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Nr. 251.

Dienstag den 26. Oktober

1897.

r Amtliches.

^anö^rct^ ^anau.

Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtcs.

Unter dem Rindvieh in den Gemeinden Hailer und Meer­holz, KreiS Gelnhausen, ist die Maul- und Klauenseuche aus­gebrochen und Orts- und Gemarkungssperre angeordnet worden.

Hanau den 25. Oktober 1897.

Der Königliche Landrath

V. 10792 v. Schenck.

Diensimchrichten aus dem Kreise.

Gefunden: Eine goldene Damenuhr.

Hanau den 26. Oktober 1897.

^taöt&rciö ^anait.

Bekaulltmachungeu des Oberbürgermeisteramtes.

Bekanntmachung.

Am 31. Oktober d. Js. wird wie in den Vorjahren, zwecks Veranlagung der Einkommensteuer für das Jahr 1898/99 eine allgemeine Aufnahme des Personenstandes in hiesiger Stadt vorgenommen werden. Zu diesem Behufe werden jedem Hauseigenthümer oder dessen Stellvertreter schon mehrere Tage vorher die erforderlichen Hauslisten ein- 'gehândigt werden, um deren genaue und gewissenhafte Ausfüllung hinsichtlich sämmtlicher in dem betreffenden Hause nebst Zubehör wohnenden Personen nach dem Stünde vom 31. Oktober d. ^s. ersucht wird. Insbesondere bitte ich besondere Sorgfalt uf die Angabe von Stand und Gewerbe zu verwenden und überall die Art der Beschäftigung namentlich auch, ob selbstständig, Gehilfe, Lehrling rc. ersichtlich zu machen.

Indem ich schließlich auf die, aus den Hauslisten abge­druckten gesetzlichen Bestimmungen verweise, spreche ich das Ersuchen aus, daß das betheiligte Publikum sowohl im eigenen Interesse, als auch zur Förderung der Veranlagungs-Arbeiten dahin wirken wolle, daß der am 1. November erfolgenden Abholung der Hauslisten kein Hinderniß entgegensteht.

Hanau den 8. Oktober 1897.

Der Oberbürgermeister

J. V.: Heraeus. 15179

Vom Reformationsfest

So oft der 31. Oktober wieder kehrt, denkt das deutsche Volk seines großen Helden Martin Luther. Und solches Ge­denken darf nicht aushören. Gerade jetzt, wo man es vom römischen Stuhle her bald mit Lockung, bald mit Schmähung

Lenilletsn.

Die Pflege des Uationalgesühls durch die Muttersprache.

Vortrag, gehalten in der 27. Jahresversammlung des Hessischen Volksschullehrervereins von A. Eckhardt in Hanau.

(Fortsetzung.)

Aber noch stand eine letzte Prüfung bevor. Jener ge­waltige korsische Kriegsheld, der mit Blitzesschnelle seine Fah­nen auf den verschiedensten Schlachtfeldern Europas flattern ließ, er zerschlug den lebensfähigsten deutschen Staat, die Schöpfung des großen Friedrich, fesselte fast alle deutschen Fürsten an seinen Siegeswagen und schien die deutsche Nation allmählich vernichten oder zur Ohnmacht verurtheilen zu wollen. Da noch einmal, nachdem sie sich in ihrer Tiefe gesammelt, und alles Gute, was der Fortschritt der Zeiten gebracht, in sich verarbeitet hatte, erhob sie sich, zertrümmerte das ganz Europa auferlegte Joch und machte den wilden Unruhen ein Ende, die seit den Greueln der französischen Umwälzung die Menschheit heimgesucht. Als dann das deutsche Volk, erst unvermerkt, seine ganze sittliche Kraft heranziehend, dann offen- kundig durch Ruhmesthaten ohnegleichen zum ersten des Fest landes, zum Führer in der Kunst der Erziehung neuer Men­schen zur Wahrhaftigkeit und tüchtiger Geistesbildung gewor­den war, befaßt es sich heute viel gründlicher als dies je zu­vor geschehen, in einer für alle anderen Völker vorbildlichen Weise mit der Riesenaufgabe der Ausgleichumg der gesellschaft­lichen Stände. Wahrlich, weltumfassende, weltbewegende Momente, die ein charakteristisches Merkmal der deutschen Nation sind. So sehen wir, daß dieser kurze EiMick in die Geschichte unseres Volkes uns zweierlei lehrt: zum ersten, wie einkm Volke durch Karte Unteriochuna Selbstaeiübl und

gegen den Protestantismus versucht, gilt es, im deutschen Volke lebendig zu erhalten, was es seinem Luther verdankt.

Auf allen Lebensgebieten stoßen wir noch heut auf die Spuren seines Geistes und stirer Thätigkeit. Ihm danken wir's, wenn unser deutsches Volk wie alle evangelischen Völker unter den Kulturvölkern obenan steht. Denn als Luther zuerst die Menschen von priesterlicher Bevormundung vor Gott frei machte, und alle auf den Glauben, also auf ein persönliches Verhalten zu dem persönlichen Gott wies, da hat er zugleich die Menschen und Völker, die diesen Weg gingen, um eine ganze Stufe emporgchoben: aus unmündigen Kindern wurden ihrer selbst gewisse Männer; aus wellflüchtigen Heiligen wurden berufstreue Kämpfer, die in ihrer Wcltardeit doch Gott suchen und ihm dienen; durch seine Befreiungsthat empfing die Wissenschaft ihr Recht, die Welt zu durchforschen, wie denn nach Gottes Willen der Mensch berufen ist sie zu beherrschen, so daß einer unserer größten Forscher gesagt hat: der Reformation verdankt die Naturwissenschaft ihr Daseiu und ihre Entwickelung. Und als das deutsche Volk nach Luthers Bruch mit Rom aufhörte sein geistiges Haupt jen­seits der Berge zu suchen, da fing es endlich wieder an, sich im eigenen Lande wohlzufühlen, das deutsche Nationalbewußt­sein fing an zu erstarken, genährt durch das deutsche Lied, die deutsche Sprache, die deutsche Schule, die Luther und seine Freunde dem Volke schenkten.

So stark sind die Wirkungen dieses Geistes gewesen, daß selbst Rom sich ihm nicht entziehen konnte. Die kirchlichen Reformen, die man aus mancher Kirchenversammlung vergeb­lich erstrebt hatte, wurden nach Luthers Auftreten endlich zur Wirklichkeit. Das Mönchthum besserte sich, die Predigt fand wieder einen Platz im Gottesdienst, der Jugendunterricht wurde nach dem Vorbild des Protestantismus mehr gepflegt und umgestaltet. Und wie steht es in unseren Tagm? Hören wir nicht, wie evangelische Kirchenlieder in römischen Kirchen gesungen, die Werke der evangelischen Liebesthätigkeit der Innern Mission, eifrig in die römische Kirche eingeführt werden?

Trotz aller Schmähungen bleibt es bei dem, was der damals noch katholische Professor Döllinger gesagt hat:Luther ist der gewaltigste Volksmann, den Deutschland je besessen," und bei dem Worte Gustav Freytags:Alle Konfessionen haben Ursacke, auf Luther zurückzuführen, was heute in ihrem Glauben innig, seelenvoll und segensreich für ihr Leben ist."

Politische und unpolitische Nachrichten.

(Depeschen-Bureau Herold.")

Berlin, 25. Oktbr. Reichskanzler Fürst Hohen­lohe, der heute hier zurückerwartet wurde, wird neuen Dis­positionen zufolge erst morgen Abend hier wieder eintreffen. Betreffs des Besuches des Reichskanzlers bei dem Kaiser von Rußland in Darmstadt weist diePost" darauf hin, daß Staats­

Selbstachtung abhanden kommen kann, zum andern, wie Macht und Ansehen eines Staates auf die Entwicklung des natio­nalen Bewußtseins seiner ©ließet mächtig einzuwirken ver­mag. Ja, in unserm Volke ist das Nationalgefühl geradezu durch rohe Gewalt ertödtet worden. In jenen geschilderten Zeiten der tiefsten politischen Erniedrigung Deutschlands für den wir das Selbstgefühl und die sittliche Kraft unseres Volkes völlig gebrochen am Boden liegen. In ihrer Verirrung werfen Deutsche sich dem Gewaltthâtigen in die Arme und helfen ihre deutschen Brüder, deutsches Denken und Empfin den geradezu vernichten.Die Befreiungskriege", so sagt ein deutscher Schriftsteller,gaben dem deutschen Volke zwar die Selbständigkeit wieder, nicht aber das Selbstgefühl." Ja, so nachhaltig waren die Folgen der Knechtung von fast drei Jahrhunderten, daß noch zur Zeit des deutsch-französischen Krieges Deutsche im Ausland an feindlichen Kundgebungen gegen ihr eignes Vaterland theilgenommen; und sind nicht jene betrübenden Erscheinungen, daß der Deutsche im Aus­land die Sitten und Gebräuche anderer Völker mit Vorliebe sich aneignet, daß er die gesummte deutsche Bildung, ja was ihm das heiligste sein sollte, seine Muttersprache leichten Kaufes hingibt, eine Folge jener traurigen geschichtlichen Ein­drücke, die seinen Vätern aufgebrandmarkt worden sind? Wahrlich, diese nicht wegzuleugnenden, tief betrübenden Er­scheinungen im Leben unserer Nation, die sich durch unzählige Beispiele erhärten ließen, würden das tiefbeschämende Gefühl, daß der Deutsche nationalen Denkens und Empfindens un­fähig sei, nicht unterdrücken lassen, wenn nicht andererseits gerade die Thatsachen der Geschichte die vollgültigen Beweise lieferten, daß dem deutschen Volke eine hohe sittliche Kraft innewohnte, eine Kraft, die jedesmal, wenn es an den äußersten Rand des Verderbens gedrängt, nicht nur sich selbst gerettet, sondern auch häufig der ganzen Welt eine neue Ge kalt aeaeben. Dieser markioe. gesunde und kernige Zug. der

im Leben unseres Volkes vorhanden ist, läßt uns hoffen, daß jene Vaterlandsliebe, die einst unsere Väter und Brüder be­seelte, als sie ihr Leben einsetzten, um des Vaterlandes Ehre und Recht zu wahren, wieder erwacht, ja aufs neue angesacht werde zu einer kräftigen und läuternden Flamme, läßt uns hoffen, daß jene niedrigen, selbstsüchtigen Triebe und Wünsche weichen müssen, die sich in unseren allzu materialistisch ange­hauchten Zeiten in weiten Schichten unseres Volkes breit machen, läßt uns hoffen, daß wir nicht nur Deutsche heißen, sondern auch Deutsche sein wollen in unserem Empfinden, Denken und Handeln.

Dieses nationale Bewußtsein, dieses lebendige Durch­drungensein des Einzelnen von dem Gedanken, Mitglied einer kraftvollen und achtungswerthen Nation zu sein, in jedem einzelnen Gliede unseres Volkes zu entwickeln, auszubilden, zu stärken und zu beleben, also daß eine ideale Gesinnung in ihm entsteht, die sich offenbart in Liebe und Treue gegen heimische Sprache und Sitte, die sich zeigt in der Entschlossen­heit, für das Wohl und Wehe des Vaterlandes zu handeln, ja, die selbst opferwillig macht bis zum Tode, diese Gesinnung in unsern Zöglingen zu erwecken, muß die ernste Pflicht aller derer sein, die das nachwachsende Geschlecht tüchtig machen sollen, das von den Vätern überkommene Erbe hochzuhalten und zu mehren.

Als der natürlichste Boden für die Entwickelung des nationalen Gefühls und der daraus entstehenden Vaterlands­liebe muß in erster Linie die Familie bezeichnet werden, denn sie ist es, die mit ihrem stillen aber mächtigen Wirken, son­derlich durch der Mutter nährendes, stärkendes und aufbauen­des Zuthun deutschen Geist, deutsches Wesen, deutsche Lieb­und deutsches Mitgefühl in die Herzen unserer Kinder zu pflanzen vermag. Ganz besonders aber ist es Aufgabe der Schule, vornehmlich der Volksschule, durch die Pflege des Nationalgefühls vaterländische Gesinnung zu heben und zu

sekretär Bülow alsbald nach seiner in Wiesbaden gehabten Unterredung mit dem Grafen Murawiew nach Schillingsfürst zum Reichskanzler gereist ist. Vielleicht steht dieser Besuch des Herrn von Bülow beim Reichskanzler in Zusammenhang mit der Reise der letzteren nach Darmstadt. In diesem Falle würde nicht daran zu zweifeln sein, daß es sich bei dem Be­such um Erledigung politischer Fragen gehandelt habe.

Berlin, 25. Oktbr. Wie dieNat.-Ztg." erfährt, hat der Abgeordnete Dr. Hammacher seinen Wählern angezeigt, daß er mit dem Abschluß der gegenwärtigen Legislaturperiode wegen seines Alters aus dem Reichstage und Abgeordneten­hause ausscheiden und eine Wiederwahl n i cht annehmen werde.

Berlin, 25. Oktbr. Eine große Feierlichkeit findet morgen Nachmittag 2 Uhr beim 1. Garde-Feldartillerie-Regi­ment in dessen Kaserne statt. Der Kaiser hat bekanntlich den Großfürsten Michael Nicolajkwitsch von Rußland bei seiner Anwesenheit in Rußland â la suite dieses Regiments gestellt. Morgen Nachmittag wird der Kaiser mit dem Groß­fürsten dieses Regiment besuchen.

Berlin, 25. Oktbr. Ein G ewinn von Mk. 300,000 fiel in der heutigen Nachmittagsziehung der Preuß. Klassen­lotterie aus die Nr. 218959.

Berlin, 25. Oktbr. Zu der Absage des Zaren, den Großherzog und die Großherzogin von Baden zu empfangen, bemerkt dieNationalztg.", daß eine amt­liche Veröffentlichung über einen so ungewöhnlichen Vorgang auf schwere Zerwürfnisse persönlicher Art schließen lassen. Uebrigens sei auch der Fürst von Montenegro, der sich in Darmstadt aufhielt, ebenfalls vom russischen Kaiserpaar nicht empfangen worden. DieDeutsche Tagesztg." meint, die Erregung, welche die Ablehnung in Karlsruhe hervorrufe, werde wohl nicht auf Karlsruhe beschränkt bleiben, sondern allgemein werden. Und sie werde um so tiefer und berech­tigter sein, als dem Zaren auch bei seinem diesjährigen Auf­enthalt in Deutschland Aufmerksamkeiten erwiesen worden seien, die allem Anschein nach über das Maß des Nothwendigen und Gebotenen hinausgehen. DieVoss. Ztg." ist der An­sicht, daß sich der Großherzog von Baden durch die Ablehn­ung seines Besuches gewiß schwer verletzt fühle. DiePost" glaubt, die Antwort nach Karlsruhe auf die Ungeschicklichkeit eines Hofbeamten zurückführen zu müssen, der dem Befehl des Zaren vielleicht nicht den richtigen Ausdruck gegeben habe. DasBerl. Tagebl." erfährt noch zu der Angelegenheit, daß der Telegraphenbeamte an der hiesigen Börse die Beförderung von Telegrammen ablehnte, welche auf jene auffällige That­sache Bezug nahmen.

Köln, 25. Oktbr. DerKöln. Ztg." wird aus Berlin berichtet, die Meldung eines Hofberichts derKarlsruher Zeitung", wonach der Zar den Besuch des Groß­herzogs von Baden abgelehnt habe, werde in weiten