, daß dieOrdnung für die Erhebung einer Gemeindesteuer bei dem Erwerbe von Grundstücken im Bezirk der Stadt Hanau" vom 28. Oktober 1897 an 2 Monate im Zimmer Nr. 21 des Neustädter Rathhauses zu Jedermanns Einsicht offen liegt. Hanau den 19. Oktober 1897.

Der Oberbürgermeister

15240 Dr. Gebeschus.

Offene Stelle einer Kleinlinderschnllehrcrin

Bei der hiesigen städtischen Kleinkinderschule ist die Stelle einer Lehrerin vom 1. Dezember d. I. ab zu besetzen. Die Vergütung beträgt z. Z. 500 Mk. jährlich; außerdem hat die Lehrerin an den Schultagen freies Mittagessen. Die Erhöhung der baaren Vergütung aus 700 Mark ist be­antragt.

Meldungen unter Beifügung eines Lebenslaufes und der Zeugnisse sind bis zum 10. November er. bei dem Unter­zeichneten einzureichen.

Hanau den 25. Oktober 1897.

Der Oberbürgermeister

Dr. Gebeschus. 152 2

Dienstnachrichten aus dem Kreise.

Zugelaufen: Ein Schar, Empfangnahme bei Gast­wirth Friedrich Rausch zu Marköbel; ein Eichhörnchen; ein roth und weißer Bernhardiner-Hund, roth geblockt, männl.Geschl.

Ausgesangen: Ein kranker Hammel, Empfangnahme beim Wasenmeister in Kesselstadt.

Gefunden: Ein Notizbuch nebst Quittungskarte für Ludwig Gottschalk aus Lorbach; ein Buch: Schillers Werke.

Verloren: Eine Lorgnette; eine braune Pferdedecke mit roth und gelben Streifen.

Entlausen: Ein weißer Foxterrier mit schwarz und weißem Kopf hinkt am rechten Hinterbein männl. Geschl.

Hanau den 27. Oktober 1897.

FerrMetsir / --------

Johann Adam Kernhard, der erste Hanauer Geschichtsforscher.

In der am Montag den 25. b. Mts. stattgehabten Mo> natsversammlung des Geschichtsvereins hielt der Vor­sitzende desselben, Herr Dr. Sucht er über obengenanntes Thema einen recht beifällig ausgenommenen Vortrag, dem wir Nachstehendes entnehmen:

Johann Adam Bernhard war geboren in Hanau 23. März 1688. Sein Vater Martin Bernhard war Konsistorial- sekretär und Kammerschreiber in Hanau, einer der Männer, die weit umherreisen mußten, um Geld zum Bau der lutheri­schen Johanniskirche zu sammeln; er bereifte Schweden und Liefland von 1663 an drei Jahre lang. Daraus läßt sich sicher schließen, daß die Familie Bernhard, die aus Bernbxrg in Anhalt stammte, lutherisch war.

Unser Johann Adam Bernhard kesrichte die hohe Landes­schule; in dem Schülerverzeichniß derselben, das 1895 und 96 -gedruckt wurde, findet sich sein Name eingetragen am 2. September 1705. Er studirte dann von 1707 an in Gießen, 1709 in Jena, 1711 in Leipzig und zwar Theologie, zu der man ihn gegen seinen Willen bestimmt hatte. Er hatte viel mehr Sinn für Geschichte und Rechtskunde, konnte sich daher, als er 1712 nach Hanau zurückkehrte, nicht ent­schließen, eine Pfarrstelle anzunehmen. 6 Jahre lang wid­mete er sich nur seinen geschichtlichen Studien, die er auch eifrig fortsetzte, als er 1718 die Rektorstelle an der lutheri« schen Schule angenommen hatte. Tie vaterländische Geschichte war es, der er seine ganze Kraft zuwendete als der Erste, der sie mit wissenschaftlicher Genauigkeit und strenger Kritik

Durch die internationale Leprakonserenz, welche vom 11. bis 16. d. Mts. zu Berlin getagt hat, ist ein reichhaltiges wissenschaftliches Material zusammengetragen und ein nach mannigfacher Richtung furchtbarer Gedanken­austausch zwischen den Leprasorschern herbcigeführt worden. Von praktischer Wichtigkeit ist vornehmlich das Ergebniß, daß der von Dr. Armauer Hansen im Jahre 1871 zuerst ge­fundene Leprabazillus einmüthig als Erreger der Krankheit und die Lepra als eine von Person zu Person übertragbare Seuche anerkannt wurde. Hieraus ergab sich folgerichtig der Schluß, daß die Krankenabsonderung das einzige durch­greifende und am raschesten wirksame Mittel zur Unter­drückung des Aussatzes ist.

Wenn diese Grundsätze auch schon vor der Konferenz von vielen Aerzten gebilligt worden sind, so ist deren Anerkennung durch eine Versammlung, an welcher die hervorragendsten Kenner der Krankheit ttzeilgenommen haben, doch von be­sonderer Bedeutung. Denn bis in die neueste Zeit hat es an entgegengesetzten Stimmen nicht gefehlt. Eine angesehene Wiener Schule steht noch jetzt auf einem abweichenden Stand­punkt. Auch bei uns wurde noch im Jahre 1892 bei der Vorbereitung des Seuchengesetzentwurses die Lepra nicht unter die zu berücksichtigenden Krankheiten ausgenommen, weil ihre Verbreitungsart als nicht hinreichend geklärt bezeichnet wurde.

Die Leprakonserenz hat die Jsolirung der Leprösen für solche Länder als nothwendig bezeichnet, in welchen die Krank­heit herdweise oder in größerer Verbreitung auftritt, und andererseits hervorgehoben, daß die Absonderungsoorschriften jedesmal den besonderen sozialen Verhältnissen angepaßt werden sollen. Die Zulässigkeit dieser Beschränkungen gründet sich auf die Erfahrungen in mehreren Ländern, besonders in Norwegen nnd Frankreich. Wo nach dem allgemeinen Kultur­stande des Landes und der Lebenslage des einzelnen Kranken dessen ausreichende Absonderung in der eigenen Wohnung und die Sorge für Reinlichkeit sowie unschädliche Beseitigung der Abgâpge gewährleistet ist, bedarf es der Ueberführung in ein Leprahaus nicht; an Stelle der Jsolirnng des Kranken tritt nach den Worten des französischen Delegirten Besnier die Jsolirung der Bazillen.

Die Ergebnisse der Konferenz sind für Deutschland von besonderem Werth, weil die Lepragefahr neuerdings auch uns näher gerückt ist. Allerdings sind wir bisher nicht entfernt in ähnlichem Maße heimgesucht wie z. B. Britisch-Ostindien, wo nach Mittheilung des englischen Vertreters Abraham gegenwärtig 130 000 Aussätzige bekannt sind, oder Japan oder Mittelamerika, wo die Zahl der Kranken nach Zehn­tausenden zählt. Indeß auch wir haben nicht nur mit ver­einzelten Kranken zu rechnen, welche von der Fremde zu un­seren Aerzten kommen, und von denen Hamburg zur Zeit behandelte. Er sagt selbst in der Vorrede zu den Alterthü­mern der Wetterau (Hanau 1731):

Ich habe bei der so verdrießlichen Schularbeit zu mei­ner Wieder-Ergötzung diejenigen Stunden, welche andere gar wohl in sonst erlaubten Veränderungen zubringen können, zur Verfertigung einer Hanauischen Historie ange- wendet."

Diese wenigen Worte beweisen zur Genüge, daß er ein richtiger Gelehrter war, dem nichts größere Freude machte als Forschen und Aufklären.

1718 gab er bereits ein sehr umfangreiches Werk heraus, von dem sich ein Exemplar in der hiesigen Stadtbibliothek unter Ruths Büchern befindet; es hat langen Titel: Kurzgefaßte curieuse Historie derer Gelehrten rc.

DaS Rektoramt versah er 18 Jahre lang bis zum Tode des letzten Grasen Johann Reinhard (28. März 1736). Dann be­kam er die Stellung, für die er sich eignete wie kein anderer. Durch den neuen Landesherrn, den Landgrafen von Hessen- Cassel Wilhelm VIII., wurde er am 3. Mai 1736 zum Archivar ernannt. 1748 wurde ihm der Charakter als Rath verliehen. Es könnte auffallen, daß dies so spät geschah; indessen darf nicht übersehen werden, daß der Rath-titel damals viel seltener war, einen höheren Rang bezeichnete und wohl ungefähr ebenso viel besagte wie fitzt geheimer Rath.

Bernhard verwaltete das Archiv nun über 30 Jahre lang, bis er 83 Jahre alt am 12. Juni 1771 an Alterschwäche starb. Er war an seinem richtigen Posten und konnte die Lebensaufgabe, die er sich selbst gestellt hatte, treulich erfüllen. Und daß er sie gewissenhaft mit unermüdlichem Fleiß erfüllt hat, geht aus allem hervor, was wir von ihm wissen; wir können sagen, daß niemand vor ihm rnd auch niemand nach ihm bis auf den heutigen Tag das gräfliche Archiv, das den ganzen urteren Stock des Regierungsgebäudes am Schloß einnahm, so vollständig und [.encu gekannt hat wie er. Aber

nicht weniger als etwa 12 beherbergt, sondern es hat sich im Kreise Memel ein kleiner Herd gebildet, ein Ausläufer der in den russischen Ostseeproviuzen herrschenden Seuche. Gerade der Umstand, daß die Zahl der Kranken im Memeler Kreise noch gering ist und ein kräftiges Einschreiten dort Erfolg verspricht, legt die Pflicht nahe, der Gefahr entgegenzutreten, ehe es zu spät ist. Die Reichsverwaltung und Königlich preußische Staatsregierung ist sich ihrer Aufgabe voll bewußt. Die Vorgänge an anderen Orten, z. B. in dem livländischen Kirchspiel Tarwast, in dessen etwa 4000 Köpfe betragender Einwohnerschaft die Zahl der Leprösen von 14 im Jahre 1885 jetzt bis auf 143 angewachsen ist, müssen uns ein warnendes Beispeil sein.

Aus diesen Rücksichten ist der Konferenz eiu ungewöhn­liches Interesse entgegengebracht worden. Die Leprasorschung darf in der hohen Ehre des Empfanges durch Ihre Majestäten den Kaiser und die Kaiserin, sowie in ter Einladung durch den Herrn Reichskanzler eine ganz besondere Auszeichnung erblicken, welche in weiten Kreisen die Ueberzeugung festigen wird, daß die Förderung des Volkswohles und die Hintan­haltung der ihm drohenden Gefahren als die vornehmste Auf­gabe der Staatsverwaltung angesehen wird.

Tagesschau.

Personalien. Am 23. Oktober ds. Js. starb nach längerem Leiden, 61 Jahre alt, der Geheime Oberregierungs­rath und vortragende Rath im Ministerium des Innern, Albert H ö p k e r. 1865 zum Regierungsassissor ernannt und als solcher zunächst in Liegritz, dann in Bromberg verwendet, 1875 zum Regierungsrath befördert, demnächst dem Ober­präsidium in Königsberg überwiesen, wurde er im Jahre 1886 Oberregierungsrath und Stellvertreter des Regierungs­präsidenten in Königsberg, ^m Jahre 1888 in das Mi­nisterium des Innern als Hilfsarbeiter 'berufen und noch in demselben Jahre zum Geheimen Regierungsrath und vor­tragenden Rath ernannt, wurde er im Jahre 1891 Geheimer Oberregierungsrath. Er war Mitglied der Prüfungskom­mission für höhere Verwaltungsbeamte, der Statistischen Cen­tralkommission, deâ Centraldirektoriums der Vermessungen und außerordentliches Mitglied des Gesundheitsamtes. An Aller­höchsten Auszeichnungen besaß der Verewigte das Eiserne Kreuz zweiter Klasse, die Landwehrdienstauszeichnung erster Klasse und den Rothen Adlerorden zweiter Klasse mit Eichen­laub. Anspruchslos und liebenswürdig im persönlichen Ver­kehr, hat er, ausgerüstet mit einem reichen Maße gründlicher Kenntnisse, mit scharfer Auffassung, vielseitiger Erfahrung und unermüdlicher Arbeitskraft, mit Hingebung und Erfolg seines Amtes gewaltet. Das Ministerium des Innern bedauert seinen Verlust auf das Schmerzlichste und wird dem Verstor­benen stets ein ehrendes Andenken bewahren.

ein ganz eigener Unstern hat über seiner schriftstellerischen Thätigkeit gewaltet. Er ließ als Archivar nur ein größeres Werk drucken: Alterthümer der Wetterau 1731, dazu als Unterabtheilung 1734 eine historische Beschreibung der Bene- dictiner-Propstei Naumburg und 1748 eine Berichtigung über die wahre Beschaffenheit der ehemaligen Comiciae (Graf­schaften) in der Wrtterau. 1741 gab er anonym eine sehr werthvolle Schrift heraus: Weitere Feststellung der Hanauischen Genealogie. Er bekämpft darin die falschen Behauptungen eines Darmstädters Jacob Im Hof und nennt sich selbst Jacob Im Haus. Wir besitzen sein Handexemplar mit einer Bemerkung von ihm, die beweist, daß er der Verfasser ist. Ich habe dies Werkchen sehr aufmerksam studirt (ich glaube, daß ich der Erste war, der ihm Beachtung schenkte) und er­kannte darin, was unseren B. in jener Zeit deS Wort­schwalls so vortheilhaft auszeichnet: Scharfblick, gründliches Wissen, einfache Klarheit und treffende Kürze. 1749 er­schien von ihm in den Marburger Beiträgen zur Gelehrsam­keit ein Aufsatz: Beschreibung der Klöster Ober- und Nieder- Jlmstadt in der Wetterau. 1751 publicirte er zwei Artikel in der 6«fieser gelehrten Zeitung: Von dem ersten erweis­lichen Grabmal der alten Herren von Heffen und: Unter­suchung der Frage, wie der sächsische Kayser Henrich II ein Stifter des Klosters Kaufungen in Hessen seyn können. Das Letzte, was von ihm gedruckt vorliegt, ist die Fortsetzung von Winkelmanns Beschreibung der Fürstenthümer Hessen und Hersflld p. 377490 im 6. Theil der 1754 in Cassel er­schien ; die Vorrede dazu sagt ausdrücklich, daß das Werk durch B. ergänzt sei.

Er lebte danach noch 17 Jahre. Doß er in dieser kargen Zeit nichts mehr hercukgab, ist auffallend. Schwerlich ist der Grund in dem vorgerückten Alter zu suchen; denn er hatte ja Sachen genug vorrâthig, und zur Unterstützung war auch sein Cohn da. Strieder in der Hess. Gelehrten-