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Nr. 234.
Hier,«
„Amtliche Beilage" Nr. 69.
Amtliches.
^anö&reio ^anau.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtcs.
Unter dem Viehbestände des Viehhändlers David O p- pen Heimer in Hör st ein, Bezirksamt Alzenau, ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen und die Ge- höstssperre angeordnet worden.
Hanau den 5. Oktober 1897.
Der Königliche Landrath
V. 9988. v. Schenck.
Auf Ansuchen des Großherzoglich Hessischen ßie'âamiâ Büdin gen bringe ich hiermit zur Kenntniß der Interessenten, daß der seitherige Land-Verbindungsweg von Rommelhausen bis zur Landesgrenze bei Ostheim wegen Ausführung der Erdarbeiten zwecks Erbauung einer Kreisstraße daselbst bis aus Weiteres mit Fuhrwerk nicht befahren werden darf.
Die Herren Bürgermeister der in Betracht kommenden Gemeinden wollen dies ortsüblich bekannt machen lassen.
Hanau den 4. Oktober 1897.
V. 9876. Der Königliche Landi ath.
I. V.: Dr. Becker, Regierungsassessor.
^taöt&reie jbanaru
GeLauatmachungen des Oberbürgermeisteramtes.
Kekanntumchmrg.
Es ist vorgekommen, daß bei Straßenausgrabungen zwecks Anschlusses an das Straßenstel die Telegraphen-Kabel bloßgelegt worden sind, weil die Lage derselben den Arbeitern unbekannt war.
Da durch derartige Arbeiten leicht Beschädigungen der Telegraphenleitungen und höchst unangenehme Weiterungen verursacht werden können, werden die mit den Kanalisationsarbeiten betrauten Unternehmer angewiesen, bei Vornahme von Ausgrabungen in den Straßen jedesmal das Kaiserliche Postamt unter genauer Bezeichnung der auszugrabenden Stellen zu benachrichtigen, damit das Postamt wegen Ueberwochung der Arbeiten und Sicherung der Telegraphen-Kabel das Erforderliche wahrnihmen kann.
Bei Unterlassung der Anzeige hat sich der Unternehmer selbst zuzuschreiben, wenn ihm Kosten und Weitläufigkeiten entstehen.
Hanau den 4. Oktober 1897.
Der Oberbürgermeister.
14106 Dr. Gebeschus.
Feuilleton.
Aerbstnebel.
Eine Studie aus der Volksdichtung von Reinhold Schneider.
(Nachdruck verboten.)
Herbstnebel .... Ein Frösteln überläuft uns, wenn wir an ihn denken. Wohl ist er schön, wenn er leicht und duslig am Morgen wie ein schützender Schleier über der erwachenden Landschaft liegt, oder wenn er den yluthroth sinkenden Sonnenball umhüllt. Aber nicht diese Erscheinungen bestimmen unsere Vorstellungen vom Nebel. Wir empfinden ihn wie eine Todtenhand, die in das blühende Sommerleben hineingreift und ihm den Stempel des Untergangs aufdrückt; ja, er ist uns unter allen Naturmächten die unheimlichste und schreckhafteste. Das verzehr ende Feuer knistert und prasselt, das Wasser gurgelt und gluckst, aber lautlos schreitet der Nebel dahin und verschlingt doch die weite mächtige See und die hohen ragenden Berge, schließt uns ab von aller freundlichen Gesittung und nimmt uns wehrlos gefangen. -Eben noch lachten uns blühende Auen und gesegnete Thäler an, und mit einem Male sind wir mutterseelenallein in der weiten, weiten Welt und um uns, über uns rings eine körperlose stille webende Masse, die alles überwältigt und dem „Herrn der Schöpfung" seine ganze Aermlichkeit plötzlich so recht deutlich zum Gefühle bringt . . .
Es gehört nicht eben viel Einbildungskraft dazu, im wallenden Nebel gespenstige Gestalten und Formen, wundersame Erscheinungen und Phantome zu erblicken. Um wie vielmthr mußte sich die unermüdlich thätige Phantasie des Volkes mit dieser Naturmacht beschäftigen! Ganz besonders in dem Gemüthsleben der germanischen Völker spielt der Nebel eine gioße Rolle, und es ist das Verdienst Ludwig
Mittwoch den 6. Oktober
Ein „Dorwârts"-Artikel.
Der in Hamburg eröffnete sozialdemokratische Parteitag wird vom „Vorwärts" in einem längeren Artikel begrüßt. Diese Ausführungen übertreffen in ihrer von Beschimpfung und Aufreizung strotzenden Sprache noch das sonst übliche Niveau sozialdemokratischer Preßerzeugnisse. Die bürgerlichen Richtungen, die von der sozialreformerischen „Mauserung" der Sozialdemokratie immer noch überzeugt sind, thäten gut, sich dieses Schriftstück einmal etwas näher anzusehen.
Gleich am Anfang bezeichnet ter „Vorwärts" die Sozialdemokratie als „Staat im Staate". Darin liegt ein werth- volles Eingeständniß, indem unumwunden zugegeben wird, daß die Sozialdemokratie sich der bestehenden staatlichen Ordnung in grundsätzlicher Absonderung und bewußter Auflehnung gegenüberstellt. Eine Gesellschaft oder Klasse von Lcuten, die sich innerhalb eines geordneten Staatswesens das Recht sonderstaatlicher Stellung anmaßt, handelt nicht anders als revolutionär. Tie Folgerungen liegen für das logische Denken klar auf der Hand. Angehörige eines „Staates im Staate", Parteigänger einer feindlichen revolutionären Macht können nicht mit dem gleichen Maße gemtss-.n werden, wie politische Parteien, deren Mitglieder bei allem Trennenden dennoch in Anerkennung der geltenden Staalsgemeinschaft und Staatsordnung übereinstimmen. Der Kampf wider den Umsturz ist grundverschieden von der Bekämpfung irgend einer anderen Richtung. Dies gilt für das Verhalten der Staatsgewalt wie für dasjenige der politischen Parteien.
Die heftigsten Angriffe richtet das sozialdemokratische Zentralorgan nach bekannter Manier wieder gegen unseren greisen Altreichskanzler. Der Größe eines Bismarck wird dadurch freilich kein Eintrag gethan, aber die Zorn- und Schamesröthe muß doch jedem Deutschen ins AniUtz steigen, wenn er sieht, wie hier von Leuten, die sich auch „Deutsche" nennen, Deutschlands größter Staatsmann vor der Oeffent- lichkeit mit Schmutz beworfen wird. Da wimmelt es nur so von Ausdrücken wie „verbrecherischer Thor", „verrückter Größenwahn", „lebendig Begrabensein" u. s. w. Kann angesichts solcher Kampfesweise wirklich noch von einer Gegen wehr mit geistigen Waffen die Rede sein? Wie schneidende Selbstironie klingt es, wenn wenige Zeilen nach jener Fluth von Schmähungen der „Vorwärts" reumüthig bekennend schreibt: „In der Polemik wird von unseren Parteigenossen manchmal gesündigt, manchmal springt sie ins Persönliche über."
Köstlich nimmt sich auch der Vorwurf des „Größenwahns" in sozialdemokratischem Munde aus, sobald man folgende Stelle vorliegenden Artikels in Betracht zieht: „Fest steht nur die Sozialdemokratie. Jeder Tag legt Zeugniß ab für die Richtigkeit unseres Programms und unserer Takt i k." Und weiterhin wird über die muthmaßliche Beachtung, die dem sozialdemokratischen Partei-
Laistner's, nachgewiesen zu haben, daß die Beziehungen der Nedelsagen in der germanischen Mythen- und Sagenwelt viel weiter reichen, als man früher angenommen hat. Diese Nebelsagen öffnen einen so tiefen Blick in die Vorstellungen und Schönheiten des Volksempfindens, daß es sich wohl lohnt, sich mit ihnen zu beschäftigen.
Der Nebel erscheint überall als ein böser Feind, der mit den Menschen übel umspringt und sie boshaft in die Irre führt. So hören wir von der Frau Bertha, die in mehreren Theilen Deutschlands wohnt und waltet, daß sie gern den Wanderer irre führt, indem sie plötzlich Stücke Leinwand durch den Wald spinnt und ihm den Weg sperrt, und auch die Frau Laura, von der eine poetische Sage Oberschwabens erzählt, ist ein irreführender Geist, und ein Nebelgeist offenbar; denn es heißt von ihr, daß sie weiß wie Wachs sei, einen langen, ebenso weißen Schleier trage und Niemand ihr Gesicht sehen könne. Auch beunruhigt der Nebel das Vieh. Kleine Fräulein sotten plötzlich erscheinen, den Ackersleuten in weißer Kleidung sich zeigen und über die Furchen Hüpfen; dann werden die Ochsen scheu und springen davon. In der Lausitz sagen die Leute, wenn das „Feensmännel" am Flusse „bleiche", dann werde das Vieh unruhig und wolle nicht fressen. Es erinnert dies „Bleichen" an jene seltsam-schöne Erfindung vom Tod und der Tödin, die im Mondlicht am Flusse ihr Gespinnst bleichen; Karl Löwe hat ein Gedicht über diesen Gegenstand in Musik gesetzt. — Eine ganz eigenartige Ausbildung hat das Gefühl von den Gefahren des Nebels in der Anschauung gefunden, daß der Nebel den Heiligen stiehlt. Die Einhüllung von Bergkirchen durch den Nebel scheint die Wurzel dieser oberpfälzischen Vorstellung zu bilden. Und wie an die Heiligen, so wagt er sich auch an die Menschen. Schon in der indischen Mahabharata wird von einem Nebelriesen erzählt, wie er Menschenfleisch riecht und begierig wird. Seine Schwester trägt die Gefährdeten
1897. tage etwa von bürgerlicher Seite zu theil werden sollte, schon im Voraus quittirt mit den Worten: „Wenn die Könige bauen, haben die Kärrner zu thun." Wahrscheinlich macht sich hier bei dem sozialdemokratischen Artikelschreiber bereits das Vorgefühl zukunftsstaatlicher Würde geltend, schade nur, daß dieses Vorgefühl nicht auch an anderen Stellen seinen Einfluß geäußert hat. Die Tonart würde dann wohl eines „Königs" etwas angenessener erscheinen.
An lügnerischer Aufhetzung leistet der Artikel das denkbar Mögliche. So heißt es beispielsweise, um nur eine Probe zu geben: „Anschläge auf den Geldbeutel des arbeitenden Volkes — das ist der Inhalt des politischen Lebens unserer Feinde."
Endlich verlacht der „Vorwärts" das alte Lied vom Zusammenbruch, von der Spaltung der Partei, und mit diesem Lachen hat er Recht. Noch kein Zwist im sozialdemokratischen Heerlager hat bisher das innerste Wesen der Partei berührt. Persönliche Eifersüchteleien und Reibereien, streitvolles Drängen um die besten Futterkörbe — das ist alles. In der revolutionären Verneinung des Bestehenden herrscht dagegen bis heute völlige Uebereinstimmung. Damit fällt aber auch die oft gehörte Befürchtung, eine Anwendung schärferer Machtmittel könne den bestehenden Spaltungsprozeß aufhalten ober gar beseitigen, in sich zusammen.
Tagesschau.
Von der Marine. Laut telegraphischer Meldung an das Oberkommando der Marine ist S. M. S. „Prinzeß Wilhelm", Kommandant Kapitän zur See Thiele (Adolf), vorgestern in Cbefoo angekommen.
Der Kaiser an den Gesammtverein der Gustav-Adolfstiftung. Der Kaiser hat der 50. Hauptversammlung des Gesammtvereins der Evangeliscken Gustav- Adolf-Stiftung z. H. des Geh. Kirchenraths D. Pank in Leipng folgendes Telegramm zugehen lassen: „Rominten, 4. Oktober 1897. Ich habe die treuen Segenswünsche, welche Mir der Gesammtverein der Evangelischen Gustav- Adolf-Stfftunz gelegentlich seiner 50. Hauptversammlung dargebracht hat, mit herzlicher Freude eutgegengenommen und danke für diese freundliche Begrüßung aufs Wärmste. Ich wünsche den segensreichen Bestrebungen der Gustav Adolf- sache auch ferner Gottes Schutz und reichen Ei folg und werde der Stiftung wie den Vereinen in Meinen Landen gleich Meinen Vorfahren an der Krone als deren Protektor stets Mein besonderes Interesse und Meine Fürsorge gern zu theil werden lassen. Daß Mein, im Verein mit den übrigen evangelischen Fürsten Deutschlands seiner Zeit an geweihter Stätte abgelt gteâ Zeugniß für unser evangelisches Bekenntniß in der 50. Hauptversammlung einen so freudigen
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auf ihrem Rücken davon, aber der Held Bhima nimmt an dieser Flucht nicht theil, sondern besiegt das Ungethüm im Kampfe. Und so heißt es noch heute in Deutschland, daß der Nebel Kinder fresse.
Aber auch er ist doch nicht allmächtig. Die Sonne und der Wind sind seine ewigen Feinde; jener zehrt ihn auf, dieser stürzt sich auf ihn und verfolgt ihn;
„Die Nebel flattern,
Vom Herbstwmd aufgescheucht aus dunklem Moor." (Lenau.)
Der Kampf der Sonne mit dem Nebel hat eine überaus poetische Gestaltung in einer Sage von König Trojan gefunden. Der war des Nachts bei seiner Geliebten, und als er sie verläßt, sieht er bereits das Licht aufstrahlen. „Dann ist der Augenblick des Todes nur allzu nahe," sagte der König. Der Knappe bedeckt ihn zum Schutze gegen den heißen Feind mit einem Mantel, aber ein Hirt kommt des Weges und hebt den schönen Mantel auf. Da ist Trojan's Körper dem Thau gleich — eine unverkennbare Anspielung auf den feuchten Niederschlag, den der Nebel hinterläßt. Den Kampf des Windes gegen den Nebel finden wir gleichfalls bereits in der indischen Sage benutzt, indem der erwähnte Riesentödter Bhima als ein Sohn des Windgottes erscheint. Dann haben die Griechen ihn mythologisch verwerthet. Es gibt eine attische Sage von der Nymphe Oreithyia, um die Boreas freit; Aeschylus hat sie sogar in einer Tragödie behandelt. Oreithyia ist nach Preller als der Morgennebel anzusehen; der Windgott, so heißt es, warb anfangs artig um die schöne Königstochter, sie aber mochte den rauhen Thraker nicht und so entführte er sie mit Gewalt in seine wilde Hei- math. Ein altnordisches Räthsel stellt folgende Frage: „Wer tst der Finstere, der über die Erde fährt? Wasser und Wald verschlingt er, fürchtet vor dem Wind sich, vor Männern nicht, und liegt mit der Sonne im Streit?" Die Antwort