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Nr. 231.

Samstag den 2. Oktober

Zugelaufen: Ein schwarzer Schäferhund; Empfang­nahme beim Wasenmeister Jean Emmerich zu Kesselstadt.

Heute früh auf dem Wochenmarkt vertauscht: Ein Henkelkorb mit Inhalt.

Hanau den 2. Oktober 1897.

Amtliches.

^taöUrdd ^anau.

Wegen Ausführung von Kanalarbeiten in der Vorstadt wird vom 4. d. Mts. an zeitweilige Sperrung einer der beiden dortigen Straßen für den Fuhrverkehr stattfinden.

Hanau den 2. Oktober 1897.

Königliche Polizei Direktion. P 10425

I. B.; Schneider, Kreissekretär.

^anöâretö ^anau.

Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.

Unter dem Viehbestände des Landwirlhs Wilhelm Rüfer in Rückingen ist die Maul- und Klauenseuche aus­gebrochen ; es wird daher bis aus Weiteres die Orts- und Gemarkungssperre für die genannte Ortschaft hierdurch angeordnet.

Das Durchtreiben von Wiederkäuern und Schweinen durch den Ort und die Gemarkung Rückingen ist sonach verboten.

Die hierunter abgetruckten Bestimmungen der Bundes­rathsinstruktion zur Ausführung des Reichsviehseuchengesetzes sind genau zu beachten.

Die Herren Ortsvorstände wollen Vorstehendes sofort ortsüblich bekannt machen.

Hanau den 2. Oktober 1897.

Der Königliche Landrath.

J. V.: Schneider, Kreissekretär.

§ 59 Abs. 6. Die Ueberführung der unter Gehöftssperre stehenden Thiere in ein anderes Gehöft derselbetl Ortschaft darf ausnahmsweise genehmigt werden, wenn damit eine Ge­fahr der Weiterverbreitung der Seuche nicht verbunden ist. Dabei müssen die Thiere zu Wagen oder in solcher Weise transportirt werden, daß sie die von Wiederkäuern oder Schweinen aus feuchesreien Gehöften benutzten Wege nicht betreten.

Abs. 7. Die Ausführung der der Ansteckung verdächtigen Wiederkäuer und Schweine aus dem gesperrten Gehöfte, der Ortschaft, der Weide, der Feldmark oder einem anderen Sperr­gebiete zum Zweck fofortiger Abschlachtung darf nur gestattet werden, wenn die unmittelbar vorausgehende thierärztliche Untersuchung ergibt, daß kein Thier des betreffenden Trans­portes von der Maul- und Klauenseuche befallen ist. Mit dieser Maßgabe ist sie unter der Bedingung zu genehmigen, daß die Thiere zu Wagen oder auf Wegen transportirt werden müssen, die von Wiederkäuern oder Schweinen aus seuchefreien Gehöften nicht betreten werden:

1. nach benachbarten Orten;

2. nach in der Nähe befindlichen Eifenbahnstationen, behufs der Weiterbeförderung nach solchen Schlachtviehhöfen oder öffentlichen Schlachthäusern, welche unter geregelter vete- rinärpolizeilicher Aufsicht stehen, vorausgesetzt:

a) daß die Polizeibehörde des Schlachtortes sich mit der Zuführung der Thiere vorher einverstanden erklärt hat;

b) daß die Thiere diesen Anstalten direkt mittelst der Eisenbahn oder doch von der Abladestation aus mittelst Wagen zugeführt werden. Durch vorgängige Vereinbarung mit der Eisenbahnverwaltung oder durch unmittelbare polizeiliche Begleitung ist dafür Sorge zu tragen, daß eine Berührung mit an­deren Wiederkäuern oder Schweinen auf dem Trans­porte nicht stattfinden kann.

^taöUtrei^ ^atvaxu Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.

Das Standesamt bifmtet sich von Mittwoch den 6. Oktober er. ab im Fürsten bau des Stadtschlosses rechts des Portals.

Hanau den 30. September 1897. 13862 Der Oberbürgermeister.

J. V.: Heraeus.

Dienstnachrichtcn aus dem Kreise.

Gefunden: Ein alter Aschereimer. Ein Kinderwagen. Ein gelberer Halsbindenhalter. Ein Paar hellbraune Glace­handschuhe. x^me Dominuhr mit Reisekeltchen und Mono­gramm.

Verloren: Ein Portemonnaie mit 8 Mk.; tem Wie­der brwger eine Belohnung. Eine goldene Kette (Collier).

Die heutige Nt

Der nationalsoziale Delegirtentag in Erfurt.

Tie Herren Nationalsozialen scheinen sich selbst noch nicht recht klar darüber zu sein, was sie eigentlich wollen ; wenigstens ist der Widerstreit der Meinungen so ziemlich das einzig Bemerkenswerthe, das vom Erfurter Telegirtentage zu be­richten ist.

Die Verschiedenheit der Ansichten trat besonders bei der Debatte über den Antrag des Professors So hm hervor, der den Kampf gegen die Sozialdemokratie als die Hauptaufgabe der Nat onalsozialen erklärt missen und demgemäß das Verhalten bei den Wahlen regeln wollte, ein Antrag, der namentlich von bim immer mehr zur Sozial­demokratie hinneigknden Pastor a. D. Göhre bekämpft wurde. Der Spiegel, den Profesfor Sohm den national­sozialen Führern vorhielt, zeigt diese Partei zwar in keinem neuen Lichte; jedoch verdient es Beachtung und ist erfreulich, daß jetzt im eigenen Lager die Erkenntniß von der Verkehrt­heit des bisherigen Treibens aufdämmert. Sohm verlangte die Einstellung des bisherigem Kampfes gegen die Konser­vativen und vermtheilie offen das herausfordernde Benehmen der Herren von Gerlach und Göhre, ja selbst einige Aeußer­ungen des Pfarrers Naumann.

Die Leitung unseres Vereins die wirkliche, nicht die nominelle ist in letzter Zert, führte er aus, Wege ge­gangen, die wir nicht für richtig halten können. Die Herren haben uns immer mehr nach links gezogen, nach der demo­kratischen Seite hin, sodaß man unseren Verein als die Gründung einer norddeutschen demokratischen Partei ansieht. Was wir nicht billigen können, ist dieses Heranrücken an die Sozialdemokratie und die Verschleierung des Gegensatzes nach links. Nur ganz ausnahmsweise ist dieser Gegensatz zur Sprüche gekommen; und doch scheidet uns von der Sozial­demokratie nicht bloß die Stellung zur Flottenfrage, sondern in erster Linie der Geist, ihr Wesen. Das ist aber bei uns nie znm Ausdruck gekommen; vielmehr hat man immer auf die Junker als unsere Feinde gewiesen. Zu einem Kampf gegen die Konservativen bin ich nicht hier eingetreten, oder um antikonservative Bestrebungen zu unterstützen; ich fühle mich im Gegentheil verpflichtet, auf eine Schwenkung nach rechts zu arbeiten und muß bitten, den Gegensatz gegen die Sozialdemokratie ebenso stark zum Ausdruck zu bringen, wie den gegen die Konservativen. Wir halten die bisherige Taktik für falsch.

Zwei Thatsachen haben uns zu unserem Auftreten ver­anlaßt. Zunächst eine praktische Erwägung, weil wir es für eine unrichtige Taktik halten, als erstes den Arbeiterstand zu gewinnen. Gewiß wollen wir dem Arbeiterstand dienen; dazu ist es aber nicht nothwendig, daß wir die Arbeiter alle hinter uns haben. Der Arbeiterstand als solcher vermag das hohe Ziel des nationalen Sozialismus nicht herbeizuführen; die Entscheidung liegt vielmehr bei den gebildeten Kreisen. Diese müssen wir zu gewinnen suchen! Es sind ihrer allerdings verhâltnißmäßig wenige, aber sie sind die stehende Armee des Geistes. Ist nun die Bekämpfung der Konservativen, das Hervorkehren des' Demokiatischen, die Verwischung des Gegen­satzes gegen die Sozialdemokratie das praktische Mittel, die Gebildeten zu gewinnen? Nein! Ganz das Gegentheil werden wir erreichen. Die von uns empfohlene Politik ist das einzige Mittel, die Sozialdemokratie zu überwinden, und das wollen auch die Gebildeten. Also diese bisherige Taktik ist praktisch unbrauchbar, nicht zum Ziele führend, verkehrt.

Unser zweiter Einwand ist prinzipieller Natur. Sie thun den Konservativen unrecht, wenn Sie behaupten, sie trieben bewußte Klassenpolitik. Das muß ich mit Entschiedenheit zu­rückweisen. Ich erinnere, daß die erste erfolgreiche soziale Be­wegung aus der konservativen Partei kam. (Unruhe, Klingel des Präsidenten.) Die ganze christlich-soziale Bewegung, und wir doch auch sind Abkömmlinge der konservativen Partei. Der Konservatismus ist unser Vater. Wie kann man sagen, daß die Partei bewußt antisozial sei? Es sind doch noch viele Elemente darin, die soziales Verständniß haben. Wir müssen auch offen aussprechen: der sozialdemokratische Geist ist ein Gift für unser deutsches Volksleben. In der sozial­demokratischen Presse wird Tag für Tag an der Ertödtung mmer umfaßt außer dem Uuterßaltuugâü

des patriotischen Gedankens gearbeitet; es gilt bei den So­zialdemokraten für unanständig, sich an irgend einer patrio­tischen Kundgebung zu betheiligen. Wo hätte die sozialdemo­kratische Partei je christliche oder religiöse oder auch nur mo­ralische Gedanken vertreten? Mit Hohn wird vonMoralei" gesprochen! Die Sozialdemokratie hält ihren Leuten nur die irdischen Güter vor, um ihre Gier zu wecken; die ewigen Güter nimmt sie ihnen. Sie ist der Geist, der stets ver­neint, sie saugt dem Volkskörper das Markaus. Die So­zialdemokratie ist der Feind. (Stürmischer Bei­fall, Zischen).

Professor Sohm erklärte sodann, daß er bei Nichtannahme seines Antrages aus dem Vorstand ausscheiden müsse, da er eine Verantwortung für die bisherige Taktik der Partei nicht länger übernehmen könne; jedoch wurde ein Vermittlungs­antrag angenommen, mit dem auch er sich einverstanden er­klärte. Der Riß wurde also glücklich verkleistert; auf wie large, wird sich bald zeigen. NaumannsZeit" wußte natür­lich auch den auf dem Delegirtentag hervortretenden scharfen Gegensätzen eine gute Seite abzugewinnen: sie sprach von dem hohen psychologischen Reiz, den das Schauspiel in Er­furt geboten habe, und schätzte sich glücklich, einer Bewegung dienen zu können, dieso groß und weit und stark ist, daß sie zwei solcher Individualitäten zugleich umschließen und tragen kann!" Im Sterben noch so stolz und glücklich! Be- neidenswerth!

Tagesschau.

Von der Marine. Laut telegraphischer Meldung an das Oberkommando der Marine ist S. M. S.Cormoran", Kommandant Korvettenkapitän Brussatis, gestern von Chesoo nach Nagasaki in See gegangen.

Zur Flottenfrage schreibt die offiziöseN. A. Z." in Sperrdruck:DieFreisinnige Zeitung" vom 29. und 30. September beschäftigt sich mit Angaben, die dieKölnische Zeitung" bezüglich der zu erwartenden Marinevorlage ge­macht hatte. Indem wir uns füglich einer Prüfung der An­gaben des rheinischen Blattes erlassen können, müssen wir immerhin der von derFreisinnigen Ztg." an dieselben ge­knüpften Behauptung entgegentreten, es seien in der beabsich­tigten Marinevorlage 224 Millionen mehr beansprucht, als in der von Admiral Hollmann während der vorigen Reichs­tagssession vorgelegten Niederschrift angegeben worden. Als Beweis für ihre Behauptung führt dieFreisinnige Zeitung" an, Admiral Hollmann hätte vom Jahre 19011905 keine neuen Schiffe in Bau nehmen wollen. Nun weiß doch Jeder, der sich einmal mit Marine und Marine-Etat beschäftigt und mit einiger Aufmerksamkeit unsere Marine-Entwickelung in den letzten Jahren verfolgt hat, daß es für die Marinever­waltung, ähnlich wie für die Leitung irgend eines technischen Betriebes, unbedingte Pflicht ist, in jedem Jahr eine Reihe von neuen Schiffen in Bau zu nehmen. Wäre die Behaup­tung derFreisinnigen Zeitung" richtig, so wäre der Marine­verwaltung die Absicht zugemuthet, nur bis 1901 neue Schiffe in Bau zu nehmen, von 19011905 aber kein neues Schiff mehr auf Stapel zu setzen. Es sind also hier offenbar Be­hauptungen aufgestellt, an deren Richtigkeit dieFreisinnige Zeitung" selber nicht glauben kann.

Kaiserliche Ehrensäbel an Infanterie-Offiziere. Die Ehrensâbel an die Jnsanterie-Ofiziere, welche der Kaiser für die besten Schützen in den einzelnen Armeekorps u.s. w. gestiftet hat, sind nunmehr ausgefolgt worden. In jedem Armeekorps konkurriren die Offiziere unter sich, ferner kon- kurriren unter sich die Jäger und Schützen und bte Unter­offizier schulen, so daß an je einen Offizier aus ^en 18 Armeekorps, ferner an einen von den Jägern und schützen und an einen aus den Unteroffizierschulen, zusammen also 20 Ehrensäbel verliehen sind. Diese Säbel zeichnen sich durch eine feine Damascener-Klinge aus, der Griff ist stark vergoldet, und die Klinge trägt die Widmung des Kaisers und den Namen des besten Schützen. Das Wettschießen ge­schieht nach einer Scheibe von 24 Ringen. Der 24. Ring ist Zentrum. Es hat jeder sieben Schüsse, davon vier frei­händige und drei aufgelegte, abzugcbcn. Die Entfernung der Scheibe beträgt 150 Meter. Der fchwarze Fleck in der Mitte der Scheibe ist so klein, daß er auf die weite Ent­fernung gerade zu sehen ist, er enthält vier Ringe, so daß der 20. Ring den äußeren Ring des schwarzen Fleckes bildet. Innerhalb der letzten vier Ringe muß der Schütze sich das Zentrum konstruiren. Tas Schießen geschieht nicht aus eigenen Büchsen, sondern mit dem gewöhnlichen Tienstgewehr. Es ist mehrfach vorgekommen, daß in sieben Schüsfen zu- latt 14 Seiten.