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Nr. 227. Dienstag den 28. September 1897.

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Amtliches, ^taöt&rei# ^anau.

Der Wilhelm Kircher nebst Familie, geboren am 23. Dezember 1836 zu Bruchköbel, hat um Ausstellung eines Passes nach Amerika nachgesucht.

Hanau den 22. September 1897.

P. 9992 Königliche Polizeidirektion.

J. V.: Becker.

fandst ret^ ^artait.

Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.

Die Jnteresstnten mache ich darauf aufmerksam, daß für Verluste, Beschädigung und außergewöhnliche Abnutzung an Zugthieren, Wagen und Geschirr, welche infolge oder gelegentlich der Vorspann- oder Spanndienst-Leistungen beim Manöver ohne Verschulden des Eigenihümers oder des von ihm gestellten Gespannführers entstanden sind, von dem Eigen­thümer voller Ersatz beansprucht werden kann.

Etwaige Entschädigungsansprüche sind bei dem betr. Orts­vorstande innerhalb 4 Wochen nach dem Eintritt der behaupteten Beschädigung anzumelden und vom Ortsvorstand hierher weiter zu geben.

Hanau den 27. September 1897.

Der Königliche Landrath.

M. 4800 v. Schenck.

Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß auch denjenigen Quartiergebern, welche den Truppen bei den diesjährigen großen Herbstübungen nur Unterkunft unter Dach und Fach enges (Noth-) Quartier gewährt haben, Anspruch auf Entschädigung für diese Quartiere zusteht.

Diejenigen Herren Ortsvorstände, in' deren Gemeinden solche Quartiere gestellt worden sind, wollen, falls sie bislang ] die Quartierbescheinigung von dem betreffenden Truppentheil noch nicht erhalten haben, sich dieserhalb sofort an den Truppenteil wenden und die fraglichen Bescheinigungen als­bald nach Empfang hierher einreichen.

Hanau den 25. September 1897.

Der Königliche Landrath.

I. V.: Schneider, Kreissekretär.

Diclistlmchrichtcn aus dem Kreise.

Zugelaufen am 23. ds. Mts.: Ein weißer Foxter­rier mit braunen Ohren, schwarzbraunen Flecken am Kopf und schwarz-n Flecken an der Ruthe, m. Geschl.; Empfang­nahme bei Portefeuiller Konrad Ludwig Kemps zu Enkheim. Ein schwarzer Spitz mit weißer Brust, m. Geschl. Ein kleiner schwarzer Dachshund mit gelben Flecken.

Gefunden: Ein Glacehandschuh (rechter). Eine Tasche mit Brief, Taschentuch rc. Eilt kleiner Hundemaulkorb.

Aufgesangen: Ein junger gesprenkelter Hahn.

Entlaufen: Ein junger hellgelber Hund mit einer Kuppe.

Hanau den 28. September 1897.

Tagesschau.

Von der Marine. Laut telegraphischer Meldungen an das Ober-Kommando der Marine beabsichtigten S. M. S.Prinzeß Wilhelm", Kommandant Kapitän zur See Thiele (Adolf), am 27. ds., S. M. S.Kaiser", Flagg­schiff der Kreuzer-Division, Kommandant Kapitän zur See Zeye, mit dem Divisions-Ches, Kontre-Admiral von Diederichs an Bord, und S. M. S.Irene", Kommandant Kapitän zur See du Bois, am 28. September nach Kobe in See zu gehen.

Die Grundlinien der neuen Marinevorlage werden in Ergänzung ihrer ersten Mittheilungen von der Köln. Ztg." fernerhin durch folgende allgemeine Angaben bestimmter umschrieben: Die jetzige Leitung der Marinever­waltung werde, so führt das Blatt aus, nicht über die Hollmann'sche Denkschrift hinausgehen. Desgleichen würden die verbündeten Regierungen keine Marinevorlage an den nächsten Reichstag bringen, die nicht eine stattliche Mehrheit im Parlamente finden könnte. Was auch heute verlangt werden müsse, sei:den vorhandenen Bestand der deutschen Kriegsflotte zu erhalten, die durch Alter und Invalidität jährlich ausscheidenden Kriegsschiffe sofort durch brauchbare Schiffe derselben Güte zu ersetzen. Man werde jetzt eine Anzahl Schiffe ersetzen müssen, welche schon früher ausge- schieden seien, deren Ersatz aber bisher unterblieben sei; auch

werde jeder Ersatzbau erheblich mehr kosten, als das zu er­setzende Schiff gekostet habe.

Die 50jährige Jubelfeier der Gustav Adolf- Stiftung hat am Montag, mit der Sitzung des Central- vorstandes im Hotel zu den Vier Jahreszeiten in Berlin unter Vorsitz des Geh. Kirchenraths D. Pauk begonnen. Bei der festlichen Begrüßung, die Dienstag im Festsaale des Rathhauses stattfindet, wird Bürgermeister Kirschner im Na­men der Stadt, Professor Harnack als Vertreter der theologi­schen Fakultät der Berliner Universität, Generalsuperintendent D. Faber als Vertreter der Geistlichkeit Berlins sprechen. Am Denkmal des Reformators wird ein großer Kranz nieder­gelegt werden, auf dessen Schleife steht:Dem Andenken Martin Luthers der Gustav-Ar olf Verein bei seiner 50. Haupt­versammlung." In der ersten öffentlichen Versammlung wird Pastor D. Hartung-Leipzig den Jahresbericht des Centralvor- standts erstatten. In der 2. öffentlichen Sitzung wird Kon- sistorialrath Tr. Prinzing-Ansbach über die Diaspora in Bayern berichten und wird über das gemeinsame Liebeswerk beschlossen, für dos vom Cevtralvorstand die drei Gemeinden Pezewo in Westpreußen, Söflingen in Württemberg und , Trautenau in Böhmen in Vorschlag gebracht werden. Die Betheiligung an den Jubelveranstaltungen ist sehr groß. Es lagen Montag Mittag bereits gegen 900 Anmeldungen vor. Von außerdeutschen Staaten sind Spanien, Frankreich, Bel­gien, die Schweiz, Oester: eich, Si beubürgen und Rußland vertreten.

Leichenfeier für Bourbaki. Sonnabend fand in Bayonne die Leichenfeier für den General Bourbaki statt. Der Präsident Faure und der Kriegsminister General Billot waren bei derselben vertreten.

Deutsch - amerikanischer Reciprocitätsvertrag. Aus New-Aork wird telegraphirt: Botschafter White hat Verhandlungen bezüglich Abschlusses eines Reciprocitätsver­trages mit Deutschland eingeleitet.

Kriegszug des Sultans von Marokko gegen die Riffpiraten. Ein Telegramm aus Tanger vom 25. September meldet: Der hiesige Vertreter des Sultans in Auswärtigen Angelegenheiten el Torres hat dem marokka­nischen Gouverneur in den Gebieten an der französischen und spanischen Grenze telegraphisch mitgetheilt, daß der Sultan von Marokko mit einer großen Truppenmacht ausgebrochen sei; man nehme daher an, daß der Sultan persönlich die Expedition gegen die Riffpiraten führen werde.

Nordamerika contra Spanien. Der amerika­nische Gesandte Woodford ist laut einer Madrider Havas- Meldung vom 26. d. M. ohne Zwischenfall in Madrid ein­getroffen. Dem Vernehmen nach sei der einzige Zweck seiner Mission, die Vermittlung der Vereinigten Staaten für die Beendigung des Krieges auf Kuba anzubieten. Wenn Spa­nien die Vermittlung zurückweise, würden die Vereinigten Staaten nicht den Krieg erklären, wohl aber offen die Kubaner durch Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit Spanien begünstigen. (Ganz nach dem alten Rezept:Sei mein Freund, oder ich bringe Dich um!" Red.) Völlig un­richtig sei, daß der spanischen Regierung irgend welche Frist zur Beendigung des Krieges gestellt sei. Den ersten Schritt Woodford's werde das Anerbieten der Vermittlung der Ver­einigten Staaten mit dem Wunsche einer schnellen Erledigung der Frage bilden.

Politische und unpolitische Nachrichten.

(Depeschen-BureauHerold.")

Berlin, 27. Septbr. Der Kais er hat folgendes Telegramm an den Fürsten Bismarck gerichtet: Seiner Durchlaucht dem Fürsten von Bismarck in Friedrichs- ruh. Von Herzen wünsche ich Euer Durchlaucht Glückwünsche zum Stapellauf meines Panzerkreuzers Fürst Bismarck und freue mich, dadurch für alle Zeiten Euer Durchlaucht Namen mit meiner Flotte in engster Beziehung zu wissen. Sie wird um so stolzer sein, als es der erste große Panzerkreuzer ist, welcher von uns gebaut ist. Ein Modell desselben wird Admiral Tirpitz Euer Durchlaucht in meinem Auftrage über­reichen. Wilhelm I. R. Hierauf hat Fürst Bismarck nach­stehendes Telegramm an den Kaiser nach Rominten gerichtet: Euer Majestät bitte ich allerunterthänigst für die Auszeichnung die mir durch die heutige Taufe des Kreuzers Euer Majestät zu Theil geworden ist, meinen ehrfurchtsvollen Dank in Gnaden entgegen zu nehmen. Gleichzeitig danke ich in Ehr­furcht für das soeben eingehende allerhöchste Telegramm durch dessen Inhalt die Ehre, die Euer Majestät meinem Namen in allerhöchst deren Flotte gewährt haben, wesentlich erhöht wird. v. Bismarck.

Berlin, 27. Septbr. Bei dem am Samstag nach dem Stapellauf des neuen Panzerkreuzers Fürst Bismarck im Kieler Schloß stattgefundenen Frühstück brachte, wie die Nordd. Allg. Ztg." meldet, Prinz Heinrich einen kurzen Trinkspruch auf den Fürsten Bismarck aus.

Berlin, 27. Septbr. Gegen das freisprechende Urtheil des Schöffengerichts im Beleidigungsprozeß des Redakteurs Sedlatzek gegen den Oderhofmeister der Kaiserin, Freiherrn v. Mirbach, hat Kläger B e r nfung eingelegt. Diese wendet sich hauptsächlich dagegen, daß dem Angeklagten der Schutz des § 193 des Strafgesetzbuchs zugebilligt wurde.

Berlin, 27. Septbr. Der deutsche Botschafter in Paris, Gras Münster, weilt gegenwärtig hier. Seiner Anwesenheit wird, derStaatsb.-Ztg." zufolge, in politischen Kreisen b e- sondere Bedeutung beigemessen. Der Botschafter stattete heute Vormittag Miquel einen längeren Besuch ab.

Berlin, 27. Septbr. DerReichsanzeiger" veröffent­licht eine längere Auslassung über die auf den preußischen Staatsbahnen in der letzten Zeit vorgekommenen schweren Unfälle. In dieser Auslassung werden die seitens der Presse gegen die Eisenbahnverwaltung erhobenen Vorwürfe, daß die Ursachen der Unfälle in tiefer liegenden Mängeln der Verwaltung, besonders in einem übertriebenen Sparsystem in unzureichendem oder unzureichend vorgebildetem Personal und mangelhaftem Material zu suchen sei, ausführlich wider­legt und darauf hingewiesen, daß die einzelnen Fälle noch der gerichtlichen Untersuchung unterliegen. Nach deren Ab­schluß werde dem Lande in einer ausführlichen Denkschrift Aufschluß gegeben werden, welche auch sonstige aus diesem Anlaß angeregte Fragen einer eingehenden Erörterung unter­ziehen wird. Des weiteren wird mitgetheilt, daß mit der Prüfung der betriebssicherheitlichen Einrichtungen und An­ordnungen und der Personalbesetzung auf besonders schwierigen Posten eine aus 4 bautechnischen, 2 maschinentechnischen und 2 Verwaltungsbeamten gebildete Ministerial-Kommission be­auftragt worden ist. Am Schluffe der Auslassung heißt es, daß mit der zu erwartenden Denkschrift auch der Beweis ge­liefert werden soll, daß, wenn gewiß auch noch Vieles im Eisenbahnwesen der Vervollkommnung harrt, doch an dem ernsten und festen Willen der Verwaltung nicht gezweifelt werden darf, allen Fortschritten der Technik zn folgen, Miß­stände zu beseitigen und unter schonender Verwendung der Beamten durch zweckmäßige Einrichtung des Dienstes den Be­dürfnissen des Verkehrs gerecht zu werden.

Erfurt, 27. Septbr. Der Ver t retertag des national-sozialen Vereins wurde heute eröffnet. Den Vorsitz übernahm Professor Sohm. Derselbe schilderte die Entwickelung und Bedeutung des allgemeinen Wahl­rechts als des allein möglichen und allein gerechten Funda­ments des modernen Staates mit allgemeiner Schul- und Wehrpflicht.

Köln, 27. September. Gestern beim Morgengrauen entdeckte der Wächter eines Sommertheaters, daß in dem­selben Feuer ansgebrochen war. Er alarmirte die Feuer­wehr, welche den Brand löschte und feststellte, daß derselbe angelegt war. In dem vollständig aus Holz aufgeführten Gebäude war an sechs Stellen Feuer ausgebrochen und nur dem Umstande, daß die Bühnen-Dekorationen imprägnirt waren und der Aufmerksamkeit des Wächters ist es zu danken, daß größeres Unglück verhütet wurde. Die Staats­anwaltschaft hat sich der Sache bemächtigt.

Wien, 27. Septbr. Aus Budapest trifft die Mel­dung ein, daß der Kaiser angeordnet habe, daß die Ein­leitung eines strafgerichllichen Verfahrens gegen Badem und Wolf wegen Duelloergebens zu unterbleiben habe. Baden! konferirte vormittags mit mehreren Ministern. Der aus dem Bade zurückgekehrte Finanzminster hatte beim Kaiser Vortrag in der Angelegenheit des dem Reichsrath vorzulegenden Budgets.

Arad, 27. Septbr. Gestern Abend ist eine Feuers­brunst in einer Vorstadt ausgebrochen. Das Feuer wüthet noch fort. Der Schaden ist enorm.

Brüssel, 27. Septbr. DerS o i r" erhält ein Tele­gramm seines Madrider Korrespondenten, demzufolge eine hochgestellte Persönlichkeit erklärt habe, der deutsche Kaiser werde, um den amerikanischen Umtrieben einen Damm ent­gegenzusetzen, eine Note an die amerikanische Regierung richten, die in ähnlicher Weise gehalten werden soll, wie die­jenige im Transvaal-Konflikt.

WUterungsbericht.

Voraussichtliche Witterung: Von lokalen Morgen- und Abendnebeln obgesehen noch meist heitfres und warmes Wetters