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Amtliches Organ für Staöt- unö Lauökreis Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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Die 1'/,spaltige Zeil«
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Die Zspaltige Zeil« 30^
Die Lspallige Zeil«
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Im Reklamentheile Mi Zeile 20 ^ netto.
Nr. 224.
Freitag den 24. September
1897.
Amtliches.
Dienstnachrichten aus dem Kreise.
Verloren am 7. d. Mts. im Manöver bei Win- decken-Roßdorf-Wartbaum: Ein Spaten vom III. Bataillon 19. Jnfanterie-Regts. — Ein Portemonnaie mit Inhalt und ein Portemonnaie mit 80 Pf.
Gefunden: Ein Metermaaß von Messing; ein Hundemaulkorb; ein Schulheft (Uebersetzung der Sprache); ein Wagenschild mit der Aufschrift: „W. Schad 4er Rückingen"; eine Schiebekarre (stehen geblieben)
Entlaufen: Ein gelber Hund (Fuchs-Spitz) männl. Geschlechts.
Hanau den 24. September 1897.
Betrachtungen zu dem Verhältniß der Vereinigten Staaten zu Spanien.
Trotzdem die Meldung von dem Ultimatum des Gesandten Woodford an die spanische Regierung von einem führenden spanischen Blatte dementirt morden ist, wird doch allgemein angenommen, daß in der That ein derartiges Ultimatum erfolgt ist. Selbst aber, wenn es nicht erfolgt wäre, würde es doch so sehr der in den Vereinigten Staaten herrschenden Stimmung entsprechen, daß man sich früher oder später auf den Ausbruch eines Kampfes zwischen den beiden Staaten gefaßt machen muß.
Man begegnet nun vielfach, auch in der deutschen Presse, einer entschiedenen Verurtheilung des Verhaltens der Vereinigten Staaten, die sogar so weit geht, daß man für den Fall eines Kampfes den Spaniern den Erfolg wünscht. Gewiß ist das chauvinistische Verfahren der Amerikaner wohl geeignet, Bedenken zu erregen und gewiß hat auch gerade Deutschland jetzt keine Veranlassung, den Vereinigten Staaten wohlgesinnt zu sein; aber man muß trotzdem die kubanische Frage für sich allein und ohne Voreingenommenheit gegen die Vereinigten Staaten betrachten. Und da muß man sagen, wenn irgend wo, so chier, daß die Monreodoktrin berechtigt ist, denn Kuba hängt sowohl geographisch wie wirthschaftlich so sehr viel mehr mit den Vereinigten Staaten, als mit Spanien zusammen, daß eine Verbindung mit den Vereinigten Staat n im Sinne der politischen Vernunft liegt. Dazu kommt, daß die Spanier durch Jahrhunderte lange elende Mißwirthschaft ihr Recht auf Kuba verwirkt haben.
So würden die Vereinigten Staaten in diesem Falle für eine gute Sache und ein gutes Recht kämpfen. Und daß sie mit der Aussicht auf Erfolg kämpfen würden, dafür spricht ein Blick auf die beiderseitigen Machtmittel.
Was zunächst die Flotte anbelangt, die bei dem Kampfe um den Besitz einer Jnsil naturgemäß von Wichtigkeit ist, so ist die spanische Flotte wohl an Zahl der Schiffe wie der Mannschaften der amerikanischen überlegen, aber die Letztere hat den Vortheil, daß sie gerade in den letzten Jahren sehr erweitert worden ist, daß also ein erheblicher Theil der Sch'ffe von modernster Konstruktion ist, während die spanische Flotte zum größten Theil veraltet ist. Dazu kommt, daß die Flotte der Vereinigten Staaten immer einen Rückhalt an der nahen Heimath hat, während die spanische Flotte nach der Heimath eine wochenlange Fahrt hat. Im Falle von Beschädigungen werden also die amerikanischen Schiffe ihre Ausbesserungen sehr viel leichter bewirken können als die spanischen, und ebenso ist der Ersatz von Mannschaften viel eher zu bewirken.
Was nun das Landheer anbetrifft, so ist Spanien den Vereinigten Staaten in Bezug auf das stehende Heer weit überlegen, denn die Letzteren haben nicht ganz 30 000 Mann stehender Truppen, Spanien hingegen über 100 000 Mann. Die spanischen Truppen sind aber durch die jahrelangen Kämpfe auf Kuba und den Philippinen so dezimirt, daß ein erheblicher Theil der Soldaten aus ganz jungen Rekruten besteht, die an militärischer Ausbildung nicht über den amerikanischen Milizen stehen, an Kraft, Ausdauer und der Fähigkeit, das infernalische Klima Kubas auszuhalten, aber hinter den Milizen der, amerikanischen Südstaaten beträchtlich zurückstehen. Von Miliztruppen vermag Spanien angeblich 2 Millionen, Amerika beinahe 8 Millionen auszustellen. Diese Riesenzahlen besitzen natürlich nur einen sehr beschränkten Werth, aber so viel ist klar, daß die Vereinigten Staaten ein unvergleichlich größeres Kontingent solcher Miliztruppen ins Feld stellen können. Haben doch schon in dem amerikanischen Sezessionskriege, als die Vereinigten Staaten noch nicht die Hälfte ihrer heutigen Bevölkerungsziffer hatten, dreiviertel Millionen Soldaten gegen einander gefochten. Daß der amerikanische Milizmann außerdem durch seine Erziehung und seine Lebensgewohnheiten militärisch verwendbarer ist, als der Spanier, versteht sich von selbst.
Schließlich ist noch zu Gunsten der Aussichten der Vereinigten Staaten zu erwägen, daß ihre finanziellen Hilfsmittel ganz andere sind, als die Spaniens. Zwar sind die Vereinigten Staaten gegenwärtig nicht in glänzender finanzieller Lage, aber sie sind weit davon entfernt, so am Ende der finanziellen Hilfsmittel zu sein, wie es Spanien thatsächlich ill. Und für kriegerische Zwecke haben die chauvinistischen Amerikaner immer Geld übrig; haben sie doch während des Sezessionskrieges damit renommirt, daß allein der Unterhalt der Truppen der Nordstagten täglich IV2 Millionen Dollars kostete.
So ist es als zweifellos anzusehen, daß, wenn es zu einem Kampfe zwischen Spanien und den Vereinigten Staaten kommt, die Spanier unter allen Umständen den Kürzeren ziehen werden. Einst die größte Kolonialniacht Europas, hat Spanien im Anfang dieses Jahrhunderts die bedeutendsten Kolonien eingebüßt, und es scheint an der Wende des Jahrhunderts die hervorragendste der Kolonien, die ihm noch belassen wurden, verlieren zu sollen.
Tagesschau.
Das nächstjährige Kaisermanöver wird dem Ver nehmen nach in der Provinz Brandenburg und den östlichen Krenzbezirken abgehalten werden. Das ergibt sich aus einer Aeußerung des Gouverneurs des Prinzen Friedrich Heinrich, der m seinem Dankeswort für die guten Quartiere im Kreise Zielenzig sagte: „Auf Wiedersehen im nächsten Jahre, denn es steht ja jetzt schon fast fest, daß das Kaisermanöver aus diesem vorzüglichen Gelände stall finden wird."
Der Formerausstand in Berlin. Die Berliner Metallindustrie sieht sich zur Zeit von einem Arbeiterausstand bedroht, welcher in dem Hamburger Hafenarbeiter streik in allen seinen begleitenden Erscheinungen ein Seitenstück hat. War schon der Letztere vom Zaune gebrochen, so vollends derjenige in den Borsigschen Eisenwerken in Berlin. Fünf Formern war vom Betriebsleiter eine Arbeit übertragen worden, wie sie sie schon öfter verrichtet hatten. Die Arbeiter, welche einen Durchschnittslohn von 7 Mark pro Tag bezogen, machten diesmal die Ausführung der Arbeit wider Erwarten von einer Lohnerhöhung um 25 Proz. abhängig. Als die Fabrikleitung sich weigerte, darauf einzugehen, trat.n alle Arbeiter des großen Werkes für die Forderungen der fünf Former ein, mit der Drohung, die Arbeit sofort gemeinsam niederzulegen, wenn deren Verlangen nicht nachgegeben werde. Die Fabrikleiiung verzichtete nunmehr auf die Arbeitsausführung der fünf Former und wies ihnen eine andere Beschäftigung an. Da aber forderte die gesammte Arbeiterschaft nunmehr, daß die geplante Arbeit doch von den fünf Formern ausgeführt werden sollte, und zwar zu der verlangten Lohnerhöhung. Natürlich gingen die Arbeitgeber darauf nicht ein, nnd so legte die gesammte A>bei!erschaft die Arbeit nieder, und ihrem Beispiel folgten sofort die Arbeiter einer Fabrik, denen die Inhaber der Borsigschen Werke die Ausführung der in Rede stehenden Arbeit übertragen hatten. Dieser Thatbestand bedarf keiner Erläuterung. Der Ausstand ist eine durch mildernde Umstände nicht gerechtfertigte Herausforderung der Arbeitgeber. Kein Nothstand zwang die fünf Former zu ihrer Handlungsweise; kein äußerer Druck, keine schlechte Behandlung, keine Verletzung ihrer Rechte gab ihnen Grund zu Klagen oder Beschwerden. Ihr Verhalten beweist, daß sie einen Streit mit den Arbeitgebern vom Zaune brechen wollten und die erste beste sich bietende Gelegenheit dazu benutzten. Das friedliche Verhältniß zwischen Arbeitern und Arbeitgebern war ihnen und ihren Hintermännern ersichtlich auf die Dauer unbequem, und so beschworen sie Differenzen herauf, die bei der Solidarität der Arbeiter unberechenbar sind. Das Gewerbegericht sucht zwar noch einen Ausgleich herbeizuführen, doch selbst wenn er erzielt würde, hat das Verhalten der Borsigschen Arbeiter ein Schlaglicht auf die bestehenden Zustände geworfen.
Die Bahnsteigsperre in Sachsen wird auf den meisten Hauptbahnen am 1. Dezember d. I., auf den übrigen Hauptbahnen am 15. Mai 1898 eingesührt.
Da die Geldnoth der spanischen Regierung aufs Höchste gestiegen ist, so greift die Regierung zu geradezu verzweifelten Mitteln. Kürzlich wurde nach vorausgegangener öffentlicher Ausbietung das Petroleummonopol gegen eine Jahrespacht von I8V2 Millionen Peseten an zwei Unternehmer vergeben. In diesen Tagen kommen sämmtliche fiskalischen Salzbergwerke zum Verkauf, und schon ist ein neuer schleuniger Verkaufsplan deS Finanzministers veröffentlicht. Nach demselben sollen 10,OQO Gtmeindelândereien verkauft werden, wenn die Gemeinden nicht 20 Prozent der Verkaufs- summe zahlen können.
Politische und unpolitische Nachrichten
(Depeschen-Bur eau .Herold.")
Berlin, 23. Septbr. Der Kaiser traf heute früh 8 Uhr 15 Min. iu Trakehnen ein und begab sich alsbald von der Bevölkerung lebhaft begrüßt mit dem Grafen Dohna in vierspännigem Wagen nach dem Jagdschloß Rominten.
Berlin, 23. Septbr. Das Staatsministerium hielt heute Nachmittag unter dem Vorsitz des Finanzministers Miquel eine Sitzung ab.
Berlin, 23. Septbr. Wie nach dem „Berl. Tagebl." verlautet, soll auf Wunsch des Herrn v. Miquel die von dem früheren Minister des Innern, v. Köller, begründete Berliner Korrespondenz ein gehen.
Berlin, 23. Septbr. In der heutigen Sitzung des Central Komitees zur Unterstützung der durch das Hochwasser Beschädigten theilte der Bürgermeister Kirschner mit, daß der Oberpräsident im höheren Auftrage einen Bericht über die Thätigkeit des Komitees eingefordert habe, welcher fertiggestellt sei. Zur Disposition verbleiben noch eine Million Mark. Ein Antrag Langerhans wurde einstimmig angenommen, den Ausschuß zu ermächtigen, alsbald über den Restbetrag zu verfügen.
Berlin, 23. Septbr. Dem „Lokalanzeiger" wird aus Essen gemeldet: Der muthmaßliche Gatte der Marie Husmann, Emil Behrendt, war hier bei der Firma Bertemann & Griesbach in Stellung. Er weilte unangemeldet seit 8 Tagen in Lüttich. Behördlicherseits hält man an der Annahme fest, daß Emil Behrendt mit dem Plan umging, Fabrikgeheimnisse des Krupp'schen Werkes zu erforschen. Die Familie Husmann gibt nunmehr die Möglichkeit einer Mystifikation zu, ist aber entrüstet über den Ton des Schreibens der Marie Husmann an das Aachener Tageblatt, das unwahre Thatsachen enthalte. Inzwischen ist festgestellt, daß die Husaren-Estaffetten 5 M. pro Botengang, den sie für den angeblichen Erzherzog leisteten, erhielten. Die Uniform, in der dieser sich zeigte, war eine phantastische, nach Art einer Schützenkönigstracht. Die Erzherzogsgeschichte sei geschickt durchgeführte Erfindung gewesen, um dem Husmann zu imponiren.
Kiel, 23. Septbr. Die Taufe des Kreuzers 1. Klasse „Ersatz Leipzig", welcher Samstag den 25. ds. vom Stapel laufen wird, wird von der Gräfin Wilhelm Bismarck, welche zu dieser Zeit mit den übrigen eingeladenen Vertretern der Bismarckschen Familie hier eintrifft, vollzogen werden. Fürst Bismarck selbst wird nicht anwesend sein.
Wien, 23. Septbr. Die heutige erste Sitzung des Abgeordnetenhauses, welche vom Ministerpräsidenten Grafen Badeni eröffnet wurde, begann sofort mit stürmischen Szenen, da einige Abgeordnete behaupteten, daß 16 als Diener verkleidete Polizisten sich im Hause befänden und deren sofortige Entfernung verlangten. Nachdem der Sturm sich etwas gelegt hatte, wurde unter dem Protest der gejammten Linken die Wahl des Präsidiums vorgenommen und das frühere Präsidium wiedergewählt. Nach beendigter Wahl erklärte der Abgeordnete Pergelt, daß er und seine Partei die Präsidentenwahl für null und nichtig erklären, weil eine, feierliche Eröffnung des Reichsrathes, wie es die Verfassung vorschreibe, nicht stattgefunden habe. Hierüber wurde namentliche Abstimmung beantragt.
Budapest, 23. Septbr. In verschiedenen politisiert und Gesellschaftskreisen hier und in der Provinz wird eine Dankeskundgebung für den deutschen Kaiser geplant. Unter Anderem wirb projektirt, die Hauptstadt solle ein Kolostalgemälde anfertigen lasten, welches die Szene darstellt, wo der deutsche Kaiser den Trinkspruch auf Ungarn hält. Auf demselben sollen alle Personen portraitähnlich dargestellt werden.
Prag, 23. Septbr. Im Stadtrath theilte der Bürgermeister eine Beschwerde tschechischer Arbeiter aus Dresden mit, wonach diese von den deutschen Unternehmern dort massenhaft entlassen würden. Der Stadtrath beschloß, der Jungtschechenklub möge sich um Abhilfe ans Ministerium des Aeußern wenden.
Athen, 23. Septbr. Eine große Anzahl Deputtrie wird in der nächsten Kammersitzung folgenden Antrag einbringen: Die Kammer dankt den Mächten für die Mühewaltung zur Herstellung des Friedens, nimmt jedoch die festgesetzten Bedingungen nicht an, weil dieselben die Unabhängigkeit Griechenlands ansheben und bitten die Mächte, zu gestatten, daß Griechenland und die Türkei die zwischen ihnen bestehenden Differenzen selbst regeln.
Retvharik, 23. Septbr. Eine amerikanischeTor- p edoflotte wird am I. Oktober an die Küste von Florida abgehen und sich von dortnach den kubanischen Gewässern begeben*