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Amtliches Organ für 5faöt~ unS Lanökreis Hanau
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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Nr. 237.
Samstag den 9. Oktober
1897.
Amtliches.
Stadt- und Landkreis Hanau.
Unter Bezugnahme auf die in Nr. 226 des diesjährigen Hanauer Anzeigers veröffentlichte, von dem Herrn Kriegsminister und dem Herrn Ministe, des Innern erlassene Bekanntmachung, betreffend die Verleihung der zum Andenken an den Hochseligen Kaiser und König Wilhelm I. gestifteten Medaille an die Veteranen der Feldzüge 1864, 1866 und 1870/71, fordere ich alle Veteranen des hiesigen Kreises, welche die preußische Staatsangehörigkeit besitzen und Anspruch auf die Medaille zu haben glauben, auf, sich unter Vorlegung
a) von Nachweisen über ihnen verliehene Kriegsdenkmünzen rc.
b) einer Bescheinigung der Ortspolizeibehörde darüber, daß sie
1) sich im Besitz der bürgerlichen Ehrenrechte befinden,
2) nicht wegen einer mit Ehrenstrafen bedrohten strafbaren Handlung mit Freiheitsstrafe oder wegen Verbrechen bezw. Vergehen mit mehr als 6 Wochen Gefängniß bestraft sind,
3) nicht mit Freiheit; strafe wegen einer Handlung bestraft sind, bei deren Begehung sie eine unehrenhafte Gesinnung bethätigt haben, im Dienstgebäude des Königlichen Landrathsamtes hierselbst, und zwar die des Stadtkreises in Zimmer 12, die des Landkreises in Zimmer 17 zu melden.
Die Veteranen des Stadtkreises sind von der Beibringung der ortspolizeilichen Bescheinigung zu b entbunden.
Hanau den 6. Oktober 1897.
Der Königliche Landrath v. Schenck.
cSanö&rete ^anau.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtcs.
Der Herr Regierungspräsident zu Cassel hat durch Verfügung vom 7. d. MtS. auf meinen Antrag genehmigt, daß die vom Bundesrath für den diesseitigen Landkreis festgestellten Vergütungssätze für den beim diesjährigen Kaisermanöver von den betr. Intendanturen nachträglich re quirirten (nicht ermietheten) Vorspann um ein Fünftel erhöht werden dürfen.
feuiUehti.
Der Dichter des Don Auijote.
Zu Ccrvanlc's 350. Geburtstage, 9. Oktober.
Von Dr. Wilhelm Franzius.
(Nachdruck verboten.)
Alcalâ de Henares ist heute eine verfallene öde spanische Provinzialstadt, in deren Straßen das Gras wächst und selten nur der Schritt eines Fremden hallt. Nicht also vor 350 Jahren. Damals stand die vom Kardinal Ximenes begründete Universität in voller Blüthe. 7000 Studenten füllten die Stadt mit geschäftigem Leben und der Ruf der jüngeren Hochschule durfte dreist mit dem deS alten Salamanca und der großen ausländischen Universitäten wetteifern. In diesem Sitz der Musen wurde Miguel de Cervantes Saavedra als der Sprößling einer sehr alten Familie geboren. Seine Ahnentafel wies den Nunno Alfonso auf, dessen Heldenthaten an Berühmtheit nur von denen des Civ Campcador selbst übertroffen wurden, und mehrere seiner Vorfahren haben als Erzbischöfe, Großprioren und Corregidoren sich Ansehen und Namen erworben. Aber seinem Vater Rodrigo war's nicht so gut geworden, dürftig genug ging eS im Hause zu und Miguel sah sich daraus angewiesen, wie so mancher mittellose Adlige seiner Zeit, sich sein Glück zu suchen — im Kriege oder im Frieden, daheim oder in der Fremde. So kant es, daß sein Leben ein butter bewegter Roman wurde und er selbst — ein Dichter.
Sein Lebensroman beginnt echt spanisch und hrdalgomäßig mit einem Duelle. Er verwundete seinen Gegner lebensgefährlich und mußte, von einem Steckbriefe verfolgt, außer Landes fliehen. Damals war er 22 Jahre alt, die Studien, denen er bisher obgelegen und die ihn sogar schon zum Gelegenheitsdichter gemacht hatten, erlitten eine jâhe Unterbrechung und das Leben nahm ihn in seine schwerere Schule. Zuerst wird er bei einem Kardinale in Rom Kämmerling. Aber da geht durch die Christenheit der laute Ruf zu den Waffen gegen die Ungläubigen. Spanien und Venedig ver
Demgemäß beträgt die Vergütung
a) für ein einspänniges Fuhrwerk 9,60 M. (nicht 8. M.) und
b) für ein zweispänniges Fuhrwerk 15 M. (nicht 12,50 M.
Die Herren Orts vorstände derjenigen Gemeinden, in welche während der eigentlichen Kaisermanöver Wagen re- quirirt worden sind, werden ersucht, von Vorstehendem den betr. Vorspanngestellern Kenntniß zu geben.
Die stattgehabte Ermiethung der Wagen bleibt hierdurch unberührt.
Hanau den 9. Oktober 1897.
Der Königliche Landrath.
v. Schenck.
Die Räude unter der Gemeindeschafheerde in Langenselbold ist erloschen.
Hanau den 8. Oktober 1897.
Der Königliche Landrath v. Schenck.
Dicnstmchrichtcil aus dem Kreise.
Gefunden: Eine Sturmlaterne. Zehn Stück Eintrittskarten zum Besten des evangel. Vereinshauses. Ein dunkelblaues Knabenkäppcken. Eine neue Herren-Halsbinde. Eine schwarze Spitzenschürze. Ein braunes Rädchen. Ein kleiner Hammer.
Zugelaufen: Ein weißer Jagdhund mit schwarzen Abzeichen. Ein schwarzer Spitzhund, m. Geschl. Ein schwarz und weißer Foxterrier, w. Geschl.
Verloren: Ein Wandergewerbeschein auf den Namen Joseph Schilling. Ein Portemonnaie mit 125 Mk. Em Notizbuch mit Zeitkarte Nr. 18 zur Fahrt zwischen Pulverfabrik und Langenselbold.
Entflogen: Eine zahme Drosfel.
Entlausen: Ein schwarzer Spitzhund, m. Geschl.
Hanau den 9. Oktober 1897.
^taöt&rei^ ^banau.
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.
Bekanntmachung.
Die Gebäude des Althanauer Hospitals, Hospitalstraße 46 (Altstadt), sollen an die städtische Tiefkanalisation ange-
bünden sich gegen die Türken und Philipp's II. Halbbruder, der ritterliche Don Juan d'Austria, übernimmt das Kommando der stattlichen Flotte. Arch der Nachkomme des Nunno Alfonso folgte, von Abenteuerlust und frommer Begeisterung zugleich erfüllt, diesem Rufe. Am 7. Oktober des Jahres 1571, gleich nach Mittag war es, als vor der Stadt Le- panto ein Kanonenschuß vom Flaggschiffe „Real" das Signal zur Schlacht gab. Als Cervantes diesen Schuß hörte, lag er fieberkrank in der Kajüte des Genuesen „La Marquesa"; aber dem Fieber und dem Widerspruche seiner Kameraden zum Trotze sprang er auf und betheiligte sich am Kampfe. Mit welcher Tapferkeit zeigt das Ergebniß: als der Abend sank und der glorreichste Sieg erfochten war, den die Christenheit bis dahin in ihrem Kampfe gegen die Osmanen aufzuweisen hatte, lag Don Miguel an Deck der „Marquesa" mit zwei schweren Wunden in der Brust und mit zerschmetterter Linken. Lange hatte er unter seinen Wunden zu leiden und die Hand blieb fortab verkrüppelt. Dennoch war der Tag von Le- panto Zeit seines Lebens eine seiner stolzesten Erinnerungen: oft in seinen Schriften spricht er von dieser Ruhmesthat vnd in der Vorrede zu den „Novellen" gesteht er, daß er die Wunde, die Anderen häßlich erscheinen könne, für sehr schön holte. SüH^r
So war Cervantes ein KriegsmannI geworden. Unter dem von ihm hochverehrten Don Juan machte er 1573 den Feldzug nach Tunis mit und mannigfache Geschäfte führten ihn hierhin und dorthin. In dieser Zeit war es, wo sein offener Geist reiche Kenntniß von Welt und Menschen sammelte, und wenn wir in feinen Dichtungen „Ancona's Stille und Bologna's Universität, Florenz' Paläste und Venedigs Glanz" anschaulich geschildert an in ff er, so sind das Erinnerungen aus dieser bewegten Zeit. Aber es zog ihn doch nach der Heimath, aus der er verstoßen war, und endlich nach mehr als sechsjähriger Verbannung, schien sie sich ihm wieder zu öffnen. Im Besitze von Schreiben Don Juan's selbst und des VizekönigS von Neapel, die ihn dem grollenden Könige empfahlen, segelte er 1575 mit seinem älteren Bruder Rodrigo auf der Galeere „El Sol" (Die Sonne) fröhlich dem Vaterlande zu. Aber seine Odyssee sollte noch nicht ihr Ende
Die beutiae Nummer umfaßt außer dem Unterhaltungsblatt 14 Seiten.
schloffen und die hierzu erforderlichen Arbeiten und Lieferungen im Submissionswege vergeben werden.
Plan, Arbeitsauè zug und Bedingungen liegen von heute an im Stadtbauamt I, Zimmer Nr. 23 (Rathhaus), für Bewerber zur Einsicht aus, und ist daselbst der Arbeitsauszug gegen Entrichtung von 1 M. Schreibgebühren erhältlich.
Angebote mit entsprechender Aufschrift sind verschlossen und unterschrieben bis zum
Donnerstag den 14« ds, Mts., vormittags 11 Uhr, bei der oben bezeichneten Amtsstelle einzureichen, woselbst die Eröffnung der eingegangenen Angebote im Beisein etwa erschienener Bieter erfolgt. 14304
Hanau den 7. Oklober 1897.
Der Oberbürgermeister.
J. V.: Heraeus.
Tagesschau.
Von der Marine. Laut telegraphischer Meldung an das Ober-Kommando der Marine ist S. M. S. „Prinzeß Wilhelm", Kommandant Kapitän zur See Thiele (Adolf), vorgestern in Taku angekommen und an demselben Tage nach Chesoo in See gegangen.
Ueber die Zahlung der Civilpenstonen und Wartegelder im Wege des Postanweisungsverkehrs ohne Monalsquittungen wird im „Reichsanzeiger" eine Bekanntmachung des Finanzministers veröffentlicht, in der solche Zahlungen für die Fälle zugelassen werden, in denen Empfangs- und Bezugsberechtigte identisch sind, also nicht an Stelle des Pensionärs oder Wartegeldempfängers ein Dritter (Vormund, Pfleger, Bevollmächtigter) die monatlichen Bezüge zu erheben hat.
Zur Lehrerbefoldungsfrage hat der Kultusminister an sämmtliche Regierungen folgenden Erlaß gerichtet: „Aus den Provinzial-Konferenzen, welche zur Ausführung des Lehrerbesoldungsgesetzes abgehalten worden sind, ist den Beschlüssen u. A. der allgemeine Satz vorangestellt worden, daß es in erster Linie Sache der Schulverbände sei, sich über die neuen Besoldungsordnungen schlüssig zu machen, und daß es in der Konferenz nur um die Aufstellung von Gehalts-Mindestsätzen sich handle, die gegenüber widerwilligen Schulverbänden nöthigenfalls zwangsweise durchzuführen seien. Im Widerspruch hiermit erhält sich in der Presse hartnäckig die Behauptung, daß die von den Königlichen Regierungen mit den
finden. Die gefürchteten algerischen Piraten fielen über die „Sonne" her, überwältigten nach hartem Kampfe die Mannschaft und die beiden Cervantes mußten einem Renegaten, Dali-Mann, als Sklaven nach Algier folgen.
Fünf Jahre schmachtete er in der Gefangenschaft. „Dort hat er Geduld im Unglück gelernt", hat er später kurz aber bedeutungsvoll von sich gesagt. Freilich war er weit entfernt, sich mit fatalistischer Gelassenheit in sein Loos zu fügen. Ec versuchte es einmal übers andere zu entkommen; aber alle Anschläge mißlangen. Ja, er faßte sogar den Plan, die Tausende von Christensklaven, die in der alten Maurenstadt gefangen gehalten wurden, zu einem Aufstande zu ocganistren und so Algier den Ungläubigen zu entreißen; aber auch dieser Plan wurde entdeckt. Wenn der Dey und sein Herr den gefährlichen Mann dennoch schonten, so war es, weil die bei ihm gefundenen Schreiben ein hohes Lösegeld erhoffen ließen und weil die männliche Haltung, die Würde und der Gleichmuth des Spaniers ihnen imponirten. Fünf lange Jahre eines engen und doch bewegten Lebens gingen so hin. Endlich — endlich nabte der Tag der Freiheit; gegen den Schluß des Jahres 1580 kamen 6770 Realen als Lösegeld für Don Miguel an und wenige Monate später betrat er die heißersthnte Küste der Heimath.
Cervantes war nun ein Mann, den Jahren, wie den Erlebnissen nach, und noch hatte er keine feste Stelle im Leben, keine gesicherte Existenz gewonnen. Das aber war sein Schicksal, und eben die Bedürftigkeit hat wohl erst den dichterischen Funken in seiner Seele angefacht. Der König bewilligte ihm eine Ehrengabe von 100 Dukaten, aber weiter that er — es scheint, in echt Philipp'scher dauernder Nachträglichkeit — für dcn Vielgeprüften nicht; unstät und unsicher blieb sein Leben und so war es wohl zunächst um des Geldes willen, daß er 1584 sein erstes Werk, die „Galatea", schrieb. Un^ es scheint ihm doch immerhin so viel eingetragen zu haben, daß ihm die Eheschließung erleichtert wurde. Seine Erkorene, Donna Catalina Vozmediano, war von guter Familie, aber von geringem Reichthume. Ihre Verwandten wollten von Cervantes, dem unbemittelten und aussichtslosen Kriegsmanne, nichts wissen, und besonders war es ein Onkel