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Nr. 238

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Amtliches Organ für $faöf~ unö Landkreis Hanau

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Montag den 11. Oktober

Im Reklamentheil die Zeile 20 ^, für Auswärts 30 ^.

1897.

MR

Amtliches.

^anö&rci# ^artatu Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtcs.

Unter der Schafherde zu Horbach, Kreis Gelnhausen, ist die Räude ausgebrochen.

Die Räude unter der Schafherde zu Niedergründau, Kris Gelnhausen, ist erloschen.

Hanau den 9. Oktober 1897.

Der Königliche Landrath

V. 10171/10179 J. V.: Becker.

Dicilstnachrichten aus dem Kreise.

Entlausen: Ein weißer Jagdhund, glatthaarig, mit braunem Abzeichen m. Geschl.

Zugelaufen: Ein rothgelber Bernhardiner Hund; ein großer junger weißer Hund mit schwarzen Ohren, am Kopf gelb getupft, beide m. Geschl.

Gesunden: Zwei weiße Taschentücher; baares Geld in Papier gewickelt; ein neuangestrickler wollener Strumpf; eine Milchkanne gezeichnet W. Schneider, Langenselbold; eine Breunscheere; ein Wörterbuch zum Schul- und Privat­gebrauche.

Verloren: Ein goldener Ring mit rothem Rubin und 4 weißen Rosen.

Hanau den 11. Oktober 1897.

Tagesschau.

Zur Frage der Handwerkskammern. In der nächsten Zeit werden die seitens der Landesbehörden zu er­stattenden Gutachten vorliegen, die sich auf die Durchführung der neuen Gewerbeordnungsnovelle beziehen, soweit diese die Organisation des Handwerks durch Bildung von Gewerbe­kammern betrifft. Wie man von maßgebender Seite erfährt,

haben die bisherigen Verhandlungen in Preußen zwischen den

beteiligten Kreisen insoweit zu einer Verständigung im

Großen und Ganzen geführt, daß in den stärker bevölkerten

Provinzen möglichst für jeden Regierungsbezirk eine besondere Handwerkskammer zu errichten sein wird. In den anderen Landestheilen steht ebenfalls ein befriedigender Ausgleich der verschiedenen Wünsche zu erwarten.

Prentzischbavische Etsenbahngemeinschaft in Sicht? DerBad. Beobachter" brachte kürzlich einen Artikel unter der Ueberschrift:Preußisch-badische Eisenbahngemein­schaft in Sicht?" Dieser Artikel, der kein geringes Aufsehen erregt und mit Rücksicht auf seine handelspolitische Bedeutung insbesondere in der Mannheimer Presse eingehende Be­sprechung gefunden hat, behandelte unter Verwendung tarif­politischen Materials die Absicht Preußens, die badischen

Feuilleton

Professor Georg Cornicelius und seine Gemälde-Ausstellung.

Hanau, 10. Oktober.

Mit großer Liebenswürdigkeit öffnete in diesen Tagen Herr Professor Cornicelius seine Ateliers, um dem kunst­lieb mden Publikum einen wahrhaft erhabenen, seltenen Ge­nuß darzubieten. Nah und fern war herbeigeströmt, um die Leistungen eines so bedeutenden Mannes zu sehen, um sie kennen zu lernen, um sich daran zu erfreuen. Da sehen wir neben lebenswahren Portraits Christus. So edel und ernst in der Auffassung, so harmonisch in der Farbe, daß wir der Gegenwart entrückt werden. Ja, dieser Christus in seiner rührenden Einfachheit hebt sich weit über die Produkte be­rühmter moderner Meister empor. Und dieses in einer Zeit, wo der Geschmack theils durch widerlich-süße oder widerlich­häßliche Bildnisse unseres Heilandes, von dem wir uns ein so anderes Bild gemacht hatten, verdorben ist. Hier sehen wir wahrhaftigUnseren Heiland", eine erhabene Schöpfung des Künstlers. Wir treten in das andere Atelier und das Auge wird gebannt durch ein großes Gemälde, den ersten Brudermord darstellend. Die ganze Kraßheit des Todes tritt

uns in dem erschlagenen Abel, mit seinem blutüberströmten bleichen Antlitze entgegen. Gott, in einer dunkelen, nebel umflorten Wolke herniedersahrend, scheint den unglücklichen Kain, welcher bebend das Antlitz verbirgt, niederschmettern . zu wollen, mit jenen furchtbaren Worten:Verflucht seist du auf Erden." Wir können von diesem Bilde nur sagen: Groß in der Auffassung, groß in der Ausführung und noch größer in der Wirkung auf den Zuschauer. Ein seltener

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Kontrast bietet uns das Bildchen vis-â-vis. Wir leben da und der iunaeCedric" bleibt Lord und Erbe des Grafentitel. Gleich

Bahnen in ein ähnliches Verhältniß zu Preußen zu bringen, nicht ab; er erinnert in dieser Beziehung an die freisinnigen wie es zwischen diesem und Hessen schon besteht. Der Artikel "* f-" ^"- '"" """ ^ ^"« r««^«.^««

schloß mit folgenden Sätzen:Das Deutsche Reich ist nicht gegründet worden, damit unter seinen Auspizien ein Bundes­staat, am allerwenigsten der führende, einen anderen in Schaden bringe, ihm einen Theil der ihm durch einenewigen" Bund garantirten Hoheitsrechte direkt oder indirekt entziehe oder seine finanzielle Weiterexistenz in einem wichtigen Zweige der von

diesen Hoheitsrechten umgrenzten Staatsverwaltung unmöglich um Persönlichkeiten oder gar um , F---------0....... ,

zu machen suche. Hiegegen glauben wir an ein gewisses dern es handle sich um eine grundverschiedene Auffassung der nobile officium des PräsidialstaateS. Wenn es wirklich gesummten inneren Politik und der gegenwärtigen politischen

nöthig sein sollte, so könnte man jene unzweifelhaft richtige Auffassung im Reichstage eventuell â la Mittnacht im Bundesrathe und in der Presse mit genügender Deutlich­keit zum Ausdruck bringen. Man könnte untersuchen, ob das Verhältniß zwischen den preußischen Staatsbahnen und der Reichsbahn nicht überhaupt anders zu gestalten wäre. Man könnte mit sicherer Aussicht auf Erfolg noch mehr thun, aber wir wollen nicht ausmalen, was Alles geschehen könnte, wenn all' jene Schwarzseherei begründet wäre, eben weil wir weniger furchtsam sind und noch auf Gerechtigkeitsliebe im deutschen Volke rechnen. Das Alles schließt jedoch nicht aus, daß man die Augen offen hält, um zu sehen, was vorgeht. Und das wollen wir." Inzwischen hat nun dieStraßburger Post" den Artikel, wie es den Anschein hat, offiziös demen- tirt. Demgegenüber melden dieMünch. N. N." aus bester Quelle, daß in den letzten Tagen in Wiesbaden eine Konfe­renz von Vertretern der preußischen und von süddeutschen Bahnen stattgefunden hat, in der die Frage der preußisch­badischen Eisenbahngemeinschaft erörtert wurde. Man konnte aber gerade bezüglich bb feâ Punktes eine Einigung der in Betracht kommenden Vertreter der Staatsbahnen nicht erzielen. Heute nimmt auch die konservativeLandpost" zu dem Artikel desBeobachters" Stellung. Sie spricht sich nicht wie dieser dahin aus, daß die badische Eisenbahnautonomie unangetastet bleiben müsse, sondern sie vertritt die Ansicht, daß vor einer im Fluge sich vollzühenden preußisch-deutschen Eisenbahn­gemeinschaft zu warnen sei. Im klebrigen meint dieLand­post", daß derBeobachter"-Artikel nicht ohneWissenschaft" der in Frage kommenden dirigirenden Behörden veröffentlicht worden ist.

Die Freisinnige Volkspartei und die Frei­sinnige Vereinigung liegen sich wieder einmal scharf in den Haaren. Zur tiefsten Entrüstung E. Richters ist Abg. Barth immermehr in das Lager der Marinefreunde abge­schwenkt. Neulich hat er in Neumünster auf dem Parteitag der Deutschfreisinnigen Partei in Schleswig-Holstein eine Rede gehalten, worin er u. A sagte:Das Ziel, Deutsch­land eine kleine, aber auf der Höhe der Leistungsfähigkeit stehende Flotte zu verschaffen, scheint mir durchaus vernünftig zu sein." Auch die Aufbringung der Kosten schreckt Barth

ein lieblichks, entzückendes Engklsköpfchen, welches in seiner rührenden Anmuth allgemeine Begeisterung hervorruft.

Ich glaube ganz im Sinne aller Hanauer zu handeln, wenn ich Herrn Professor Cornicelius meinen unb aller Be­wohner herzlichsten Dank darbringe, und wenn ich wünsche, daß dieser bedeutende Mann, nie rastend, nie müde, auch so gewürdigt werde, wie er es verdient, und daß diese schönen, herrlichen Bilder sich eines Weltrufes erfreuen mögen. Euch aber, ihr Hanauer, euch rufe ich zu, ihr könnt stolz sein auf solch einen Mann und beneidenswerth sind die, welche die hohe Ehre genießen dürfen, an der Hand eines solchen Lehrers in seine edele Kunst eingeführt zu werden, f. f.

Stadttheater in Hanau.

Hanau, 11. Oktober.

Die Novität des gestrigen Abends, .Der kleine Lord', soll sich nach der Voranzeige überall eines freundlichen Erfolges zu erfreuen gehabt haben, was eigentlich auch von der hirsigen Aufführung kon- statirt werden könnte, denn das weniger kritisch veranlagte SonntagS- publikum begleitete den Verlauf des Stückes mit lebhaftem Beifall. Kann sich eine ehrliche Kritik, soweit es den Werih des Stückes be­trifft, mit der überaus freundlichen Aufnahme dieses sogenannten Lebensbildes auch nicht einverstanden erklären, so findet sie den Um­stand wenigstens begreiflich. Denn, daß der Verfasser zum Helden des Stückes einen munteren Knaben wählte und diesen, mit allen Vorzügen ausgestattet, in die Mitte der Handlung stellt, nimmt das größere Publikum für das Stück ein. Dem Grasen Dorincourt sind seine drei Söhne gestorben, der jüngste mit Hinterlassung von Frau und Kind, die in bescheidenen Verhältnissen in Newyork leben. Der alte Graf hat nun den Wunsch, diesen seinen Erben bei sich zu haben und der als jähzornig bekannte Graf wird von der frischen Natür­lichkeit des Knaben so übcrrnwpclt, daß aller Menschenhaß und Groll sich in Liebe zu diesem Kinde verwandelt. Da erscheint das Ver­hängniß in Gestalt einer zweiten Schwiegertochter, die, nachdem sie

d irck den Knaben selbst Einblick in die Verhältnisse gewonnen, nun für ihren Knaben die Rechte beansprucht, Erbe des Namens und der Würde des Grafen zu werden. Ein Zuf'll aber bringt Aufklärung

Unkenrufe" der Gegner vor der 1893er Heeresvermehrung, welche allerdings auch die Freisinnigen Barth'scher Richtung damals mitgemacht haben. DieFreis. Ztg." erklärt, daß durch

die fortgesetzte Rechtsentwickelung der Freisinnigen Vereinigung unter Führung gerade des Abgeordneten Barth sich die Kluft zwischen Freisinniger Volkspartei und Freisinniger Vereini­gung mehr und mehr erweitere. Es handele sich dabei nicht um Persönlichkeiten oder gar um ,,Fraktionszänkereien", soü-

Situation. Auf dem schleswig-holsteinschen Parteitage wurde übrigens u. A. die Reichstagskandidatur des Professors Hänel (Kiel) aufgestellt. Ueber die dortigen Kandidaten­fragen ist in den Blättern der gröbste Streit entbrannt; schleswig-holstein'sche freisinnige Organe werfen E. Richters Freisinniger Ztg." erlogene Berichte vor. Dr. Barth seiner­seits wandte sich in einer persönlichen Erklärung an diebe­sonnenen Elemente" in der Freisinnigen Volkspartei mit der Frage:ob sie nicht auch glauben, daß der Fraktionsfanatis­mus eine Grenze haben müsse?"

Fürst Lobanow über Rußlands Weltstellnng.

DieTimes" melden aus Wien, daß sich unter dem Nachlaß des verstorbenen russischen Botschafters Fürsten Lobanow Papiere befinden, in denen er seine Ansichten über Rußlands Weltsendung ausgezeichnet hat. Deutschland und England hält er für die Mächte, die Rußland am meisten zu fürchten habe. Des Weiteren findet sich ein Passus vor, in dem be­tont wird, daß, wenn das russische Bahnnetz vollendet sei, ein entscheidender Schlag gegen Indien geführt werden könnte. Würde derselbe von Erfolg sein, dann würde der Niedergang des Britenreiches unausbleiblich sein. Die Allianz zwischen Frankreich und Rußland würde inzwischen Sicherheit gegen Deutschland gewähren.

Politische rrnd unpolitische Nachrichten

(De Vesten-Bur ecu .Herold.")

Dresden, 10. Oktbr. In den sächsischen Landtag wurden gestern 17 Konservative, 11 Nationalliberale und 2 Fortschrittler gewählt. Der Landtag zählt 50 Konservative, 19 Nationalliberale, 5 Fortschrittler und 8 Sozialdemokraten.

Teplitz 10. Oktbr. In der Nähe des Florentiner Schachtes entstand plötzlich in einer Tiefe von 50 Metern eine Erdspalte, welche 3 Kohlen suchendeFrauen

verschlang.

zu retten.

Rsm, 10.

in Turin 1898

Es war bisher nicht möglich, dieselben

Oktbr. Das Komitee der Landesausstellung bestätigt, daß Kaiser Wilhelm die Aus­

stellnng besuchen werde. Der Kaiser werde im königlichen Schloß, das Gefolge im Palais des Herzogs von Genua wohnen.

den meisten dramatisirten Romanen ist der Gang der Handlung sprunghaft und die Entwicklung der Ereignisse hinter die Coulissen verlegt, ebenso fehlt dem Stücke die einheitliche Durchführung der Eharakteure. Rührszenen wechseln mit burlesken Szenen ab. Die Anbahnung des Konfliktes geschieht erst im zweiten Akt und der Ver­fasser überläßt die'ung des Knotens dem Zufall, statt sie aus der Handlung und den Charakteuren herauswachsen zu lassen. Der von außen herbeigeführte versöhnende Schluß des Stückes ist die größte Schwäche desselben. Mit der Wiedergabe der Titelrolle steht und fällt das Stück und unsere muntere Liebhaberin Frl. Krause mag sich in erster Linie das Verdienst zuschreiben, dem Stücke hier eine so freundliche Aufnahme verschafft zu haben. Aus ihrer Darstellung sprach die ganze Naivetät eines Kindes, die zärtliche Liebe zur Mutter, die wohlthuende Frische und Natürlichkeit bei dem Zusam­mentreffen mit dem Großvater und der kecke, fröhliche Uebermuth im Verkehr mit den amerikanischen Freunden Auch in ihrem Aussehen verkörperte sie prächtig den muthwilligen Knaben. Eine schöne natürliche Leistung war auch die Mistres Errol der Frau L e h- mann. Die Opferwilligkeit einer Mutter, die sich, um das Glück des Sohnes zu begründen, allen Bedingungen unterwirft, wurde von der Dame trefflich charakterisirt. Als Graf Dorincourt zeichnete sich auch Herr Hille aus. Der jähzornige Charakter des Grafen und seine jähe Wandlung suchte der Künstler, soweit es eben möglich war, glaubhaft zu verkörpern. Frl. Braudow war die Aufgabe zuge­fallen die wenig dankbare Parthie derMinna' zu vertreten, sie that es mit Verständniß und gewohnter Routine. Die Wiedergabe des Advokaten Havisham durch Herrn Gläßer konnte ebenfalls be­friedigen. Ilm die Handlung für die drei Akte ausreichend zu machen, ist sie mit viel überflüssigem Beiwerk ousgestattet, so ist das humoristische Element mit dem Kolonialwaarenhändler Hobbs aus Newyork eingefügt, der eine recht drastische Wiedergabe durch unseren neuen Eharakterkonlker Herrn Gehrmann fand. Den Stiefelputzer Dick spielte Herr Hilden, scheinbar ein recht talentvoller Anfänger, dem noch die Routine fehlt.

Konstantinopeler Kries.

Konstantinopel, 7. Oktober.

An den palmen- und orancengeschmückten @tstaben des blauen Bosporus, in der Nähe von Therapia, auf demJali" dem Eommersitz des Oberzeremonienmeisters des Großsultans