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Amtliches Organ für StaSt- und Landkreis Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage

Nr. 235. Donnerstag den 7. Oktober 1897.

sammentreten und zunächst seine stehenden Ausschüsse neu bilden.

Berlin, 6. Oktbr. Das Staatsministerium trat heute Nachmittag 2 Uhr unter dem Vorsitz des Reichskanzlers i Fürsten Hohenlohe in seinem Dienstgebâvde zu einer Sitzung 1 zusammen.

Berlin, 6. Oktbr. Ueber die bevorstehenden Verän­derungen auf den diplomatischen Posten wird, wie diePost" hört, erst Ende dieses Monats eine endgillige Entscheidung getroffen werden.

Berlin, 6. Oktbr. Wie diePost" hört, bestätigt sich die Nachricht, daß die Reichsregierung willens ist, dem Reichs­tage einen Gesetzentwurf über die Entschädigung unschuldig Verurtheilter vorzulegen. Die Entschädigung der im Wiederaufnahmeverfahren Freigesprochenen und unschuldig be fundenen Personen bildete bekanntlich einen Theil der in der letzten Reichstagssession gescheiterten Straf-Prozeß-Novelle. Der Gesetzentwurf soll bereits in der nächsten Zeit an den Bundesrath gelangen. Da die Bundes; egierungen im Prinzip über die Sache selbst sich bereits bei Berathung der Straf- Prozeß-Novelle geeinigt hatten, erwartet man, daß der neue Entwurf eine der ersten Vorlagen in der kommenden Session bilden wird.

Berlin, 6. Oktbr. Im Reichsamt des Innern sind Entwürfe für die Zwangs- und Freiwilligen-Jnnung aus- gearbcitet worden, die den Bestimmungen der Neuorganisation i dts Handwerks Rechnung tragen sollen. Gegenwärtig liegen I bie Entwürfe im preußischen Miviste'.ium des Innern. So­bald von dort eine Rückäußerung erfolgt sein wird, dürften etwaige Meinungsverschiedenheiten über einzelne Punkte durch kommissarische Berathur gen ausgeglichen werden. Dann sollen die Entwürfe, wie diePost" erfährt, einer Kommission von Fachleuten zur Begutachtung vorgelegt werden. Schließlich werden sie dem Bundesrath zugehen, worauf ihre endgültige Veröffentlichung zu erwarten sein wird.

Berlin, 6. Oklbr. DerReichsanzeiger" publizirt die Abberufung des Gesandten am rumänischen Hofe, Grafen von Leyden, von diesem Posten behufs anderweiter dienstlicher Verwendung.

Berlin, 6. Oktbr. Die aus ständischen Former hielten heute Mittag eine stark besuchte öffentliche Versamm­lung ab, um zu den Einigungsvorschlägen des Gewerbege­richts Stellung zu nehmen. Trotzdem sich in der Diskussion ; eine starke Strömung zur Weiterführung des Ausstandes gel­tend machte, gelangte schließlich eine Resolution zur Annahme, in welcher die Versammlung sich mit der Thätigkeit ihrer Ver­treter vor dem Einigungsamte einverstanden erklärte. Einer Wiederaufnahme der Arbeit stehe nichts im Wege, sobald die Einigung der Firma Borsig mit ihren Arbeitern erfolgt ist. Die gestern stattgehabte Konferenz des Direktors Dorn mit der Kommission der streikenden BorstLschen Arbeiter hatte keinen Erfolg. Die Verhandlungen sollen heute wieder aus­genommen werden. Man hofft, eine Verständigung herbei- führen zu können.

Berlin, 6. Oktbe. Zu der Nachricht derFreis. Ztg.", daß Für st Hohenlohe schon drei Mal sein Ernlassungs- gesuch eingereicht, die Entlassung aber nicht erhalten habe, weil kein Nachfolger zu finden gewesen sei, schreibt dieNat.- Ztg." : Es ist nicht ersichtlich, wann dies geschehehen sein soll, insbesondere ob in neuester Zeit. Wir lassen dahin­gestellt, ob und wann es etwa früher geschehen ist, gegen­wärtig scheint uns, daß Fürst Hohenlohe die Erfüllung der Voraussetzungen, unter denen er bereit war, an der Spitze der Regierung zu bleiben, noch nicht für ausgeschlossen hält. Aber daß in dieser Beziehung alles unsicher ist, braucht kaum wiederholt zu werden.

Berlin, 6. Oktbr. DerReichsanzeiger" veröffentlicht die bereits bekannte Verleihung des schwarzen Adler­ordens an den österreichisch-ungarischen Botschafter am hiesigen Hofe von Szögysny-Marich.

Berlin, 6. Oktbr. DerReichsanzeiger" macht eine Verordnung vom 25. September d. I. bekannt als Er­gänzung der Verordnung betreffend den Uebergang der Ver­waltung der Angelegenheiten derevangelischenLandes- k i r ch e an den evangelischen Ober-Kirchenrath und die Kon­sistorien der acht älteren Provinzen der Monarchie vom 5. September 1877.

Hamburg, 6. Oktbr. Der sozialdemokratische Parteitag setzte heute Vormittag seine Berathungen fort. Abg. Liebknecht trat in der Debatte über die Reichstags­wahlen für eine lebhafte Agitation in Polen ein. Abg. Schippel-Berlin ergriff sodann das Wort, um sich gegen die ihm gewordenen Angriffe zu vertheidigen wegen seiner Stellung­nahme hinsichtlich der Bewilligung der neuen Feldgeschütze.

Dienstnachrichten aus dem Kreise.

Gefunden: 1 Briefmarke (von der Post), 1 Porte­monnaie mit Geld, 1 desgl. mit nicht unbedeutendem Inhalt, 1 goldener Manschettenknopf, 1 Zeugniß von einem gewerb­lichen Fortbildungsschüler, 1 goldener Ohrring mit blauer Emaille, 1 weiß und roth karirtes Kattuntuch, 1 schwarze Mütze (auf der hiesigen Kreiskasfe liegen geblieben), 1 Kinder­schuh.

t En tlaufen: 1 junger weißer Foxterrier, 1 weißer Foxterier mit braunen Flecken am Kopf; beide m. Geschlechts.

Gefunden: 1 Manschettenknopf, 1 Kreuz, Radfahrer- medaille aus Emaille.

Hanau den 7. Oktober 1897,

Sagens ch a u.

Kartellgedanken. Aus den wiederholten Veröffent­lichungen über Ansichten und Aeußerungen des Fürsten Bis­marck ist zur Genüge bekannt, daß der Altreichskanzer in einer Neubelebung des Kartells die beste Garantie für eine baldige Ueberwindung der innerpolitischen Schwierigkeiten er­blickt. In dieser Ueberzeugung ist er auch durch den Aus­fall der sächsischen Landtagswahlen bestärkt worden. Die Empfehlung dieses Gedankens bildet feit Jahren das ceterum censeo aller Aeußerungen des Fürsten über die parlamen­tarischen Verhältnisse nnd ihre Sanirung. Der Fürst geht dabei, denLeipz. N. Nachr." zufolge, von folgenden Er­wägungen aus:Wenn auch die heutigen Parteien, die für die Kartellbildung in Betracht kommen, in einem Maße gegen einander verhetzt sind, daß an eine Reaktivirung des alten Kartells nicht zu denken ist, so ist damit ihrem Zusammen­wirken für bestimmte Zwecke, sei es gegen die Sozialdemo­kratie, sei es für den Schutz der nationalen Produktion oder zur Lösung einer anderen wichtigen Aufgabe des Staates, doch nicht jeder Weg obgeschnitten. Man muß sich die Sache etwa so denken wie beim Dreibund. Derselbe hindert keine der an ihm betheiligten Mächte, ihre eigene Politik zu treiben, noch weniger verlangt er Verzicht auf die Wahrnehmung der speziellen Interessen jedes Landes. Er bezicht sich nur auf solche Tinge, an deren Gestaltung, den drei Mächten gleich­mäßig gelegen ist, ohne den Mitgliedern die Vertretung solcher Interessen zu verbieten, bezüglich deren die Ueberein­stimmung einstweilen noch fehlt. So müßte ein neues Kartell im Reichstage unter Beiseitelassung aller Versuche, Wider­strebendes unter einen Hut zu bringen, nur auf die Bildung von einer zuverlässigen Majorität für solche Zwecke gerichtet sein, welche von allen Betheiligten als zweifellose Reichs- interessen anerkannt werden, also z. B. der Kampf gegen ge­meinschaftlichen Gegner ohne Präjudiz für die spätere Aus- fechlung derjenigen Differenzen, welche die Programme der einzelnen Bundesgenossen von einander scheiden."

Arbeiterfürsorge. Ein schöner Akt der Unternehmer- fürsorge für die Arbeiter ist aus Bochum zu registriren. Generaldirektor Baare theilte im Bochumer Verein mit, daß das günstige Ergebniß des letzten Geschäftsjahres eine Zu­wendung von 300 000 Mark an die unter dem Namen Baare-Gedächtniß-Stiftung für die Arbeiter bestehende Unter­stützungskasfe ermögliche, deren Vermögen dadurch auf eine Million anwachse.

Bom Zukunftsstaat. Die in Hamburg versammelten Genossen" liefern der Oeffentlichkeit wieder ein recht erfreu­liches Beispiel von der Art und Weise, wie die Menschen im sozialdemokratischen Zukunftsstaat unter einander umgehen werden. Der Berliner Hofmann hatte Fischer, den Leiter der Parteibuchhandlung, angegriffen, und Katzenstein hat ihn un­fähig genannt. Fischer erklärte diese Kritik fürschnoddrige Redensart anmaßender und unwissender Litterartrottel," ver­spottete den Hofmann alsMöchtegernschriftsteller" und höhnte Katzenstein als Semiten. Hofmann erklärte, das komme also auf Unterdrückung des einmal sich im Schreiben versuchenden Arbeiters und die Alleinherrschaft der Akademiker hinaus. Frau Steinbach sagte, Frechheiten und Grobheiten brauche sich Niemand gefallen zu lassen. Frau Zetkin kennzeichnete die Rede Hofmanns als demagogisch, kein Mensch denke daran, die Rechte der Arbeiter in der Partei zu verkümmern, das seichte, oberflächliche Zeug, das Hofmann geschrieben, schade nur. Fischer verbat sich, immer als schwarzer Peter hinge­stellt zu werden. Der Parteitag erklärte sich schließlich gegen Hofmann.

Politische und unpolitische Nachrichten,

(Depeschen-Bureau .Herold.")

Berlin, 6. Oktbr. Nach mehrmonatlichen Ferien wird, wie bereits bekannt, morgen der Bun des rath wieder zu­

Auf weitere Angriffe gegen Schippel antwortete Abg. Auer namens der Parteileitung und in demselben Sinne ver­theidigte auch Liebknecht das Verhalten der Fraktion gelegent­lich der Bewilligung der neuen Schnellfeuergeschütze in der Budget-Kommission des Reichstages. Ter Streit unter den Sozialdemokraten in Solingen, welche zwei einander be­kämpfende Blätter besitzen, wurde durch den Rücktritt Schu­machers von der Kandidatur und durch die Vereinigung der beiden Organe erledigt. In der Nachmittagssitzung erstattete Abg. Bebel das Schlußreferat über die Vorberathung für die nächsten Reichstogswahlen. Hierauf wurde beschlossen, daß für die Wahlagitation der Partei ein Bericht über die Thätigkeit des Reichstages in seiner letzten Legislaturperiode herausgegeben werden soll, ähnlich wie dies 1890 geschehen ist. Dts Weiteren erklärte sich der Parteitag gegen die Aus­stellung von Doppel-Kandidaturen, welche in solchen Wahl­kreisen vermieden werden sollen, wo die Wahl eines Kan­didaten möglich ist. Schließlich gelangte die gestrige Reso­lution Bebel unverändert zur Annahme. Desgleichen wurden zwei Amendements Katzenstein angenommen, die dahin gehen, daß der Kandidat der fremden Partei, für welchen die Sozialdemokraten in der Stichwahl eintreten sollen, daraus verpflichtet werde, gegen jede Erhöhung des stehenden Heeres und der Marine zu stimmen, sowie die Einschränkung des Arbeiterschutzes und der Versicherungsgesetzgebung nicht zu ge­statten. Abg. Förster erstattete Bericht über die Maifeier 1898 und brachte eine Resolution zur Annahme. Am Schluß der Sitzung berichte Molkenbuhr über den Arbeiterschutz-Kongreß in Zürich.

Wien, 6. Oktbr. In ganz Oesterreich-Ungarn ist starker Frost und Schneefall eingetreten. Aus vielen Gegenden werden Verkehrsstörungen gemeldet. In den Wein­bergen ist großer Schaden angerichtet.

Fiume, 6. Oktbr. Hier herrscht seit gestern eine furchtbare Bora. Die Küstenschifffahrt mußte einge­stellt werden. Der Verkehr nach Abazzia ist unterbrochen, Die Züge langen sämmtlich mit großen Verspätungen an.

Paris, 6. Oktbr. Der hiesige spanische Gesandte, Graf Mandas, hat beim offiziellen Empfang der Nachricht von der erfolgten Neubildung des Kabinets sofort seine Demission eingereicht. Er wird durch Leon de Castillo, der bereits zweimal hier Gesandter war, ersetzt werden.

Paris, 6. Oktbr. Dem Bericht des Generalbericht­erstatters für die Marine ist zu entnehmen, daß für Neu­bauten 102 Millionen gegen 85 Millionen im Vorjahre, für Ausbesserungen 30*/s Millionen gegen 26 Millionen im Vorjahre vorgesehen sind. Der Privatindustrie sollen für Neubauten 34 Millionen und für Ausbesserungen 16 Mil­lionen übertragen werden. Das Marine-Budget stellt sich bedeutend höher, als es die Regierung vorgesehen hatte.

London, 6. Oktbr.Daily Mail" meldet aus New- york, daß Frankreich der brasilianischen Regierung betreffend der Grenzstreitigkeiten ein Ultimatum zugesandt habe, was in Brasilien große Unruhe hervorgerufen habe. Die dortige Regierung habe deshalb die Schiffsbauer um schleunige Fertigstellung der ihnen übertragenen Schiffsbauten ersucht.

London, 6. Oktbr.Daily Graphic" meldet, die Ad­miralität habe denBauvon 4 Kanonenbooten an­geordnet, welche für den auswärtigen Stationsdienst auser­sehen sind.

London, 6. Oktbr. Bei dem letzten Z u s a m m e Nj- sto ß mit den Aufständischen verlor die dritte Brigade des General Jeffrey 2 Eingeborene; 12 andere wurden ver­wundet.

Witterungsbericht.

Voraussichtliche Witterung: Im Norden wieder Besser­ung; im Süden zunächst noch trüb, kühl und Niederschläge.

Schiffsbericht.

Der DampferCalifornia" ist am 3. Oktober wohlbe­halten in New-Aork angeksmmen.

Hamburg, 6. Oktober. Der' DampferRusfia" von der Hamburg-Amerika-Linie ist vorgestern in Barcelona eingetrpffen.

Bremen, 5. Oktober. Der Dampfer des Norddeutschen LloydSchönburg" ist vorgestern in Oporto eingetroffen.

London, 5. Oktbr. Der Castle-DampferDunothar Castle" ist auf der Ausreise gestern in Kapstadt angt kommen.

NewUa^k, 5. Oktober. Der DampferFrieslands von derRed Star Linie" ist von Antwerpen gestern hier angekommen.