Einzelbild herunterladen
 

Abonnements- Preis:

Jährlich 9 M.

Halbjährl. 4 ^L 50 ^. Vierteljährlich 2 M 25 ^.

Für auswärtige Abonnenten mit dem betreffenden Postauffchlag.

Die einzelne

Nummer kostet

10 ^.

C'inrnckllngs- gcbühr

für Sradt- und Land­kreis Hanau 10 ^ die 4gespaltene Garmond- zeile oder deren Raum, für Auswäns 15 ^.

Im Reklamentheil die Zeile 20 ^, für

Auswärts 30 ^.

Amtliches Organ für Ktaöi^ unö LanöKreis Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Nr. 236. Freitag den 8. Oktober 1897.

.«^^.-^r'Ä>8M;MWW^>M7tM^^^^^^LKWAMMMWM?^WMNTM.'MM^W^kW^^M^^W^M^^^M^.?,vMM?««M»!«MWMML.^«s««kMMxWW^

Amtliche Beilage" Nr. 70.

Amtliches.

LanHKvsis ^«maxt.

Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtcs.

In Aufenau, Kreis Gelnhausen, ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochcn und die Gemarkuagssperre an­geordnet werden.

Die Gemeinden Aufenau und Neudorf sind zu einem Be­obachtungsgebiet ei klärt worden.

Hanau den 8. Oktober 1897.

Der Königliche Landrath.

V. 10079 v. Schenck.

Tagesschau.

Vom Fürsten Bismarck. Zu dem von Beleidigungen und Beschimpfungen des Fürsten Bismarck strotzenden Artikel desVorwärts" bemerken dieHamburger Nachrichten": Das ist doch wieder einmal eine herzerfrischende Sprache, und zur Belohnung wünschten wir demGenossen", der dies geschrieben hat, er könnte das vergnügte Schmunzeln sehen, mir dem Fürst Bismarck, wie wir ihn kennen, über diese Schmeicheleien, wenn er sie liest, quittiren wird. Er ist von derartigen Kundgebungen immer sehr erbaut und erblickt in dem wüthenden Hasse, mit dem ihn die sozialdemokratischen Agitatoren noch jetzt auf Schritt und Tritt verfolgen, eine werthvolle Beurkundung der Thatsache, daß er mit seiner Behandlung der Herren auf dem richtigen Wege gewesen ist."

Die Zulassung der Pofteleven ist entsprechend der früheren Ankündigung in der That durch eine Verordnung des Staatssekretärs des Reichspostamts eingeschränkt worden. DiePost" schreibt darüber; Die Veranlagung dazu dürste darin zu suchen sein, daß sich bei dem bisherigen System ein zu großer Andrang zu den höheren Poststellen bemerkbar machte. Jeder der vierzig Oberpostdirektoren hatte bisher das Recht, je nach dem Umfang seines Amtsbezirkes fünf bis zehn Eleven (Berlin nahm mit sechszehn Eleven eine Aus­nahmestellung ein) anzustellen; das macht im Ganzen rund 250 Eleven, zu denen dann noch eine größere Anzahl weitere kam, deren Annahme auf Grund vorgelegter Zeugnisse u. s. w. im Interesse des Postdienstes zu liegen schien. Man hatte demnach regelmäßig zwischen drei- und vierhundert Eleven zur Verfügung, während nur etwa zweihundert Stellen vorhanden waren, in die jene aufrücken konnten. Es fielen selbstver­ständlich aus dem Wege bis zu diesem Ziele manche der Eleven aus. Verblieben einige von ihnen in Postsekretariats­stellen, so war damit auch nur wenig gewonnen, weil sie dann den in diese Stellung aufsteigenden Beamten den Weg versperrten. Hier Wandel zu schaffen, schien um so dringen­der geboten, als infolge des bisherigen Systems noch für ein halbes Menschenalter mehr Beamte als nöthig vorhanden sind. Um diesem Mißstand zu begegnen, hat der Staatssekretär, wie schon erwähnt, zunächst eine Einschränkung bei der Zu­lassung von Eleven zum Postdienst angeordnet; von einer vollständigen Ausschließung der Eleven, von der eine Reihe von Blättern spricht, ist nicht die Rede. Ueberhaupt ist eine Aenderung des Personalsystems für den höheren Reichspost­dienst nicht sofort zu erwarten. Sie dürfte vor Beginn des nächsten Jahres kaum in Angriff genommen werden können. Es bedarf dazu vieler Vorarbeiten, auch sind die Gutachten von zahlreichen Fachleuten zu prüfen und zu sichten, eine Arbeit, die man jedenfalls nicht über das Knie brechen kann.

Ein Streik in einem sozialdemokratischen Geschäftsbetriebe In der von sozialdemokratischen Ge­nossen gegrüi deten Leipziger GenosfinschaftS Bäckerei ist dortigen Blättern zufolge ein Ausstand ausgebrochen. Die Leitung bat eingefehen, daß die Uebertragung der Theorie in die Praxis doch nickt so leicht ist, als es scheint. Sie hatte einen Arbeiter, der angeblich für die Gewerkschaft tlätig war, d. h. im Geschäft agitirte, evtl ffen, und infolge dessen haben von 20 daselbst beschäftigten Gehilfen 14 die Arbeit eingestellt. Der Vorstand des Gewerkschaftskartells soll sich nunmehr mit der Leiiung der Genossenschaft wegen Beilegung der Differenzen ins Einvernehmen setzen. Bisher wurde immer behauptet, daß nur diekorrunpirte, ausbeuterische, blut­saugerische" bürgerliche Gesellschaft an den Streiks schuld sei. Die Sozialdemokraten sollten lieber vor der eigenen Thür kehren.

Einkommensteuer in Boyern. Der dem baye­rischen Landtag zpgegangene Gesetzentwurf über die Em- kommensteuer regelt die jährliche Einkoumensteuer nach fol­

genden Klassensätzen: 1. Klasse (Einkommen über 500 bis 600 M.) 1 M. Steuer, 2. Klasse (600 bis 7 50 M.) 2 M., 3. Klasse (über 750 bis 900 M.) 3 M., 4. Klasse (über 900 bis 1050 M.) 4 M., 5. Klasse (über 1050 bis 1200 M.) 5 M., 6. Klasse (über 1200 bis 1400 Mk) 6 M., 7. Klasse (über 1400 bis 1600 M.) 7 M., 8 Klasse (über 1600 bis 1800 M) 8 M., 9. Klosse (über 1800 bis 2000 M.) 10 M., 10. Klasse (über 2000 bis 2200 M.) 12 M., 11. Klasse (über 2200 bis 2400 M.) 16 M., 12. Klasse (über 2400 bis 2 700 M.) 20 M., 13. Klasse (über 2700 bis 3000 M.) 25 Mk., 14. Klasse (über 3000 bis 3400 M.) 30 M., 1 5. Klasse (über 3400 bis 3800 M.) 35 M., 16. Klasse (über 3800 bis 4200 M.) 40 M., 17. Klasse (über 4200 bis 4600 M.) 45 M., 18. Klaffe (über 4600 bis 5000 M.) 50 M., 19. Klasse (über 5000 bis 5500 M.) 56 Mk., 20. Klasse (über 5500 bis 6000 M) 62 M., 21. Klasse (über 6000 bis 6500 M.) 70 M., 22. Klasse (über 6500 bis 7000 M.) 78 M., 23. Klasse (über 7000 bis 7500 M.) 86 M., 24. Klasse (über 7500 bis 8000 M.) 95 M., 25. Klasse (über 8000 bis 8500 M.) 105 M., 26. Klasse (über 8500 bis 9000 M.) 115 M., 27. Klasse (über 9000 bis 9500 M.) 125 M., 28. Klaffe (über 9500 bis 10 000 M.) 135 M., 29. Klasse (über 10 000 bis 11 000 M.) 150 M., 30. Klasse (über 11 000 bi» 12 000 M.) 165 M.. 31. Klasse (über 12 000 bis 13 000 M.) 180 M., 32. Klasse (über 13 000 bis 14 000 M.) 200 M. Steuer. Bei einem höheren Ein­kommen von mehr als 14 000 bis einschließlich 22 000 M. steigt die Steuer in Klassen von 1000 M. um je 20 M. bei einem Einkommen von mehr als 22 000 bis einschließ­lich 34 000 M. in Klassen von 1000 M. um je 30 M., bei einem Einkommen von mehr als 34 000 bis einschließlich 40 000 M. in Klassen von 1000 M. um je 40 M. Bei einem Einkommen von mehr als 40 000 bis einschließlich 41 000 M. beträgt die Steuer 1000 M. Bei höheren Ein­kommen steigen die Klassen um je 1000 M., und die Steuer beträgt jeweils zweieinhalb vom Hundert desjenigen Ein­kommens, mit welchem die vorausgehende Klasse endet. Bei einem Einkommen bis einschließlich 500 M. beträgt die Steuer, sofern nicht Befreiung von derselben gemäß Art. 12 und 13 zu gewähren ist, 50 Pfg.

Die angeblichenUnglückssälle" während der Kaisermanöver.

Im bayerischen Landtage brachten Aichbichler u. Gen. folgende Interpellation ein:Bei den diesjährigen größeren Truppenübungen wurden an die Mannschaft Anforderungen gestellt, welche alles bis jetzt bei solchen Gelegenheiten Ge­leistete weit übertreffen. Die Folgen dieser großen Strapazen sind nach Mittheilungen von Augenzeugen und nach den Be­richten der Presse Selbstmorde, eine größere Anzahl von Todes- und Unglücksfällen und zahlreiche Erkrankungen. In den weitesten Kreisen des Volkes besteht hierüber eine tiefe Beunruhigung. Die Unterzeichneten erachten sich zur Anfrage verpflichtet: Ist die k. Staatsregierung in der Lage, Auf­schlüsse zu geben, welche geeignet sind, diese Beunruhigung zu beheben?" Folgen 71 Unterschriften.

Kriegsminister Frhr. v. Asch antwortete: Was die An­forderungen anbelangt, welche bei den diesjährigen Manövern an die Truppen gestellt wurden, so bewegten sich die den Paraden vorhergegangemn Manöver der einzelnen Armee­korps vollständig im Rahmen der alljährlich stattfindenden größeren Truppenübungen und kann hierbei von außerge­wöhnlichen Anstrengungen nach keiner Richtung hin die Rede sein. Es muß vielmehr hervorgehoben werden, daß in dieser Periode die Zahl der sonst üblichen Biwaks im Hinblick auf die später folgenden großen Manöver auf Anordnung des Kriegsministeriums hin beschränkt worden waren. Auch bei den fünftägigen großen Manövern waren die Anforderungen an die Truppen keineswegs übermäßige, und überstiegen nicht jene Anforderungen, welche im Hinblick aus den Kriegsfall gestellt werden müssen und welche auch bei sonstigen Ma­növern häufig an die Truppen herantreten. Eine größere Marschleistung war überhaupt nur am 6. September und auch hier vorwiegend nur vom II. Armeekorps zu bewältigen. An den übrigen Tagen bestand die allgemeine Vorwärtsbe­wegung der Armee jeweils nur in wenigen Kilometern und emfiel der Hauptantheil der Marschleistungen auf den Marsch von und zu den Quartieren und Biwakplätzen. Wo immer aber auch größere Anforderungen an die Leistungen der Truppen herantraten, überall wurden sie glänzend bewältigt. Fälle, daß eine Truppe bis in den Zustand der Erschöpfung gelangt so zu sagenliegen geblieben" wäre, kamen gar keiner vor. Die körperliche Leistungs- und Widerstands­

fähigkeit der Mannschaft und deren guter Wille hat sich viel­mehr bei diesen Manövern in sehr gutem Lichte gezeigt. Freilich ist nicht in Abrede zu stellen, daß die äußerst un­günstige Witterung, welche während der Periode der großen Manöver fast ununterbrochen herrschte, sich für die Truppen sehr unangenehm und erschwerend fühlbar mackte, wie auch die aus der Zusammenziehung solch' großer Truppenmassen auf verhältnißmäßig kleinem Raume sich unvermeidlich er­gebende Nothwendigkeit engster Belegung der Ortschaften und thrilweisen Biwakirens naturgemäß den Truppen sehr lästig fallen mußte. Erheblich erleichtert und gemildert aber wurden diese durch die Unbilden der Witterung und die Massirung der Truppen hervorgerufenen Erschwernisse des Manöverdienstes durch das nach übereinstimmendem Urtheile aller Truppen überaus freundliche und opferwillige Ent­gegenkommen der Bewohnerschaft des Ma­növerfeldes, was im Namen der Armee hier zu konstatiren, die Pflicht der Dankbarkeit gebietet. Der allgemeine Gesundheitszustand der Truppen während der ganzen Dauer der diesjährigen Manöver muß nach den vorliegenden Berichten als ein durchaus guter be­zeichnet weiten. Speziell die Gesundheitsverhältnissewährend der Periode der sogenannten großen Manöver haben auf's Neue die Erfahrung bestätigt, daß anhaltendes regnerisches Wetter, so unangenehm dasselbe auch den Truppen fühlbar ist, doch denselben in gesundheitlicher Beziehung viel weniger nachtheilig ist und ihre körperliche Leistungsfähigkeit im All- gemeinen minder ungünstig beeinflußt, als Staub und Hitze. (Rufe: Ganz richtig.) Aber auch für den Monat August d. Js., welcher einzelne Perioden mit größerer Wärme aufzu­weisen hatte, läßt auf Grund des dem Kriegsministerium vor­liegenden Rapportmateriales konstatiren, daß der Gesammt- krankenzugüng in der Armee Heuer ein geringerer war, als im gleichen Monate des Vorjahres. (Hört! Hört!) Letzteres gilt auch für den Monat September trotz der großer Ma­növer und schlechten Witterung. Was nun den Kranken­stand betrifft, so betrug nach den zahlenmäßigen Ausweisen in der Zeit vom 21. August mit 10. September bei einer Ausrückungsstärke von 60 214 Mann der gejammte Krankenzugang 2050, das ist 34,04 auf 1000 Mann der Kopfstärke oder durchschnittlich 98 Mann pro Uebungstag. Von diesen 2050 Kranken kamen in's Lazareth 627 gleich 10,12 Mann von 1000, die übrigen 1423, gleich 23,63 Mann von 1000, konnten im Revier, d. i. als Leichtkranke bei ihrer Truppe ärztlich behandelt werten. Bis zum Schluffe der Manöver waren von den 2050 Mann ' 1316 wieder dienstfähig. Gestorben sind während dieser

Zeit beziehungsweise bis 12. September zwei Mann, davon einer im Lazareth Nürnberg am 9. September an Bauchfellentzündung und einer am 12. Septem­ber in Aschaffenburg an Gehirnhautentzündung. Es verblieben sonach am Ende der Herbstübungen, 11. Septbr., insgesammt 732 = 12,15 pro Tausend, von denen 495 in Lazareth- und 237 in Revierbehandlung standen. Hinsichtlich der Zahl der bei den einzelnen Truppentheilen vorgekommenen Erkrankungen dürsten die folgenden Stichproben genügen, da es zu weit führen würde, sämmtliche Truppentheile in den Bereich der Betrachtung zu ziehen. Den bei Weitem größten Abgang an Kranken hatte das 5. Infanterie-Regiment, bei welchem während der ganzen dreiwöchigen Dauer der Manöver 186 Mann erkrankten, von denen jedoch nur 31 in Lazareth­behandlung kamen. Dem 5. Infanterie Regiment am nächsten kommt das 18. Infanterie-Regiment mit einer Gesammt- kraukenzahl von 95 Mann, unter dieser Zahl, wie bei den folgenden Krankenziffern, sind stets Lazareth- und Revierkranke zusammen zu verstehen. Annäherud den gleichen Abgang wie das 18. Infanterie-Regiment hatten das 2., 12. und 16. Infanterie-Regiment. Das Jnfanterie-Leib-Regiment, von welchem nach Zeitungsberichten allein am 8. und 9. Septbr. ungefähr 100 "Leute krank vom Manöverfelde nach München zurückbefördert worden sein sollten, hatte im Ganzen während der dreiwöchigen Manöverdauer nur 65 Kranke; speziell cm 8. und 9. September betrug die Zahl der Erkrankten nur 10 statt 100. (Bewegung) Das 6. Infanterie-Regiment hatte 52, das 11. Infanterie-Regiment 48 Kranke. An Un­glücksfällen und ernsteren Verletzungen im Manöverfeld wur­den im Ganzen 17 gemeldet, von denen jedoch 4 mit den Uebungen und den dadurch hervorgerufenen Anstrengungen in keinem Zusammenhänge stehen, sondern sich im Quartier, beim Baden u. s. w. ereignet haben. Es verbleiben somit nur 13 Fälle als in unmittelbarem Zusammenhang mit den Uebungen hervorgerufen, und zwar; 7 Knochenbrüche, 2 Verletzungen durch Lanzenstiche, 3 Schußverletzungen von Platzpatronen, eine Quetschung des Oberschenkels'infolge Ueberfahrens durch