26 Oktober
Hanauer Anzeiger
Seite 3
Wichmann-Elchwege als Referent und event. Oberbürgermeister Dr. Anton i-Fulda.
* Ein zweites Wasserwerk der Stadt Hanau. Das 2 ha 04 a 44 qm haltende domâneufiskalische Gelände, genannt der „Karabineracker", zwischen dem Bahnkörper der Hanau-Friedberger Bahn und der Leipzigerstraße gelegen, wurde in dem gestrigen Versteigerungstermin von Herrn Oberbürgermeister Dr. G e b e s ch u s zum Taxpreise von 48 000 Mk. für die Stadt zur Errichtung eines zweiten Wasserwerks erworben. — Bekanntlich sind aus dem betreffenden Grundstücke Pumpversuche angestellt worden. Das Wasser, das dort gtfunden wurde, ist nach den Untersuchungen der Herren Dr. Meinecke-Wiesbaden und Dr. Rau-Hanau in chemischer und bakteriologischer Hinsicht ein vorzügliches Trinkwasser. Die Zusammensetzung ist etwa dieselbe, wie diejenige des Wasserwerks bei Dörnigheim, nur ist es noch etwas weicher. Die Ergiebigkeit ist derartig, daß bei einer Entnahme von 2400 cbm in 24 Stunden und fünf Wochen dauerndem ununterbrochenen Tag- und Nachtbetrieb der Wasserstand des Brunnens noch 1,50 m beträgt. Da der Versuchsbrunnen 0,80 m Durchmesser hat, so ist anzunehmen, daß wenn zwei Brunnen in einer Entfernung von 100—150 m von einander angelegt werden, mindestens 4000 cbm Wasser in 12—16stündigem Betrieb den Brunnen täglich entnommen werden können. Das neue Wasserwerk wird daher erheblich leistungsfähiger sein als das alte, das bei 16—20stündigem Betrieb nur etwa 3300 cbm pro Tag liefert.
* Geschichtsverein. Der hiesige Geschichtsverein hielt gestern Abend im Sälchen des Bürgervereins seine Monatsversammlung ab. Von den geschäftlichen Mittheilungen ist erwâhnenswerth, daß in den Vorstand Herr Dr. Winkler an Stelle des nach Magdeburg übergesiedelten Herrn Thormählen berufen wurde. — Der Vorsitzende des Vereins, Herr Dr. Suchier, hielt hierauf einen Vortrag über „Johann Adam Bernhard, der erste Hanauer Geschichtsforscher". Wir werden in der nächsten Nummer noch aus den Vortrag zurückkommen.
* Hanauer Pferde - Versicherungsverein. In der am Samstag Abend in den „Drei Rindern" dahier stattgehabten Generalversammlung wurde mitgetheilt, daß sich das Vermögen des Vereins auf M. 18279.60 beläuft. Die Anzahl der versicherten Pferde beträgt 190 Stück im Tax- werthe von M. 126.500. Für das zweite Semester werden 1 Prozent Prämie erhoben. Das Eintrittsgeld beträgt 17 Prozent.
* Stadltheater. Nächsten ^Nittwoch findet die letzte Aufführung des reizenden Lustspiels „Comtesse Guck er l" statt, das unlängst auch in Offenbach eine außergewöhnlich beifällige Aufnahme hatte. — Am Freitag werden „Die relegirten Studenten" von Benedix neu einstudirt gegeben und als Sonntags-Vorstellung ist die Gesangsposse „Bummelsritze" von Jacobson u. Wilken angesetzt.
x. Ausflug. Am vergangenen Sonntag hatten wir Gelegenheit, den erst seit kurzer Zeit bestehenden „Club Amicitia" kennen zu lernen. Dieser Club, der sich zum Ziel gesetzt hat, die Geselligkeit zu fördern und zu pflegen, veranstaltete nämlich seinen Familienausflug nach Kesselstadt ins Gasthaus zum Schwan und müssen wir, wenn wir das kurze Bestehen des Clubs in Betracht ziehen, geradezu unserer Verwunderung sowohl über die vorzüglichen Darbietungen, als über den zahlreichen Besuch, dessen sich der Club erfreute,
Lesebüchern bieten, sind nicht etwa bloß sprachliche Musterstücke, sondern es ist überhaupt deutsches Leben und deutsches Wesen, was in ihnen zum Ausdruck kommt. Denn die bvhere Aufgabe des deutschen Unterrichtes ist es, dem Schüler dos nationale Geistesleben, soweit es durch die Sprache zum Ausdruck gelangt, zu erschließen und es ihn für seine Bildung verwerthen zu lehren. Um dies Zeil zu erreichen, sind drei Dinge erforderlich, mit denen die deutsche Jugend möglichst gründlichst vertraut gemacht werden muß: das deutsche Volk, des deutsche Land, die deutsche Sprache. Diese drei Wissensgebiete bilden den Boden, in welchen die geistigen Lebens- wurzeln unserer Jugend tief hineingesenlt werden müssen, wenn sie sich als zu einer großen Volksgemeinschaft gehörig v fühlen lernen soll. — Der Entwickelungsgang, durch welchen das deutsche Volk das geworden ist, was es ist; die Stätte, auf welcher dies geschah, und die Sprache, in welcher es dichtet und denkt, diese haben den Inhalt des deutschen Sprachunterrichts im weiteren Sinne zu bilden.
(Fortsetzung folgt.)
Stadttheater in Aanau.
, ~ „ Hanau, 26. Oktober.
„Anna s Traum betitelt sich die letzte Novität unseres Stadttheaters, die Sonntag hier zur ersten Aufführung gekommen und als deren Verfasser sich der an Erfolgen reiche Theaterschriftsteller Adolph L'Arroupe bekannte. Viel Freude wird der beliebte Autor an diesem jüngsten Kinde seiner Muse aber wohl nicht erleben, denn wir glauben kaum, daß es den Weg über die Bühnen gefunden hätte, wäre nicht Adolph L'Arronge sein Vater gewesen. Der Verfasser so vieler wirksamen Bühnenstücke hat dem Publikum mit diesem seinem neuesten Werke denn doch eine zu große Enttäuschung bereitet, als daß man so leicht darüber hinwegsehen könnte. Abgesehen davon, daß das Sujet der Handlung an und für sich zu dürftig ist, um die vier Akte des Stückes auszusüllen, ist die Charakteristik der Personen überhaupt nicht ernst zu nehmen und zu diesen Mängeln gesellt sich noch der Dialog, der sich sprachlich nicht über das niedrigste Niveau erhebt und srivol mit Anzüglichkeiten ausgestattet ist, die, gelinde gesagt,
Ausdruck geben. In theatralischer Beziehung wurde Aner- kennenswerthes geleistet. Die Vorführung verschiedener neuerer Kouplets durch bje Herren Gebr. Neidig, L. Frank und S. Hirschmann als auch die musikalischen Darbietungen der Herren L. Stahl und O. Thom er fanden lebhaften Beifall. Ganz besonderen Applaus errangen die Darsteller des zur Aufführung gebrachten Theaterstückes „Die zwei Lieutenants". Herr P. Neidig als Lieutenant verstand cs ganz vorzüglich, die Rolle eines Bonvivant darzustellen. Nicht minder gelang es Herrn L. Frank, die Rolle als „Bursche" mit einer geradezu erstaunenden Naturgetreuheit wiederzugeben. Der komische Theil in diesem Stück war Herrn Karl Müller übertragen, der durch seinen Humor alle Besucher zu einem unwillkürlichen Applaus hinzureißen wußte. Auch Herr May als Gutsbesitzer verdient vollste Anerkennung. Dem Gesagten nach bedarf es keiner weiteren Erwähnung, daß die Besucher mit dem vollen Bewußtsein, einen recht genußreichen Abend verlebt zu haben, schieden. Wir wünschen deshalb dem jungen Clnb ferneres Gedeihen.
0 Strafkammer (Sitzung vom 25. Oktober). Fahrraddieb. Am 6. Juli d. I. stellte der Kaufmann U. hier sein Fahrrad auf eine Weile in die Thorfahrt einer Firma in die Frankfurterstraße, zu der er täglich hinfuhr. Als er zurückkam, um sein Stahlroß wieder zu besteigen, war dasselbe verschwunden. Der Schlosserlehrling K. hatte sich auf dasselbe geschwungen gehabt und war damit davongeradelt. Er gibt heute an, das Rad sei ihm von einem namens Wilhelm, den Zunamen wisse er nicht, also vom großen Unbekannten, angeboten worden und er sei damit zur Probe nach Kesselstadt gefahren. Er gebraucht noch mehr solcher leeren Ausflüchte, widerspricht sich aber damit selber. Das Gericht diktirt ihm 3 Monat Gefängniß, auch wird er wegen Fluchtverdacht sofort verhaftet. — Berufungen. In der Wirthschaft „zum grünen Banm" in Flieden unterhielten sich am 3. Mai d. Js. einige Gäste über Gemeindeangelegenheiten, über die Ablösung der Schäfereigerechtsame u. s. w. Es entstand darüber ein Wortwechsel, schließlich wurden die Köpfe erhitzt und der Auszügler K., der daran schuld sein soll, daß manches nicht mehr nach Wunsch jener Bierbankpolitiker geht, bekam zu guter letzt auf der Straße seine Prügel. Er verlor dabei seinen Hut und als er sich nach diesem bückte, „fand" er einen Knüppel, mit dem er den Bauer B. seinerseits tüchtig durchweichte, sodaß derselbe 10 Tage arbeitsunfähig war. Er hat sich damit der schweren Körperverletzung schuldig gemacht und das Schöffengericht erkannte in Berücksichtigung der besonderen Umstände auf 6 Wochen Gefängniß. Seine Berufung hiergegen begründet er mit dem Hinweis auf die Nothwehr, in der er sich befunden, das Gericht erkennt eine solche jedoch nicht an und beläßt es bei dem Urtheil des ersten Richters. — Der Metzger H. zu Ulmbach ist dem Ortsdiener daselbst abhold gesinnt. Der sei ja reinge- schmvggelt, aus reiner Arbeitsscheu zum Ortrdiener gemacht worden, auch seine Uniform gefiel ihm nicht, er trüge einen abgelegten Postrock u. s. w. Das Schöffengericht zu Salmünster verurtheilte den Metzger wegen Beleidigung zu 2 Wochen Gefängniß, seine Berufung hiergegen ist erfolglos. — An einem Sonntag Abend im April d. Js. stand der Auszügler B. zu Ulmbach aus seinem Hos und schimpfte weidlich auf die Gendarmerie und die Ortspolizei. Als eben der Ortspolizeidiener über den Hof schritt, überschüttete er ihn mit unsläthigen Aeußerungen. Der Mann geräth des Oefteren mit den Strafgesetzen in Konflikt und deshalb hatte das Schöffengericht zu Salmünster auf 14 Tage Gefängniß erkannt. Er will nun derjenige, der diese Beleidigungen ausgestoßen hat, gar nicht gewesen sein, denn er sei im April Sonntags nie zu Hause, sondern in Rabenstein gewesen, wo er bei seinem Arbeitgeber geschlafen hätte. Die darüber vernommenen Eheleute, bei denen er gewohnt haben will, können ihm seine
verstimmend wirken müssen. Hätte der Verfasser sein Stück als das, was es wirklich ist, als Posse ohne Couplets, bezeichnet und nicht unter der stolzeren Flagge eines Lustspiels in die Welt gesandt, so wäre man mit anderen Anforderungen an dasselbe herangetreten, ohne jedoch der Enttäuschung verlustig zu gehen, weil man von L'Arronge selbst bei einer Posse doch ganz anders geartetes erwarten konnte. Auf die Handlung selbst näher einzugehen, glauben wir uns ersparen zu können und wollen wir nur bemerken, daß manches darin stark an die „Ehre" erinnert, ohne jedoch auch nur im entferntesten einen Vergleich beider Stücke wagen zu können hinsichtlich des Werthes. Der reiche Bankier und sein leichtlebiger Sohn, denen die arme Handwerkerfamilie gegenüber gestellt ist, mit deren Tochter der Sohn des Kommerzienrathes ein Verhältniß hat, der aus Afrika zuiückgekehrte Sohn, durch dessen Ankunft die Schwester jedenfalls von einer Enttäuschung bewahrt bleibt, auch die Handlungsweise des alten Kommerzienrathes, der der Handwerkerfamilie Geld anbietet, um die Lösung des Verhältnisses herbeizuführen, erinnern stark an das gegebene Vorbild. Was nun die Darstellung betrifft, so war dieselbe von Herrn Gehrmann mit Sorgfalt vorbereitet, wenn auch nicht alle Leistungen als,befriedigend bezeichnet werden können. Herr Gehrmann als „Wisotzki" hatte seine Parthie von der wirksamsten Seite aufge'aßt und so die rechte Possenfigur geschaffen, die ihm denn auch die Lacher auf seine Seite brachte. Allerdings war er ein recht woblgenährter Schneider und entsprach so keineswegs dem Bilde, das sich der Volkswitz von einem solchen entwirft, aber seine Darstellung war so urkomisch, daß er den Heist rkeitserfolg des Stückes in erster Linie auf sein Konto setzen kann. Auch die Wiedergabe des verbummelten Studenten , Schwomminger" durch Herrn Tyrkowski befriedigte, nur dürfte der Darsteller noch etwas mehr Sorgfalt auf die Durchbildung seiner Aussprache verwenden, denn er ist oft recht schwer verständlich. Nicht zum Vortheil des Stückes waren die Rollen des „Anton", Sohn des Kommerzienrathes, und der „Anna" besetzt. Herr Göbel scheint uns noch zu sehr Anfänger, um eine solche Aufgabe mit einigem Erfolg lösen zu können und Frl. Köller wußte wobt zu interessiren, aber ihre Darstcllungsweise ist auch noch zu unfertig, um ganz befriedigen zu können. Eine frische und natürliche Gestaltung ward dem Schiffsmaschinist.Gustav Wisotzki" durch Herrn Steingötter. Herr Hille als „Kommerzienrath Lambach" zeichnete sich durch maßvolle Charakteristik aus und auch Frau Miller verdient lobende Erwähnung für die Darstellung der Frau „Wisotzki". Herr Bernhard als „Pastor Hiller" erzielte die beabsichtigte Wirkung, wie denn die übrigen kleinen Rollen befriedigend besetzt waren.
Angaben nicht bestätigen und es bleibt deshalb bei den 2 Wochen Gefängniß.
Für heute. Oratorien Verein: Probe in der Aula der Oberrealschule; Damen: 7^2, Herren nach 8 Uhr. — Geflügelzuchtverein: Generalversammlung; Tagesordnung: 1) Bericht der Kassenrevisoren, 2) definitiver Beschluß betr. Beitragserhöhung, 3) Ausstellung. — Evang. Männer- und Jünglingsverein: Abends S1^ Uhr: Gesang (in der Johanniskirche). — Turn- u. Fechtklub : Abends von S1/»—10 Uhr: Fechten. — Abends 9 Uhr: Techniker - Verein: Zusammenkunft im Gasthaus „zur Sonne"; — Kath. Kasino „Eintracht" (Vereinslokal: „Goldne Gerste") Vereinsabend; — Erster Hanauer Schwimmklub „Neptun": Vereinsabend im „Schützenhof"; — Zither verein Hanau : Probe im „Elephanten"; — Athletenklub „Germania": Abends von 9—10 Uhr: Riegenstemmen; von 10—11 Uhr: Musterriegenarbeiten (im Gasthaus „zum schwarzen Bären").
Versteigerung^ * Verpachtung^ re. Kalender für Mitiwoch den 27. Oktober.
Nachmittags 1 Uhr werden in der Behausung der Georg Kaiser III. Wwe. in Großsteinheim die zu deren Nachlaß gehörenden Oekonomiegerätbschaften, sowie 1 Pferd, 2 Kühe, 2 Rinder, 2 Schweine, Gänse, Hühner, Kartoffeln rc. öffentlich versteigert. — Nachmittags von 2 Uhr ab Fortsetzung der aitgefangenen Versteigerung Grimmstraße Nr. 4, 1. Et , durch den st. beeid. Taxator und Auktionator Herrn P. Meerbott. — Von nachmittags 2 Uhr ab öffentlicher Verkauf der de hiesigen Leihbauk am 1. d. Mts. verfallenen Gold- und Silberpfänder.
-r- Grostanheim, 25 Oktbr. In dem festlich mit Wappen und Sprüchen, Fahnen und Grün peschmückten Saale des Gasthofes „zum goldenen Stern" hatte gestern Abend der hiesige Gesangverein . Harmonie" ein Konzert veranstaltet, das sich eines außerordentlich zahlreichen Besuches- zu erfreuen hatte. Ist es von früher her schon bekannt, daß genannter Verein unter der bewährten Leitung seines jetzigen Ehrendirigenten Herrn Cantor Jahn bei all seinen Veranstaltungen die volle Sympathie der hiesigen Einwohnerschaft erworben hat, so gaben auch diesmal die dichtgefüllten Räume wieder einen neuen glänzenden Beweis dafür, welch reges Interesse dem Vereine entgegen gebracht wird. Eröffnet wurde die Abendunterhaltung durch einen Festmarsch, gespielt von dem bekannten Quartett der Zentner- schen Kapelle Hanau, dem überhaupt der musikalische Theil zugetheilt war, das voll und ganz seiner Aufgabe gerecht wurde; denn außer den im Programm vorgesehenen Piecen waren die Herren genöthigt, noch einige Beigaben — stellenweise prächtige Soli einzelner Instrumente — folgen zu lassen; in ernster feierlicher Stille lauschte das Publikum den herrlichen Tönen, mit rauschendem Beifall die Kunst lohnend. Die interessantesten Momente bildeten naturgemäß die gesanglichen Leistungen des festgebenden Vereins, welcher unter Leitung seines jetzigen Dirigenten Herrn Lehrer Fickert in stattlicher Anzahl auftretend, sich wiederum in jeder Hinsicht auszeichnete. Recht gut gewählt war es, als Eröffnungschor Mozart's Tonschöpfung „Weihe des Gesanges" zu Gehör zu bringen; denn die svannende Stille bei diesem ton- und sprachrichtig gut ausgeführten Chore bezeugte: ,So rafft von jeder eitlen Bürde, wenn des Gesanges Ruf erschallt, der Mensch sich auf zur Geisterwürde und tritt in heilige Gewalt . . ." Hii^erissen von den herrlichen Akkorden, lohnte mit Recht ein stürmischer Beifall die Sänger. Sehr lohnend waren auch die beiden lieblichen Chöre mit Tenor- und Bariton-Solo „Schifferständchen" und „All ihr Frühlingsgrüße , die recht zart und rein zum Vortrag gelangten und zugleich auch zeigten, daß dem Vereine in gesanglich solistischer BeziehMg in den Herren Naas, Kurzschenkel und Funk herrliche Kräfte zur Verfügung stehen. Auch war es erfreulich zu hören, daß der Verein den Volksliedern und Volksweisen die nöthige Pflege angedeihen läßt, wie dies der Chor .Schwere Trennung" bekundete, der sehr nett und gefühlvoll vorgetragen wurde Ueberhaupt gelangten alle Chöre mustergiltig zum Vortrag und fanden ihren Lohn in brausendem Applaus, der mehrmals zu einem Dacapo nöthigte. Zugleich bekundeten die Aufführungen den hohen Grad der Schulung und ließen den Einblick gewinnen, daß dem Vereine so ein bischen musikalische Intelligenz eigen ist. Daß auch das humoristische Fach vorzüglich vertreten war, nnd zwar diesmal wieder mit ganz eigenartigen Nummern, bedarf wohl kaum der Versicherung; bürgen doch dafür die Nomen der Herren Komiker Albert und Grün. Recht schön machten sich in der Komik auch die Quartette und erledigten die „leidenden Rekruten" und die „tanzenden Kellner" sich ihrer Aufgabe recht hübsch, wie dies der Beifall auch bezemte. Der überhaupt jeder einzelnen Nummer gespendete stürmische Applaus ist die beste Gewähr dafür, daß in der Auswahl derselben eine glückliche Hand gewaltet hatte und die Ausführenden auf der Höhe der Situation sich befanden. Unter diesen obwaltenden, für das Unterhaltungsbedürfniß besonders günstigen Umständen wurde lange ausgehalten und hört man allgemein das Urtheil, daß eine in allen Theilen hübsche und wohlgelungene Abendunterhaltung geboten war. Darum dem festgebenden Vereine „Harmonie" an dieser Stelle ein freudiges „gratulor" ; möge er emsig weiterstreben, getreu seiner edlen Aufgabe; möge er bei all seinen Veranstaltungen die Wahrheit zeigen: „Wer kann des Sängers Zauber lösen, wer seinen Tönen widerstehen? — — schwinden jedes Kummers Falten, so lang des Liedes Zauber walten!"
Aus der Provinz und den Nachdargebieten.
Fulda, 25. Oktbr. Der Königliche Förster Gadzikowski zu Schletzenhausen wurde gestern früh von den Kirchgängern etwa 200 Schritte von seiner Wohnung entfernt todt ausgefunden. Derselbe hatte noch die Laterne in der Hand und das 'Gewehr über der Schulter. Die Gerichtskommission von Großenlüder hat unter Hinzuziehung eines Arztes festgestellt, daß ein Verbrechen nicht vorliegt, sondern daß wahrscheinlich ein Schl aganfall die Ursache des Todes war.
Marburg, 25. Oktbr. Laut am Sonnabend hier eingetroffener Allerhöchster Kabinetsordre trägt unser Hessisches Jägerbataillon Nr. 11 von jetzt an auf den Achselklappen und Achselstücken den Namenszug seines hohen Chefs, Ihrer Mojestät der Königin Margherita von Italien.
Hersfeld, 24. Oktbr. Einem Offiziersburs chen vom Thür. Ulanen-Regiment Nr. 6 aus Hanau, der hier mit seinem zur Kriegsschule kommandirten Offizier weilt, ging beim Ausreiten gestern das Offizierspferd durch und überschlug sich mit dem Reiter. Schwer verletzt brachte man letzteren ins Landkrankenhaus, wo er seinen Wunden alsbald erlag.
Maulbach (Kreis Alsfeld), 23. Oktbr. Hierselbst trug sich ein bedauerlicher Unglückssall zu. Ein Söhnchen de