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Nr. 232.
r Amtliches.
^anöâreU ^anau.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
Unter dem Viehbestände des Domänenpächters Dröge auf Gronauerhof ist die Maul- und Klauenseuche aus gebrochen; es wird daher bis aus Weiteres die Ortsund Gemarkungssperre für den Gutsbezirk Gronauerhof hierdurch angeordnet.
Das Durchtreiben von Wiederkäuern (Rindvieh, Schafe, Ziegen) und Schweinen durch den Gutsbezirk Gronauerhof ist sonach verboten.
Die Herren Ortsvorstände wollen Vorstehendes sofort I ortsüblich bekannt machen.
Hanau den 4. Oktober 1897.
Der Königliche Landrath
v. Schenck.
Dicnstnachrichtm aus dem Kreise.
Gefunden: Eine Brcnnscheere. Ein Hundehalsband. Ein Kattun-Kinderkleidchen. Ein dreiräderiger Kinderwagen. Ein Ulanen-Säbelklingr. Eine Milchkanne.
Entflogen: Eine schwarze Briesiaube, am Fuß ein Ring m t den Buchstaben M. a. M.
Hanau den 4. Oktober 1897.
^taötMreis ^anau.
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.
Das Standesamt befindet sich von Mittwoch den 6. Oktober er. ab im Fürstenbau des Stadtschlosfis rechts des Portals.
Hanau den 30. September 1897. 13862
Der Oberbürgermeister.
J. V.: Heraeus.
Die bevorstehenden Reichstags- und Landtagswahlen.
In den Erörterungen über den vermuthlichen Zeitpunkt der Neuwahlen zum Reichs- oder Landtage, welche insofern ziemlich' gegenstandslos sind, als bisher an maßgebender Stelle hierüber Beschlüsse noch nicht gefaßt wurden, treten öfter auch so unzutreffende Rechtsanschaunngen hervor, daß eine Klarstellung nicht überflüssig erscheint. Im Reiche wird als Anfang des fünfjährigen Gesetzgebungsabschnittes der Tag der allgemeinen Neuwahlen angesehen, in Preußen hingegen der Tag der ersten Landtogssession. Tas Mandat der Mitglieder des Reichstages erlischt mithin anfangs Juni 1898, das der Miiglieder des preußischen Abgeordnetenhauses Mitte Januar 1898. Nöthigenfalls könnte daher 1898 noch eine Herbstsession des Landtages in seiner jetzigen Zusammensetzung stattfinden. Dagegen würde ohne vorgängige Auf-
fetttUckit.
Stadttheater in Hanau.
Hanau, 4. Oktober.
Die erste Theaterwoche der neuen Spielzeit schloß am Freitag mit der Aufführung einer weiteren Novität ernsten Genres .Sotis- faction* von Alexander Baron von Roberts Obwohl dieses Schauspiel nun auch gerade nicht zu den jüngsten Produkten unserer dramatischen Litteratur gehört, so dürfte sein Inhalt doch ein aktuelles Interesse beanspruchen, da durch Vorgänge der letzten Jahre ein lebhafter Austausch von Meinungen in den Tagesblättern über dieses ^bcma stattfand. Obwohl nun die Tendenz des Stückes sich gegen ™ ^"ell richtet, so soll doch sein Inhalt zeigen, daß ein einzelner Niensch gegen eine bestehende Gesellschaftsordnung nicht ankämpfen ffiid daß die Macht der Verhältnisse und der Gepflogenheit stärker ist als der Einzelne. Wir sagen .soll' zeigen, denn streng genommen bleibt uns der Verfasser diesen Beweis schuldig, denn daß imi Dela ichließlich doch zu einem Duell gezwungen wird, ist schwach genug mollvlrt, und deshalb unglaubhaft, so daß von einer einheitlichen Durchführung dieses Charakters überhaupt nicht die Rede sein kann. ^er ganze Verlauf des Stückes muthet uns an wie eine Reihe ^,(uma tisch er Leitartikel, die sich für und wider die Duellfrage richten. Als Vertreter der modernen Zeit mit ihrer das Duell verwerfenden Anschauung tritt uns in dem Stücke der Maler Professor Voltz entgegen, der wegen einer geringfügigen Ursache zum Duell gefordert wird, diese Forderung aber ausschlägt. Diesem gegenüber steht der Generallieutenant von Witterstedt, der an der alten Tradition unerschütterlich festhält, daß der beleidigten Ehre nur mit der Waffe in der Hand Genugthuung geleistet werden kann. Beide verknüpfen die engsten Familienbande, so daß der aufgeworfene Konflikt innerhalb dieser Familie zum Austrag kommt. Statt nun der einen Anschauung zum Siege zu verhelfen und so die Handlung konsequent durch- Zusühren, entläßt i^.r Verfasser das Publikum mit einigen tönenden Worten, die auf die Zukunft verweisen, und darin liegt der größte Fehler des Stückes. Daß die Handlung nicht mit einer Verlobung abschließt, ja, daß nicht ein einziges Liebespaar darin vorkommt, das wurde von den Damen recht lebhaft bedauert. Die Aufführung war im Ganzen genommen eine befriedigende. Herr Steingötter als Professor Voltz entledigte sich seiner dankbaren Aufgabe mit Erfolg
Montag den 4. Oktober
lösung, wie der revxcwählle Reichstag nicht vor Anfang Juni, so das r.eugenählte Abgeordnetenhaus nicht vor Mitte Januar 18t 9 zusanmentreuu lönrun. Ueber den Zeitpunkt der Neuwahlen und des erstmaligen Zusammentritts von Reichstag und Landtag nach Vornahme derselben sind Vorschriften nur für den Fall der Auflösung gegeben. Die Reichs- und die preußische V-rfessung bestimmen in dieser Hinsicht gleichmäßig, daß die Neuwablen inrerlalb 60, die Einberufung innerhalb 90 Tagen nach der Auflösung zu erfolgen hat.
Im Uebrigen greift auch für die ersteZusommenberufung des Reichstags nur die Bestimmurg der Reichsversossung Platz, nach welcher der Reichstag alljährlich einzuberufen ist, während für den erstmaligen Zusommeniritt des Landtages tue Vorschrift des preußischen Dersammlungsrechtes gilt, nach welcher der Landtag regelmäßig in der Zeit von Anfang November bis Mitte Januar des nächsten Jahres zusammen- zuberufen ist. Ueber den Zeitpunkt der Neuwahlen bestehen bestimmten Vorschriften. Sie werden in der Regel vor Ablauf der Legislaturperiode vorgemmmen, um zu vermeiden, daß zeitweilig eine rechtsbefländige Volksvertretung überhaupt nicht vorhanden ist. Auch pflegt die Neuwahl in der Regel kurz vor Ablauf des Gesetzgebungsabschnittes vorgenommen zu werden, um dos Nebeneinanderbestehen zweier rechtmäßig gewählter Vertretungen thunlichst zu vermeiden. Aber es bestehen keinerlei positive Bestimmungen, welche so und nicht anders zu verfahren nöthigen.
Ob, wenn Neuwahlen längere Zeit vor Ablaus der Legislaturperiode sich empfehlen, eine Auflösung voranzugehen haben wird, würde sich daher nicht nach Forschriften des positiven Rechts, sondern nach Zweckmäßigkeitsrücksichten bestimmen.
Aus diesen rein technischen Erwägungen dürfte man, wenn man einen Blick auf tue heutige politische Situation wirft, mit einiger Wahrscheinlichkeit die nächsten Reichstagswahlen für den kommenden April oder Mai voraussehen dürfen. Daß die Regierung noch jetzt zu einer Auflösung schreiten wird, ist kaum denkbar; die Militäiprozeßreform wird vielleicht garnicht vor das Haus gebracht werden, und die Marinevorlage wird vermuthlich für den neuen Reichstag aufgespait, von dem in dieser Beziehung mehr gehofft wird. Der Wahlkampf dürfte demnach sofort nach Kaisers Geburtstag beginnen.
Politische und unpolitische Nachrichten
(Depeschen-Bur eau , Herold.")
Berlin, 3. Oktbr. Der Kaiser hat seine Theilnahme an der Hasenjagd anfangs November bei dem Hausminister Wedel-Piesdorf auf dessen Gütern zugesagt.
und hatte einige sehr schöne Momente. Eine prächtige Figur schuf Herr Hille aus dem alten General von Witterstedt; der Künstler hatte sich augenscheinlich mit Liebe seiner Aufgabe angenommen und diesen bestgezeichneten Charakter des Stückes bis ins feinste Detail ausgearbeitet. Von Frl. Brandow sind wir ja gewöhnt, daß sie sich ihrer Aufgaben mit künstlerischem Feingefühl entledigt, auch ihre .Elly Voltz' gab davon ein glänzendes Zeugniß. Die beiden Vertreterinnen der älteren weiblichen Rollen des Stückes der „Frau Anna Voltz' (Frau Müller) und der Gräfin Witterstedt (Frau Lehmann) hatten sich nach der extremen Seite des darzustellenden Charakters etwas vergriffen. Während erstgenannte Dame die Rolle der sorgsam liebenden Mutter, die auf die Liebe ihres Sohnes, zu seiner Gattin etwas eifersüchtig ist und diese Liebe für sich allein in Anspruch nehmen möchte, doch gar zu finster und tragisch auffaßte, gefiel sich die Letztgenannte in einer Art der Uebertreibung ihrer Rolle ins Groteske, die in der forcirten Sprechweise der Dame fast unangenehm wirkte. Auch Herrn Kon kiel als schneidigen Standesherrn Graf Friedrich von Witterstedt gelang es nicht, den Charakter seiner Parthie zur nöthigen Geltung zu bringen; nach den abgelegten Proben möchten wir bezweifeln, daß er der rechte Vertreter für das erste Fach des jugendlichen Helden und Liebhaber sein wird. Recht natürlich gab Frl. Köller die Hedwig von Metzdorf und auch Herr Gläßer befriedigte in der Ausführung seiner kleinen Parthie. Durch einfaches und deshalb natürliches Spiel zeichnete sich auch Herr Walden als .von Mock' aus. Herr Bernhard als Mathias stellte gleichfalls zufrieden.
In der gestrigen Sonntagsvorstellurg statteten uns die beiden lustigen Vagabonden .Robert und Bertram' wieder einmal einen Besuch ab. Das Publikum amüsirte sich köstlich über die tollen Streiche des fidelen Paares. Ihre humorvolle Befreiung aus dem Gefängniß, die übermüthigen Streiche auf der Hochzeit, die kecke Ausraubung des Banquiers Jppelmeier und der Besuch des Volksfestes, wo sie als Weiber verkleidet wieder den Gendarmen in die Hände gerathen und damit das Stück eigentlich wieder von Neuem beginnen könnte, amüsiren des Publikum von heute roch ebenso, wie sich schon unsere Großeltern an dem lustigen Spiel ergötzt hatten. Gespielt wurde, wie es ein solcher blühender Unsinn erfordert, frisch und lebendig. Herr Walden und Herr Gehrmann waren mit prächtigem Humor bestrebt, ihre Parthieen so drastisch als möglich zu gestalten und den Humor des Verfassers aus eigenem zu ergänzen. In wie weit unsere neue Soubrette Frl. Souvent den Anforderungen genügen dürfte, ließ sich aus der Wiedergabe ihrer kleinen
1897.
Berlin, 3. Okibr. Der hier eingetroffene Reichs kanzler Fmst Hohenlohe wird sich in den nächsten Tagen nach Hubertusstock begeben, wo bekanntlich der Kaiser am Mittwoch eintrifft.
Berlin, 3. Oktbr. Der Neuner-Ausschuß der Central- fttUe zur Unterstützung der Ueberschwemmten in Deuischland hielt gestern unter dem Vorsitz des Stadtverord- netenrorstehers Dr. Laugerhans eine Sitzung ab, in der folgende Summen zur Dertheilung bestimmt wurden: Nach Eppingen in Baden 35,000 M., nach ElsaßLothringen 25,000 M., für die Stadt Guben an den Prinzen Carolath 10,000 M. und an Dr. Kopp 10,000 M., für die Stadt Forst i. d. L. 20,000 M., an den Kreis Sorau 20,000 M., an den Kreis Kottbus 20,000 M., nach Delitz'ch 20,000 M., nach Bitterfeld 30,000 M., nach Eibenberg 10,000 M., nach Dessau 15,000 M., nach Württemberg 100,000 M., zusammen 315,000 M. Es verbleiben zur Verfügung etwa noch eine Million Mark. Bezahlt soll nur an Hilfsbedürftige werden, die zur Fortführung ihrer Existenz eine Unterstützung bedürfen. Die ganz Unbemittelten sollen jedoch einen höheren Prozentsatz erhalten.
Bonn, 3. Oktbr. Im Kotiensorst fand ein Duell zwischen einem hiesigen Husar en-Osfizier und einem Reserve- Osfizier, einem Kaufmann aus Hamburg, statt. Einer der Duellanten soll erheblich verletzt sein.
Madrid, 3. Oktbr. Wie verlautet, ist Sagasta entschlossen, den General Weyler von Kuba abzuberufen und durch General Blanco zu ersetzen. Ferner will er der Insel Kuba die Homerule gewähren, um den Konflikt mit den Vereinigten Staaten mit einem Schlage zu beseitigen.
Madrid, 3. Oktbr. Die Generäle Martinez Campos, Blanco und Polavieja beherrschen augenblicklich bte politische Situation. Alle sind jedoch die schärfsten Gegner deâ Generals Weyler, welcher bei Hofe als eigensinnig und herrisch und einer gefährlichen Pronunciamiento Politik fähig dargestellt wird.
Lüttich, 3. Oktbr. Emil Behrendt, der falsche Erzherzog, ist gestern aus der Haft entlassen worden und nach Deutschland abgereist. Er hat sich am 9. d. M. vor dem hiesigen Korrekiionshofe zu stellen, um wegen der Führung eines falschen Namens abgeurtheilt zu werden.
Athen, 3. Oktbr. Die Gesandten Deutschlands und Rußlands besuchten gestern den früheren Ministerpräsidenten Ralli. Die Zeitschrift „Palingenetia" veröffentlicht ein Extrablatt, worin es heißt: Wenn Zaimis es für nothwendig erachtet, die Biloung des neuen Ministeriums zu übernehmen, so thue er das aus eigene Verantwortung. Weder seine Meinung noch die Verantwortung werde in so kritischen Verhältnissen die Majorität der Kammer und die Partei theilen, der er bisher angehörte und die Delyannis als ihren Führer anerkennt. Mehr als 35 Delyannisten wollen sich
Parthie der Rösel nicht erkenneu, da sie scheinbar noch sehr mit Befangenheit zu kämpfen hatte. Von den übrigen Darstellern sei noch besonders Herr Hille als Jppelheimer und Frl. Gregor als Michel gedacht, die Anderen müssen sich mit einer Gesammtaner» kennung begnügen, da sie Alle mit gutem Erfolg bestrebt waren, ihre Parthieen so drastisch als möglich zu gestalten.
Aus Kunst und Leben.
X. Cassel, 3. Oktbr. Unser Hoftheater brachte gestern als Neuheit Grillparzer's Lustspiel „We h' dem, der lügt", ohne damit einen Erfolg zu erringen. Die geringe dramatische Handlung des Werkes wirkte umso augenfälliger, als die unzulängliche Besetzung der Hauptrollen die erwärmende Herzlichkeit des Humors und sinnige Poesie desselben nicht genügend in die Erscheinung treten ließ. Der Gesammtdarstellung fehlte der echte lustspielmäßige Grundton, die richtige Zusammenstimmung. Das Publikum gelangte so weder zu einem wahren Verständniß der Dichtung, noch zu einem wirklichen Genuß derselben.
Frau Ida Becker, die in Berlin verstorbene Liederkomponistin, eine Tochter des in Dresden verstorbenen Musikschriftstellers und Komponisten Emil Naumann, hat, da ihre Ehe mit einem erblindeten Rentier kinderlos geblieben war, ihr gejammtes Vermögen in Höhe von 750,000 Mk. der Berliner Stadtverwaltung mit der Maßgabe vermacht, die Summe zur Begründung eines Asyls für Blinde zu verwenden. Der Berliner Magistrat hat die großherzige Schenkung unter dem Titel „Wilhelm und Ida Becker-Stiftung" übernommen.
Die Entwürfe r«m engeren Wettbewerb um daS Bismarck Denkmal, so wird aus Berlin geschrieben, sind nunmehr sämmtlich eingetroffen, denn Prof. W. von Rümann-München, der bei der vorigen Konkurrenz einen ersten Preis errang, hat, wie wir hören, eine weitere Betheiligung abgelehnt, und auch von Prof. Diez-Dresden, der