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Amtliches (Ngan für $faöf- unS LguöKreis Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Nr. 241.
Donnerstag den 14. Oktober
1897.
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Amtliches.
LcenöKvers ^bttrtau.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtcs.
In Bieber, Kreis Offenbach, ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen und Gehöfts- und Gemarkungssperre angeordnet worden.
Hanau den 12. Oktober 1897.
Der Königliche Landrath
V. 10202 v. Schenck.
Dicnstnnchnchtkn aus dem Kreise.
Zugelaufen: Ein schwarz-braun gefleckter Hund, Foxterrier, m. Geschl.; Empfangnahme beim Ackermann Jakob Schäfer 7er zu Niederdorfelden.
Verloren vom Nordbahnhof bis zur Wilhelmstraße: Eine goldene Brille.
Hanau dm 14. Oktober 1897.
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BekauntMachungen des Oberbürgermeisteramtes.
Bekanntmachung.
Die Stelle des Dirigenten der städtischen gewerblichen Fortbildungsschule zu Hanau soll baldmöglichst besetzt werden ; für dieselbe ist ein Gehalt von 4200 Mark vorgesehen; die Anstellung erfolgt auf Lebenszeit mit Pensionsberechtigung und Reliktenversorgung. Der Dirigent ist neben der Leitung der Anstalt zur Ertheilung von wöchentlich 24 Unterrichtsstunden verpflichtet.
Geeignete Bewerber wollen sich unter Vorlage von Lebenslauf und Zeugnissen bis zum 1. November d. J. melden.
Hanau den 12. Oktober 1897.
Das Kuratorium der gewerbl. Fortbildungsschule
Dr. Gebesch us,
Oberbürgermeister. 14568
Sozialdemokratie und Landtagswahl.
Unter den Berathungs-Gegenständen des diesjährigen sozialdemokratischen Parteitages nahm die Frage der Betheiligung an den preußischen Landtagswahlen den breitesten Raum ein. Von zahlreichen Rednern wurde das Für und Wider erörtert. Zur Annahme gelangte schließlich ein Antrag Bebels, wonach das bisher giltige Verbot der Betheiligung aufgehoben und die Theilnahme überall dort gefordert wird, wo die Verhältnisse es möglich machen. Daß diese Resolution sehr lau ist und Anhängern wie Gegnern der Wahlbetheiligung gleicherweise Spielraum gewährt, liegt auf der Hand. Größeres Interesse als das Ergebniß selber bieten in mancher Hinsicht die Debatten dar, welche voraufgingen.
Feuilleton.
Aus der Jugendzeit König Friedrich Wilhelms IV. geboren den 15. Oktober 1795.
Helle Freude herrschte in dem schlichten Palais am Opernplatz, als dem Kronprinzen Friedrich Wilhelm und seiner heißgeliebten Luise der erste Sohn geschenkt wurde. Schon am 28. Oktober vollzog Ober-Konsistorialrath Sack die Taille des kleinen Prinzen, der, wie sein Vater, die Namen Friedrich Wilhelm erhielt. Auch nachdem 1797 der Kronprinz als Friedrich Wilhelm III. den Thron heftigen hatte, wurden die königlichen Kinder in größter Einfachheit gehalten und erzogen. Doch konnte der gütige Vater auch recht freigiebig sein: Die reizende Besitzung Cyarlottenhos bei Sanssouci war ein wahrhaft königliches Geburtstagsgeschenk, durch das er den Sohn erfreute. In seinem fünften Jahre erhielt der Prinz den Professor Gottfried Delbrück zum Erzieher, von dem die Königin Luise rühmte: „Delbrück ist mir werth und wichtig, besonders darum, weil er die Liebe für den Erlöser und sein untrügliches, heiliges Wort in den Herzen meiner Kinder weckt und nährt." Mit der geistigen Ausbildung ging die körperliche Hand in Hand: Unteroffizier Clerp und Feldwebel Bennstein waren die strammen Exerziermeister der königlichen Prinzen (Friedrich Wilhelm, Wilhelm und Karl).
Am 15. Okober 1805, also nach vollendetem 10. Lebensjahre, erhielt Friedrich Wilhelm das Patent als Fähnrich — so wurden damals die jüngsten Lieutenants bezeichnet. Tags darauf erschien der Prinz zum ersten Male in Uniform auf der Wachtparade in Potsdam mit dem hohen bis zu den Ohren reichenden Uniformkragen und dem mächtigen Feder-
Offen wurde ausgesprochen, daß die Furcht vor gesetzgeberischen Maßnahmen zur Bekämpfung des Umsturzes das unmittelbar wirksame Motiv für den Wunsch nach künftiger Betheiligung an den Landtagswahlen gewesen ist. Die bekanntlich nur an einer ganz geringen Majorität gescheiterte Vereinsgesetz-Novelle des Ministers Frhr. von der Recke hat eine gewaltige Panik im sozialdemokratischen Lager erzeugt. Um die. Wiederkehr ähnlicher Gefahren zu verhüten, wünscht man daher, die bürgerliche Opposition durch Eintreten für ihre Kandidaten zu verstärken. Was aber lehrt wohl diese Panik? Nun, sicherlich doch dies, daß vermehrte Machtmittel der Staatsgewalt, oder erweiterte gesetzliche Handhaben von der Sozialdemokratie nicht so gering geschätzt werden wie von manchen bürgerlichen Politikern. Dieses Verhalten der Männer des Umsturzes beweist aufs deutlichste, wie wirksamen Abbruch ihre Bewegung durch die zum Gesetze erhobene Vorlage erlitten hätte.
An revolutionärer Deutlichkeit ließ die Sprache der sozialdemokratischen Debatten nichts zu wünschen übrig. Das Hauptargument der Gegner der Wahlbetheiligung läßt sich dahin zusammenfassen: Wo bleibt der Standpunkt bewußten Klassenkampfes, wo ■ bleibt die Behauptung von der großen revolutionären Partei, wenn wir uns auf ein Zusammengehen mit irgendwelcher bürgerlichen Richtung einlassen; wir werden dann eine politische Partei wie jede andere, nur vielleicht etwas radikaler, und das wollen wir nicht. Der alte Liebknecht aber kleidete die Aufgabe der Sozialdemokratie in den Satz: „Wir wollen die bürgerliche Gesellschaft, die noch eine kolossale Lebenskraft besitzt, vernichten!" Mit rücksichtsloser Offenheit wurde auch der Hauptzweck sozialdemokratischer Wahlarbeit entschleiert.. Nicht aus positives Mitwirken im Parlamente kommt es an, nein, die Sozialdemokratie will „die Massen revolutioniren". So verkündete es unter stürmischem Beifall „Genossin" Zetkin.
Solche und ähniiche Aeußerungen werden und müssen schließlich auch den politischen Freisinn überzeugen, daß ein Zusammengehen mit der Sozialdemokratie für jede auf dem Boden der geltenden Staats- und Gesellschaftsordnung stehende Partei unmöglich ist. Hierzu gesellt sich die Forderung politischer Selbstachtung. Der Umsturz will ausgesprochenermaßen den Liberalismus nur benutzen, wie „Simson einst die Eselskinnbacken" oder wie „Kanonenfutter". Ja, selbst des „Ekels" kann sich nach Molkenbuhr ein ehrlicher Proletarier nicht erwehren, wenn er daran denkt, für einen Freisinnigen stimmen zu sollen. Eine Unterstützung, die sich in solcher Weise darbietet, dürfte auch manchem Freisinnigen wenig begehrenswcrth erscheinen.
Tagesschau.
Von der Morine. Laut telegraphischer Meldung au das Oberkommando der Marine ist S. M. S. „Prinzeß
hut, die kleinen Beinchen in hohen Stiefeln, in der Hand den Stock, das Zeichen der Würde bei allen Offizieren und Unteroffizieren. In den Unglücksjahren 1806 und 1807 mußten auch die königlichen Kinder unter vielen Leiden und Entbehrungen die Flucht nach Königsberg, nach Memel, bis in den äußersten Nordosten des Staates mitmachen. Diese schwere Prüfungszeit machte auf die tief und zart empfindende Seele des reichbegabten heranreifenden Knaben einen unauslöschlichen Eindruck. Die entschiedene, man möchte sagen leidenschaftliche Friedensliebe, die für König Friedrich Wilhelm charakteristisch ist, mag in jener furchtbaren Kriegszeit emporgekeimt sein.
Wie scharf und richtig die holde Königin Luise in den Seelen ihrer Kinder las, zeigt einer ihrer Briefe aus jenen Tagen, den sie ihrem Vater, dem Herzog von Mecklenburg- Strelitz, schrieb Des Königsknaben „Talente", von denen die Mutter da spricht, zeugten von künstlerischer Begabung. Neben einer hübschen Fertigkeit im Klavierspielen entwickelte sich besonders ein hervorragendes Zeichentalent, das er bis zur Vollendung ausbildete. Auch die Naturwissenschaften interef- firen ihn lebhaft. Aber nie vergaß er über der herrlichen Natur und über dem Studium ihrer gewaltigen Kräfte den allmächtigen Schöpfer, der die Welt erschaffen hat und der den Naturkräften ihre Wege weist. Ihn, wie jeden recht und tief Forschenden, führte die Erkenntniß der Natur und der Weltentwickelung zu Gott hin, nicht von Gott hinweg, wie die Thoren und Afterweisen.
Als der Prinz 14 Jahre alt war, trat an die Stelle des in ein kirchliches Amt berufenen Delbrück Frederic Ancillon, Professor an der académie militaire, ein hervorragender Geschichtsforscher, der seinen Zögling für diese Wissenschaft zu begeistern und sein Herz zu gewinnen wußte. In den Kriegswisfenschasten waren Scharnhorst und Knesebeck des Kronprinzen Lehrer.
Wilhelm", Kommandant Kapitän zur See Thiele (Adolf), vorgestern in Shanghai angekommen.
Fahrradabtheilungen. Im „Militärwochenblatt" wird vorgeschlagen, für jedes Armeekorps und jede Kavalleriedivision eine Radfahrerkompagnie zu bilden. Dafür müßten die technischen Truppen in ihren Aufgaben und Stärken entsprechenden Verhältnissen Radfahrer erhalten. Die Stärke einer Radfahrerkompagnie hält der Verfasser mit 200 Köpfen, und zwar einschließlich der Chargen, für zweckmäßig, da hierdurch ohne Erschwerung der Leitung eine meist genügende taktische Wirkung erzielt werden kann. Die Kompagnie müßte außer ihrem berittenen Chef 4 Offiziere, 12 Unteroffiziere, 1 Büchsenmacher, 4 Büchsenmachergehilsen und 3 Hornisten in ihrem Bestände haben. Sie wäre der besseren Lenkbarkeit wegen wie die Kavallerie in vier von je einem Lieutenant befehligte Züge, jeder Zug in zwei von je einem Unteroffizier geführte Halbzüge, jeder Halbzug in zwei von je einem Unteroffizier oder Gefreiten geleitete Sektionen ein- zutheilen. Jeder Zug erhält einen Büchsenmachergehilsen; wenn er mit einem andern Zug zusammenwirkt, wird dieser Halbkompagnie noch ein Hornist zugewiesen. Der Feldwebel und ein Hornist bleiben beim Hauptmann. Jeder Zug erhält zum Fortschaffen seiner Werkzeuge (Schraubenschlüssel, Hammer, Luftpumpen u. s. w.) sowie von Vorraths- stücken (Pedalen, Lenkstangen, Speichen, Luftkissen) zwei gekoppelte Fahrräder. Außerdem werden sowohl von den Mannschaften wie den Büchsenmachergehilsen solche Vorralhs- stücke im Tornisterbeutel mitgefühlt. Endlich befindet sich auf einem besonderen Kompagnie-Vorrachswagen eine allgemeine Reserve von vollständigen Kriegsrädern (eins für jeden Zug), Vorder- und Hinterrädern, Sätteln, Lenkstangen, Luftkissen, Speichen, Pedalen, Achsen, Ketten u. s. w. Es wird vorgeschlagen, Einheusfahrer auszubilden, die wie die Kavallerie fechten, erkunden und melden können. Der Verfasser Stavenhagen hält die Anwendung von Zweisitzrädern für geboten, bei welchen die Radfahrer neben einander sitzen.
Vom Parteitag der deutsch sozialen Reformpartei. Ueber die Frage der bevorstehenden Wahlen re- serirte Abg. Liebermann von Sonnenberg. Der Referent bestritt die Richtigkeit der in der Presse aufgetauchten Gerüchte über ein Engagement der Partei für ein allgemeines Kartell. Der Parteivorstand halte vielmehr nach wie vor an dem Beschluß vom 4. April d. J. fest, laut welchem die Partei das allgemeine Kartell verwirft und nur in einzelnen Fällen und in eizelnen Wahlkreisen es den Parteigenossen überlasse, auf etwaige Kartellvorschiâge einjugchen. Die Partei würde ihre Selbstständigkeit aufgeben, wenn sie auf einen allgemeinen Kartellvorfchlag einginge. Redner ging dann auf die verschiedenen Kartellvorschläge des Näheren ein. Das Kartell zwischen Industrie und Landwirthschast sei lediglich geplant, um einerseits den Bund der Landwirthe zu zerschmettern und
Begeistert zog der königliche Jüngling nach seiner Konfirmation aus zum Befreiungskämpfe, zuerst beim Ausmarsch aus Breslau bei Blüchers Korps, sodann im königlichen Hauptquartier. In der Schlacht bei Groß-Görschen erzielt er die Feuertaufe und war immer so weit vorn, daß der königliche Vater ihm mehrmals zurufen ließ: „Der Fritz soll sich nicht unnöthig exponiren." Während des Waffensüll- standes zum Kapitän befördert, wurde er dem General von Kleist zugetheilt, nach der Schlacht von Dresden wieder dem königlichen Hauptquartier. In Gemeinschaft mit seinem Bruder Wilhelm war er in den Schlachten von Brienne, Bar sur-Aube, Arcis-sur-Aube, la Fère-Champenoise und Paris. Im Gefolge seines königlichen Vaters zog er in die besiegte Hauptstadt ein.
König Friedrich Wilhelm IV. ist ein Fr iedens fürst gewesen, aber ein Neuer Bekenner und Streiter seines himmlischen Königs und seines Heilandes. v. S.
Stadttheater in Hanau.
Hanau, 14. Oktober.
Franz von Schönthan muß über die Zusammenstellung des Spielplans unseres Stadttheaters eine recht lebhafte Befriedigung empfinden, denn die kaum begonnene Saison hat uns bereits das dritte seiner Geistesprodukte gebracht und gerade die Hälfte der Vorstellungstage war den Aufführungen seiner Werke gewidmet. Für zwei der aufgeführten Stücke theilt sich allerdings auch sein jetziger Mitarbeiter Herr Koppel-Ellfeld in diese Bevorzugung. Die Uebernahme der lieblichen Verskomödie .Renaissance" 'der beiden genannten Autoren in den diesjährigen Spielplan haben wir mit Freude begrüßt, zählen wir sie doch zu einer der schönsten Erscheinungen der letzten Jahre auf dem Gebiete der heiteren Muse. Gespielt wurde gestern Abend unter der trefflichen Regie des Herrn Direktor Jaritz mit lebhafter Frische; die Darsteller hatten sämmtlich vorzüglich memorirt, um so auch den Versmaß zur gehörigen Geltung zu verhelfen. Als eine vorzügliche Leistung haben wir der Marchesa des Frl. B r a n d o w schon vergangenes Jahr gedacht; auch Frl. Krause, die leit der letzten Aufführung vom Sonntag nur die Nationalität