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Erstes Blatt.

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Kür auswärtige tiÄMmmten mit dem detreiimdm Psßaufschlag.

Amtliches Argan für Htaöt- unö Lauökreis Harlan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

JasertisnS- Preis: Die lspalrige Garmond« zeile oder deren Raum 10 -j.

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3m Reklamemherle M« Zeile 20 4 necto.

Nr. 225. Samstag den 25. September

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1897.

Amtliche Beilage" Nr. 67.

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Dienst« achrichtcn aus dem Kreise.

Gefunden: Ein Zwicker. Zwei Regenschirme (von der Post). Eine dunkle Kindermütze. Ein Hundelmaul­korb.

Hanau den 25. September 1897.

Tagesschau.

Von der Marine. Laut telegraphischer Meldung cn das Oberkommando der Marine ist S. M. S.Charlotte", Kommandant Kapitän zur See Thiele (August), gestern in Vigo avgekommen und beabsichtigt, cm 2. Oktober nach Madeira in See zu gehen.

Zur Frage der Gemeindegewerbesteuer. Die Wahrnehmung, taß bisher nur ganz vereinzelt seitens der Gemeinden von der Befugniß zur Einführung besonderer Ge­meindegewerbesteuern (§ 20 bezw. 29 des Kommunalabgaben- gesetzes vom 14. Februar 1893) Gebrauch gemacht norden ist, hat den Minister des Innern veranlaßt, eine Denkschrift nebst verschiedenen Mustern und dazu gehörigen Erläuterungen über Gewerbesteuerordnungen absassen zu lassen, die allen größeren Gemeinden zugehen soll.

Die Verschickung nach Sibirien soll in Rußland angeblich erheblich eingeschränkt werden, weil das Landstreicher- thum dort überhand genommen hat. Die russische Regierung will im Innern des Reiches große Gefängnisse bauen lassen und beabsichtigt dann, die schwereren Verbrecher ausschließlich nach Sachalin zu schicken.

Dingle ytarif und Zuckerprämien. Einem Tele­gramm aus Washington zufolge richtete das Schatzamt an die Zollämter ein Rundschreiben, in welchem mitgetheilt wird, daß gemäß Abschnitt 5 des Dingleygesetzes aus Oesterreich- Ungarn, Frankreich und Deutschland stammender Zucker, für welchen Ausfuhrprämien vergütet wurden, Differentialzölle vom gleichen Betrag der Prämie zahlen muß.

Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte.

Braunschweig, 23. Septbr.

Die Abtheilungen für Hygieine und Innere Medizin ver­einigen sich heute zu einer gemeinsamen Sitzung, in der die zur B e k äm p f u u g d e r T u b e r k u l o s e geeigneten Mittel eingehend erörtert wurden. Die Verhandlurgen drehten sich zunächst um die organisatorische Seite der Frage. Dr. Georg Liebe-Andreasberg a. H. sprach über die Ziele und Wege

Leitilletsir.

Gaetano Donizetti.

Zu seinem 100. Geburtstage, 25. September.

Von Cyriak Fischer.

(Nachdruck verboten.)

Die Gestalt Richard Wagners, der mit mächtiger Hand die Oper in den Dienst der dramatischen Gestaltung und der seelischen Wahrheit gestellt hat, hat einen tiefen Schatten auf die Oper des ersten Drittels unseres Jahrhunderts geworfen. Und doch war es ein reges nnd fröhliches Musikleben, das in den 30er und 40er Jahren herrschte, als der Schwan von Pesaro seine süßen Weisen sang, Meyerbeer's heroische Werke dem staunenden Publikum die erste Vorstellung von drama­tischer Musik gaben und mit und neben ihnen eine ungewöhn­lich große Zahl begabter Tonküustler schuf, die sich zumeist in der damaligen musikalischen Hauptstadt Europas, in Paris, trafen und hier in musikalische Wettkämpfe miteinander ein­traten, die das Interesse und die Parteinahme des gebildeten Europas, aller Politik unerachtet, im höchsten Grade erregten. Und in dieser Komponistengruppe ist Gaetano Donizetti eine der interessantesten Gestalten.

Es hieße nicht die Wahrheit sagen, wollte man ihn den großen Geistern der Musik beizählen. Gerade bei uns in Deutschland hat Donizetti strenge Richter gefunden, die ihn an den höchsten Leistungen der Tonkunst maßen und klein, ja verächtlich fanden. Sie haben ihm Unrecht gethan. Der, für den auch in der Kunst schließlich der homo sapiens das Interessanteste und trotz Theorie und Wissenschaft das Wich­tigste bleibt, dem wird dieser Gaetano ganz gewiß immer wieder Vergnügen machen. Welche Lebenskraft, welcher Cham- naaneraeift in diesem Menschen! Wie er durchs Leben tollt.

zur Bekämpfung der Tuberkulose. Die Bewegung zur Er­richtung von Volksheilstätten hat namentlich die gute Folge gehabt, weiteren Kreisen die Augen über die Bedeutung und Verbreitung dieser verheerenden Krankheit zu öffnen. Man ist heute nicht mehr der Ansicht, daß man allein mit Volks­heilstätten die Tuberkulose eindämmen kann. Ein eventuell vom Kaiserlichen Gesundheitsamt ins Leben zu rufender nationaler Verein für Volksgesundheit könnte die Angelegen­heit sehr fördern. Dr. Meißen (Anstalt Hohenhonnef a. Rh.) ist gleichfalls der Ansicht, daß eine erfolgreiche Be­kämpfung der Tuberkulose nur durch den Staat, bezw. das Eingreifen der Gesetzgebung möglich ist. Der Staat hat überdies ein besonderes Interesse daran, dieser am Marke des Volkes zehrenden Krankheit mit aller Kraft entgegenzuarbeiten, da die Jnvaliditäts- und Altersversicherung gerade durch die Tuberkulösen außerordentlich belastet wird. Auch die Kranken­kassen müssen den Phthisikern die allergrößten Geldopfer bringen, ohne daß der den Kranken und ihren Familien daraus erwachsende Nutzen auch nur einigermaßen diesen Opfern entspräche. Das Zentral-Komitee für die Begründung von Volksheilstätten wäre ter geeignete Mittelpunkt, die Be­strebungen zur Bekämpfung der Tuberkulose in immer weitere Kreise zu tragen. Das größte Gewicht ist auf die Hygieinisch­diätetische Behandlung der Phthisiker zu legen, eine Förde­rung, die leider durch die große Schwierigkeit, die Tuberkulose in den Anfangsstadien diagnostisch festzustellen, nicht leicht zu verwirklichen ist.

In der Abtheilung für Militär-Sanitätswesen hielt Ober­stabsarzt Dr. Herhol d-Bückeburg einen sehr bemerkens- werthen Vortrag über moralischen und geistigen Schwachsinn bei den Mannschaften des Heeres. Vortragender hatte als Gcfängnißarzt bei der Strafanstalt Ehrenbreitstein Gelegen­heit, hierüber Beobachtungen zu machen. Es ist bekannt, daß man in vielen Fällen nicht recht weiß, ob die Vergehen gegen die Subordination auf Schwachsinn oder auf Wider­setzlichkeit zurückzuführen sind. Dr. Herhold hat aus 500 Journalen, in denen die Erfahrungen von zwölf Armeekorps niedergelegt sind, 444 Fälle herausgefunden, die für seine Untersuchungen geeignet waren. Um ein Urtheil darüber zu gewinnen, wie sich diese Krankheitsfälle beim Militär ver­theilen, gliedert er sie in drei Gruppen. Gruppe 1 enthält diejenigen Fälle, in denen geistige Schwächen bedeutend vor­herrschen, Gruppe 2 solche, in denen gleichzeitig auch moralische Schwächen, Gruppe 3 endlich Diejenigen, in denen lediglich moralische Schwächen vorlagen. Es zeigte sich, daß bei 410 ausgeprägter Schwachsinn vorhanden war, der meist schon in der Jugend deutlich hervorgetreten. Die Dienstvergehen dieser Leute entsprachen auch fast durchweg der geringen Intelligenz, d. h. es handelte sich nie um Widersetzlichkeit, sondern um kindische, ganz unüberlegte Sachen. Fahnenflucht kam bei

dichter herandrängen, mit leichter Hand verscheucht, bis sie sich undurchdringlich zusammenballen und ihn für immer cinhüllen! Er ist in Rom, Neapel, Paris, Wien, überall. Er schreibt eine Partitur in der Zeit nieder, die ein Kopist zum Ab­schreiben braucht. Er kennt keine Selbstkritik, aber auch nicht das furchtbare Gefühl des Versagens; immer rinnt seine Kunst, frisch oder schaal, kräftig oder seicht. Die ihn so streng beurtheilten, haben Eins vergessen: Donizetti war durch und durch naiv, ja, wenn man will, er war ein Kind; liebens­würdig, verschwenderisch, unbesonnen, abergläubisch, kritiklos so, ein echter Sohn Jtalia's, ist er durch das Leben und die Kunst gegangen, und so, meinen wir, will er auch beur­theilt sein.

Sein Vater war ein Beamter zu Bergamo und hätte aus ihm gern einen Advokaten gemacht. Aber Gaetano zeigte Künstlerblut, er malte, er wollte Architekt werden und wurde Musiker. Das entschied sich auf dem Konservatorium seiner Vaterstadt, wo er den Unterricht des damals gefeierten dramatischen Komponisten Simon Mayr genoß. Der Vater war keineswegs erbaut davon, daß der Sohn sich der Musik widmen wollte; aber er ergab sich schließlich darein und sah nun seinen Gaetano im Geiste als den Nachfolger des wür­digen Paters Mattei, eines Vertreters der klassischen Musik, der ernste geistliche Tonwerke, wohlgesetzt und sorgsam ge­baut, verfaßte und auch den jungen Donizetti, seit er an die Bologneser Schule übergesiedelt war, in die Regeln des Kontrapunkts und der Fuge, in den Geist der alten Musik und. die Kenntniß der klassischen Meister einführte. Und Gaetano war gelehrig und komponirte Kirchenmusiken, Quar­tette und Ouvertüren, die dem Vater und den Lehrern zeigten, daß er wirkliche Fortschritte in der edlen Kunst machte.

Heimlich aber mochte es ihm wohl etwa so ergehen, wie dem aevlaaten Organisten in ..Mamselle Nitouche", daß ihm

dieser Gruppe verhältnißmäßig am häufigsten vor. Bei den Leuten war ein blödsinniger Gesichtsausdruck vorherrschend. Sie verfielen oft in dummdreist« s, unartikulirtes Lachen. Die groben Degenerationszeichen waren bei ihnen sehr ausgeprägt. Es zeigte sich auch, daß diese Leute oft Bettnässer waren, ohne daß bei ihnen Nieren- oder Blasenstörungen nachzuweisen waren. Die Zahl der Selbstmorde betrug bei dieser Gruppe nur 5 von Hundert. In Gruppe 2 gehören 25 von den 444 Fällen. Diese Leute haben meist schon in der Jugend Neigung zu unmoralischen Handlungen; sie ließen sich im Gegensatz zu Gruppe 1 während ihrer Dienstzeit auch Gehor­samsverweigerungen und gemeine Verbrechen zu Schulden kommen. Auch Selbstmordversuche und Trunksucht war bei ihnen häufiger. In die dritte Gruppe gehören nur 9 Fälle. Hier war in der Jugend schon eine ganz ausgesprochene Neigung zu unmoralischen Handlungen vorhanden. Bei dieser Gruppe waren schwere Disziplinarvergehen (mehr als 5O°/o) an der Tagesordnung. Bei fast 18 von Hundert kam Diebstahl vor. Zu Fahnenflucht war weniger Neigung vor­handen. Dagegen zeigten die Leute eine große Reizbarkeit. In manchen Fällen traten ausgesprochene Geisteskrankheiten hervor. Selbstmordversuche waren auch bei dieser Gruppe häufig. Es wird nun Sache der Sanitätsoffiziere sein, unter Berücksichtigung des hier zu Grunde gelegten Materials und auf dem Wege der Sammelforschung weitere Erfahrungen zusammen zu tragen, um sorgfältig auf Alles achten zu können, was den Verdacht einer geistigen Schwäche hervorrufen könnte. Auf diesem Wege wird es gelingen, die Zahl der Selbst­morde, die ja an und sür sich schon in stetiger Abnahme be­griffen und zum Theil auf Geistesschwäche zurückzuführen ist, auch in Zukunft nicht unerheblich zu vermindern.

Aus Stadt- und Landkreis Hanau.

Regelung der Lehrerbesoldung. Den einzigen Berathungsgegenstand der gestrigen öffentlichen Gememde- Ausschuß-Sitzung bildete dieLehrerbesoldungsvor- l a g e." Anwesend waren folgende Mitglieder: Nickel, Vor­sitzender, Bier, Bode, Döring, Dr. Eisenach, Fritz, Föll, Halm, Henrich, Hoffmann, Kehr, Koch, Korff, Kreuter, Rumpf, Schroeter, Seitz, Waltz, Weber, Wörner, Zeh, so­wie vom Stadtrath Oberbürgermeister Dr. Gebeschus. Re­ferent der Vorlage war Herr G. Bode, Korreferent Herr Sanitätsrath Dr. Eisenach. Der Referent Herr Gg. Bode ging zunächst auf die Grundbestimmungen dcs Gesetzes ein, verlas hierauf eine Eingabe des Lehrer-Bezirksvereins Hanau, die unter Hervorhebung der am Orte bestehenden außergewöhnlichen Theuerungsvcrhältnisse um ein Grund­gehalt von mindestens 1500 M., Alterszulagen von 200 M. und Mlkthsentschädigung von 450500 M. petitionirt, und

Denn es drängte ihn zur weltlichen Musik, zu jenem pikanten ragoüt-fin, das die damalige Oper darstellte; es schwirrte in ihm von gefälligen Melodiken, von Kavatinen uud Arien. Und als nun Rossinsts Erfolge glänzend wie eine Sonne am musikalischen Himmel aufstiegen und seine feurigen Weisen Alle bezauberten, da hielt Donizetti es nicht mehr aus und er erklärte dem Vater, sich der Opernkomposition widmen zu wollen. Der brave Beamte, in seinen Hoffnungen zum zweiten Male enttäuscht, ist außer sich und verweigert seine Einwilligung; Gaetano ist verzweifelt, und das Resultat ist, daß wir ihn in der Uniform eines österreichischen Sol­daten wiederfinden. Er hatte sich anwerben lassen.

Für sein Schaffen selbst war diese dramatische Wendung insofern unerheblich, als Donizetti so ziemlich in allen Lebens­lagen komponiren konnte. Und so geschah es denn, daß er, während sein Regiment in Venedig stand, dort im Jahre 1818 seine ErstlingsoperEnrico di Borgogna" aufführen ließ. Nun wurde lustig weitergeschrieben, und seine vierte Oper hatte 1828 bereits solchen Erfolg, daß sie ihm die Be­freiung vom weiteren Militärdienst ermöglichte. Die ganze harmlose Naivetät, die unseren Komponisten kennzeichnet, ver­räth sich auch in diesen Jugendwerken, die Rossini mit einer solchen Unbefangenheit kopiren, daß der Beurtheiler fast ent­waffnet wird. Rossini und Rossini's Erfolge das war der Stern, zu dem der junge Donizetti aufblickte; und als Meister Gioachimo es geringschätzig ablehnte, fortab noch für Italien zu schreiben, nahm er begierig den Antrag an, seine Nachfolge zu übernehmen. So verschrieb er sich 1827 für vier Jahre dem Neapolitaner Impresario Barbaja, dem er jährlich zwei ernste und zwei komische Opern zu liefern hatte, während er sich, um sein geringes Einkommen zu erhöhen, auch noch Anderes zu komponiren genöthigt sah. Die Schleuderjahre sind für Donizetti in künstlerischer Hinsicht die