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Amtliches Organ für Ktaöt^ unö LanöKrels Hanau.
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Amtliches.
Seine Majestät der Kaiser und König haben die Gnade gehabt, die zum Andenken an den Hochseligen Kaiser und König Wilhelm L, den Großen, gestiftete Medaille allen rechtmäßigen Inhabern der preußischen Kriegsdenkmünze für 1864, des preußischen Erinnerungskreuzes für 1866 oder der Kriegsdenkmünze von 1870/71 ohne Rücksicht auf ihr Kombattanten- oder Nichtkombattanten-Verhältniß zu verleihen. Ausgeschlossen von der Verleihung sollen nach Allerhöchster Bestimmung bleiben Diejenigen, welche
a) sich nicht im Vollbesitz der bürgerlichen Ehrenrechte befinden,
b) wegen einer mit Ehrenstrafen bedrohten strafbaren Handlung mit Freiheitsstrafe oder wegen Verbrechen beziehungsweise Vergehen mit mehr als 6 Wochen Gefängniß bestraft sind,
c) mit Freiheitsstrafe bestraft worden sind, insofern sie durch die der Bestrafung zu Grunde liegende Handlung eine unehrenhafte Gesinnung bethätigt haben.
Behufs Ausführung dieser Allerhöchsten Ordre fordern wir alle in keinem aktiven militärischen Verhältniß mehr stehenden Veteranen, welche die preußische Stcmts- angehörigkeit besitzen und Anspruch auf die Medaille zu haben glauben, auf, sich unter Vorlegung der zum Nachweis ihres Anrechts erforderlichen Beweisstücke zu melden
L sofern sie in Preußen ihren Wohnsitz haben:
a) Offiziere, Sanitätsoffiziere, obere und mittlere Beamte bei demjenigen Bezirkskommando, zu welchem ihr jetziger Wohnort gehört,
b) Unterbeamte und Militärpersonen vom Feldwebel abwärts in Landkreisen bei dem Landrath ihres Wohnortes, in Stadtkreisen bei der Ortspolizeibehörde,
2. sofern sie außerhalb Preußens aber in Deutschland ihren Wohnsitz haben:
a) Offiziere, Sanitätsoffiziere, obere und mittlere Beamte bei demjenigen Bezirkskommando, zu welchem ihr letzter Wohnsitz in Preußen gehört,
b) Unterbeamte und Militärpersonen vom Feldwebel abwärts bei der zu 1 d aufgesührten Behörde ihres letzten Wohnsitzes in Preußen.
Hinsichtlich derjenigen in den deutschen Bundesstaaten wohnenden Veteranen, welche nicht die Preußische Staatsangehörigkeit besitzen und derjenigen Veteranen, welche im Reichslande ihren Wohnsitz haben, bleiben besondere Bestimmungen vorbehalten.
Da die Anfertigung der erforderlichen Medaillen einen längeren Zeitraum in Anspruch nimmt, wird die Aushändigung je nach Fertigstellung bewirkt werden.
Vor Empfang des Besitzzeugnisses, welches gleichzeitig ^"»»MimM^ g—^*^~~
Feuilletsn.
Stadttheater in Danau.
Hanau, 27. September.
Dem Wiederbeginn der Vorstellungen in unserem Stadttheater zeigte sich gestern der Himmel nicht sonderlich günstig gestimmt, denn der prächtige warme Sommertag nach einer ganzen Reihe nasser und irüber Tage lockte mit unwiderstehlicher Gewalt die Menschen in das Freie und so kann diesmal das gewohnte ausverkauste Haus bei Eröffnung der Spielzeit leider nicht konstatirt werden. Eingeleitet wurde die erste Vorstellung durch eine Festouverture, mit welcher sich das neue von der 166er Regimentskapelle gestellte Theater Orchester sowie der neue Kapellmeister Herr Gaßmann am Dirigentenpult 01t einfiihrten. Die folgende Aufführung brachte uns in dem dreiaktigen Lustspiel „Komtesse Guckerl" von Schönthan und Koppel- Ellfeld eine Novität, deren Bekanntschaft wir allerdings etwas spät machen, nachdem wir das genannte Autorenpaar in ihrem Zusammenwirken schon vergangene Saison mit einem ihrer neueren Stücke, dem reizenden Lustspiele .Renaissance" schätzen lernten. In .Komtesse Guckerl" trägt die holde Gräfin Trachau diesen seltsamen Beinamen, weil sie so gar schöne Augen hat, die einen durch und durch schauen und cs Jedem, der dafür empfänglich ist, „förmlich anthun" können. Zu diesen Empfänglichen gehört auch Horst von Neuhoff, ein lebenslustiger Husaiknossizier, der gewandt in allen Lagen, es trotzdem nicht verschmäht, zu den alten Mitteln zu greifen, sich beiden Damen als Finder verlorener Gegenstände einzu'ühren. Komtesse Guckerl aber durchschaut mit ihren wundersamen Augen alkbald die Geschichte und weist ihm in der graziösesten und humorvollsten Weise die Thüre. Sie hat es ihm indeß wirklich angethan, eine amüsante Plänkelei erfolgt zwischen Beiden, bis endlich nach manchem abgeschlagenen Angriff Neuhoff drch festen Fuß faßt, indem es ihm gelingt, seinen Onkel, einen alten russischen General, in das Haus einzuqnartiren. Auch diestm hatten cs einst die wunderbaren Augen an gethan und Gräfin Guckerl erhält von ihm zum zweiten Mole einen Heiraths- antrag. Dies trägt dazu bei, deß sie ihr Herz entdeckt und dem Neffen ihr Jawort gibt, das sie dem Onkel versagen muß. Da nun auch nech ein zweites Paar in den ersehnten Hafen der Ehe ein- lauskn darf, und Komtesse Guckerl dafür sorgt, daß ihr Verwandter, ter K. K. Hofrath Mittersteig, bei dem sie wohnt, der ihm drohenden
Montag den 27. September
mit der Medaille verabfolgt werden wird, ist Niemand befugt, die — etwa anderweit beschaffte — Medaille anzulegen.
Berlin den 19. September 1897.
Der Kriegsminister Der Minister des Innern,
v o n G o ß l e r. Zn Vertretung:
Braunbehrens.
Dicnslimchrichtcn aus dem Kreise.
Gefunden: 1 Sack mit 2 jungen Hühnern, 1 brauner Glacehandschuh (linker), 1 braune wasserdichte Pferdedecke. Zugelaufen: 1 weißer Foxterrier mit gelben Ohren, m. Geschl., 1 rehbrauner Pinscher.
Hanau den 27. September 1897.
^taöt&rew ^anau.
Bekanntmachungen des ObeMrgermeifteramtes.
Bekanntmachung.
Es wird darauf aufmerksam gemacht, daß nach § 3 der Marktordnung für Abhaltung der Wochenmärkte in der Stadt Hanau vom 11. September 1895 in der Zeit vom 1. Oktober bis 15. Dezember leere Wagen, Karren und dergl. sowie solche Wagen usw., welche zur An- und Abfuhr von Gegenständen dienen, die nicht vom Wagen aus verkauft werden, auf dem Marktplatz nicht aufgestellt werden dürfen.
Hanau den 27. September 1897.
Die städtische Polizei-Verwaltung.
Der Oberbürgermeister
Dr. Gebeschus. 13547
Griechenland und die Großmächte.
In Athen scheinen wieder alle bösen Geister losgelaffen zu sein, die dortige Presse erhebt ein schreckliches Geschrei über die von den Mächten vereinbarten Friedensbedingungen. Am heftigsten sind die Blätter von der Richtung des früheren Ministerpräsidenten Detyannis, der mit seiner leichtsinnigen Politik Griechenland hineingeritten und jetzt wieder durch lauten Widerspruch gegen die in den Bestimmungen des Vorfriedens enthaltenen „Demüthigungen" Griechenlands in den Sattel kommen möchte.
Nach dem Vorfriedensvertrage hängt von zustimmenden Beschlüssen der griechischen Deputirtenkammer über den Frieden und über die Einsetzung eines internationalen Finanzausschusses der Zeitpunkt der Räumung Thessaliens durch die Türken ab. Die Partei Delyannis stellt sich jedoch an, als ob der ganze durch das Einvernehmen der Mächte unter einander und mit der Pforte erzielte Vertrag noch der Bestätigung durch die griechische Deputirtenkammer bedürfe. Das ist nicht der Fall, da Griechenland bei seinem Ansuchen
Pensionirung entgeht, herrscht auf der Bühne zum Schluß allgemeine Befriedigung und in gleicher Stimmung verlassen die Zuschauer wohl zumeist das Theater. Das Stück ist recht nett! Als eine besonders hervorragende Arbeit wird es wohl niemand bezeichnen, aber alles an ihm ist einfach und harmlos, und gerade dieses, verbunden mit mit dem darin vorherrschenden glücklichen Tone, wirkt günstig auf die Zuschauer ein. An und für sich ist die Handlung ja sehr einfach und reicht nicht einmal so recht, die drei Akte damit zu füllen. Aber alles tritt so gemüthlich, so ohne Prätension auf, daß man das Harmlose auch harmlos aufnimmt und sich willig der wohlthuenden Fröhlichkeit hingibt, die ihren Höhepunkt erreicht, als der junge Offizier von oben bis unten mit Packeten beladen wird, alsdiesaure Milch gerade zwischen die Liebenden hineinfuhr und als die Zugluft höchst realistisch inszenirt wurde.
Die Hauptrolle, die Gräfin Trachau, wurde von Fräul. Bran- dow mit all dem übermüthigen Humor und der reizenden Schalkhaftigkeit dargestellt, die zum Erfolg des Stückes unbedingt nöthig ist. Der Dame wurde von Seiten des Publikums ein stürmischer Empfang bereitet, der beweist, wie sehr m«n sie als Künstlerin hier zu schätzen weiß; ihrem eleganten und fein pointirten Spiele fehlte auch gestern die lebhafteste Anerkennung nicht. Eine recht herzliche Begrüßung ward auck dem wieder neugewonnenenEharakterdaisteller Herrn Hille zu Theil, der den General Suwotschew mit fein beobachtcr Charakteristik darstellte. Auch wir begrüßen das Wieder- engagement des Hrn. Hille, denn gegen den vorjährigen Vertreter dieses Rollenfaches bedeutet cs jedenfalls ein Gewinn. Wir haben es stets unterlassen, über die neugewonnenen Mitglieder bezüglich ihrer künstlerischen Fähigkeiten nach dem ersten Auftreten eiu bestimmendes Urtheil abzugeben und beschränken uns auch heute nur darauf, den von dem ersten Auftreten empfangenen allgev einen Eindruck wiedcrzu- geben. In Herrn Stein gö tter, der den Horst von Neuhoff darstellte, scheint ein recht begabter Künstler gewonnen zu sein, dem für sein Fach Prächtige Mittel zu Gebote stehen; ein klangvolles ausgiebiges Organ, hübsche Erscheinung und sicheres Auftreten zeichneten seine gestrige Darstellung ans, jedenfalls sehen wir seiner Darstellung des .Hgmont" am Mittwoch mit großem Inter, sie entgegen, die seine Befähigung für das hier auszusüllende Fach völlig zeigen dürste. Auch der erste Eindruck, den wir von Herrn Gehrmann, dem Nachfolger des Herrn Huhn »mpfangen haben, war ein guter; seine wirksame Komik in der Darstellung des alten Hofrathes von Mittersteig trug ihm sogar lebhaften Beifall auf offener Szene ein. Das Liebespaar des Stückes, „Cilli" (Fräul. Rudow) md .Leopold
1897.
um Intervention seine Interessen in aller Form in die Hände der Großmächte gelegt und sich im Voraus mit den von diesen zu treffenden Abmachungen einverstanden erklärt halte. Etwas anderes war ja auch dem mit vollstem Recht gedemüthigten Friedensstörer, Griechenland, kaum übrig geblieben, nachdem sein Heer vernichtet und der Weg auf Athen für die Türken so gut wie offen war. Gerade diejenigen Großmächte, auf deren Wohlwollen Griechenland am meisten gezählt hatte, waren der Meinung, daß das Jnterventions- gesuch den Verzicht auf ein nachträgliches Bestätigungsrecht Griechenlands einschließe.
Ist es soweit lediglich eine innere griechische Frage, wie sich die Deputirtenkammer in Athen zu dem international bereits geregelten Vorfrieden stellen wird, so bleibt doch immer noch genug Spielraum für die dortigen Rabulisten, das Friedenswerk zu hemmen und neuen Unfug zu stiften. Am wildesten geberden sie sich gegen die Einsetzung eines internationalen Finanzausschusses. Damit verhält es sich ähnlich wie seiner Zeit mit dem deutschen Blokadevorschlage, dessen Ausführung für Griechenland eine Wohlthat gewesen wäre, in dem sie es gehindert hätte, sich in das Elend eines unglücklichen Krieges zu stürzen. Ebenso werden es einsichtige Griechen nach Jahren vielleicht als Wohlthat erkennen, wenn ihr Land durch die auswärtige Finanzaussicht aus dem verlotterten Schuldenwesen herauskommt.
Ausländische Blätter, namentlich französische und englische, sprechen viel und mitunter unter deutlichem Mißmuth von dem Erfolge der deutschen Diplomatie, die die Wahrung der Rechte der deutschen Gläubiger durchgesetzt habe. Dieser Erfolg kommt aber den französischen und englischen Gläubigern ganz ebenso zu gute. Im übrigen ist die große Presse aller- wärts ziemlich einstimmig darin, daß sich die Griechen dem Willen der Mächte fügen müssen, so schwer es ihnen bei ihrer tief eingewurzelten Abneigung gegen das Schuldenbezahlen auch werden mag.
Stapellauf des Panzers „Ersatz Leipzig".
Kiel, 25. Sept. Der Stapellauf des Panzers „Ersatz Leipzig" ist mittags 12 Uhr glücklich verlaufen. Als Prinz Heinrich, Graf und Gräfin Wilhelm Bismarck sowie Graf Rantzau mittels Salonpinaffe auf der Kaiserlichen Werft eintrafen, präsentirte eine dort aufgestellte Ehrenkompagnie. Hierauf erfolgte die Begrüßung im Pavillon seitens des Vizepräsidenten des Staatsministeriums, Finanzministers Dr. von Miquel, des Staatssekretärs Thielmann und des Ober- präsidenten, Staatsministers von Köller. Alsdann bestieg die Gräfin Wilhelm Bismarck unter Führung des Staatssekretärs des Marineamts Tirpitz und des Kontre-Admerils Büchse! sowie des Oberwerfsdirektors die Taufkanzel, woselbst Staatssekretär Tirpitz folgende Taufrede hielt:
von Mittersteig" (Herr Konkiel) dürften ihre Parthien mit mehr Frische und Natürlichkeit und auch mit mehr Ausdruck gestalten; in wie weit dies-s auf Rechnung der Befangenheit bei einem ersten Auftreten vor fremdem Publikum zu setzen ist, wird die Zukunft lehren.
Aus Kunst und Leben.
* Stadttheater. Die nächsten Mittwoch zum Besten der Wasserbeschädigten stattfindende Vorstellung von Goethe's unsterblichem „Egmont" bietet in mehrfacher Beziehung besonderes Interesse. Zunächst durch ein Gastspiel des Herrn D i e g e l m a n n von Frankfurt als Alb a. Der treffliche Künstler gehört zu den ausgezeichnetsten Darstellern unserer Nachbarbühne, seine ganz außergewöhnliche Begabung und prächtigen Mittel haben ihn zum Liebling der Frankfurter gemacht. — Ferner werden die beiden Direktoren — um dem guten Zweck der Vorstellung zu dienen — in kleinen Rollen beschäftigt sein, größere Aufgaben sollten dem neu engagirten Personal gewahrt bleiben. — Außerdem wird die neu engagilte Theaterko pelle mit der Ausführung von Beet- Hoven's wunderbar schöner Musik betraut sein. Die Hauptrollen sind durch die Herren Steingötter (Egmont), Gläßer (Oranien), Hille (Nansen), Tyrkowski (Zetter), Konkiel (Brackenburg), Göbel (Ferdinand) sowie durch die Damen Held (Clârchen), Lehmann (Clärchens Mutter) besetzt._______
PaiilHcyse's neues' Drama „Vanina Vanini" kam cm Königlichen Hoftheater in Stuttgart zur ersten Aufführung. Die zur Zeit der Carbonari-Verschwörung spielende Tragödie interessirte bis zum Schluß. Ganz vortrefflich war die Aufführung, um die sich Luise Dumont in der Titelrolle und Wilhelms Göhns als ihr Partner besonders verdient machten.