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Amtliches Organ für Stadt- und LanöKreis Hanau

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Nr. 243.

Samstag den 16. Oktober

1897.

Amtliches.

Dicnstnnchrichten aus dem Kreise.

Gefunden: Ein blechener Köcher mit Inhalt. Ein Paar neue Strümpfe. Ein angeschosfener Fasan. Ein wol­lener grau und roth gehäkelter Damenshawl.

Verloren: Ein goldener Kinderohrring. Zwei Ser­viettenringe von Elfenbein nebst seidener Tasche. Ein Päck chen, enthaltend: Seide, Knöpfe und Nähgarn.

Entlausen: Ein schwarzer Spitz, m. Geschl.

Vom Wafenmeister eingefangen: Ein weiß und schwarz gefleckter Jagdhund, m. Geschl.

Hanau den 16. Oktober 1897.

^taöt^reie ^anaxt.

ZMamttnmchungeN des Oberbürgermeisteramtes. Bekanntmachung.

Der von den städtischen Körperschaften unterm-^-^^ geänderte Baufluchtlinienplan für das Gelände südlich der Akademiestraße, wovon die Parzellen:

Nr. 471/88, 89, 90, 91, 92, 93, 472/198, 473/198, 436/87 8, Nr. 223/14 rc., 230/13 rc., 226/16, 281/17, 282/17, 283/17, 228/17a, 20, 159/108, 189/108, 284/23, 285/23, 286/23, 24, 25, 26, 31, 32, 33, 36, 148/37, 149/38, 150/39, 151/42 rc., 182/43 rc., 184/43, 124/44, 125/45, 127/47a, 127/48, 172/117, 114/7, 113/7 U, Nr. 88/19 V,

getroffen werden, liegt gemäß § 7 des Gesetzes vom 2. Juli 1875 zu Jedermanns Einsicht auf dem Stadtbauamt II (Langstraße 41) in den Vormittagsstunden von 1012^2 Uhr offen. Einwendungen gegen diesen Plan können inner­halb der Frist eines Monats vom Tage der Veröffentlichung dieser Bekanntmachung ebendaselbst zu Protokoll gegeben oder schriftlich an mich eingereicht werden.

Hanau den 13. Oktober 1897.

Der Oberbürgermeister

Dr. Gebefchus. 14721

LaitdMWaftlicht Ktrnfsgtuoffen- schaft.

Die Genossenschaftsmitglieder (Betriebsunieinehmer) sind verpflichtet, Aenderungen ihrer Betriebe, welche für die Zugehörigkeit derselben zur Genossenschaft oder für die Umlegung der Beiträge von Bedeutung sind, dem Sektions- vorstande binnen einer Frist von 2 Wochen nach Eintritt der Aenderung anzuzeigen.

...................................

Fenilleton.

Stadttheater in Hanau.

Hanau, 16. Oktober.

Das vieraktige Volksstück »Die Rantzau" von Erckmann- Chatrian, das gestern Freitag zur Aufführung gelangte, batte sich bei dem sonst zurückhaltenden Wochenpubliku» einer recht lebhaften Aufnahme zu erfreuen ; nach der aufregenden Schlußszene des zweiten Aktes mußte sich der Vorhang viermal hintereinander heben, ehe sich der Beifall legen wollte. Auch bei seivem ersten Erscheinen, vor über einem Jahrzehnt, hatte sich das Schauspiel fortgesetzt eines großen Erfolges zu erfreuen, biS es dann eine Reihe von Jahren unserem Spielplan fcrnbli'b und erst gestern seine Auferstehung feierte. Und doch enthält die Handlung eine ganz uralte Geschichte, wie sie zu hundert Malen in Romanen und Theaterstücken bearbeitet ist und wie sie das wirkliche Leben auch oft genug bieten mag. Die Alten, die sich in bitterster Feindschaft gegenüber stehen, und die Jungen, die sich trotz dem Haß der Väter lieben, und deren Liebe dann die Brücke über die Kluft bildet, auf der sich die Alten dann in Freundschaft wieder zusammen finden. Die Logik im Ausbau der Charaktere haben die Verfasser nicht ganz gewahrt, aber jedenfalls daben wir es mit einem recht wirksam aufgebauten Theaterstück zu thun, das, spannend tiS zum Schlüsse durchgeführt, zu interessiren vermag. Vor allem gab uns auch das Stück Gelegenheit, unseren Herrn Direktor O ppma r wieder auf der Bühne zu sehen und sein ganz hervorragendes Chaiakterisirungètalent bewuuoern zu können. Sein Schulmeister FloreuiiuS war ein Meisterstück von fein beobachteter Charakteristik. Nächst ihm gebührt Herrn Hille Anerkennung für die Gestaltung des Johann.Rantzau, die, mit realistischer Kraft durchgeführt, namentlich am Schlüße des zweiten Aktes von großer Wirkung war. Weniger befriedigte Herr Gläßer als Jakob Rantzau, dem Darsteller fehlte vor allem die einheitliche und glaub­würdige Durchführung des Charakters. Mehr Natürlichkeit im Aus­druck mb in Geste und weniger Deklamation erfordert eine solche Rolle. Eine recht liebliche Erscheinung war Frl. Held als Louise, besonders im letzten Akte gefiel uns die junge Dome vortrefflich, während im Anfang der trotzige Zug, der sie als eine Rantzau charaktcrisirte, Silvas schären hätte betont werden dürfen. AIs Ceorg Rcutzcu stellte sich in Herrn Erna» ein neuer Bewerber um

Für die Umlegung von Beiträgen sind Betriebsveränder- ungen dann von Bedeutung, wenn sie auf den Aibeitsbedars des betreffenden Betriebes Einfluß haben.

Die Anzeigen können schriftlich oder mündlich in dem Bureau, Langstraße Nr. 43, Zimmer Nr. 30, angebracht werden.

Hanau den 15. Oktober 1897.

Der Sektions-Vorstand der htsstm-nossauischen landwirthschaft- lichen Berufsgenossenschaft Hanau Stadt.

Dr. Gebeschus. 14683

Grundstücksverpachiung in Großkrotzenburg.

Nachdem der domänenfiskalische Ackerplan Karte Gr Nr. 118,die Beune am Dorfe" zur Veräußerung bestimmt ist, sollen die anderen im Ganzen noch 31 ha 41 a 72 qm haltenden Domanialgrundftücke in der Gemarkung von Großkrotzenburg in ungefähr 200 Parzellen oder Pachtlossen vom 1. Januar 1898 ab aus zwölf Jahre anderweit auf das Meistgebot verpachtet werden.

Oeffentlicher Termin hierzu ist auf

Donnerstag den 21. dieses Monats, vormittags von 9 Uhr ab, in den Saal der Gastwirthschaftzum goldenen Schlüssel" in Großkrotzenburg anberaumt.

Auf angemessene Gebote erfolgt der Pachtzuschlag ohne Abhaltung eines weiteren Termins.

Hanau am 13. Oktober 1897.

Der Königliche Domänenrath 14672 Bell.

Tagesschau.

Für die Nagelung und Weihe der 63 neuen Fahnen am Samstag den 16. und Sonntag den 17. Oktober sind folgende Bestimmungen erlassen: Zur Nagelung liegen die Fahnen auf Tischen in der Ruhmeshalle des Zeug­hauses am Samstag vormittags 10 Uhr bereit. Der Kaiser, die Kaiserin, der Kronprinz, die Prinzen Eitel Friedrich, Adalbert und August Wilhelm, die Mitglieder des Königlichen Hauses und die im Gardekorps dienenden und zur Zeit bei ihrem Truppentheil anwesenden Prinzen aus regierenden deut­schen Häusern mit ihren Gemahlinnen versammeln sich im Lichthofe des Zeughauses, an dessen Eingang dieselben vom stellvertretenden Kommandanten des Zeughauses, General- Lieutenant von Usedom, und vom stellvertretenden Komman­danten von Berlin, General-Major von Saldern-Ahlimb, em­pfangen werden. Der Nagelung wohnen ferner bei: der

das Fach des jugendlichen Helden und Liebhaber vor. Wir waren in der Lage, gerade dieses Fach seit einer Reihe von Jahren hier gut besetzt zu sehen. Von dem Vertreter dieser Rollen fordert man vor allen Dingen ein gefälliges Aeußere und ein sympathisches Orgon und Temperament. Herr Ernau interessirte ja durch temperament­volles Spiel, ob er aber der rechte Vertreter ist, um Herrn Stöckel vergessen zu machen, bezweifeln wir doch sehr, wenn wir auch die schwierige Lage der Direktion, jetzt noch einen vollgiltigen Ersatz für dieses verwaiste Fach zu finden, ganz begreiflich finden. Von den übrigen Vertretern von Rollen sei noch besonders Frl. Rudow als Julchen gedacht. Das Zusammenspiel machte der Regie des Herrn H ille olle Ehre.

AuS Kunst und Leben.

Das Kaiser Friedrich Denkmal in Wiesbaden, das am Montag enthüllt wird, erfährt in der herausgegebenen Festschrift folgende Beschreibung: Das Bild des Kaisers sieht nach dem Kurhaus und erhebt sich auf einem Sockel aus ge­schliffenem blaugrauem Granit. Die Figur des Kaiser ist in Bronze gegossen; ihre Höhe beträgt 3,80 Meter. Der Kaiser ist dargestellt in der Uniform der Pasewalker Kürassire mit dem Mantel und den Emblemen der Ritter vom Schwarzen Mler-Orden; er hält den Marschallstob in der Rechten, die Linke ist auf das Schwert gestützt. Das Postament hat eine Höhe von 4 Meter; seine vordere Seile ist mit dem Reichs­adler und den Kaiserinsignien geziert. Die Seite zur Linken des Kaisers trägt die Inschrift:Wörth den 6. August 1870" und die zur RechtenSedan den 1. September 1870". Die Rückseite enthält die Widmung:Unserem Kaiser Friedrich in Liebe und Dankbarkeit". Der Fries unter dem Kranzgesims des Postaments ist wie die Verzierungen der Vorderseite in Bronze gegossen. Der schmale Beetstreifen am Fuße des Denkmals, der mit Epheu bepflanzt werden soll, wird mit einem Granitbordstreifen umgeben. Auf diesem erheben sich 12 einfache Pfosten aus Granit und Bronze, die bronzene

Ketten zur Einfriedigung des eigintlichen Denkmals tragen.

, Reichskanzler, der Kriegsminister, der Chef des Generalstabes ' der Armee u. s. w., die direkten Vorgesetzten der betreffenden Truppentheile, die Kommandeure der Regimenter und Ba­taillone, welche Fahnen erhalten, begleitet von je 1 Offizier und 1 Unteroffizier. Die Feier beginnt mit dem Gebet aus dem großen Zapfenstreich, geblasen von dem Trompeterkorps des" Regiments Gardes du Korps und des Garde-Kürassier- Regiments, dann folgt die Weiherede, gehalten vom Garnison­pfarrer Goens unter Assistenz des evangelischen und des katho­lischen Feldpropstes. Während der Weihe nehmen die Lieutenants die Fahnen und senken dieselben bei der Ein­segnung, während welcher die Leibbatterie des 1. Garde-Feld- Artillerie Regiments 33 Schüsse im Lustgarten feuert. Nach der Feier befiehlt der Kaiser das Präsentiren als erstes Hon­neur für die Fahnen. Hierauf dankt Generaloberst Graf Waldersee im Namen der Armee und bringt ein dreimaliges Hurrah auf den Kaiser aus, das von den Truppen ausge­nommen wird und in die Nationalhymne ausklingt. Der Kaiser wird an die Kommandeure der Regimenter, welche Fahnen erhalten, eine Ansprache halten. Den Schluß der Feier bildet ein Vorbeimarsch; nach demselben bringt das Lehr-Infanterie Bataillon die neuen Fahnen in das Zeughaus zurück. Anläßlich der Weihe der Fahnen wird von S1^ Uhr vormittags ab bis zur Beendigung der Feierlichkeit der Lust­garten, die Schloßbrücke, die Plätze am Zeughause und Opernhause, sowie die Straße Unter den Linden vom Denk­mal Friedrichs des Großen ab bis zur Charlottenstraße ge­sperrt. Die Sperrung wird jedoch in der Weise gehandhabt werden, daß das Publikum in dem von der Truppenauf­stellung nicht dringend in Anspruch genommenen Raum in weitestem Umfang Zulassung findet.

Neues Jnfanteriegewehr DerHamb. Korrsp." berichtet aus zuverlässiger Quelle: Die im Laufe des Som­mers angestellten Versuche mit dem neuen Jnfanteriegewehr haben ein sehr günstiges Resultat ergeben. Das Kriegs- Ministerium ordnete deshalb an, das neue Gewehr derartig in Benutzung zu nehmen, daß die im Herbst eingestellten Rekruten bereits mit der neuen Waffe ausgebildet werden können.

Erweiterung der Germaniawerft. Auf der von Krupp übernommenen Germaniawerft in Kiel sollen nach der Beendigung großer Neuanlagen zum Schiffsbau mehrere Tausend Arbeiter neu eingestellt werden.

Die landwirthfchaftliche Ausstellung, die bekannt­lich in diesem Jahre in Hamburg stattfand, hat nach dem jetzt vorliegenden vorläufigen Abschlusse der Ausstellungsrechnung einen Ueberschuß von 18 000 Mk zu verzeichnen. Dies Er­gebniß ist um so bemerkenswerther, als die deutsche Land­wirthschaftsgesellschaft aus Grund der Erfahrungen bei den früheren Ausstellungen in Köln, Stuttgart u. s. w. einen

Der gesammte Aufbau ruht auf einem kreisförmigen Granit plattenboden von 18 Meter Durchmesser, der sich um ein Ge­ringes über das umgebende Pflaster des Platzes erhebt; aber auch das Pflaster und somit der ganze Platz sollen in Be­ziehung zum Denkmal gebracht werden durch strahlenförmige Einlegung von Granitstreifen in das Pflaster. Die Bronze­güsse sind in der Bronzegießerei von Martin u. Pilßing in Berlin gegossen, sämmtliche Granitarbeiten von Wölfel u. Herold in Bayreuth hergestellt. Schließlich sei noch bemerkt, daß von jetzt ab der DenkmalsplatzKaijer Friedrich-Platz" genannt werden wird.

Humoristisches.

Erklärter Widerspruch. A: Warum ist denn Ihre Verlobung wieder zurückgegangen?" B:Ganz einfach

die schwachen Seiten der Braut waren mir zu stark!"

Zweifelhafte Anerkennung. Dame:Nun, Herr Assessor, wie ist Ihnen der gestrige Familienabend in meinem Hause bekommen?" Assessor:Ausgezeichnet, gnädige Frau! Schlafe sonst stets unruhig, wenn ich am Abend Thee trinke, aber der Ihrige hat mir nicht im Geringsten geschadet!"

Zu spät! Fräulein:Sie wollen mir schon lange eine Locke verehren, Herr Lieutenant!" Lieutenant:Gerade gestern letzte abgeschnilten, gnädiges Fräulein . . müssen schon nächste Ernte abwarten!"

Sein Geschmack.Ziehen Sie eigentlich die Blonden oder die Brünetten vor, Herr Rittmeister ?"Das kommt ganz auf die Mitgist an, Herr Kommerziem ach !"

Am Telephon.Hier Meyer, ich wollte T ir nur mittheilen, dafi ich mich soeben mit Fräulein Graulich verlobt habe."Falsche Verbindung!""

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