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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Nr. 242.
Freitag den 15. Oktober
1897.
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„Amtliche Beilage" Nr. 72.
Amtliches. ^anöHreio ^anavt.
Lelamtmachungen deè Königlichen LandrathSamtcè.
Der Bürgermeister Knüppel zu Langendiebach ist mit der kommissarischen Verwaltung des Bürgermeisteramtes Langenselbold beauftragt worden.
Hanau den 15. Oktober 1897.
Der Königliche Landrath v. Schenck.
Tagesschau.
Von der Morine. Laut telegraphischer Meldung an das Oberkommando der Marine ist S. M. S. „Kaiser" — Flaggschiff der Kreuzer Division, Divisions-Chef Kontre- Admirol von Diederichs —, Kommandant Kapitän zur See Zeye, am 19. Oktober in Nagasaki angekommen und beabsichtigt, am 15. Oktober über Kagoshima nach Shanghai in See zu gehen; S. M. S. „Cormoran", Kommandant Korvetten Kapiiän Brussatis, beabsichtigt, am 15. Oktober von Nagasaki über Kagoshima nach Shanghai, S. M. S. „Irene", Kommandant Kapitän zur See du Bois, am 16. Oktober von Nagasaki nach Hongkong in See zu gehen; S. M. S. „Arcsna", Kommandant Kapitän zur See Becker, ist am 12. Oktober in Shanghai angekommen; S. M. S. „Char- loite", Kommandant Kapitän zur See Thiele (August), ist vorgestern in Las Palmas ein getroffen und beabsichtigt am 28. Oktober nach Porto-Grande in See zu gehen; der Dampfer „Tinos" der deutschen Levante-Linie mit der Ablösung für S. M. S. „Kaiserin Augusta" an Bord, Transportführer Kapitän-Lieutenant Oxe, ist vorgestern in Algier angekommen und an demselben Tage nach Piraeuâ in See gegangen.
Die Weihe der Fahnen, welche den ast 1. April d. J. neu errichteten JnsaMerle-Regimrutern des Gardekorps und der Linie verliehen worden sind, findet in gleicher Weise wie die Weihe der seinerzeit den vierten Bataillonen verliehenen Fahnen am Denkmal König Friedrichs des Großen statt. Dem Weihetage, Sonntag, den 17. Okt., geht die Nagelung in der Kuppelhalle des Zeughauses am Sonnabend voraus. Als Zeitpunkt für den Beginn der beiden Feiern ist fides Mal die zehnte Vormittagsstunde festgesetzt. Im Ganzen werden 63 Fahnen genagelt und geweiht. Die Regimenter, welche die neuen Feldzeichen erhalten, sind: das 5. Garde-Regiment, das Garde-Grenadier- Regiment Nr. 5, die Regimenter 146—152, 154—161, 163—167, 169-176,
Feuilleton.
Konzert in der IohannisKirche.
Hanau, 15. Oktober.
Ein Kunstgenuß in des Wortes schönster Bedeutung wurde den Besuchern des gestern Abend in der hiesigen Johanniskirche veranstalteten Kirchenkonzertes geboten. In athemloser Stille lauschte das Publikum den dargebotenen Spenden, welche einen tiefen Eindruck machten. Von weihevoller Wirkung war der das Konzert einleitende Choral: „O Jefu Christe, wahres Licht' aus dem Oratorium „Paulus", vorgetragen vom hiesigen Oratorienverein. Außerdem betheiligle sich letzterer noch mit zwei weiteren trefflich gelungenen Aufführungen, dem Chor: „Wie lieblich sind die Boten" von Mendelssohn und dem „Dankgebet" aus den Niederländischen Volksliedern von Kremser. Herr Dr. Lim- b e r t waltete wieder seines Dirigenlenamtes mit gewohnter Sorgfalt, musikalischem Verständniß und Umsicht, so daß auch die Chöre edel empfunden und in schöner vokaler Klangwirkung zur Geltung kamen.
Die Solistin für den vokalen Theil, Frl. Schnabel aus Frankfurt a. M., sang als erste Nummer die Arie „Höre Israel" aus dem Oratorium „Elias". Dieselbe rechtfertigte den vorauigegangenen Rus als tüchtige Sängerin in vorzüglicher Weise. Ihre glockenreine Stimme, ausgiebig in allen Registern, drang von oben entzückend und verklärend in Ohr und Herz und versetzte die Zuhörer in eine andachtsvolle Stimmung. Dasselbe gilt auch in noch weit höherem Maße von den beiden Liedern: „Meine Seele ist stille zu Gott" von Emmerich und „Das Gebet" von Hiller. Lobend hervorheben müssen wir noch die deutliche Textaussprache und die sichere Intonation.
das 3. Bataillon 2. Hanseatischen Infanterie-Regiments Nr. 76, das 1. Bataillon des 7. Thüringischen Infanterie-Regiments Nr. 96 und das 1. Bata llon btâ 3. Hansatischen Irranterie Regiments Jir. 162. Die Fahnen des 8. Thü- ringiichen Infanterie Regiments Nr. 153 und des 5. Großherzoglich Hessischen Jnfanleiie-Regiments Nr. 168 werden die Weihe in Altenburg resp, in Darmstadt erhallen. Die Weihe in Berlin vollzieht auf Allerhöchsten Befehl der evangelische Garnisonpfarrer Goeus im Beisein des evangelischen Felvprobstes D. Richter und des katholischen Feld- probstes Dr. Aßmann sowie der gesammten Militärgeistlichkeit von Berlin. Tie alte Fahne des 3. Bataillons 2. Hanseatischen Infanterie-Regiments Nr. 76, an deren Stelle eine neu grweihr wird, ist durch feindliches Feuer stark beschädigt. Das Tuch ist bei Orleans am 4. Dezember 1870 durch mehrere Kugeln zerrissen und die Spitze durch einen Granatsplitter verbogen. Der auf Allerhösten Befehl vom 24. Mai 1872 um den Faß der neuen Spitze gelegte silberne Ring trägt die Inschrift; Loigny (Orleans) 2. Dezember 1870.
Die Heimkehr der „Hyäne". Nach fast neunjährigem, ununterbrochenem Aufenthalte im Auslande ist das Kanonenboot „Hyäne" nunmehr in die Heimath zurückgekehrt. Nachdem es von 1879—81 in Australien gekreuzt und von 1882—87 theils in Australien, wo es an der Erwerbung der ersten deutschen Kolonien Antheil genommen, theils in Ostafrika gewesen, ging es im Herbst 1888 zum dritten Male ins Ausland. Seit jener Zeit hat es dauernd an der westafrikanischen Küste gekreuzt; neun Mal hat es seine Besatzung gewechselt. Während dieses langen Zeitraumes hat „Hyäne" wiederholt Gelegenheit gehabt, in aktiver Weise zum Schutz der deutschen Interessen einzugreifen. Im April 1891 rettete das Schiff mehrere Deutsche aus dem portugiesischen Hafen Bissao, der von Eingeborenen bestürmt wurde, und im Oktober desselben Jahres leisteten die Mannschaften von „Hyäne" und „Habicht* dem Hauptmann von Gravenreuth Beistand auf seiner dritten Expedition gegen den Abostamm. Von „Hyäne" betheiligten sich 26 Mann unter Führung les Lieutenants zur See Krueger. Auf diesem Feldzuge wurde der stark befestigte Ort Miang erstürmt und eingenommen. Als 1896 infolge des Bekanntwerdens der Kämpfe bei Gobabis unter den Eingeborenen von Deutsch-Südwestasrika Unruhen bemerkt wurden, bezog ein Landungskorps der „Hyäne" am 20. Mai das am 7. Mai von dem ostafrikanischen Stationskreuzer „Seeadler" in Swakopmund errichtete befestigte Lager. Hierdurch wurde einem weiteren Umsichgreifen der Bewegung vorgebeugt. Am 24. Juli d. J. trat „Hyäne" von Kamerun aus die Heimreise an. Kapitänlieutenant Becker führte das Schiff nach Wilhelmshaven zurück. Ob es später noch einmal ins Ausland gehen wird, hängt wohl von dem Bauzustand des Schiffes ab.
Der Sängerin würdig zur Seite stand der Violinkünstler. In demselben machten wir die Bekanntschaft eines intelligenten, musikalisch gebildeten Herren, dessen Vortrag von tiefer Empfindung und wohlgebildetem Geschmack zeugte und in dem weiten Raum der Kirche weihevoll zur Geltung kam.
Wenn wir endlich des meisterlichen, durchsichtigen und mit unvergleichlicher Sicherheit zum Ausdruck kommenden Orgelspiels des Herrn Breiden sie in aus Frankfurt a. M. gedenken, und insbesondere die den Vorträgen angepaßte vorzügliche Begleitung und äußerst geschmackvolle Registrirung hervorheben, so müssen wir sagen, daß der Eindruck des Konzertes ein ganz vorzüglicher und vornehmer war. Eine außergewöhnliche Hingabe für die Sache und ein fühlbar höheres Verständniß für die gestellte Ausgabe war in allen Fällen unverkennbar.
Die Kirche war gut besucht, woraus wohl zu schließen ist, daß auch der materielle Erfolg ein günstiger ist.
Aus Kunst und Leben.
Die brodlofen Mimen in Hellas. Mit dem Ab schluß des türtisch griechischen Friedens können die athenischen Schauspieler endlich aufathmen, denn es winkt ihnen wenigstens zum Theil wieder Beschäftigung. Gleich bei Beginn des Krieges hatte die hellenische Regierung die Theater geschlossen und jede Vorstellung untersagt. So kamen alle Komiker und Tragöden bald in die traurigste Lage, da der Staat als solcher keine Mimen hält. Die Vertreter lustiger Rollen ließen aber noch mehr als die Tragöden ihre Köpfe hängen. Letztere fanden wenigstens noch den Muth, sich mit einer Vorstellung an die Regierung zu wenden, worin sie darauf hinwiesen, daß der ernste Charakter der tragischen Dichtung doch wohl richt ihre Verbannung während des Krieges rechtfertige. Der damalige Ministerpräsident Rallis überlegte längere Zeit,
Bäckerei-Verordnung. Wegen der Bäckerei-Verordnung hat sich der geschäftsführende Ausschuß deutscher Bäckerinnungen des Verbandes „Germania" im Auftrage seiner 27000 Mitglieder nunmehr mit einer längeren Eingabe an den Bundesrath gewendet. Die Ausführungen gipfeln in folgenden Punkten: Der Bundesrath möge die Verordnung vom 4. März 1896, betr. die Arbeitszeit in Bäckereien und Konditoreien, gänzlich aufheben, oder, wenn dieses aus Gründen, welche sich der Beurtheilung der Petenten entziehen, unzulässig oder unausführbar sein sollte, die erwähnte Verordnung dahin abändern, daß als wesentlichste Bestimmung derselben künftig eine Minimalruhezeit von 8—9 Stunden festgesetzt werde; daß ferner bei Uebertretungen der Verordnung nicht ohne Weiteres immer die Meister, sondern der wirklich Schuldige bestraft werde; daß endlich Anzeigen von Uebertretungen in längstens 8 Tagen angebracht werden müssen, weil bei einer längeren Frist die Feststellung des Thatbestandes dem Meister unmöglich ist.
Arbeitermangel auf den oberfchlestscheu Gruben. Auf den oberschlesischen Gruben herrscht großer Mangel an Arbeitern, sodaß die Verwaltungen von der Regierung die Erlaubniß erbaten, galizische Arbeiter einsttllen zu dürfen.
Vogelmaffenmord in Italien. Dem Münchener Thürschutzverein theilte der Königlich italienische Gesandte am dortigen Hofe im Auftrage seiner Souveränin mit, daß inhaltlich einer Erklärung des Ministerpräsidenten di Rudini der Minister für Landwirihschaft, Gewerbe und Handel dem vom genannten Verein in betreff der Bekämpfung des Vogel- masscnmoldes an die Königin von Italien gerichteten Ansuchen und den darin enthaltenen Erwägungen sein Interesse zuwenden werde, um es für den Entwurf eines Jagdgesetzes zu benützen, den er dem Parlamente vorlegen wird.
Zur Frage des Butterabsatzes nach England. Aus landwirthschaftlichen Kreisen sind an den Landwirthschaftsminister Mittheilungen gelangt, in denen darauf hingewiesen wurde, daß aus dem englischen Markte verhältnißmäßig viel deutsche Butter infolge unrichtiger Untersuchung als mit Margarine verfälscht bezeichnet wurde. Auf die Weise werde der Butterabsatz nach England stark geschädigt. Der Landwirthschaftsminister hat in Verfolg dieser Meldung den Minister der Auswärtigen Angelegenheiten von der Sachlage benachrichtigt, die betheiligten Kreise aber darauf aufmerksam gemacht, daß durch gut organisirte Verkaufsverbände die Möglichkeit gegeben sein dürfte, den Absatz der deutschen Butter in England zu fördern.
Politische und Unpolitische Nachrichten
(Depeschea-Burtau .Herold.")
Berlin, 14. Oktbr. Unter dem Vorsitz des Kaisers fand heute Vormittag 11 Uhr im neuen Palais bei Potsdam I—— ^—ü^— «g< endlich wies er aber das Gesuch ab, wenn er auch seinem Mitleid mit dem Elende der Schauspieler Ausdruck gab. „Die Soldaten", meinte er, „die soviel auf dem Schlachtfelde leiden, würden ungehalten, wenn sie die öffentlichen Lustbarkeiten so schnell wieder beginnen sähen."
Ein Nachklang zur Manöverdebatte im bayerischen Landtage.
Sie standen draußen in Nacht und Sturm,
Der Wind pfiff über die Wälder, Doch zogen sie frisch und lustig dahin Ueber regendampfende Felder.
Kein Murren ward laut,
Kein muthloses Wort, Wenn Frost und Hunger sie quälten, Was schadet der Regen, was schadet der Wind Der Mannesbrust, der gestählten?
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Es sitzen im warmen Landtagssaal Des Volkes Vertreter, die braven, Von denen hat wohl keiner noch Aus der nassen Erde geschlafen.
Drum wird ihnen Angst, drum wird ihnen bang, Sie sind beunruhigt, die Guten, Sie haben gar schöne Phrasen erdacht, Als zu Haus auf dem Sopha sie ruhten.
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Den Grund Eures Zorns, ich hab' ihn erkannt, Ihr Helden des Worts und der Feder: Wenn die kleinen Geister Großes erseh'n, Dann erheben sie lautes Gezeter.