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Nr. 218.
Amtliches.
^anö&retip ^anau.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtcs.
Unter Hinweis auf die in Nr. 222 des „Hanauer Anzeiger" von 1895 ergangene Bekanntmachung vom 20. September 1895 bezüglich der Ausfälle an Einkommen- und Ergänzungssteuer im Struerjahre veranlasse ich die Herren Bürger« elfter nnd Gutsoorsteher, die erforderlich werdenden Aussalllisten in doppelter Ausfertigung nebst Unterlagen am Schluffe dieses Monats der Königlichen Kreiskasse einzureichen.
Hanau am 15. September 1897.
Der Vorsitzende
der Einkommensteuer-Veranlagungskommission für den Landkreis Hanau.
J. St. 2244. v. Schenck, Landrath.
Dielistilachrichten aus dem Kreise.
Gefunden in Niederdorfelden: Ein Beilpickel, eine Pferdedecke und ein Verstellbreit (Schutzbrett); Empfangnahme bei den Ackerleuten ad 1 bei Philipp Küchler, ad 2 bei Heinrich Holhorst, ad 3 bei Heinrich Knöll dortselbst. — Ein goldener Fingerring. Zwei Briefmarken (von der Post). Im Main geländet: ein s. g. Waschpritsche; Empfangnahme beim Badeaufseher Kaiser in Klein-Steinheim. Ein Vergrößerungsglas.
Entflogen; Drei junge Tauben; dem Wiederbringer eine Belohnung.
Entlaufen; Ein gelber Spitz, m. Geschl.
Verloren: Eine vergoldete Damen-Uhrkette.
Vom Wasenmeister eingefangen: Ein kleiner weißer Hund mit gelben Abzeichen, m. Geschl. Ein schwarzer Spitz, w. Geschl.
Zugelaufen; Ein weißer Jagdhund mit großen braunen Flecken, m. Geschl.
Hanau den 17. September 1897.
Der Friede.
Ein Rückblick auf die griechisch-türkischen Wirren.
Da es als zweifellos anzusehen ist, daß die griechische
Kammer den von den Mächten festgestellten Friedensentwurf genehmigen wird, weil durch die lange Zeit der Noth der griechische Hochmuth denn doch gehörig gedämpft worden ist, so kann man nun endlich von dem Frieden zwischen Griechenland und der Türkei als von einer Thatsache sprechen.
Sieht man sich an, wie einfach und eigentlich selbstverständlich die Friedensbedingungen sind, so muß man sich fragen,
Fenilletsn.
König und Dichter.
Ein Skizzenblatt zum 25. Regierungsjubiläum König Oskars II. von Schweden und Norwegen, 18. September.
Von Klaus Hennings.
(Nachdruck verboten.)
In der Familie Bernadotte wohnt eine reiche künstlerische Begabung. Drei Enkel des alten Marschalls, der den Thron der Wasa bestieg, haben sich auf dem Felde der Kunst rühmlich ausgezeichnet; König Karl XV. zeigte als Dichter, Maler und Musiker ein ungewöhnliches Talent, Prinz Gustav machte sich als Komponist einschmeichelnder Weisen bekannt, von denen manch' eine auch in deutschen Konzertsälen oft genug erklungen ist, und der Jüngste von den Dreien, König Oskar II., wird als Dichter viel gefeiert.
Ist er wirllich ein Dichter? Was bei gewöhnlichen Sterblichen als ein hübsches Talent freundlich anerkannt wird, das wird bei einem Fürsten leicht zu einer tiefen Be gabung aufgebauscht. Aber König Oskar besitzt echte dichterische Gaben. Er besitzt, was nach Goethe den Dichter ausmacht: ein volles, einer Empfindung volles Herz; er ver fügt über eine Form von hohem Schwung und gewinnender Frische und aus all' seinen Dichtungen spricht eine vornehme, hochsinnige und lebensvolle Persönlichkeit. Will man aber die Physiognomie dieser Persönlichkeit genauer erkennen, so muß man auf König Oskar's Heimath und Beruf zurück- gehen. Das Vaterland und die See — das sind die beiden Leitmotive und Grundelemente seiner Dichtungen.
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Die Bernadotte's haben von Hause aus mit der See nichts zu thun. und wenn schon Karl Johann seinen Sohn,
Freitag den 17. September
wie es nur möglich sein konnte, daß nach der Einstellung der Feindseligkeiten mehr als ein Vierteljahr vergehen konnte, ehe man sich über die Friedensbedingungen einigte. Wenn Griechenland durch die lange Zeit, in der weder Krieg noch Frieden herrschte, beinahe ebenso gelitten hat, wie durch den Krieg selbst, so mag es sich dafür bei England bedanken, das, indem cs anscheinend zu Gunsten Griechenlands eintrat, thatsächlich diesem unglücklichen Staate schadete. Hier aber ist freilich dem Unrecht die Strafe auf dem Fuße gefolgt, denn das Ergebniß der Verhandlungen bedeutet eine erhebliche Niederlage Englands.
Um so ehrenvoller ist Deutschland aus der Regelung dieser Angelegenheit hervorgegangen, da die deutsche Auffassung vollständig gesiegt hat. Es wird in wenigen Wochen ein Jahr her sein, seit die Franzosen, hingerissen von dem angeblichen Erfolge des Zarentesuches in Paris, darüber« triumphirten, daß Deutschland nunmehr in den Hintergrund geschoben worden sei und daß der Zweibund all in über die Geschicke Europas zu bestimmen habe. Der Verlauf der griechisch-türkischen Angelegenheit dürfte den Franzosen und den sonstigen Feinden und Neidern Deutschlands den Beweis ge- liesert haben, daß Deutschland denn doch noch ein gewaltiges Gewicht in die Waagschale zu werfen hat. Deutschland drängt sich nicht vor, aber es läßt sich auch nicht zurückdrängen. Und wenn es, wie bisher stets und wie auch in diesem Falle das Gewicht seines Ansehens für die Sache des Rechts und der Billigkeit einsetzt, dann wird der Erfolg auch nicht ausbleiben, und er wird wirken zur Ehre von Deutschlands Stellung und zum Segen für die anderen Völker.
Auch diesmal hat Deutschlands Stellungnahme zum Segen für die betheiligten Nationen gewirkt. Das wird man vielleicht in nicht zu ferner Zeit auch in Griechenland anerkennen, wo man jetzt Deutschland als einen Feind ansehen zu müssen glaubt. Denn gerade die von Deutschland so entschieden verlangte europäische Kontrole über einen Theil der griechischen Finanzwirthschaft kann für Griechenland zum Segen ausschlagen. Das von der Natur begünstigte Land wäre niemals zu einem solchen entsetzlichen wirtschaftlichen und finanziellen Zustand gelangt, wenn nicht der künstlich großgezogene Größenwahn des Volkes und die Untreue der höheren Beamten Verwirrung in die Politik und die Finanzen gebracht hätte. Wenn jetzt ein erheblicher Theil griechischer Finanzwirthschaft europäischer Kontrole unterstehen wird, so wird schon dadurch die Möglichkeit, das Geld in thörichten Abenteuern zu vergeuden, sehr eingeschränkt. Und es wird ferner wenigstens bei diesem Theile der Finanzen die Raubsucht der griechischen Beamten ausgeschlossen. Und es mag wohl sein, daß die Ordnung, die nunmehr in einem Theile der griechischen Finanzen hergestellt wird, vorbildlich wird und daß es den Beamten, selbst wenn sie anch weiter nach der früheren Methode wirthschaften möchten, zur Unmöglichkeit gemacht
den späteren König Oskar I., als Seeoffizier einstlllte, so war das doch nicht viel mehr als eine offizielle Rücksicht und ein engeres Band hat den königlichen Seemann nie mit dem Meere und der Flotte verknüpft. Ganz anders stand es um Oskar II., der gleichfalls als Seemann erzogen wurde. Er hat eine fast leidenschaftliche Vorliebe für seinen Beruf gefaßt. Daß er sich der technischen Ausgaben der Kriegsmarine ganz lemeistert hat, beweisen seine sorgfältigen, ebenso sehr durch die Anschaulichkeit, wie die Besonnenheit der Darstellung anziehenden Abhandlungen über die Seeschlachten bei Eckernförde und bei Lissa. Aber darüber hinaus hat es ihm das Seemannsleben überhaupt angethan — das Seemannsleben so frisch und kühn,
Wenn Lenzwind furchet die Fluthen,
Wenn wechseln die Wogen in Blau und Grün,
Und glitzern in Sonnengluthen!
Der Brandung Schaum ist wie Flocken von Schnee, Wenn die Wogen umtosen die Scheeren.
Die See — die ewig gewaltige See; sie wurde so der erste und oberste Gegenstand seiner Poesien. Er liebt sie, wenn „aschgrau der Meerjungfrau Wangen", und wenn im Nebel die Klippen sich verbergen, und wenn sie hoch aufrauscht unter den Feuer speienden brüllenden Schlachtriesen. Er wird nicht müde, Bilder von seiner theuren See, der blauen Ostsee insbesondere, zu zeichnen, milde und wilde Bilder, wie er sie aus seinen alljährlichen Seefahrten, die er 1888 sogar zu einer großen Mittelmeerreise ausdehnte, beobachtet hat. Und das beste Zeichen dafür, wie lies er sich in die Seele der uralten Thalatta hineingelebt hat, ist der Umstand, daß es aus seinen eigenen Gedichten rauscht wie Seewind, braust wie Wogensang. Frisch, wie jener köstliche kräftige Athem des großen Wassers, weht es uns jedesmal aus diesen Liedern an, wenn sie von ihr singen, der
freien, der stolzen, der brausenden Fluth, O Meer in leuchtender Schöne!
1897.
wird, das Volk zu bestehlen, weil dieses es nunmehr vor sich sieht, wie gewirthschaftet werden muß.
Wird so für Griechenland eine Zeit zwar der nothwendigen Einschränkung, aber doch eine Zeit der Sammlung und Ruhe eintreten, so können auch die Mächte damit zufrieden sein, daß wenigstens auf einem Theile der Balkanhalbinsel die Ruhe hergestellt ist. Freilich tritt damit für die europäische Diplomatie noch lange nicht eine Zeit absoluter Ferien ' ein. Denn kaum ist die Sorge wegen der griechisch-türkischen I Wirren beseitigt, so macht sich die Nothwendigkeit fühlbar, die , kretensische Angelegenheit endlich zur Ordnung zu bringen. 1 Auch hier wird die absolute Einigkeit der Großmächte noth- ' wendig sein, wenn geordnete Zustände geschaffen werden sollen. ; Wenn wir hoffen, daß die Regelung dieser Angelegenheit nicht so lange dauern wird, als die Herstellung des Friedens zwischen Griechenland und der Türkei, so geschieht dies in der Erwartung, daß die Engländer sich die Blamage, die sie sich eben zugezogen haben, zu Herzen nehmen werden und nicht ; wieder in der kretensischen Angelegenheit auf jede mögliche ■ Weise die Herstellung befriedigender Zustände zu hemmen suchen werden.
Tagesschau.
Von der Marine. Laut telegraphischer Meldung an das Ober-Kommando der Marine ist S. M. S. „Loreley", Kommandant Kapitän Lieutenant von Krosigk, am 15. September in Konstantinopel angekommen; S. M. S. „Zieten", Kommandant Korvetten-Kapitän Neitzke, ist am 15. Septbr. in South Queensferry eingetroffen und beabsichtigt am 20. Seplbr. wieder in See zu gehen; S. M. S. „Arcona", Kommandant Kapitän zur See Becker, beabsichtigt am 19. Septbr. von Yokohama nach Kobe in See zu gehen.
Vom Weltfeiertag. In Hamburg hat eine sozialdemokratische Versammlung fast einstimmig den Antrag angenommen, der Parteitag möge die Forderung einer allgemeinen Arbeitsruhe am 1. Mai fallen lassen.
Vom indischen Kriegsschauplätze. Die neuesten Telegramme vom Kriegsschauplätze an der indischen Grenze verursachen in London ernste Sorgen. Während bisher nur Punkte gefallen waren, die mittelbar von England gehalten oder beschützt wurden, wurden nunmehr die ersten von eng- schen eingeborenen Truppen besetzten Posten durch die aufsässigen Grenzstämme mit großer Uebermacht angegriffen. Ein ! bestens vertheidigter Punkt wurde nach tapferster Gegenwehr überwältigt. Die Ursache des englischen Mißgeschicks liegt in der Stockung des Bahnverkehrs.
Politische und unpolitische Nachrichten (Depeschen-Bur eau „Herold.")
Berlin, 16. Septbr. Das Staatsmini st erium trat heute Nachmittag 2 Uhr in seinem Dienstgebäude unter
Aber König Oskar's Verhältniß zur See beschränkt sich nicht nur auf das Verständniß ihrer Schönheit; der Geist der See lebt in ihm und seinen Werken. Die See macht frei; sie weitet den Blick, reinigt die Seele und festigt den Charakter. Das sind denn auch bestimmende Züge in der Persönlichkeit des skandinavischen Fürsten, wie sie uns neben seinen Gedichten auch seine sehr interessanten Reden zeigen. König Oskar kennt keine Sentimentalität und eine frische frohe Seeschlacht freut sein Seemannsherz; aber wiederum hat er es einmal im Jahre 1865 als einen Beweis der Unvollkommenheit der Aufklärung bezeichnet, „daß der Krieg von dem Zeitalter, das vor allem anderen sich das der Bildung und der Freiheit nennt, nicht verbannt ist." Auf Thronen gedeihen leicht Vorurtheile I König Oskar dankt es dem frischen Seewinde, daß er mit offenen Augen in des Lebens Werth und Unwerth Hineinblickt. Er ist ein moderner Mensch insofern, als er sich rückhaltlos ans den Boden der Entwickelung stellt; er ist aber als Dichter insofern nicht modern, als er an realistischen Schilderungen kein Interesse nimmt. Es ist eine seltene Ausnahme, wenn er in einem Gedichte auf den lieblichen dänischen Badeort Marienlyst das Badelkben in munteren, zuweilen leicht ironisch gefärbten Bildern schildert. Im allgemeinen kennzeichnet Schwung und Pathos seine Poesie. Und das ist echt schwedisch. Diese stolze tönende Sprache mit ihren tiefen Akkorden — sie fordert zum rauschenden Pathos, zum begeisterten Sange heraus; und ruht der Dichter mitten in seinem Heldenliede einmal bei einer Idylle oder in tiefem Sinnen aus, so gibt das nur eine um so wirksamere Folie für die Grundfarbe.
Ja, der Enkel Bernadotte's ist als Poet ein echter Schwede. Er ist es auch sonst. Wie er sein Vaterland, die ,,Heldenseelen-Amme", .seine theure Mutter Svea, wo der Sommer so kurz und schön ist, liebt 1 Wohl weiß er und erkennt er an, daß das rein Menschliche über das Vater-