Erstes Blatt.
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Jährlich 9 ^ MbjLhcl. 4 ^ 50 ^.
Bierteljâhrlich
3 ^M 25 ^.
Für auswärtige Momenten mit dem betreffenden Vsstauffchlag.
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Amtliches Organ für Slaöt- unö LauöKreis Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme her Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Insertions- Preis : Die Ispaüige Garmond« zeile »der deren Raum 10 A- Vie IVifpaltige Zeile 15 A- Die 2spaltige Zeil« 20 ^. Die Zspaltige Zeil« 3M Die 4spaltige Zeil« 40 ^.
Im Reklamentbeite Mt Zeile 20 A netto.
Xr. 219.
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Samstag den 18. September
1897.
„Amtliche Beilage" Nr. 64.
Amtliches.
Dicnstnachlichteu aus dem Kreise.
Zugelaufen: Ein gelber Hund mit meißem Hals, m. Geschl., ein weißer Jagdhund mit braunen Flecken, m. Geschl.
Zugeflogen: Eine Brieftaube mit Ring am rechten Fuß mit A. 8. 4. 91. gezeichnet.
Gefunden: Ein schwarzes Umhängetuch mit gelben Streifen, ein goldener Fingerring, ein Rastrmesser, eine Briefmarke (von dir Post).
Verloren: Ein Portemonnaie mit 1 Mk.
Entflogen: Zwei weiße Tauben Mohrköpfe.
Hanau den 18. September 1897.
Vermiethung der Lehrhossgebäude.
Die Wohn- und Wirthschaftsgebäude des Lehrhofes dahier nebst Hofraum und Hausgarten sollen vom 1. April 1898 ab auf zwölf Jahre anderweit öffentlich meistbietend vermiethet werden.
Termin hierzu ist auf
Dienstag den 2t. dieses Monats, vormittags 9 Uhr, an Ort und Stelle (Zimmer links im Erdgeschoß des Wohnhauses) anberaumt.
Auf angemessenes Miethgebot erfolgt der Zuschlag ohne Abhaltung eines weiteren Termins.
Hanau am 14. September 1897.
Der Königliche Domänenrath
Bell. 12776
Grundstülksverpachtung zur Sand- gcwinnung.
Von dem domänenfiskalischen Grundbesitz Karte Y Nr. 36 „am Taubenkopf", hinter dem Lehrhof dahier gelegen, sollen 8 bis 10 Hektar in einzelnen Parzellen vom 1. Januar 1898 ab auf zwölfjährige Dauer zur Sandgewinuung verpachtet werden.
Oeffentlicher Termin hierzu ist auf
Dienstag den 21. dieses Monats, vormittags von 10 Uhr ab, an Ort und Stelle anberaumt.
Zusammenkunft auf dem Lehrhofe.
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Feuilletsn.
Allerlei Gedanken.
Hanau, 18. September.
„Zieht im Herbst die Lerche fort", singt schon seit dreiviertel Stunden über meinem Zimmer eine mir leider noch unbekannte junge Dame, deren Gesicht hoffentlich schöner ist wie ihre Stimme und sie erinnert mich dadurch an eine unschöne Eigenschaft der Singvögel, die ich schon in frühester Jugend beklagen lernte. Es überkommt mich jedesmal eine nervöse Ungeduld, wenn die unbekannte Sängerin das schöne Lied nach der bekannten Regel wieder von vorne anfängt und dazu die gewiß sehr schönen Finger auf einem alten Klimperkasten herumirren läßt. Sie hat es jetzt zwanzig Mal gesungen und ich glaube, sie muß es bald können, denn mein gänzlich unmusik lischer Hund knurrt es schon längst richtig nach. Ich fange allmählich an, die Lerchen zu beneiden und mich selbst und meine lebende Umgebung zu bedauern. Aber es hilft mir nichts, denn die unbekannte Künstlerin mit den schönen Fingern und der großen Ausdauer hört noch nicht auf. Es ist schrecklich; die unbekannte Sängerinnenkehle ist verstimmt, ihr Klimperkasten ist verstimmt, sehr verstimmt und ich selbst bin jetzt auch verstimmt, schrecklich verstimmt. O, wer es der glücklichen Lerche nachmachen könnte und weit, weit fortfliegen dürfte, wo es keine Klaviere und keine singenden Nachbarinnen gibt und wo — nein, das sage ich doch nicht. Wünsche, thörichte Wünsche! werden Sie auârufen und Sie haben Recht. Es ist ja doch überall dasselbe und was würde man am Ende sehen? Ich will es Ihnen erzählen:
Rings hüllt die Welt sich ein in Nebelgrau, Ein kühler Wind streicht durch die kahlen Felder,
Auf angemessene Gebote erfolgt der Zuschlag ohne Abhaltung eines weiteren Termins.
Hanau am 14. September 1897.
Der Königliche Domänenrath
Bell. 12775
Drahtnachrichten des „Han. Anz."
Berlin, 18. Septbr. Reich skanzler Fü rst Hohenlohe wird im Laufe der nächsten Woche in Berlin zurückerwartet.
Berlin, 18. Septbr. Wie die „Staatsb.-Ztg." mit- theilt, hat gestern Abend in ihren Redaktionsräumen eine polizeiliche Durchsuchung nach dem Manuskript eines Artikels in ihrem Blatte unter der Ueberschrift: „Obev Postdirektion contra Podbielski" stattgefunden. Der Haussuchung, welche erfolglos verlief, lag ein Strafantrag der Ober-Postdirektion zu Grunde, die sich durch die Besprechung eines Angriffs gegen den neuen Staatssekretär von Podbielski wegen der von ihm angeblich geübten „Harun al Raschids- Methode beleidigt fühlie.
Hamburg, 18. Septbr. Dem „Hamb. Korresp." meldet man aus Berlin: Von einem demnächstigen Besuch des Kaisers in London sei dort nichts bekannt, ebensowenig von der Meldung der „Tribuna", daß gelegentlich der Anwesenheit des Königs von Italien in Homburg zwischen diesem und dem Großfürsten Nikolai die Modalitäten über einen Zarenbesuch in Rom verabredet worden seien.
Thorn, 18. Septbr. Die hiesige Strafkammer verhandelte gestern gegen den Reichstagsabgeordneten Karl Legien aus Hamburg wegen Beleidigung des Gendarmen Bartel. Demselben soll der Angeklagte in einer öffentlichen Versammlung, welcher der Gendarm als beaufsichtigender Beamter beiwohnte, Gesetzes-Unkenntniß und wesentliche Gesetzesübertretungen vorgeworfen haben. Die Strafkammer billigte dem Angeklagten den Schutz des § 193 des Strafgesetzbuches zu und erkannte auf Freisprechung.
Wien, 18. Septbr. Die „Neue Freie griffe" meldet aus Athen: Man nimmt hier an, daß die Gesandten der Mächte heute der griechischen Regierung das Protokoll, enthaltend die Fliedensbedingungen, zusüllen werde. Die Regierung wird daraufhin sofort die Kammer zur Beschlußfassang über die Bedingungen einberufen. Wahrscheinlich erfolgt der Zusammentritt der Kammer bereits Dienstag oder Mittwoch.
Wien, 18. Septbr. Offiziös wird die von Brüssel aus verbreitete Nachricht über eine angeblich schwere Erkrankung der Exkaiserin Charlotte von Mexiko als vollständig unbegründet bezeichnet. Dieselbe befindet sich wohl.
Budapest, 18. Septbr. Ueber das gestrige Jagd- Erg eb N l ß wird offiziös mitgelheilt, daß Kaiser Wilhelm
Verlassen, schweigsam dehnen sich die Wälder,
Vom Himmel schwand das letzte Stückchen Blau.
So leblos, ohne Frische ist die Welt,
Kein Sonnenstrahl erwärmt die öden Fluren, Der Wind verwischt des Sommers letzte Spuren, Indes der Herbst schon seinen Einzug hält
Der Herbst! Er haucht uns fremd und fröstelnd an, Nichts blieb von all' dem überreichen Leben, Nur Blatt um Blatt sieht man zur Erde schweben, Das sich am Stamme nicht mehr halten kann.
Schon sanken müde vor dem rauhen West
Vom Stengel auch die letzten späten Rosen, Schon schmückt mit bleichen, düstren Herbstzeitslosen Sich die Natur zu ihrem Todtenfest.
Die Bäume schütteln traurig sich im Wind
Urb ächzen unter seinen harten L-chlägen,
Vom Himmel fällt ein feiner, kühler Regen,
Der wie der Thränenthau zur Erde rinnt,
Auf alles Leben sinket schwer her Bann
Der melancholisch trüben Herbstestage
Und ungelöst erstirbt die letzte Frage,
Weil nichts mehr auf sie Antwort geben kann.
O ernste, mächt'ge Sprache der Natur,
Du spiegelst treulich unser Leben wieder;
Es weicht Dein Lenz dem mächtigen Gebieter
Und doch — es ist ein kurzes Scheiden nur.
Doch wenn der Mensch des Lebens Frühling sah,
Wenn seines Sommers Blumen all' verblühten,
Dann steht er kraftlos in der Stürme Wüthen
Und stille murmelt er: — Der Herbst ist da.
Brrr — wie mich friert und meine Zähne aufeinander klappern. Es rührt mich schon eiskalt an und wenn heute nicht Samstag wäre und wenn mein Hund nicht so infam knurrte und wenn ich nicht noch so Schönes und so Wichtiges zu erleben hätte und wenn das heutige Menu nicht so sehr mit meinem Geschmack harmonirte — ich würde schaudernd der Welt den Rücken kehren und in Wehmuth und sonstigen schönen Stimmungen zerfließen. Und wer ist daran Schuld?
einen Zwanzigender, einen Sechszehnender, einen Zwölfender und einen Rehbock erlegt hat. Kaiser Wilhelm hat im Ganzen 6 Hirsche und einen Rehbock erlegt. Auch hat sich Höchstver- selbe sehr günstig über die hiesigen Feste ausgesprochen und dem Erzherzog Friedrich seine Wiederkehr in sichere Aussicht gestellt.
Budapest, 18. Septbr. Der polnische sozialistische Agitator Josef Bonkowski wurde gestern hier verhaftet. Derselbe hatte bei dem jüngsten Streik auf dem Lande eine reiche agitatorische Thätigkeit entfaltet.
Rom, 18. Septbr. Die Universität Bologna hat den König Oskar von Schweden zum Ehrendoktor ernannt. Heute wird eine Deputation dem Könige das Diplom überreichen.
Rom, 18. Septbr. Die falschen Nachrichten, betreffend die M i n i st e r k r i s i s , werben auf Börsen-Manöver zurückgefüirt.
Antwerpen, 18. Septbr. Auf die Einladung der Antwerpener Gemeindebehörde zur Besichtigung des hiesigen Hafens haben folgende Persönlichkeiten ihr Erscheinen zugesagt: Die Bürgermeister der Städte Köln, Straßburg, Frankfurt a. M., Düsseldorf, Mainz, Mannheim; ferner die Präsidenten sämmtlicher Handelskammern der Rheinprovinz und Westfalen sowie der bedeutendsten Handelskammern von Bayern, Württemberg, Baden, ElsaßLothringen und Hessen. Die Feste werden vom 21. bis 23. Oktober dauern und folgendermaßen eingetheilt : Am 21. Galavorstellung im königl. Theater und Festessen im Stadthause, am 22. Besichtigung des Hafens. Das Frühstück wird an Bord des Dampfers Bremen vom Nordd. Lloyd eingenommen. Abends findet ein großes Fest statt. Am 23. ist Empfang der Gäste beim Könige in Brüssel und Besuch der dortigen Ausstellung.
Paris, 18. Septbr. Die vorläufige Belassung des französischen Botschafters Courcel auf dem Londoner Posten hängt mit den wichtigsten Afrikafragen zusammen, bezüglich deren Lora Salisbury mit Courcel wenigstens zu einem vorläufigen Beschluß kommen will.
Madrid, 18. Septbr. General Weyler telegraphirte von Kuba, er hoffe noch immer, auf der Insel innerhalb vier Monaten die Ruhe Herstellen zu können.
London, 18. Septbr. Wie die Blätter melden, findet am Sonntag ein neues großes Anarchisten Meeting statt.
Konstantinopel, 18. Septbr. In der nächsten Woche werden fast sämmtliche Botschafter abreisen.
New-Pork, 18. Septbr. Aus Mexiko wird gemeldet, daß gestern ein Volkshause ins Gefängniß drang und das Individuum, welches das Attentat gegen den Präsidenten Diaz verübte, lynchte. Die Polizei nahm 20 Verhaftungen vor.
— Der Knabe, der das Alphorn blies —, nein, meine Nachbarin, die das Lied von den fortziehenden Lerchen übt, trägt die Schuld daran. Das fehlte noch, daß die auch noch das Alphorn bließe! Meine Nerven haben so schon so sehr gelitten und wenn einem der Pessimismus meuchlings überfällt und einem seine Krallen in's Fleisch hackt und einem nicht eher los läßt, bis man ein grabesdüsteres Poem von sich gegeben hat, dann hat man wahrhaftig nichts zu lachen, selbst wenn ein Dutzend leibhaftiger Tilsiter Nachtwächter mit ihren neu verliehenen Schlachtschwertern einen Kriegstanz mit Fanfarenbegleitung aufführen würden. Doch am Ende wäre das gar nicht einmal so sehr zum Lachen und der kriegerische Geist der Tilsiter Nachtwächter erschiene schließlich als etwas ganz Berechtigtes. „Das Alte stürzt, es ändern sich die Zeiten", und wer weiß, ob die braven Hüter der nächtlichen Sicherheit nicht erfolgreicher mit ihren Mordwaffen wachen als die friedlichen Nachtwächter eines bekannten Städtchens mit ihren harmlosen Knüppeln. Ich habe es erfahren als noch der Uebermuth der Flegeljahre zu nächtlichen Zeiten in meinem Kopf spukte und ich erinnere mich mit Stolz, daß ich aus manchem erbitterten Kampfe mit diesen friedlichen Nachtgeistern siegreich hervorgegangen bin. Es wird mich übrigens nicht wundern, wenn in Zukunft bei besonderen Anlässen die Nachtwächtcr einen eigenen Parademarsch liefern. Imposant wäre es aus jeden Fall und amüsant nicht weniger.
Gott sei Dank, jetzt hört endlich meine gefühlvolle Nachbarin auf, die Lerchen fortziehen zu lassen. Sie scheint es jetzt zu können, worüber ich eine außerordentliche Freude empfinde. Und merkwürdig, jetzt, wo die Lerchen glücklich fort sind, kehrt meine fröhliche Stimmung wieder und ich sühle mich bereits disponirt, meine Sünde von vorhin wieder einigermaßen gut zu machen. Ob mir's wohl gelingt?
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